Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: transformation

Forschung zum Ihme-Zentrum ausgezeichnet

Foto: Sabina Rilling

Constantin Alexander wurde am Mittwoch in Wiesbaden für seine Forschung zum Ihme-Zentrum ausgezeichnet. Beim sogenannten Future Slam im nahezu ausverkauften Hessischen Landesmuseum gewann er mit dem Vortrag „Die nachhaltige Disruption“ den ersten Platz. Das Event mit dem Titel „Bilder der Zukunft“ war der Auftakt der See Conference zur Visualisierung von Informationen.

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Warum das Ihme-Zentrum ein Ort für Innovation und Nachbarschaft ist

Mit ihrem Innovationsfonds fördert das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover neue Projekte aus Hannover. Auch #ihmezentrum2025 erhält eine Unterstützung aus diesen Mitteln. Im Interview erklärt Bernd Jacobs vom Kulturbüro, warum Möglichkeitsräume wichtig sind und wie das Thema Nachbarschaft innovativ neu gedacht werden kann. Am 21. April ist er mit beim Event „Stadt als Möglichkeitsraum“ in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Am 21. April gibt es im Ihme-Zentrum die Veranstaltung „Stadt als Möglichkeitsraum“ mit der Leuphana Universität Lüneburg. Wie würdest du einen Möglichkeitsraum beschreiben und hast du Beispiele dafür in Hannover?
Kurz gesagt ist für mich ein Möglichkeitsraum, wo man sich mit wenig Vorgaben mit Ideen, Visionen und Utopien austoben kann. Dort besteht die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten an der Umsetzung dieser Ideen zu arbeiten. Mit dem Platzprojekt hat sich ein solcher Ort in Hannover bereits entwickelt. Dort kann man in Gemeinschaft, aber auch alleine Möglichkeitsträume gestalten.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der #ihmezentrum2025 Reihe statt, die durch den Innovationsfonds des Kulturbüros gefördert wird. Was genau ist das Ziel des Innovationsfonds und wie wirken die Projekte in der Stadt?
Mit dem Innovationsfonds für Kunst und Kultur sollen neue Impulse für die Kulturlandschaft Hannovers und besonders ideenreiche, interdisziplinäre Projekte gefördert werden. Dadurch wird ein Beitrag zur innovationsfreundlichen Entwicklung der Kunst und Kulturlandschaft der Landeshauptstadt geleistet.
Dabei ist es der Jury besonders wichtig, dass insbesondere junge Erwachsene und Migranten angesprochen werden. Durch die drei Förderschwerpunkte First Steps – Junge Hunde, Get Together und Long Life – wird u.a. sichergestellt, dass unterschiedlichste Partner innovative interdisziplinäre Projektideen entwickeln.
Gerade unter der Überschrift Möglichkeitsräume sind bzw. werden viele Projekte gefördert. Der Open Space (OSCO) auf dem Platzprojekt als nicht kuratierter Kunst und Kulturraum ist ein gutes Beispiel dafür. Ein weiteres ist das Projekt upgration vom Cameo Kollektiv, dass einen mit der Plattform einen virtuellen Möglichkeitsraum entwickelt.

Hannover will 2025 Europäische Kulturhauptstadt werden. Welche Rolle siehst du da für Möglichkeitsräume? Und wie unterstützt ihr mit dem Bereich Junge Kultur die Entwicklung dieser Orte?
Junge Kultur setzt auf eine Ermöglichungs- und Anerkennungskultur für junge kreative Menschen in Hannover. Gerade mit diesem offenen partizipativen Ansatz kann Junge Kultur neue und spannende Ideen für die Kulturhauptstadt Bewerbung generieren. Wenn ich mir die geförderten Projekte aus dem Innovationsfonds Kunst und Kultur 2018 ansehe, dann können mehr als die Hälfte mit dem Arbeitstitel der Kulturhauptstadtbewerbung Nachbarschaft in Verbindung gebracht werden. Also scheint Nachbarschaft neu interpretiert und gedacht ein relevantes Thema zu sein und wir werden über unsere Netzwerke und PartnerInnen viele Impulse in Richtung Kulturhauptstadtbüro geben können. Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum arbeitet ja eigentlich auch mit dem Thema Nachbarschaft auf unterschiedlichen Ebenen.

Bernd Jacobs leitet den Bereich Junge Kultur im Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover. Angedockt an das Kulturbüro ist das Sachgebiet Junge Kultur spartenübergreifend Ansprechpartner für die Zielgruppe der 20- bis 35-jährigen Kunst- und Kulturschaffenden. Ziel ist, junge kreative Menschen an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft zu unterstützen und zusammenzubringen und deren Projekte, auch finanziell, zu fördern. Dazu gehört es, eine tragfähige Netzwerk- und Infrastruktur aufzubauen und eine Anerkennungs- und Ermöglichungskultur für neue, interdisziplinäre, innovative Ideen zu entwickeln.

