Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Umwelt

Bewohner und Forscher entwickeln Ideen für ein grüneres Ihme-Zentrum

Ein Wochenende lang haben Bewohnerschaft, Forschende und Interessierte bei dem Event  „Grüne Stadt“ gemeinsam Ideen entwickelt, wie das Ihme-Zentrum ökologisch nachhaltiger werden kann. Zu den Ideen gehörten Kinderspielplätze, Projekte für eine bessere Versickerung des Wassers, Dachgärten oder auch bepflanzte Fassaden. Am Sonntag kamen alle Teilnehmenden in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum zusammen, um die Ergebnisse zu sammeln.

Vorab stellten Expertinnen die Konzepte integrative Stadtteilgärten, Permakultur und kreative Brauchflächenentwicklung vor. Im anschließenden Workshop entwickelten Bewohner, Interessierte und Forscher gemeinsam Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers. Die Ergebnisse werden demnächst auf dieser Website präsentiert.

Danke an der Stelle auch an die Verwaltung des Ihme-Zentrums, die die Aktionen auf den verschiedenen Plätzen im Quartier erlaubte und sich sehr interessiert zeigte an den Ideen. Das Team will die Konzepte zeitnah überreichen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. „Grüne“ war eine Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen waren Hannover VOIDS, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz, Universität und Transition Town Hannover.

Wie Permakultur die Revitalisierung des Ihme-Zentrums unterstützen kann

Wie kann aus einem kaputten System eine gesunde und nachhaltige Kreislaufwirtschaft werden? Permakultur zeigt, wie innovativ und erfolgreich ganzheitliches Denken im Gartenbau und in der Landwirtschaft wirkt. Und das Konzept ist auch auf die Stadtentwicklung übertragbar: Die Wissenschaftlerin und Permakultur-Expertin Sonja Lepper erklärt im Interview, warum dieser Ansatz so wichtig für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist und wie zum Beispiel das Ihme-Zentrum davon profitieren könnte.

Zum Einstieg: Was ist Permakultur?
Permakultur (engl. permanent [agri]culture) ist eine ökologisch, sozial und ökonomisch robuste Planungsstrategie, deren Schwerpunkt auf komplexen, sich selbst erhaltenden Landnutzungssystemen liegt. Permakultur erschafft bewusst gestaltete Landschaften, die die Muster und Zusammenhänge der Natur nachahmen und gleichzeitig eine Fülle von Nahrungsmitteln, nachwachsenden Roh­stof­fen und Energie liefern. Ursprünglich von permanent agriculture abgeleitet, wurde sie als permanent culture neu definiert, weil sie sich zunehmend auch mit gesellschaftlichen Fragestellungen (Soziale Permakultur) befasst.

Was ist das Besondere an der Permakultur?
Permakultur ist prozessorientiert (im Gegensatz zu zielorientiert) und versucht, Selbstorganisation zu implementieren, statt sich auf vordefinierte Pfade zu konzentrieren. Permakultur versucht, durch genaue Beobachtung und Reflexion von Prozessen in natür­lichen Ökosystemen zu einem ganzheitlichen Systemverständnis zu kommen. Als Richtschnur für den Pla­nungs­prozess wurden sogenannte Gestaltungsprinzipien entwickelt. Diese Prinzipien können innerhalb eines methodisch ausgestalteten Planungsprozesses angewendet werden. Als holistischer Ansatz kann Permakultur auch auf andere kom­ple­xe Planungsprozesse innerhalb einer nachhaltigen gesell­schaftlichen Entwicklung übertragen werden.

Viele der ehemaligen Höfe im Ihme-Zentrum liegen brach. Wo früher Kinder spielten nagt jetzt nur noch das Wetter an der Bausubstanz.

Und warum ist Permakultur wichtig für eine grüne Stadtentwicklung?
Städte lassen sich wie Ökosysteme als komplexe Systeme beschreiben. Sie bestehen aus vielen Elementen, die miteinander auf häufig nicht sichtbare Weise wechselwirken. Ihre Dynamik lässt sich nicht immer vorhersagen, und bisweilen lassen sich überraschende Entwicklungen erst im Anschluss an die Beobachtung beschreiben. Für eben solche Systeme bietet die Permakultur Werkzeuge und Methoden des planerischen Umgangs. Förderung von Selbstorganisation dient dabei dem Aufzeigen von Partizipationsmöglichkeiten, und das Schließen von Kreisläufen wirkt dem Ressourcenverbrauch entgegen, um nur zwei Beispiele für die Anwendung von Permakultur zu nennen.

