Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Stadt

Das Ihme-Zentrum als Ort für Architektur und Innovation

6 Architekturvisionen in jeweils 5 Minuten – das ist das Konzept der ver1meierei deskrehtiv Netzwerks Hannover. Am 15. Mai gibt es eine Spezialausgabe des Formats zum Thema Architektur im Ihme-Zentrum.

Auf der Bühne werden folgende Akteure ihre Ideen vorstellen:

Hannover VOIDS

Urlaubsarchitektur

Raumwärts

bieker AG

Laser Scanning Architecture

Yamato Living Ramps

Der Eintritt ist kostenlos. Eine Anmeldung per E-Mail ist jedoch notwendig bis zum 13. Mai unter info(at)kre-h-tiv.net. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Veranstalterin ist das kreHtiv Netzwerk.

Was: Ver1meierei Architektur
Wann: 15. Mai, 18.30 Uhr
Wie viel: Eintritt frei
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e, 30449 Hannover

„Das Ihme-Zentrum ist ein Möglichkeitsraum“

Wie funktioniert kreative und nachhaltige Stadtentwicklung? Ein Forscherteam der Leuphana Universität Lüneburg hat in den vergangenen Jahren untersucht, welche Möglichkeitsräume es in Hannover gibt. Am 21. April präsentieren sie ihre Ergebnisse im Ihme-Zentrum. Im Interview erklärt Professor Volker Kirchberg, was Visionen und Utopien ausmacht und warum die Entwicklung des Ihme-Zentrums eine Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus hätte.

Was ist ein Möglichkeitsraum genau?
Möglichkeitsräume werden auch als Freiräume, Intentional Communities, Experimentierräume oder Heterotopien bezeichnet. Es sind physische, aber auch soziale und mentale Räume, in denen gewünschte Zukunftsentwicklungen für die Stadt angedacht und/ oder angelegt werden. Sie erlauben verschiedenen Grade der Entfaltung und können dabei offen und geschlossen sein: Offen, weil sie im Austausch mit der Gesellschaft stehen, geschlossen, weil sie um den experimentellen Prozess einen geschützten Raum bilden können.
Diese Räume sind Orte der utopischen Praxis, insbesondere „Räume der Hoffnung“ (so der Geograph David Harvey) oder „Reale Utopien“ (so der Soziologe Erik Olin Wright). Gerade dieser letzte Begriff hat es uns angetan, nachdem wir uns solche Orte in Hannover angesehen haben. Dabei ist „Ort“ begrifflich sehr flexibel zu verstehen, denn Orte der utopischen Praxis sind auch Initiativen, Projekte und Kampagnen, deren Wirkung man nicht auf einen bestimmten geografischen Ort begrenzen kann.
Diese Möglichkeitsräume oder Orte der realen Utopie experimentieren mal mehr und mal weniger radikal mit Modellen einer positiven (also nachhaltigen) Stadtentwicklung, die mit ihrer Wirkung auf städtische Teilgebiete oder auch auf die Stadt als Ganzes ausstrahlen sollen, von kleinen Schritten der Veränderung einer unmittelbaren Nachbarschaft bis hin zur sozialen Transformation der ganzen Gesellschaft.
Eine „reale Utopie“ zeichnet sich dabei aus durch Antworten auf drei Fragen: „Was wird gewünscht?“, „Was ist machbar?“ und „Was ist umsetzbar?“. Es gibt entsprechend der Antworten auf diese Fragen also drei Typen „realer Utopien“, je nachdem wie weit sich das Utopische oder Visionäre vom Möglichen unterscheidet. Das illustriere ich im Workshop mit acht Beispielen aus Hannover.