Bei der Veranstaltung „Stadt als Möglichkeitsraum“ am 21. April der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (Ihmeplatz 7e) wird es neben Vorträgen konkrete Workshops geben sowie der Film „Hanother“ gezeigt. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Das Forschungsprojekt „Stadt als Möglichkeitsraum“ wurde gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft.

Was: „Stadt als Möglichkeitsraum“, Vorträge, Workshop, Filmvorführung.
Wann: 21. April, 14 bis 18 Uhr
Wie viel: Eintritt frei
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e, 30449 Hannover

„Das Ihme-Zentrum ist ein Möglichkeitsraum“

Wie funktioniert kreative und nachhaltige Stadtentwicklung? Ein Forscherteam der Leuphana Universität Lüneburg hat in den vergangenen Jahren untersucht, welche Möglichkeitsräume es in Hannover gibt. Am 21. April präsentieren sie ihre Ergebnisse im Ihme-Zentrum. Im Interview erklärt Professor Volker Kirchberg, was Visionen und Utopien ausmacht und warum die Entwicklung des Ihme-Zentrums eine Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus hätte.

Was ist ein Möglichkeitsraum genau?
Möglichkeitsräume werden auch als Freiräume, Intentional Communities, Experimentierräume oder Heterotopien bezeichnet. Es sind physische, aber auch soziale und mentale Räume, in denen gewünschte Zukunftsentwicklungen für die Stadt angedacht und/ oder angelegt werden. Sie erlauben verschiedenen Grade der Entfaltung und können dabei offen und geschlossen sein: Offen, weil sie im Austausch mit der Gesellschaft stehen, geschlossen, weil sie um den experimentellen Prozess einen geschützten Raum bilden können.
Diese Räume sind Orte der utopischen Praxis, insbesondere „Räume der Hoffnung“ (so der Geograph David Harvey) oder „Reale Utopien“ (so der Soziologe Erik Olin Wright). Gerade dieser letzte Begriff hat es uns angetan, nachdem wir uns solche Orte in Hannover angesehen haben. Dabei ist „Ort“ begrifflich sehr flexibel zu verstehen, denn Orte der utopischen Praxis sind auch Initiativen, Projekte und Kampagnen, deren Wirkung man nicht auf einen bestimmten geografischen Ort begrenzen kann.
Diese Möglichkeitsräume oder Orte der realen Utopie experimentieren mal mehr und mal weniger radikal mit Modellen einer positiven (also nachhaltigen) Stadtentwicklung, die mit ihrer Wirkung auf städtische Teilgebiete oder auch auf die Stadt als Ganzes ausstrahlen sollen, von kleinen Schritten der Veränderung einer unmittelbaren Nachbarschaft bis hin zur sozialen Transformation der ganzen Gesellschaft.
Eine „reale Utopie“ zeichnet sich dabei aus durch Antworten auf drei Fragen: „Was wird gewünscht?“, „Was ist machbar?“ und „Was ist umsetzbar?“. Es gibt entsprechend der Antworten auf diese Fragen also drei Typen „realer Utopien“, je nachdem wie weit sich das Utopische oder Visionäre vom Möglichen unterscheidet. Das illustriere ich im Workshop mit acht Beispielen aus Hannover.

 

Ihr habt in den vergangenen Jahren untersucht, welche Möglichkeitsräume in Hannover es gibt. Was habt ihr herausgefunden?
Es führt an dieser Stelle zu weit, alle Ergebnisse in ihrer interdisziplinären Diversität hier aufzuführen. Die Breite und Tiefe der Ergebnisse umfasst zum Beispiel die künstlerischen Initiativen, die vorbildhaft eher als „Möglichkeitsinitiativen“ und „Möglichkeitsaktionen“ denn als „Möglichkeitsräume“ agieren; dazu kann Sacha Kagans Film „HANOTHER“ Auskunft geben, den wir ja auch zeigen werden. Oder unsere Analyse der Akteure einer nachhaltigen Stadtentwicklung Hannovers als „Change Agents“, denn sie nutzen und schaffen durch ihre vernetzten Aktivitäten konkrete Impulse für die nachhaltige Stadtentwicklung. Sie stoßen durch ihre kreative Praxis auch neue Formen der Kommunikation zwischen Einrichtungen der Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und den Initiativen, Gruppen und Projekten der lokalen Zivilgesellschaft an.
Die Analyse der Vernetzung und der Kommunikation zwischen diesen unterschiedlichen Akteuren und Einrichtungen ergibt spannende Ergebnisse zu den Übersetzungen zwischen Zivilgesellschaft und Staat und zwischen „Mind Set“ (= Imagination der Welt, wie sie uns umgibt/ wie sie sein sollte) und „Work Set“ (= tatsächliche Handlungsmuster und -grenzen beim Versuch der Umsetzung einer nachhaltigen Stadtwelt). Die Imagination des (scheinbar) Möglichen und (scheinbar) Unmöglichen in der Stadt(teil)entwicklung und im Stadt(teil)leben hat sich zu einem zentralen Gegenstand unserer Forschung kristallisiert, zum Beispiel auch bei der Erforschung des kreativen Schreibprojektes „Linden Fiction 2050“.
Was bewerten die Akteure in Hannover als möglich, was wird darüber hinaus als Vision in Betracht gezogen, und was wird vielleicht gar nicht mehr weitergedacht, weil es als zu „utopisch“ den Bereich des „Realen“ verlässt? Oder gibt es eine Angst vor einer dystopischen Zukunft, die uns die Fähigkeit zum besseren Umgestalten nimmt? Dies sind allerdings Fragen, die nicht alle auf einem Workshop behandelt werden können: Deshalb gibt es ja mehrere Veranstaltungen zum Projekt und auch eine Buchveröffentlichung, die für das Ende des Jahres geplant ist.