Gibt es bekannte Beispiele von Gärten / Landwirtschaft aus dem Bereich Permakultur?
Eines der derzeit bekanntesten Beispiele ist die Farm Bec Hellouin in der Normandie, die schon in unterschiedlichen medialen Auftritten sowie durch verschiedene ökonomische und ökologische Studien die Vorzüge der Permakultur in einem landwirtschaftlichen Kontext aufgezeigt hat.
Auch in Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Permakultur-Praxisorten, an denen die Anwendung von Permakultur praktisch erfahrbar wird. Oft sind es landwirtschaftliche Betriebe oder Selbstversorgerhöfe (z.B. Hof Luna im Leinebergland, Permakultur-Hof Stein-Häger in der Uckermark), da Permakultur aus dem Wunsch eine nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln, entstanden ist. Doch auch größere Gemeinschaften wie die Ökodörfer Sieben Linden und Schloss Tempelhof bieten ebenso Anschauungsbeispiele wie Gemeinschaftsgartenprojekte (z.B. Peace of Land in Berlin).
Die wohl bekannteste Anwendung der Permakultur in Städten ist die Transition Town Initiative, die vom Permakultur Designer Rob Hopkins ins Leben gerufen wurde und weltweit Projekte unterstützt, die gesellschaftlichen Wandel zu mehr lokaler Resilienz fördern.

In den Küchengärten Linden im Ihme-Zentrum zeigt Transition Town bereits, wie aus einer Brachfläche ein toller Garten werden kann.

Inwieweit lässt sich die Idee von Permakultur auf weitere Bereiche wie z.B. die Stadtentwicklung übertragen?
Auch wenn Permakultur aus der Anwendung auf (Agrar-)Ökosysteme entstanden ist, kann sie als Planungswerkzeug in allen Bereichen angewendet werden, in denen Planung eine Rolle spielt, so eben auch in der Stadtentwicklung. Auch um dies zu verdeutlichen, gibt es in diesem Sommersemester an der TU Braunschweig eine gemeinsame Lehrveranstaltung des Instituts für Geoökologie und des Instituts für Nachhaltigen Städtebau, in der eine gemischte Studierendengruppe die Permakultur als Werkzeug für interdisziplinäres Arbeiten in der Stadtplanung einsetzen wird.

Im Ihme-Zentrum stehen rund 100.00 Quadratmeter leer, und viele Dächer, ehemalige Gärten und Hofbereiche liegen brach. Welchen Beitrag könnte ein Permakultur-Garten bei einer kreativen und nachhaltigen Transformation leisten?
Mit Hilfe der Permakultur kann für die Entwicklung der Flächen im Ihme-Zentrum ein Konzept entwickelt werden, das häufig gemachte Planungsfehler vermeidet, während gleichzeitig die Methoden der Permakultur vielfach aus dem Design kommen und so kreative Lösungen fördern.
Ein wichtiger Faktor ist sicherlich, dass die Permakultur über den Garten hinausschaut und Begrenzungen und Ressourcen, die von außerhalb kommen oder durch soziale Gefüge entstehen, in den Planungsprozess einbezieht. Vor allem in einer problembehafteten Situation, wie sie im Ihme-Zentrum vorherrscht, ist das absolut notwendig.
Unabhängig von der Permakultur schafft ein Garten Verwurzelung, bei Pflanzen wie bei den Gärtner*innen. Einen Garten anzulegen fördert die Identifizierung mit dem Objekt und ist obendrein ein großer Gewinn für die Stadt-Ökologie.

Sonja Lepper von der TU Braunschweig

Sonja Lepper hält am Sonntag, 15. April, einen Vortrag über Permakultur und nachhaltige (Stadt-)Entwicklung im Rahmen des Events „Grüne Stadt“ in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Es gibt weitere Impulsvorträge zu kreativer Brachflächenentwicklung und Gärten als soziale Räume. Im Anschluss werden in Workshops Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers gesammelt und erarbeitet. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen sind Himmelbeet, Hannover Voids, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz Universität, Transition Town Hannover sowie h1.