 

Ihr habt in den vergangenen Jahren untersucht, welche Möglichkeitsräume in Hannover es gibt. Was habt ihr herausgefunden?
Es führt an dieser Stelle zu weit, alle Ergebnisse in ihrer interdisziplinären Diversität hier aufzuführen. Die Breite und Tiefe der Ergebnisse umfasst zum Beispiel die künstlerischen Initiativen, die vorbildhaft eher als „Möglichkeitsinitiativen“ und „Möglichkeitsaktionen“ denn als „Möglichkeitsräume“ agieren; dazu kann Sacha Kagans Film „HANOTHER“ Auskunft geben, den wir ja auch zeigen werden. Oder unsere Analyse der Akteure einer nachhaltigen Stadtentwicklung Hannovers als „Change Agents“, denn sie nutzen und schaffen durch ihre vernetzten Aktivitäten konkrete Impulse für die nachhaltige Stadtentwicklung. Sie stoßen durch ihre kreative Praxis auch neue Formen der Kommunikation zwischen Einrichtungen der Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und den Initiativen, Gruppen und Projekten der lokalen Zivilgesellschaft an.
Die Analyse der Vernetzung und der Kommunikation zwischen diesen unterschiedlichen Akteuren und Einrichtungen ergibt spannende Ergebnisse zu den Übersetzungen zwischen Zivilgesellschaft und Staat und zwischen „Mind Set“ (= Imagination der Welt, wie sie uns umgibt/ wie sie sein sollte) und „Work Set“ (= tatsächliche Handlungsmuster und -grenzen beim Versuch der Umsetzung einer nachhaltigen Stadtwelt). Die Imagination des (scheinbar) Möglichen und (scheinbar) Unmöglichen in der Stadt(teil)entwicklung und im Stadt(teil)leben hat sich zu einem zentralen Gegenstand unserer Forschung kristallisiert, zum Beispiel auch bei der Erforschung des kreativen Schreibprojektes „Linden Fiction 2050“.
Was bewerten die Akteure in Hannover als möglich, was wird darüber hinaus als Vision in Betracht gezogen, und was wird vielleicht gar nicht mehr weitergedacht, weil es als zu „utopisch“ den Bereich des „Realen“ verlässt? Oder gibt es eine Angst vor einer dystopischen Zukunft, die uns die Fähigkeit zum besseren Umgestalten nimmt? Dies sind allerdings Fragen, die nicht alle auf einem Workshop behandelt werden können: Deshalb gibt es ja mehrere Veranstaltungen zum Projekt und auch eine Buchveröffentlichung, die für das Ende des Jahres geplant ist.

In eurer Arbeit ist das Ihme-Zentrum als ein Möglichkeitsraum gekennzeichnet. Warum, was macht diesen Ort aus für euch?
Das Ihme-Zentrum ist eines der acht Beispiele für eine „Reale Utopie“. Ich will hier nicht zu viel vorwegnehmen, aber es ist deshalb so interessant, weil es in seinen visionären Möglichkeiten nicht nur sehr groß ist, sondern weil es als Modell einer nachhaltigen Stadtentwicklung auf ganz Hannover austrahlen könnte – also mehr bewirken könnte als viele der kleineren realen Utopien. Über diese „Utopie“ im spezifischen Sinne – und deren Wirkung – möchte ich gerne in dem Workshop diskutieren – auch und gerade in Kontrast zu und Reflektion mit einem anderen Projekt, das Hannover als „Stadt als Möglichkeitsraum“ präsentiert, nämlich zum Stadtentwicklungskonzept „Mein Hannover 2030“ – und den auch visionären Potenzialen dieser höchst offiziellen Stadtkampagne.

Volker Kirchberg ist Professor für Soziologie der Künste an der Leuphana Universität Lüneburg.

Volker Kirchberg und weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen am 21. April ihre Forschung zu „Stadt als Möglichkeitsraum“ in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (Ihmeplatz 7e) vor. Neben Vorträgen wird es konkrete Workshops geben sowie der Film „Hanother“ gezeigt. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Das Forschungsprojekt „Stadt als Möglichkeitsraum“ wurde gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft.