In eurer Arbeit ist das Ihme-Zentrum als ein Möglichkeitsraum gekennzeichnet. Warum, was macht diesen Ort aus für euch?
Das Ihme-Zentrum ist eines der acht Beispiele für eine „Reale Utopie“. Ich will hier nicht zu viel vorwegnehmen, aber es ist deshalb so interessant, weil es in seinen visionären Möglichkeiten nicht nur sehr groß ist, sondern weil es als Modell einer nachhaltigen Stadtentwicklung auf ganz Hannover austrahlen könnte – also mehr bewirken könnte als viele der kleineren realen Utopien. Über diese „Utopie“ im spezifischen Sinne – und deren Wirkung – möchte ich gerne in dem Workshop diskutieren – auch und gerade in Kontrast zu und Reflektion mit einem anderen Projekt, das Hannover als „Stadt als Möglichkeitsraum“ präsentiert, nämlich zum Stadtentwicklungskonzept „Mein Hannover 2030“ – und den auch visionären Potenzialen dieser höchst offiziellen Stadtkampagne.

Volker Kirchberg ist Professor für Soziologie der Künste an der Leuphana Universität Lüneburg.

Volker Kirchberg und weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen am 21. April ihre Forschung zu „Stadt als Möglichkeitsraum“ in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (Ihmeplatz 7e) vor. Neben Vorträgen wird es konkrete Workshops geben sowie der Film „Hanother“ gezeigt. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Das Forschungsprojekt „Stadt als Möglichkeitsraum“ wurde gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft.

Was: „Stadt als Möglichkeitsraum“, Vorträge, Workshop, Filmvorführung.
Wann: 21. April, 14 bis 18 Uhr
Wie viel: Eintritt frei
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e, 30449 Hannover

Bewohner und Forscher entwickeln Ideen für ein grüneres Ihme-Zentrum

Ein Wochenende lang haben Bewohnerschaft, Forschende und Interessierte bei dem Event  „Grüne Stadt“ gemeinsam Ideen entwickelt, wie das Ihme-Zentrum ökologisch nachhaltiger werden kann. Zu den Ideen gehörten Kinderspielplätze, Projekte für eine bessere Versickerung des Wassers, Dachgärten oder auch bepflanzte Fassaden. Am Sonntag kamen alle Teilnehmenden in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum zusammen, um die Ergebnisse zu sammeln.

Vorab stellten Expertinnen die Konzepte integrative Stadtteilgärten, Permakultur und kreative Brauchflächenentwicklung vor. Im anschließenden Workshop entwickelten Bewohner, Interessierte und Forscher gemeinsam Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers. Die Ergebnisse werden demnächst auf dieser Website präsentiert.

Danke an der Stelle auch an die Verwaltung des Ihme-Zentrums, die die Aktionen auf den verschiedenen Plätzen im Quartier erlaubte und sich sehr interessiert zeigte an den Ideen. Das Team will die Konzepte zeitnah überreichen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. „Grüne“ war eine Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen waren Hannover VOIDS, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz, Universität und Transition Town Hannover.

Wie Permakultur die Revitalisierung des Ihme-Zentrums unterstützen kann

Wie kann aus einem kaputten System eine gesunde und nachhaltige Kreislaufwirtschaft werden? Permakultur zeigt, wie innovativ und erfolgreich ganzheitliches Denken im Gartenbau und in der Landwirtschaft wirkt. Und das Konzept ist auch auf die Stadtentwicklung übertragbar: Die Wissenschaftlerin und Permakultur-Expertin Sonja Lepper erklärt im Interview, warum dieser Ansatz so wichtig für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist und wie zum Beispiel das Ihme-Zentrum davon profitieren könnte.