Was: „Grüne Stadt“ – Vorträge und Workshop
Wann: Sonntag, 15. April, 15 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt frei

 

Juli 2017 – Die Woche im Ihme-Zentrum

Workshops, Performancen, Vorträge – es war eine spannende und vielseitige erste Juli-Woche im Ihme-Zentrum. Die Zukunftswerkstatt wird als soziokulturelles Nachbarschaftszentrum gut angenommen. So zeigten Architektur-Studierende der Leibniz Universität Hannover am Dienstag Ideen für eine Revitalisierung des Quartiers.

Am Mittwoch kamen Expertinnen und Experten aus dem ganzen Land auf Einladung des Bundesministeriums für Umwelt und Bau, dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumplanung und der Hamburger Agentur Urbanista  ins Ihme-Zentrum, um die Stadt von übermorgen zu denken. Auch Constantin Alexander wurde wegen seiner Arbeit im und für das Ihme-Zentrum eingeladen.

Am Donnerstag verwaltenden Studierende der Hochschule Hannover (Fakultät 3) die Zukunftswerkstatt in ein Theater und sorgten für einen sehr großen Andrang.

Der schlafende Riese wacht langsam auf. Wir freuen uns!

 

Mai 2017 – Der Umbau der Zukunftswerkstatt ist fertig

Knapp zwei Wochen vor der Eröffnung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ist der Umbau des neuen Nachbarschafts- und Kulturzentrums nahezu fertig. Im Interview erklärt Thomas Wolters, was genau gebastelt werden musste, was in Zukunft in den Räumen passiert und welche Vision der Geschäftsführer des Ökobaumarktes Umbau für das Ihme-Zentrum hat.

Du baust derzeit die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum um. Was ist alles schon geschehen und was habt ihr noch vor?
In den Räumlichkeiten sind zunächst umfangreiche Abbrucharbeiten vorgenommen worden. So wurden z.B. drei Wände entfernt, um einen großen Veranstaltungsraum zu schaffen. Unsere Arbeit bestand vor allem darin, einen neuen Fußboden einzubauen. Hierfür mussten wir erst den Untergrund aufwendig vorbereiten, d.h. die Risse im alten Estrich schließen und danach den Boden auf ca. 230m² vollflächig spachteln. Hierzu wurde eine zementäre Spachtelmasse 3-5mm dick aufgetragen. Diese Spachtelmasse war nötig, um einen glatten Untergrund für das Linoleum zu schaffen.

Welche Baumaterialien habt ihr dafür verwendet?
Wir hatten uns für diesen Bodenbelag entschieden, weil er zu 95 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, sehr robust und leicht zu pflegen ist. Es gibt kaum einen ökologischeren Baustoff. Die, leider sehr hässliche, Decke im großen Raum konnten wir aus technischen Gründen nicht entfernen. Vielleicht bauen wir das aber noch um. Dennoch war es möglich, die Decke „aufzuhübschen“, inden wir sie mit einer ökologischen Farbe übergestrichen haben. Diese Farbe wird auch ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und hat dennoch ein hohes Deckungsvermögen. Zum Schluß haben wir noch Sockelleisten aus Massivholz montiert.

Du bist selbst mal Mieter im Ihme-Zentrum gewesen, könntest du dir vorstellen, wieder einzuziehen?
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, wieder im Ihmezentrum zu wohnen, und auch meinen Laden sehe ich eigentlich perfekt positioniert im Ihme-Zentrum.

Hast du eine Vision vom Ihme-Zentrum 2025?
Meine Vision für das Ihmezentrum 2025  ist zweigeteilt: Meine große Hoffnung und auch mein Wunsch wäre es, dass die Politik sich endlich bewegen würde um eine durchgreifende Sanierung des Ihme-Zentrums zu ermöglichen. Dann könnte aus dem Ihme-Zentrum eine grüne Stadt in der Stadt werden, an einem der begehrtesten Standorte der Stadt. Die zweite, nicht so positive, Vision ist, dass bis 2025 noch nicht so viel passiert ist. Ist ja nicht mehr so lange bis dahin, und man weiß ja wie lange politische Entscheidungen brauchen. Naja, aber dann gehen meine Wünsche für das Ihme-Zentrum eben erst 2030 oder 2035 in Erfüllung.