Was: „Stadt als Möglichkeitsraum“, Vorträge, Workshop, Filmvorführung.
Wann: 21. April, 14 bis 18 Uhr
Wie viel: Eintritt frei
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e, 30449 Hannover

Bewohner und Forscher entwickeln Ideen für ein grüneres Ihme-Zentrum

Ein Wochenende lang haben Bewohnerschaft, Forschende und Interessierte bei dem Event  „Grüne Stadt“ gemeinsam Ideen entwickelt, wie das Ihme-Zentrum ökologisch nachhaltiger werden kann. Zu den Ideen gehörten Kinderspielplätze, Projekte für eine bessere Versickerung des Wassers, Dachgärten oder auch bepflanzte Fassaden. Am Sonntag kamen alle Teilnehmenden in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum zusammen, um die Ergebnisse zu sammeln.

Vorab stellten Expertinnen die Konzepte integrative Stadtteilgärten, Permakultur und kreative Brauchflächenentwicklung vor. Im anschließenden Workshop entwickelten Bewohner, Interessierte und Forscher gemeinsam Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers. Die Ergebnisse werden demnächst auf dieser Website präsentiert.

Danke an der Stelle auch an die Verwaltung des Ihme-Zentrums, die die Aktionen auf den verschiedenen Plätzen im Quartier erlaubte und sich sehr interessiert zeigte an den Ideen. Das Team will die Konzepte zeitnah überreichen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. „Grüne“ war eine Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen waren Hannover VOIDS, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz, Universität und Transition Town Hannover.

„Ein Garten im Ihme-Zentrum bringt die Menschen zusammen“

Besonders in schwierigen Stadtteilen ist ein Garten häufig der Start für eine positive Entwicklung. Diese Erfahrung hat das Team von Himmelbeet in Berlin gemacht. Am 15. April stellen sie ihre Ideen im Ihme-Zentrum vor. Im Interview erklärt Sonja Rosenthal, wieso ein Garten Menschen zusammen bringt und ein wichtiger Teil von Stadtentwicklung ist.

Was ist Himmelbeet und wie arbeitet ihr daran, Städte nachhaltiger und grüner zu machen?
Seit 2013 betreibt die himmelbeet gGmbH auf einer Sportplatzbrache im Berliner Wedding urbane Landwirtschaft. Wir sind ein sozial-ökologisches Projekt, dass sich auf verschiedenen Ebenen für „Das gute Leben für Alle“ einsetzt. Das „Zuhause“ des himmelbeets ist der Gemeinschaftsgartens mit vielfältigen Möglichkeiten, teilzuhaben und der v.a. durch freiwilliges Tun besteht. Außerdem sind wir in verschiedenen Formen im Kiez aktiv, bauen stadtweit Gemeinschaftsgärten auf und setzen uns mit Stadtentwicklung und Transformationsprozessen in diesem Feld auseinander.
Um Städte neben diesen Kernaufgaben nachhaltiger zu gestalten teilen wir unseren Raum mit anderen und verstehen uns als Teil eines Netzwerkes von der globalen bis zur lokalen Ebene, das unsere Ziele teilt und dabei hilft Synergien entstehen zu lassen.

Im Ihme-Zentrum stehen insgesamt rund 100.000 Quadratmeter leer, es gibt viele Brachflächen unter freiem Himmel. Wie kann Grün dort positiv wirken?
Grüne Orte in der Stadt, v.a. allem wenn sie den Anspruch „Freiraum“ formulieren, bieten die Möglichkeiten eine Gegenwelt zu erschaffen, die nach eigenen Regeln funktioniert. Menschen kommen zusammen, können sich auf Augenhöhe begegnen. Selbstwirksamkeit erfahren ist dort möglich, teilen und lernen stehen im Vordergrund.
Grün ist Natur und die Verbindung dazu aufrecht zu erhalten oder neu entstehen zu lassen verbessert Lebensqualitäten und schafft Raum für Ideen. Egal ob ehrenamtliche Initiative oder gemeinwohlorientiertes Unternehmertum, grün gibt einen Gestaltungs- und Handlungsspielraum für zukunftsfähige Städte.