Zum Einstieg: Was ist Permakultur?
Permakultur (engl. permanent [agri]culture) ist eine ökologisch, sozial und ökonomisch robuste Planungsstrategie, deren Schwerpunkt auf komplexen, sich selbst erhaltenden Landnutzungssystemen liegt. Permakultur erschafft bewusst gestaltete Landschaften, die die Muster und Zusammenhänge der Natur nachahmen und gleichzeitig eine Fülle von Nahrungsmitteln, nachwachsenden Roh­stof­fen und Energie liefern. Ursprünglich von permanent agriculture abgeleitet, wurde sie als permanent culture neu definiert, weil sie sich zunehmend auch mit gesellschaftlichen Fragestellungen (Soziale Permakultur) befasst.

Was ist das Besondere an der Permakultur?
Permakultur ist prozessorientiert (im Gegensatz zu zielorientiert) und versucht, Selbstorganisation zu implementieren, statt sich auf vordefinierte Pfade zu konzentrieren. Permakultur versucht, durch genaue Beobachtung und Reflexion von Prozessen in natür­lichen Ökosystemen zu einem ganzheitlichen Systemverständnis zu kommen. Als Richtschnur für den Pla­nungs­prozess wurden sogenannte Gestaltungsprinzipien entwickelt. Diese Prinzipien können innerhalb eines methodisch ausgestalteten Planungsprozesses angewendet werden. Als holistischer Ansatz kann Permakultur auch auf andere kom­ple­xe Planungsprozesse innerhalb einer nachhaltigen gesell­schaftlichen Entwicklung übertragen werden.

Viele der ehemaligen Höfe im Ihme-Zentrum liegen brach. Wo früher Kinder spielten nagt jetzt nur noch das Wetter an der Bausubstanz.

Und warum ist Permakultur wichtig für eine grüne Stadtentwicklung?
Städte lassen sich wie Ökosysteme als komplexe Systeme beschreiben. Sie bestehen aus vielen Elementen, die miteinander auf häufig nicht sichtbare Weise wechselwirken. Ihre Dynamik lässt sich nicht immer vorhersagen, und bisweilen lassen sich überraschende Entwicklungen erst im Anschluss an die Beobachtung beschreiben. Für eben solche Systeme bietet die Permakultur Werkzeuge und Methoden des planerischen Umgangs. Förderung von Selbstorganisation dient dabei dem Aufzeigen von Partizipationsmöglichkeiten, und das Schließen von Kreisläufen wirkt dem Ressourcenverbrauch entgegen, um nur zwei Beispiele für die Anwendung von Permakultur zu nennen.

Gibt es bekannte Beispiele von Gärten / Landwirtschaft aus dem Bereich Permakultur?
Eines der derzeit bekanntesten Beispiele ist die Farm Bec Hellouin in der Normandie, die schon in unterschiedlichen medialen Auftritten sowie durch verschiedene ökonomische und ökologische Studien die Vorzüge der Permakultur in einem landwirtschaftlichen Kontext aufgezeigt hat.
Auch in Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Permakultur-Praxisorten, an denen die Anwendung von Permakultur praktisch erfahrbar wird. Oft sind es landwirtschaftliche Betriebe oder Selbstversorgerhöfe (z.B. Hof Luna im Leinebergland, Permakultur-Hof Stein-Häger in der Uckermark), da Permakultur aus dem Wunsch eine nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln, entstanden ist. Doch auch größere Gemeinschaften wie die Ökodörfer Sieben Linden und Schloss Tempelhof bieten ebenso Anschauungsbeispiele wie Gemeinschaftsgartenprojekte (z.B. Peace of Land in Berlin).
Die wohl bekannteste Anwendung der Permakultur in Städten ist die Transition Town Initiative, die vom Permakultur Designer Rob Hopkins ins Leben gerufen wurde und weltweit Projekte unterstützt, die gesellschaftlichen Wandel zu mehr lokaler Resilienz fördern.

In den Küchengärten Linden im Ihme-Zentrum zeigt Transition Town bereits, wie aus einer Brachfläche ein toller Garten werden kann.

Inwieweit lässt sich die Idee von Permakultur auf weitere Bereiche wie z.B. die Stadtentwicklung übertragen?
Auch wenn Permakultur aus der Anwendung auf (Agrar-)Ökosysteme entstanden ist, kann sie als Planungswerkzeug in allen Bereichen angewendet werden, in denen Planung eine Rolle spielt, so eben auch in der Stadtentwicklung. Auch um dies zu verdeutlichen, gibt es in diesem Sommersemester an der TU Braunschweig eine gemeinsame Lehrveranstaltung des Instituts für Geoökologie und des Instituts für Nachhaltigen Städtebau, in der eine gemischte Studierendengruppe die Permakultur als Werkzeug für interdisziplinäres Arbeiten in der Stadtplanung einsetzen wird.