Thomas Wolters ist Geschäftsführer vom Ökobaumarkt Umbau und Mitglied im Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Mai 2017 – Die Schwalben kehren zurück ins Ihme-Zentrum

Mehlschwalben leben im Ihme-Zentrum. Das ist ein gutes Zeichen. (Fotos: Uwe Vahldieck)

Im vergangenen Jahr brachte der BUND im Ihme-Zentrum Nisthilfen für die gefährdete Vogelart Mehlschwalben an. Auch im zweiten Jahr sind die Tiere zurückgekehrt, die Kolonie entwickelt sich sehr gut, erklärt Uwe Vahldieck vom BUND im Interview.

Herr Vahldieck, 2016 haben Sie im Ihme-Zentrum Brutkästen für die vom Aussterben bedrohten Mehlschwalben im Ihme-Zentrum angebracht. Wie hat sich das Ganze seitdem entwickelt?
Das erste Jahr war für den Anfang sehr gut. In einer Nisthilfe fand eine Brut statt, und in vier weiteren konnte ich Ein- und Ausflüge von Mehlschwalben in Nisthilfen beobachten. Das Annehmen von Kunstnestern durch Mehlschwalben ist normalerweise problematisch: Sie kennen keine Kunstnester. Darum war es sehr wichtig das die Schwalben die Nisthilfen gleich wahrgenommen und gebrütet haben.

Hatten die Tiere denn Schwierigkeiten?
Die Kolonie war einem Nesträuberangriff ausgesetzt. Alle 23 besetzten Naturnester wurden bis auf ein Nest und das Kunstnest zerstört. Es flogen keine Schwalben mehr am Ihme-Zentrum, und ich ging davon aus das es die Kolonie nicht mehr existiert. Jedoch kamen einige wieder, bauten Nester und brüteten erfolgreich.

Die Brutkästen und ihre Anbringung hat der BUND Region Hannover komplett selbst organisiert.

Sie haben erzählt, dass die Tiere in diesem Jahr zurückgekehrt sind. Wie geht es nun weiter?
Ich glaube und hoffe, dass wir die Nisthilfen zum richtigen Zeitpunkt angebracht haben. Denn wenn die Nesträuber einmal Erfolg hatten, kommen sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wieder. In den Nisthilfen sind die Tiere aber sicher.

Ist es aus Ihrer Sicht etwas Besonderes, dass sich die Mehlschwalben ausgerechnet das Ihme-Zentrum als Heimat ausgesucht haben?
Vielleicht ist diese Geschichte aus dem vergangenen Jahr und die weitere Entwicklung der Kolonie ein gutes Zeichen für das Ihme-Zentrum. Denn die Schwalben geben nicht auf!

Mehr Informationen zu den Nestern findet sich auf der Website des BUND Region Hannover.

März 2017 – Bund gibt 2 Millionen für bessere Wege im Zentrum

Copyright: Gerd Runge

Bessere Wege durchs Zentrum – davon profitiert die ganze Stadt.

Das Bundesministerium für Bau hat das Ihme-Zentrum als ein „Nationales Projekte des Städtebaus“ anerkannt und fördert nun die Entwicklung des Quartiers. Wie die HAZ berichtet werden 2 Millionen Euro für eine bessere Durchwegung bereit gestellt und dabei explizit das Engagement der Bürger im Zentrum gewürdigt. „Die monumentale Großstruktur des Ihme-Zentrums gehört zu den Hinterlassenschaften des Städtebaus der 1960er- und 70er-Jahre“, so das Ministerium in der Pressemitteilung. „Die Erdgeschosszonen erhalten eine Durchwegung und damit eine Durchlässigkeit zum Fluss Ihme.“

„Das ist ein gutes Zeichen – für das Ihme-Zentrum, aber auch für die gesamte Stadt“, so der Vorstandsvorsitzender des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Constantin Alexander. „Jetzt kommt es darauf an, dass der Großeigentümer Intown die Sanierung dieses Bereiches kurzfristig voranbringt und die Stadt das Thema Bürgerbeteiligung ernster nimmt und dabei mit den Bewohnern und dem Verein zusammenarbeitet.“ Sowohl die Verwaltung als auch die Ratsmehrheit haben gerade einen Antrag der Zukunftswerkstatt auf Förderung einer Bürgerbeteiligung beim Ihme-Zentrum abgelehnt. „Dass die Stadt den Antrag bei dem Bundesministerium gestellt hat, ist jedoch sehr positiv“, so Constantin Alexander. „Wenn nun die Bedürfnisse und Interessen der Menschen vor Ort beim Umbau der Durchwegung beachtet werden, dann profitiert ganz Hannover.“

Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat im vergangenen Jahr ein Konzept vorgestellt, wie das Ihme-Zentrum besser ins Umfeld integriert wird. Eine bessere Durchwegung ist dabei ein elementarer Aspekt.