Sonja Rosenthal von Himmelbeet stellt am 15. April im Rahmen des Events „Grüne Stadt“ ihr Konzept für Stadtteilgärten vor. Daneben gibt es Impulsvorträge zu Permakultur und kreativer Brauchflächenentwicklung. Im Anschluss werden in Workshops Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers gesammelt und erarbeitet. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen sind Hannover VOIDS, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz, Universität, Transition Town Hannover.

Was: „Grüne Stadt“ – Vorträge und Workshop
Wann: Sonntag, 15. April, 14
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt kostenlos

„Großbauten sollten eine Chance bekommen, weitergedacht zu werden“

Dank des Brutalismus‘-Revivals werden immer mehr Großbauten wie das Ihme-Zentrum positiver wahr genommen. Mit ihrem Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ haben die Architekturexpertinnen, Stadtplanerinnen und Forscherinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku eine wundervolle und detaillierte Hommage zu den Großbauten geschaffen. Am 4. April stellen sie ihre Forschung in einem bebilderten Vortrag im Ihme-Zentrum vor. Warum die Kolosse eine bessere Behandlung verdienen und wie schon mit wenig Pflege große Erfolge erzielt werden könnten, erklären sie im Interview.

Was habt ihr genau untersucht und wie?
In der Studie „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ haben wir zehn Großbauten der 1960er-/1970er-Jahre in Nordrhein-Westfalen angeschaut, die in der Diskussion standen oder stehen. Verwaltungsbauten und Hochschulen waren ebenso dabei, wie Wohnkomplexe und Multifunktionsanlagen. Wir haben uns zunächst mit den Themen in den aktuellen öffentlichen Debatten zum Umgang mit diesen Riesen beschäftigt – das Spektrum reicht von komplettem Abbruch über den z.T. weitreichenden Umbau bis hin zum Denkmalschutz. Daneben haben wir historische Planungsunterlagen ausgewertet, und in der Gegenüberstellung der ursprünglichen Konzepte im stadträumlichen Kontext mit den heutigen Anforderungen und Situationen ergaben sich jenseits der großen Bauvolumen und Maßstabssprünge neue Perspektiven auf die vielfach überformten oder vergessenen konzeptionellen Qualitäten der Objekte. Unsere Untersuchung wurde um einen neuen Blick „auf Augenhöhe“ des Fotografen Ben Kuhlmann mit sehr schönen Bildern ergänzt.

An die Studie knüpfte im Herbst 2017 dann die dezentrale Veranstaltungsreihe „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ an, die in Kooperation mit den örtlichen Volkshochschulen durchgeführt wurde. In Aachen, Bochum, Bonn, Essen, Dortmund, Duisburg, Köln und Marl wurden die Besonderheiten des jeweiligen Bauwerks dann im Maßstab 1:1 nachvollziehbar: Die Objekte wurden im Rahmen von Abendveranstaltungen besichtigt und mit unterschiedlichen Akteuren öffentlich und aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert.

Yasemin Uktu (links) und Alexandra Apfelbaum forschen zu architektonischen Großbauten und deren Potenzial.

Wo kommt aus eurer Sicht die Skepsis in Deutschlang gegenüber Großbauten her?
Eine wichtige Erkenntnis der Studie war, dass in den meisten Fällen der bauliche Zustand der Gebäude der Hauptgrund für eine negative Wahrnehmung ist, also überfällige Instandsetzungen, Sanierungen oder einfach ein fehlender neuer Anstrich. Hinzu kommen vielfach bauliche Veränderungen oder vermeintliche Anpassungen, die sich nicht bewährt haben und inzwischen auch schon in die Jahre gekommen sind. Wenn die Bauten und Anlagen dann auch noch eine bestimmte Größe bzw. Ausdehnung aufweisen, gepaart mit einer nicht mehr zeitgemäßen Nutzung, dann sind mit den Instandhaltungs- oder Sanierungskosten sowie Nutzungsanpassungen für diese Riesen große Herausforderungen verbunden und die sogenannte Abwärtsspirale beginnt. Ein weiterer Faktor in der Negativwahrnehmung ist die städtebauliche Verzahnung der Objekte mit ihrem jeweiligen Umfeld. Hier sind es meist die Veränderungen im öffentlichen Raum sowie insbesondere die mangelnde Pflege der Freiflächen.