Im Ihme-Zentrum stehen rund 100.00 Quadratmeter leer, und viele Dächer, ehemalige Gärten und Hofbereiche liegen brach. Welchen Beitrag könnte ein Permakultur-Garten bei einer kreativen und nachhaltigen Transformation leisten?
Mit Hilfe der Permakultur kann für die Entwicklung der Flächen im Ihme-Zentrum ein Konzept entwickelt werden, das häufig gemachte Planungsfehler vermeidet, während gleichzeitig die Methoden der Permakultur vielfach aus dem Design kommen und so kreative Lösungen fördern.
Ein wichtiger Faktor ist sicherlich, dass die Permakultur über den Garten hinausschaut und Begrenzungen und Ressourcen, die von außerhalb kommen oder durch soziale Gefüge entstehen, in den Planungsprozess einbezieht. Vor allem in einer problembehafteten Situation, wie sie im Ihme-Zentrum vorherrscht, ist das absolut notwendig.
Unabhängig von der Permakultur schafft ein Garten Verwurzelung, bei Pflanzen wie bei den Gärtner*innen. Einen Garten anzulegen fördert die Identifizierung mit dem Objekt und ist obendrein ein großer Gewinn für die Stadt-Ökologie.

Sonja Lepper von der TU Braunschweig

Sonja Lepper hält am Sonntag, 15. April, einen Vortrag über Permakultur und nachhaltige (Stadt-)Entwicklung im Rahmen des Events „Grüne Stadt“ in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Es gibt weitere Impulsvorträge zu kreativer Brachflächenentwicklung und Gärten als soziale Räume. Im Anschluss werden in Workshops Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers gesammelt und erarbeitet. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen sind Himmelbeet, Hannover Voids, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz Universität, Transition Town Hannover sowie h1.


Was: „Grüne Stadt“ – Vorträge und Workshop
Wann: Sonntag, 15. April, 15 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt frei

 

„Großbauten sollten eine Chance bekommen, weitergedacht zu werden“

Dank des Brutalismus‘-Revivals werden immer mehr Großbauten wie das Ihme-Zentrum positiver wahr genommen. Mit ihrem Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ haben die Architekturexpertinnen, Stadtplanerinnen und Forscherinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku eine wundervolle und detaillierte Hommage zu den Großbauten geschaffen. Am 4. April stellen sie ihre Forschung in einem bebilderten Vortrag im Ihme-Zentrum vor. Warum die Kolosse eine bessere Behandlung verdienen und wie schon mit wenig Pflege große Erfolge erzielt werden könnten, erklären sie im Interview.

Was habt ihr genau untersucht und wie?
In der Studie „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ haben wir zehn Großbauten der 1960er-/1970er-Jahre in Nordrhein-Westfalen angeschaut, die in der Diskussion standen oder stehen. Verwaltungsbauten und Hochschulen waren ebenso dabei, wie Wohnkomplexe und Multifunktionsanlagen. Wir haben uns zunächst mit den Themen in den aktuellen öffentlichen Debatten zum Umgang mit diesen Riesen beschäftigt – das Spektrum reicht von komplettem Abbruch über den z.T. weitreichenden Umbau bis hin zum Denkmalschutz. Daneben haben wir historische Planungsunterlagen ausgewertet, und in der Gegenüberstellung der ursprünglichen Konzepte im stadträumlichen Kontext mit den heutigen Anforderungen und Situationen ergaben sich jenseits der großen Bauvolumen und Maßstabssprünge neue Perspektiven auf die vielfach überformten oder vergessenen konzeptionellen Qualitäten der Objekte. Unsere Untersuchung wurde um einen neuen Blick „auf Augenhöhe“ des Fotografen Ben Kuhlmann mit sehr schönen Bildern ergänzt.

An die Studie knüpfte im Herbst 2017 dann die dezentrale Veranstaltungsreihe „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ an, die in Kooperation mit den örtlichen Volkshochschulen durchgeführt wurde. In Aachen, Bochum, Bonn, Essen, Dortmund, Duisburg, Köln und Marl wurden die Besonderheiten des jeweiligen Bauwerks dann im Maßstab 1:1 nachvollziehbar: Die Objekte wurden im Rahmen von Abendveranstaltungen besichtigt und mit unterschiedlichen Akteuren öffentlich und aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert.

Yasemin Uktu (links) und Alexandra Apfelbaum forschen zu architektonischen Großbauten und deren Potenzial.

Wo kommt aus eurer Sicht die Skepsis in Deutschlang gegenüber Großbauten her?
Eine wichtige Erkenntnis der Studie war, dass in den meisten Fällen der bauliche Zustand der Gebäude der Hauptgrund für eine negative Wahrnehmung ist, also überfällige Instandsetzungen, Sanierungen oder einfach ein fehlender neuer Anstrich. Hinzu kommen vielfach bauliche Veränderungen oder vermeintliche Anpassungen, die sich nicht bewährt haben und inzwischen auch schon in die Jahre gekommen sind. Wenn die Bauten und Anlagen dann auch noch eine bestimmte Größe bzw. Ausdehnung aufweisen, gepaart mit einer nicht mehr zeitgemäßen Nutzung, dann sind mit den Instandhaltungs- oder Sanierungskosten sowie Nutzungsanpassungen für diese Riesen große Herausforderungen verbunden und die sogenannte Abwärtsspirale beginnt. Ein weiterer Faktor in der Negativwahrnehmung ist die städtebauliche Verzahnung der Objekte mit ihrem jeweiligen Umfeld. Hier sind es meist die Veränderungen im öffentlichen Raum sowie insbesondere die mangelnde Pflege der Freiflächen.