Januar 2017 – Das Ihme-Zentrum als Teil einer besseren Verkehrsinfrastruktur

Foto: @kommyt

Foto: @kommyt

Das Ihme-Zentrum wirkt für viele wie eine verschlossene Burg. Mehr Verbindungen zum Umfeld und angenehmere Wege durch das Quartier für Fußgänger und Fahrradfahrer würden die Lebensqualität für alle verbessern. Welche Ideen es für eine bessere Verkehrsinfrastruktur gibt, erklärt Oliver Thiele vom Aktionsbündnis Platzda! im Interview.

Ihr engagiert euch für eine nachhaltige Verkehrsführung in Linden und der gesamten Stadt. Welche Rolle spielt das Ihme-Zentrum für eine bessere Infrastruktur?
Die hohe Bebauungsdichte und die ursprünglich gemischte Nutzung bot den Bewohnern die Chance, sich zu Fuß fortzubewegen. Die Wege im funktionierenden Ihme-Zentrum waren kurz. Die Bewohner sollten zukünftig ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln, Medikamente, Besuchen von Bekannten, Arztterminen usw. zum Teil wieder innerhalb des Ihme-Zentrums decken können. Diese Form von Erreichbarkeit der infrastrukturellen Einrichtungen auch im umliegenden Stadtteil Linden ist aus unserer Sicht nachhaltiger Verkehr; weniger Verkehrslärm schont die Nerven und weniger Abgase die Gesundheit.
Die ungenutzten Tiefgaragen könnten als Stadtteilgaragen dienen. Das gewonnene Mehr an Raum durch weniger abgestellte Fahrzeuge würde die Möglichkeit bieten, breitere Fuß- und Radwege in Linden anzulegen. Fahren mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad, begegnen wir uns häufiger auf Augenhöhe im Stadtteil, sind entspannter und kommen ins Gespräch, was für den Zusammenhalt einer (Stadtteil-)Gemeinschaft eine hohe Bedeutung hat. Über Venedig, die Stadt der Fußgänger, wird gesagt, eine Verspätung von einer Viertelstunde ist allgemein akzeptiert, da die Menschen auf ihrem Weg zu einem Termin immer einen oder mehrere Bekannte treffen und sich unterhalten. Was für ein schöner Gedanke.

Copyright: Gerd Runge

Am Küchengarten und an der Gartenallee bieten sich gute Möglichkeiten für mehr Verbindung zum Umfeld. Idee: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Wie ließe sich der Radverkehr im Ihme-Zentrum und seiner Umgebung aus deiner Sicht verbessern?
Durch die zentrale Lage des Ihme-Zentrums haben die Bewohner unter gewissen Voraussetzungen die Gelegenheit, das Fahrrad häufiger zu nutzen und ihre Wege in Linden und der Stadt bequem per Rad zurückzulegen. Sichere und gut beleuchtete Fahrradabstellplätze, die in unmittelbarer Nähe der Aufzüge oder Treppenanlagen liegen, und natürlich gut ausgebaute Radwege dorthin sind einige dieser Voraussetzungen. Ein wieder erstarkendes Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen im Ihme-Zentrum und dem Stadtteil, das leider in den letzten Jahren verloren gegangen ist, könnte die Folge sein.
Die Durchquerung bzw. die Wege entlang des Ihme-Zentrums sind wichtige Punkte zur Verbesserung des Radverkehrs im und am Quartier. Die dunkle, schmuddelige Passage von der Blumenauer Straße, die an der Brücke hinüber zum Peter-Fechter-Ufer mündet, müsste gerader geführt und besser beleuchtet werden. Zudem wäre eine eindeutige Trennung zwischen Fußgängern und Radfahrern mit rot eingefärbten Radweg und baulicher Trennung durch Poller o. ä. wünschenswert, um Konflikte und Unfälle zu vermeiden. Der Weg nach Linden mit dem Rad, aus der Passage kommend, in die Gartenallee hinein fahrend, sollte direkt und mit einer eigenen Grünphase für Radfahrer diagonal über die Kreuzung auf einen Radweg in der Gartenallee möglich sein. Auch Abstellplätze oder -boxen für Lastenräder von Lindenern, die in der Nähe wohnen, wären denkbar.