Ändert sich das Bewusstsein und könnten diese Riesen irgendwann so beliebt werden wie Altbauten?
Es gibt zumindest ein wachsendes Interesse an Großbauten aus der Zeit der 1960er- und 1970er-Jahre; das ist deutlich spürbar. Vielleicht trägt die Welle der Brutalismus-Begeisterung ihren Teil dazu bei, aber vermutlich werden sie nie mit Altbauten vergleichbar sein. Das ist ja sogar gut so. Es wäre wichtig, dass sie irgendwann in und mit ihrer eigenen Qualität geschätzt und verehrt werden.
Genau wie bei den Altbauten werden nicht alle der Riesen aus der Nachkriegszeit erhalten bleiben, aber neben ihrem baukulturellen Wert sind es immerhin auch gebaute Ressourcen, die eine Chance haben sollten, weitergedacht zu werden. Ob in ihrer ursprünglichen oder in einer neuen Funktion. Da lässt beispielsweise das aktuelle Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum für einige Objekte neue Perspektiven aufblitzen.
Bemerkenswert ist ja auch das ungebrochene Interesse an Großbauten, vielleicht lässt sich auch daran anknüpfen – mit der Hoffnung, alte Fehler nicht zu wiederholen.

Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellen ihre Arbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ am 4. April in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum vor. Der bebilderte Vortrag beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Weitere Kooperationspartner bei der Veranstaltung sind der Verein zur Förderung der Baukunst in Niedersachsen und h1.

Was: Bebilderter Vortrag „Mit den Riesen auf Augenhöhe“
Wann: Mittwoch, 4. April, um 19 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt frei

Mit dem Ihme-Zentrum und weiteren Riesen auf Augenhöhe

Warum sind Großbauten wie das Ihme-Zentrum so faszinierend? Die Architekturexpertinnen und Wissenschaftlerinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku Großbauten haben mit ihrem Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ Großkomplexe der 1960er und 1970er Jahre in Deutschland analysiert und portraitiert. Am 4. April kommen sie mit einem Fotovortrag in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Viele dieser Gebäude stehen seit Jahren in der Diskussion, zum Teil waren oder sind sie sogar vom Abriss bedroht. Diese Bauten prägen noch heute die Stadtstruktur vieler Städte und stehen für eine euphorische Phase in Stadtplanung und Bauwesen.

In einem Vortrag zeigen Apfelbaum und Utku die Qualitäten dieser Gebäude und wie sich deren Wahrnehmung wandelt. So wie bei Das Ihme-Zentrum in der Landeshauptstadt Hannover.

Als Einführung sprechen Prof. Ekkehard Bollmann (BDA Niedersachsen -Bund Deutscher Architekten Landesverband Niedersachsen-) und Prof. Wilhelm Meyer Grußworte.

4. April: „Mit den Riesen auf Augenhöhe“
19 bis ca. 22 Uhr, Eintritt frei
Vortrag der Architektinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku über Großwohnsiedlungen wie das Ihme-Zentrum

Die Veranstaltung findet im Rahmen von #ihmezentrum2025 statt. Die Reihe beschäftigt sich mit Zukunftsszenarien für das umstrittenste Quartier Hannovers und wird gefördert vom Innovationsfonds des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover. Weitere Partner bei dieser Veranstaltung sind der Verein zur Förderung der Baukunst und der Bürgersender h1.