Ändert sich das Bewusstsein und könnten diese Riesen irgendwann so beliebt werden wie Altbauten?
Es gibt zumindest ein wachsendes Interesse an Großbauten aus der Zeit der 1960er- und 1970er-Jahre; das ist deutlich spürbar. Vielleicht trägt die Welle der Brutalismus-Begeisterung ihren Teil dazu bei, aber vermutlich werden sie nie mit Altbauten vergleichbar sein. Das ist ja sogar gut so. Es wäre wichtig, dass sie irgendwann in und mit ihrer eigenen Qualität geschätzt und verehrt werden.
Genau wie bei den Altbauten werden nicht alle der Riesen aus der Nachkriegszeit erhalten bleiben, aber neben ihrem baukulturellen Wert sind es immerhin auch gebaute Ressourcen, die eine Chance haben sollten, weitergedacht zu werden. Ob in ihrer ursprünglichen oder in einer neuen Funktion. Da lässt beispielsweise das aktuelle Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum für einige Objekte neue Perspektiven aufblitzen.
Bemerkenswert ist ja auch das ungebrochene Interesse an Großbauten, vielleicht lässt sich auch daran anknüpfen – mit der Hoffnung, alte Fehler nicht zu wiederholen.

Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellen ihre Arbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ am 4. April in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum vor. Der bebilderte Vortrag beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Weitere Kooperationspartner bei der Veranstaltung sind der Verein zur Förderung der Baukunst in Niedersachsen und h1.

Was: Bebilderter Vortrag „Mit den Riesen auf Augenhöhe“
Wann: Mittwoch, 4. April, um 19 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt frei

Mit dem Ihme-Zentrum und weiteren Riesen auf Augenhöhe

Warum sind Großbauten wie das Ihme-Zentrum so faszinierend? Die Architekturexpertinnen und Wissenschaftlerinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku Großbauten haben mit ihrem Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ Großkomplexe der 1960er und 1970er Jahre in Deutschland analysiert und portraitiert. Am 4. April kommen sie mit einem Fotovortrag in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Viele dieser Gebäude stehen seit Jahren in der Diskussion, zum Teil waren oder sind sie sogar vom Abriss bedroht. Diese Bauten prägen noch heute die Stadtstruktur vieler Städte und stehen für eine euphorische Phase in Stadtplanung und Bauwesen.

In einem Vortrag zeigen Apfelbaum und Utku die Qualitäten dieser Gebäude und wie sich deren Wahrnehmung wandelt. So wie bei Das Ihme-Zentrum in der Landeshauptstadt Hannover.

Als Einführung sprechen Prof. Ekkehard Bollmann (BDA Niedersachsen -Bund Deutscher Architekten Landesverband Niedersachsen-) und Prof. Wilhelm Meyer Grußworte.

4. April: „Mit den Riesen auf Augenhöhe“
19 bis ca. 22 Uhr, Eintritt frei
Vortrag der Architektinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku über Großwohnsiedlungen wie das Ihme-Zentrum

Die Veranstaltung findet im Rahmen von #ihmezentrum2025 statt. Die Reihe beschäftigt sich mit Zukunftsszenarien für das umstrittenste Quartier Hannovers und wird gefördert vom Innovationsfonds des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover. Weitere Partner bei dieser Veranstaltung sind der Verein zur Förderung der Baukunst und der Bürgersender h1.

Hier die zugehörige Event-Seite bei Facebook

„Eine nachhaltige Transformation des Ihme-Zentrums ist möglich“

Wie gelingt eine nachhaltige und kreative Transformation des Ihme-Zentrums: Henrike Aue hat das in ihrer Uni-Abschlussarbeit untersucht und eindeutige Ergebnisse gefunden: Es ist möglich, das Quartier positiv zu entwickeln. Welche Ansätze es gibt und wie der Wandel gelingen könnte erklärt sie im Interview.

Du hast deine Abschlussarbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Was genau hast du untersucht?
Ich habe untersucht, inwieweit sich der Ansatz der nachhaltigen Stadtquartiersentwicklung auf den multifunktionalen Gebäudekomplex Ihme-Zentrum anwenden lässt und inwiefern dadurch eine nachhaltige Transformation und Revitalisierung des Ihme-Zentrums möglich ist.
Im Zuge der Arbeit habe ich Experteninterviews mit betroffenen Akteuren geführt, um einen multiperspektivischen Einblick in die Stärken und Schwächen des Ihme-Zentrums und die Chancen und Risiken hinsichtlich einer nachhaltigen Revitalisierung zu erlangen. Mein Ziel war es, mögliche Handlungsoptionen herauszuarbeiten und dabei auch bestehende Konzepte und Ideen zu analysieren.