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Angenehme und barrierefreie Durchgänge im Ihme-Zentrum für mehr Lebensqualität für die Bewohner und alle in der Stadt. Eine Idee des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Hast du eine Vision vom Ihme-Zentrum und dem Stadtteil für 2030?
Die völlig überdimensionierte und beileibe nicht hoch frequentierte Blumenauer Straße ist zurück gebaut, die Parkplätze sind verschwunden. Stattdessen führt ein breiter, grüner Boulevard, vergleichbar einer spanischen Rambla, auf der Linden zugewandten Seite entlang des Ihme-Zentrums. Der Großeigentümer hat das Buch „Städte für Menschen“ von Jan Gehl gelesen und verstanden, dass gut funktionierende Einkaufsstraßen eine kleinteilige Struktur brauchen. Daher befinden sich im Erdgeschoss des Ihme-Zentrums kleine Geschäfte, die sich in ihrem Angebot ergänzen, Cafés und städtische Einrichtungen wie ein Seniorentreff, eine Polizeiwache, ein Kindergarten usw. Auf der anderen Seite schwimmen Pontons auf der Ihme, die ein Fluss-Schwimmbecken mit Rutschen und Sprungtürmen umrahmen. Ruderboote und Kajaks liegen an Stegen und Ruheorte für alle Bewohner der Stadt oberhalb des Ufers laden zum Verweilen und Zuschauen ein. Eine Vision halt, aber was wären wir ohne sie?

Am 9. Februar um 18.30h lädt die Platzda!-Initiative ins Lindener Rathaus zur Infoveranstaltung „Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?“. Die Initiative betreibt außerdem derzeit ein Crowdfunding auf Hannovermachen: https://projekte.hannovermachen.de/invest/platzda.

Oliver Thiele

Oliver Thiele wohnt seit 25 Jahren in Linden, ist Architekt und hat drei Kinder. Vor gut einem Jahr hat er die PlatzDa!-Initiative ins Leben gerufen. Mehr Infos: http://www.hannovercyclechic.wordpress.com

November 2016 – „Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen“

 

Mehr Transparenz, mehr Beteiligung, eine bessere Kommunikation und ein Konzept abseits von 0815-Einkaufszentren – so könnte eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums gelingen. Das ist eines der Ergebnisse von Catharina Hagemann, die das Viertel in ihrer Uni-Abschlussarbeit untersucht hat. Für sie ist das Quartier ein Möglichkeitsraum mit viel Potenzial.

Du hast deine Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Was hast du genau untersucht?
Ich habe mich in meiner Arbeit mit dem Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung beschäftigt und geprüft, inwieweit mit Hilfe dieses Leitbildes ein Revitalisierungskonzept für das Ihme-Zentrum aufgestellt werden kann. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema und besonders bei Projekten, bei deren Planung der Nachhaltigkeitsaspekt noch keine große Rolle gespielt hat, wie damals beim Ihme-Zentrum, finde ich es spannend, diese auf ein modernes Leitbild zu übertragen.

Wie bist du genau vorgegangen?
Ich habe mich zuerst mit dem theoretischen Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung auseinandergesetzt und Ziele rausgearbeitet, die mit einem Revitalisierungskonzept erreicht werden müssen. Hier handelte es sich sowohl um wirtschaftliche, aber auch ökologische, soziale und kulturelle Ziele. Mit Hilfe von Experteninterviews konnte ich dann ein Konzept erarbeiten, das zeigt, wie eine nachhaltige Revitalisierung aussehen könnte.