Hier die zugehörige Event-Seite bei Facebook

„Es ist völlig unklar, was Intown umsetzen wird“

Der Großkomplex Hannibal 2 in Dortmund. Foto: Mieterverein Dortmund

Der Fall des Dortmunder Hochhauses Hannibal 2 geht seit Monaten durch die Presse in ganz Deutschland: Im September wurde das Gebäude, das mit Intown dem gleichen Großeigentümer wie beim Ihme-Zentrum und Ex-Maritim Hotel in Hannover gehört, innerhalb weniger Stunden mieterfrei. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund erklärt im Interview, wie Intown in Dortmund agiert. Am 17. März ist Scholz mit weiteren Betroffenen von Intown aus anderen Städten zu Gast in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Was macht Intown in Dortmund seitdem das Unternehmen dort Immobilien besitzt?
Wir kennen Intown über die in Berlin ansässige Objektgesellschaft Lütticher 49 Properties GmbH seit dem Dezember 2011. Damals wurde das Hochhaus Hannibal 2 mit 412 Wohnungen in Dortmund-Dorstfeld im Rahmen der Zwangsversteigerung in einer Bieterschlacht zu einem Preis von 7 Millionen Euro (Verkehrswert 3,7 Mio. Euro) erworben. Das Gebäude hatte zum damaligen Zeitpunkt einen riesigen Instandsetzungsstau und einen Leerstand von knapp 120 Wohnungen. Der Name Intown existierte damals noch nicht, zumindestens nicht in der Öffentlichkeit. Verknüpfungen konnten nur über die gleiche Geschäftsanschrift in Berlin und identische Personen in der Geschäftsführung gefunden werden. So erwarb die Intown-Gruppe  2015 ein Problemhaus-Portfolio in der Dortmunder Nordstadt. Über Immobilienanzeigen im Internet kann auch eine Reihe von Büro- und Handelsimmobilien in der Dortmunder City gefunden werden, die in Teilen große Leerstände aufweisen.

Gibt es besonders krasse Fälle?
Ja, die bereits erwähnte Wohnanlage Hannibal 2. Und diese war bereits vor der Räumung durch die Stadt Dortmund wegen unabweisbarer Brandschutzmängel im September 2017 ein krasser Fall. Instandhaltungsstau und Wohnungsmängel haben den Mietern das Leben schwer gemacht. Beispielhaft waren die immer wiederkehrenden Aufzugsausfälle. 2015 hat ein Mieter nach wiederholten Ausfällen erfolgreich auf die Instandsetzung des Aufzuges geklagt. Der Aufzug wurde erneuert. Die Aufzüge in den sieben anderen Häusern hätten es auch dringend nötig, wurden jedoch bisher nicht erneuert. Wir haben immer wieder beobachten können, wie neue Mieter erst begeistert von den Maisonette-Wohnungen und der Aussicht waren. Dann aber mit Wohnungsmängeln oder hohen Betriebskostennachzahlungen in unsere Rechtsberatung gekommen sind und den Hannibal wieder verlassen haben bzw. wieder ausziehen wollten– soweit der angespannte Wohnungsmarkt das zugelassen hat. Es gibt aber auch langjährige Mieterinnen und Mieter, die viel in die Renovierung ihrer Wohnungen investiert haben und dem Hannibal seit über 20 oder sogar 30 Jahre treu geblieben sind.

Der Großkomplex Hannibal 2 in Dortmund. Foto: Mieterverein Dortmund

Und im vergangenen Jahr ist das Ganze dann eskaliert?
Die Unbewohnbarkeitserklärung wegen der Brandschutzmängel durch die Stadt Dortmund hat dann eine Steigerung dargestellt, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Das Gebäude ist jetzt seit über einem halben Jahr unbewohnbar. Die Vielzahl der Verstöße beim Brandschutz im Gebäude ist erschreckend. Im Falle eines Brandes hätten selbst die Sicherheitstreppenräume und damit der Fluchtweg verrauchen können. Die dortigen Steigleitungen für Löschwasser seien nicht funktionsfähig. Es existieren weiterhin Brandschutzmängel an den kombinierten Lüftungs- und Versorgungsschächten. Über diese, aber auch über die Aufzugsschächte und nicht genehmigte, vertikale Durchbrüche zwischen den Technikräumen könnte sich Rauch über die Etagen ausbreiten. Wie Intown daher zu der Bewertung kommen konnte, im Bereich Brandschutz gäbe es keinen Handlungsbedarf, erschließt sich uns nicht. Mehr Infos gibt der Artikel „Schacht matt im Hannibal“ in den Ruhrnachrichten und das aktuelle Heft unserer Mieterzeitung.