Wie groß ist aus deiner Sicht das Potenzial für eine nachhaltige Transformation des Ihme-Zentrums?
Meiner Meinung nach und auch ausgehend von meinen Expertenbefragungen ist eine nachhaltige Transformation des Ihme-Zentrums auf jeden Fall möglich. Das Potenzial dafür ergibt sich vor allem aus den Stärken des Gebäudekomplexes: die zentrale Lage, die Zufriedenheit der Bewohner, die Barrierefreiheit im gesamten Gebäude, die Lage im Grünen direkt an der Ihme, die gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Angesichts des in Hannover herrschenden Wohnungs- und Büromangels glaube ich, dass das Ihme-Zentrum eine sinnvolle Option darstellt, um diesem Mangel entgegenzuwirken. Ich denke, weitere Chancen sind die Kombination der verschiedenen Daseinsgrundfunktionen an einem Ort und die dadurch entstehenden kurzen Wege, wodurch eine höhere Lebensqualität geschaffen werden kann. Momentan stellt das Ihme-Zentrum ein stark diskutiertes Thema in Hannover dar, um das sich viele verschiedene Akteure Gedanken machen. Diese Diskussion bringt viele Menschen zusammen, die gemeinsam versuchen, Lösungen zu erarbeiten.

Wie ist denn aus deiner Sicht die Einschätzung des Ihme-Zentrums bei den Menschen?
Das Ihme-Zentrum bietet durch die vielen ungenutzten Bereiche sehr viel Raum für die unterschiedlichsten Nutzungen. Es strahlt Faszination aus, vor allem bei Kulturschaffenden. Deswegen bin ich mir sicher, dass diese Stärken eine Vielzahl an Chancen eröffnen, das Ihme-Zentrum nachhaltig zu transformieren.

Hast du persönlich eine Vision von einem nachhaltigen und kreativen Ihme-Zentrum im Jahr 2025?
Mein Bild von einem nachhaltigen und kreativen Ihme-Zentrum im Jahr 2025 beruht vor allem darauf, dass das Ihme-Zentrum innerhalb der Bevölkerung von Hannover wieder ein positives Image bekommt. Es soll für viele verschiedene Menschen, vor allem für die Bewohner des Stadtteils eine Anlaufstelle für die unterschiedlichsten Nutzungen werden. Das Sockelgeschoss kann viele verschiedene kulturelle Angebote beherbergen, wie zum Beispiel Veranstaltungsräume, Räume für Start-up-Unternehmen, Ateliers, Galerien, Proberäume, Vereinsräume, Bildungseinrichtungen und vieles mehr. Ich denke auch, dass lokale Geschäfte im Erdgeschoss und nicht wie damals im 1.OG, angesiedelt werden sollten.
Außerdem würde ich mich freuen, wenn der Fluss Ihme noch weiter miteinbezogen wird. Es könnten weitere Freizeitangebote entlang des Flusses entstehen, wie beispielsweise ein Fahrradweg auf der Seite des Ihme-Zentrums. Eine weitere Idee von mir ist eine Aussichtsplattform auf dem Ihme-Zentrum, soweit dieses umsetzbar wäre. Ich glaube, so könnte die Akzeptanz des Gebäudekomplexes in Hannover gesteigert werden. Am wichtigsten ist jedoch meiner Meinung nach, dass eine nachhaltige Transformation die Interessen von allen Betroffenen, vor allem der Bewohner des Ihme-Zentrums berücksichtigt. Das Ihme-Zentrum bietet unglaublich viel Raum, der in jedem Fall in der Zukunft genutzt werden sollte, da sich so viele neue Chancen ergeben können.

Henrike Aue kommt aus der Region Hannover und studiert in Göttingen Französisch und Geographie auf Lehramt für das Gymnasium.
Ihre Bachelorarbeit hat sie über das Ihme-Zentrum in Hannover geschrieben.

Dieses Interview wurde im Rahmen der Netzwerk-Recherche-Projektförderung Grow geführt. In dem Projekt wird erforscht,
wie das Ihme-Zentrum zu einem Leuchtturm nachhaltiger Entwicklung werden kann.
Die Ergebnisse werden am 12. März beim US-Festival SXSW, auf der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz am 29./30. Juni 2018 beim NDR in Hamburg
und bei der Veranstaltungsreihe #ihmezentrum2025 im Sommer 2018 vorgestellt.

Gibt es ein Mobbing-Problem im Ihme-Zentrum?