Und welches Ergebnis hast du erarbeitet?
Beim Ihme-Zentrum gibt es sehr großen Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen. Vieles ist in der Vergangenheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert, sodass sich Gerüchte und Vorurteile gebildet haben. Hier wäre zunächst einmal Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit von Seiten der Verantwortlichen wie Eigentümer und Verwaltung wichtig, um die Meinung der Hannoveraner zum Ihme-Zentrum zu verbessern und die aktuelle Situation zu verstehen. Des Weiteren müssen sich die Wohneigentümer und der Großeigentümer einig werden, um gemeinsam Veränderungen möglich zu machen. Aber auch nutzungsstrukturelle und bauliche Maßnahmen sind nötig, um die alten, nicht mehr zeitgenössischen Strukturen aufzubrechen. Ich denke nicht, dass Linden an dieser Stelle ein riesiges 0815-Einkaufszentrum braucht.

 

Gibt es denn Alternativen?
Ja, es herrscht eine ganz besondere kreativwirtschaftliche Lokalökonomie, die genutzt werden kann, um das Ihme-Zentrum modern und zukunftsweisend zu revitalisieren. Dabei sind kleinteilige Strukturen und die Förderung von Start-ups besonders wichtig. Die Nähe zum Wasser bietet viel Potenzial für eine Renaturierung und Naherholung, wie es auf der anderen Flussseite bei der Glocksee bereits der Fall ist. Das Ihme-Zentrum bietet unglaublich viel Potenzial, es müssen nur Mittel und Wege gefunden werden, diese zu nutzen.

Was findest du interessant an dem Quartier?
Mit seiner Größe und Bauweise ist es so innenstadtnah in Hannover einfach einzigartig. Ich wohne selbst in unmittelbarer Nähe des Ihme-Zentrums, sodass ich es ständig im Blick habe. Es ist ein Stück Heimat, und ich freue mich immer, wenn ich es nach längerer Abwesenheit wieder vor Augen habe. Das ursprüngliche Konzept „Stadt in der Stadt“ mit der angedachten Nutzungsmischung finde ich spannend. Die Idee, innerhalb eines Quartiers zu wohnen, zu arbeiten, sich zu versorgen und seine Freizeit zu gestalten ist sehr zukunftsweisend und so ist es umso trauriger zu sehen, dass es hier aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Gerade weil es so viel Potenzial gibt. Wenn ich mir vorstelle, was im Ihme-Zentrum alles möglich wäre, habe ich direkt Lust, mitzuarbeiten und ein neues, modernes Ihme-Zentrum mit aufzubauen und so geht es vielen. Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen.

Hast du eine Vision, wie ein nachhaltiges und kreatives Ihme-Zentrum 2030 aussehen könnte?
Es wäre bunt, voller Menschen aller Nationalitäten, jeden Alters, aller Lebensformen, die man sich vorstellen kann. Es gäbe ein durchmischtes, kleinteiliges Angebot an Geschäften und Kultur- und Bildungseinrichtungen. Die Fassaden könnten neu bemalt und alles grün und naturnah gestaltet werden. Es sollte ein Ort werden, an dem viele verschiedene Interessen zusammenkommen und umgesetzt werden können. Ich habe dabei kein genaues Bild vor Augen, das sollten wir alle zusammen gestalten.

Catharina Hagemann

Catharina Hagemann hat Kultur-und Sozialgeographie an der Leibniz Universität Hannover studiert und ihre Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Sie ist Mitglied im Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum wohnt seit 2009 in Hannover.

Mai 2016 – Das Ihmezentrum im Fernsehen

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Der NDR hat einen kleinen Bericht über die aktuellen Ereignisse im Ihmezentrum gemacht. Zu Wort kommen neben Bewohnerin Karin Menges und Initator der Kampagne „Das Ihmezentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“ auch der Verwalter des Quartiers, Torsten Jaskulski. Der Beitrag zeigt: Es bewegt sich einiges im Zentrum. Lass uns gemeinsam weiter daran arbeiten. 🙂

Hier findet ihr den Bericht in der NDR Mediathek.

Mai 2016 – Ein neuer Trailer zur Doku „Traum Ruine Zukunft“

Seit Mai 2015 drehen Filmemacher und Medienwissenschaftler Hendrik Millauer und Nachhaltigkeitsberater und Initiator des Vereins Zukunftswerkstatt Ihmezentrum Constantin Alexander eine Dokumentation über das Ihmezentrum. Es geht um die bewegende Geschichte des Quartiers und die Möglichkeiten einer nachhaltigen und kreativen Transformation.

Die Veröffentlichung ist für Spätsommer 2016 geplant.