Was ist Intown für Sie? Ein Investor oder ein Spekulant?
Die Investoren im Hintergrund scheinen Immobilien mit vielen Herausforderungen nicht abzuschrecken. Ganz im Gegenteil, wenn man sich das Portfolio und Ankäufe aus den vergangenen Jahren deutschlandweit ansieht. Dies scheint ja das Geschäftsmodell zu sein: Ob opportunistischer Investor oder Spekulant besser passt, ist zweitrangig. Es sind zwei Seiten einer Medaille. Intown hat vergangene Woche angekündigt, im Sommer 2018 eine Baugenehmigung für eine Sanierung des Gebäudes einzureichen und die Sanierung bereits Ende 2019 / Angang 2020 abzuschließen. Noch ist völlig unklar, welche Maßnahmen Intown am Gebäude umsetzen will. Wir informieren hier laufend zu den aktuellen Entwicklungen.

Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund wird mit weiteren Intown-Betroffenen am 17. März in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum von seinen Erfahrungen berichten. Zur Einführung wird Professor Andrej Holm, Experte für Stadtentwicklung, über aktuelle Herausforderungen berichten. Los geht es um 14 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Weitere Kooperationspartner bei der Veranstaltung sind die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen und h1.

Ist der Ihme-Zentrum-Großeigentümer Intown ein Investor oder ein Spekulant?

Seit rund drei Jahren besitzt das Immobilienunternehmen Intown mehr als 80 Prozent des Ihme-Zentrums. Wird die Firma das Quartier umbauen und eine positive Wende in der bewegten Geschichte von Das Ihme-Zentrum bringen? Oder ist Intown ein Spekulant, der die Bewohner und die Mieter im Stich lassen wird?

Wir haben Betroffene und Mieter von Intown aus Städten wie Dortmund oder Schwerin eingeladen, damit sie von ihren Erfahrungen mit dem Unternehmen berichten.

Für den Überblick wird Andrej Holm einen Einführungsvortrag über Stadtentwicklung und Immobilienspekulation halten. Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion.

Intown – Investor oder Spekulant?
Samstag, 17. März, 14 Uhr
Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Die Sitzplätze sind limitiert. Daher bitte per E-Mail an mail(at)ihmezentrum(.)org anmelden
Die Veranstaltung wird gefilmt, das Video später kostenlos online gestellt

Diese Veranstaltung findet im Rahmen von #ihmezentrum2025 statt. Bei der Event-Reihe geht es um eine positive und konstruktive Zukunft des Quartiers. Sie wird durch den Innovationsfonds des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover gefördert. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen ist eine weitere Kooperationspartnerin.

 

„Wiederbelebung des Ihme-Zentrums wird gefährdet“

Liebe Bewohnerinnen und Bewohner des Ihme-Zentrums, liebe Eigentümerinnen und Eigentümer, liebe Stadt Hannover, liebe am Ihme-Zentrum Interessierte,
seit vielen Jahren ist der Sockelbereich des Ihme-Zentrums eine Ruine. Im vergangenen Jahr haben wir – eine Initiative aus Bewohnern, Architekten, Juristen und Stadtentwicklern – als erste lokale Gruppe eine Gewerbefläche im Sockel gekauft. Von unseren Flächen geht die erste Belebung des gewerblichen Bereichs seit vielen Jahren aus. Die Veranstaltungen unserer Mieterin, der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V., zogen bereits über 4.000 Besucher an. Sie bekamen einen Eindruck von den Möglichkeiten des Quartiers. Ein Image-Wandel für das ganze Viertel ist bereits spürbar.