Mit dem Ruhestand kehrte Schorse zurück in die Stadt und fand im Ihme-Zentrum eine traumhafte zweistöckige Wohnung. Er sieht die Zukunft des Quartiers positiv, macht sich aber auch Sorgen: Er wünscht sich einen besseren Umgang mit den Ressourcen und eine andere, gewaltfreie Kommunikation unter den Eigentümern.

Du wohnst nun seit fast zwei Jahren im Ihme-Zentrum. Wie fühlt sich das an?
Ich habe hier eine wundervolle Wohnung gefunden, meine Nachbarn sind toll, das Haus ist sehr gepflegt, in dem ich wohne. Die Lage ist super, und ich genieße es, hier mitten in der Stadt zu leben. Es war die richtige Entscheidung, hier her zu ziehen!

Gibt es einen Bereich, in dem du dich in deinem Viertel engagieren möchtest?
Ja. ich werde meine Arbeitserfahrung aus meiner Zeit als Lehrer nutzen und schauen, wie das Quartier besser mit seinen Ressourcen umgeht. Für mich gehört dazu auch, dass ich als Bewohner und Eigentümer der Verwaltung Fragen stellen kann und Antworten bekomme und Aufträge schneller erledigt werden.

Kannst du konkrete Beispiele nennen?
Ja. Drei Themen, die derzeit viele Bewohner im Ihme-Zentrum beschäftigen, sind Schäden am Bau durch Wetter, Wasser oder in der Haustechnik und dass es teilweise Monate dauert, bis etwas vernünftig umgebaut wird. Das sind im Grunde ganz Profane Dinge, für die es keine großen Reparaturen braucht. Auch die Abrechnungen erschließen sich nicht für mich. Da erwarte ich, dass diese noch von einem unabhängigen externen Unternehmen geprüft werden. Und: Aus dem Austausch mit anderen Eigentümern weiß ich, das geht nicht nur mir so bei diesen Themen.

Wie reagieren denn die Verantwortlichen, wenn du nachfragst?
Das ist ein weiterer Punkt, der mir Sorgen bereitet. Denn wenn es überhaupt eine Antwort gibt, dann ist diese selten informativ oder inhaltlich zufriedenstellend. Die Kommunikation der Verantwortlichen hier im Ihme-Zentrum ist eindeutig verbesserungsfähig.

Wie meinst du das?
Ich bin diesen Ton auf den Eigentümerversammlungen leid. Es sind immer wieder die gleichen Menschen, die wütend und manchmal sogar ausfallend werden und andere Menschen angreifen. Manches, was auf solchen Treffen passiert, grenzt für mich an Mobbing. Dazu gehört auch eine unerträgliche Stimmungmache gegen Personen, die sich aktiv für eine positive Entwicklung im Ihme-Zentrum einsetzen. Ich merke aber ebenfalls stark, dass immer mehr Menschen, die hier wohnen oder arbeiten, diese schlechte Stimmung nicht mehr möchten.

Und was möchtest du dagegen konkret machen?
Ich überlege, ob ich mal einen Workshop anbiete gegen Mobbing und für gewaltfreie Kommunikation. Im Grunde genommen wollen doch alle Eigentümer im Ihme-Zentrum und jeder, der hier wohnt, das es voran geht und es eine positive Veränderung gibt. Da stören die Auslassungen einzelner nur. Zumal diese oft einfach unqualifiziert sind.

Hast du eine Vision von einem besseren Ihme-Zentrum im Jahr 2025?
Ein Wohn-, Lebens- und Arbeitsquartier, das wegen seiner vorbildlichen und zukunftsorientierten Nutzungskonzepte zeigt, wie lebenswert Stadtleben sein kann. Ideen dazu sind reichlich vorhanden. Es fehlt leider der politische Umsetzungswille und das das Engagement von entsprechend orientierten Investoren…

Schorse Burke ist Bewohner im Ihme-Zentrum und großer Fahrradfan.

Dieses Interview wurde im Rahmen der Netzwerk-Recherche-Projektförderung Grow geführt. In dem Projekt wird erforscht, wie das Ihme-Zentrum zu einem Leuchtturm nachhaltiger Entwicklung werden kann. Die Ergebnisse werden am 12. März beim US-Festival SXSW, auf der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz am 29./30. Juni 2018 beim NDR in Hamburg und bei der Veranstaltungsreihe #ihmezentrum2025 im Sommer 2018 vorgestellt.

Mit Humor gegen Hass – das Arabische ArtCafé im Ihme-Zentrum

„Wenn man das Gefühl hat, etwas nicht zu kennen, bekommt man durch diese Unbekanntheit vielleicht Angst. Kann man damit nicht umgehen, wird daraus Hass. Humor und positives Engagement sind gute Mittel dagegen. Es gehe darum, mit Hass gegen Humor und Zynismus vorzugehen.“

So fasst die Hannoversche Allgemeine Zeitung die erste Veranstaltung des Arabischen ArtCafés Anfang Februar zusammen.

Hier findet ihr den ganzen Artikel zu der tollen Veranstaltung.