Das gefällt offenbar nicht jedem: Beirat und Verwaltung versuchen die neue Nutzung zu verbieten. Sie glauben, die Gewerbeflächen dürften allein so genutzt werden wie 1971, weil das in der damaligen Teilungserklärung vereinbart sein soll. Damit würde zugleich eine neue, bessere Zukunft des Ihme-Zentrums unterbunden: Denn das Einkaufszentrum wurde schon vor 20 Jahren aufgegeben und wird in der früheren Form auch nie wieder entstehen. Zudem verunsichert die Klageandrohung gegen uns auch andere Gewerbeinteressenten für die leer stehenden Flächen. Sie müssen ebenfalls mit Repressalien rechnen, wenn ihre Ideen und Pläne von dem gescheiterten Einkaufszentrum abweichen.

Mit der Klageandrohung wird nicht nur die Wiederbelebung des Ihme-Zentrums gefährdet, sondern auch die Vernichtung unserer wirtschaftlichen Existenz in Kauf genommen. Deshalb hielten wir es für angemessen, uns mit unserer Erklärung vom 13. Januar 2018 an die Öffentlichkeit zu wenden. Von dieser Erklärung müssen und möchten wir nichts zurücknehmen, weil sie keine falschen Behauptungen enthält.

Die Zukunft wird zeigen, was diese Menschen und Institutionen tatsächlich unternehmen, um das Quartier voran zu bringen. Ob sie Vorschläge entwickeln, um die Situation und Perspektive des Ihme-Zentrums und das Leben der hier Wohnenden und Arbeitenden zu verbessern. Ob Sie Vorschläge und Konzepte anderer Eigentümer respektieren und sachlich diskutieren. Wir hoffen auf eine konstruktive Auseinandersetzung und nicht auf weitere Klageandrohungen und Repressalien gegenüber uns und anderen Beteiligten. Denn dies geht auf Kosten der Eigentümergemeinschaft und des Ihme-Zentrums insgesamt.

Wir lassen uns nicht beirren und werden unserer Mieterin die vertraglich vereinbarte Nutzung nicht verbieten: Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V. wird weiter mit Vorträgen, Kulturveranstaltungen und Konzeptvorstellungen der Stadtöffentlichkeit die Entwicklungspotenziale des Ihme-Zentrums veranschaulichen.

Wenn Sie sich für Ideen und einen konstruktiven Austausch interessieren, besuchen Sie die Veranstaltung unserer Mieterin, der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V. gerne am Sonntag, 4. Februar 2018, beim Tag der offenen Tür in den Räumen am Ihmeplatz 7e. Zwischen 15 und 17 Uhr kriegen Sie einen Kaffee und einen Einblick in die erfolgreiche Arbeit des Vereins.

Karin Menges, Helmut Drewes, Gerd Runge für die Ihmeplatz 7 e GmbH

Vortrag über Baustil des Ihme-Zentrums war ein großer Erfolg

Volles Haus, gute Stimmung, spannender Austausch: Rund 120 Menschen kamen am Sonntag (7. Januar) in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, um den Vortrag über Brutalismus von Prof. Ekkehard Bollmann zu hören. Viele Bewohner, Architektur-Interessierte und auch prominente Hannoveraner kamen und hörten gespannt zu. Der Vortrag wurde gefilmt und wird demnächst veröffentlicht. 

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Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt: Dabei entwickeln Experten gemeinsam mit Bewohnern des Ihme-Zentrums und Interessierten Ideen und Konzepte für eine nachhaltige Revitalisierung des Quartiers. Nächste Termine:

10. Januar, 19 Uhr – „Motomachi – das Ihme-Zentrum von Hiroshima“

14. Januar, 15 Uhr – „Europas größte Baustelle: Vortrag mit Fotos über den Bau des Ihme-Zentrums“

Die Veranstaltungen finden im Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7e statt. Der Eintritt ist jeweils kostenlos.