Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: spinnereistraße

Hochbahnsteige werden ohne Ihme-Zentrum geplant

Copyright: Gerd Runge

So ineffektiv verläuft derzeit der Verkehr am Küchengarten / Ihme-Zentrum

Alle Straßenbahn-Haltestellen in Hannover sollen barrierefrei werden. Diese gute Idee sorgt in Linden derzeit für Streit. Es herrscht Uneinigkeit über die genaue Planung der Haltestellen der Linie 10. Und auch die Menschen im Ihme-Zentrum sollen bei der Planung nicht berücksichtigt werden. Timon Dzienus (Grüne) fordert deshalb ein Umdenken und einen echten Runden Tisch.

Derzeit wird der Hochbahnsteig am Anfang der Limmerstraße/Küchengarten in einem runden Tisch neu geplant. Viele sehen die neue Haltestelle als eine mögliche Verbindung zwischen Linden-Nord, Linden-Mitte sowie dem Ihme-Zentrum. Wie ist da der aktuelle Stand?
Für die Planung der Hochbahnsteige rund um die Limmerstraße gibt es mehrere Vorschläge, die aktuell diskutiert werden. Die von der Verwaltung und vom Runden Tisch 2011 vorgelegten Varianten haben einige Probleme: die Erreichbarkeit, die Abstände, die Barrierefreiheit. Daher müssen wir neue Vorschläge diskutieren. Der Bezirksrat hat deshalb ein eigenes Konzept vorgeschlagen: Einen Hochbahnsteig direkt vors Ihme-Zentrum (Spinnereistraße), einen am Anfang der Limmerstraße (vor Rossmann) und einen, direkt nach der Fußgängerzone am Ende der Limmerstraße (vor der Post).
Ob es noch einen Hochbahnsteig näher am FZH Linden geben soll, oder ob der vor dem Ihme-Zentrum gebaut werden soll, ist dabei strittig. Als weitere Planungsvariante wurde außerdem einen neue Bahnstrecke entlang des Ihme-Zentrums (Blumenauerstraße) diskutiert. Hier könnte eine neue Linie über den Schwarzen Bär Richtung Tunnel lang laufen.

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Mehr Ordnung, schnellere Wege für alle und Wohnungsbau am Küchengarten. So könnte die Zukunft aussehen.

Ihr und weitere VertreterInnen im Bezirksrat Linden-Limmer habt euch dafür ausgesprochen, dass auch VertreterInnen aus dem Ihme-Zentrum beim runden Tisch mitmachen sollten. Wie wurde das von der Region Hannover aufgenommen?
Leider nicht sehr gut. Wir finden, es muss mit allen Beteiligten und Betroffenen diskutiert werden. Gerade die Belange des Ihme-Zentrums sind uns wichtig. Für uns ist der Runde Tisch daher aktuell nicht ganz so rund. Mit REWE und dem Optiker soll gesprochen werden, mit der Apotheke und den Menschen aus dem Ihme-Zentrums aber nicht? Wir fordern die Region hier zum Umdenken auf!

Welche Wünsche bzw. Forderungen habt ihr als Fraktion im Bezirksrat bei dem Thema?
Besonders wichtig ist uns neben der Barrierefreiheit, der Erreichbarkeit und die Anbindung an die besiedelten Stadtteile, dass alle Verkehrsteilnehmer*innen, wie Radfahrer*innen in den Blick genommen werden. Hochbahnsteige dürfen daher nicht dem Radverkehr im Weg stehen, und alle müssen mit Rampen auf beiden Seiten ausgestattet sein. Außerdem dürfen die neuen Haltestellen im Stadtteil mit der höchsten Besiedlung nicht 600-700 m entfernt voneinander sein. Daher fordern wir mindestens einen weiteren Hochbahnsteig zu den jetzigen Haltestellen.

Timon Dzienus sitzt für die Grünen im Bezirksrat Linden-Limmer. Er ist außerdem Sprecher der Grünen Jugend Niedersachsen.

Am 30. November findet ein Infotreffen zur Planung der Hochbahnsteige in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (Ihmeplatz 7E) statt.
Es geht um 19.30 Uhr los. Hier mehr Infos bei Facebook.

März 2016 – So könnte der Verkehr rund ums Ihme-Zentrum aussehen

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Die Idee von Gerd Runge: Der Küchengarten wird ein grüner Weg bis zum Ihme-Ufer. Grafik: Gerd Runge

Der hannoversche Architekt Gerd Runge beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Ihme-Zentrums und einer möglichen Integration des Quartiers in den umliegenden Stadtteil Linden. Doch er ist sich sicher: Alle Probleme sind technisch lösbar, damit das Burghafte des Ihme-Zentrum aufgelöst werden kann. Als Vertreter des Bundes Deutscher Architekten (BDA) trägt er bei der Anhörung des Bezirksrates Linden-Limmer am Mittwoch, 9. März, seine Ideen vor. Im Interview erklärt er, wie die Transformation auf infrastrukturelle Seite gelingen kann.

Seit Jahren beschäftigst du dich schon als Architekt mit der fehlenden Integration des Ihme-Zentrums in das ansonsten sehr lebendige Stadtviertel Linden. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen?
Das Erdgeschoss des Ihme-Zentrums ist eine unansehnliche Tiefgarage. Entlang der Spinnereistraße und der Blumenauerstraße fehlt eine ordentlichen Fassade mit Fenstern und Eingängen. Der Tunnel für Fußgänger und Radfahrer zwischen Gartenallee und Ida-Arenhold-Bürkc unübersichtlich und dunkel. Der dunkle Sockel des Ihme-Zentrums trennt den Stadtteil vom Ihme-Ufer. Zwischen lebendiger Limmerstraße und Küchengarten schiebt sich eine dysfunktionalen und überdimensionierten Verkehrsfläche als Barriere. Zwischen Bus- und Bahnhaltestellen müssen die Fahrgäste Ampeln mit bis zu elf Ampelphasen überwinden. Und zum Schluss: der Ihme-Uferweg ist nicht barrierefrei: An der Spinnereistraßenbrücke und am Capitol endet die Durchwegung.

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Bislang verläuft der Verkehr auf der Spinnereistraße so. Fußgänger brauchen elf Ampelphasen, um von der Limmerstraße zum Ihme-Zentrum zu gelangen. Grafik: Gerd Runge

Das sind viele Punkte. Gibt es denn technische Möglichkeiten, diese Herausförderungen zu lösen?
Ja, wenn man das Ganze ganzheitlich betrachtet und ein neues Gesamtkonzept entwickelt. Zusammen mit weiteren Vertretern des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) haben wir folgende Punkte zusammengefasst:
1. neue Rad- und Fußwegverbindung von Linden an die Ihme als Passage – verlängert als Fuß- und Radwegeverbindung zum Goethekreisel und Steintor.
2. öffentliche Fuß- und Radwegeverbindung an der Ihme – mit Unterquerung der Spinnereibrücke und der Benno-Ohnesorg-Brücke und Rampen an die Ida-Arenhold-Brücke.
3. Erdgeschosszone an Blumenauer Straße und Spinnereistraße mit Fassaden von gewerblicher, kultureller Nutzung mit ablesbarer Adressbildung durch markierte Eingänge.

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So könnte der Verkehr aussehen: Straßenbahnen, Busse und Autos würden neu geordnet, sodass sie sich nicht mehr stören. Auch die Fußgänger würden profitieren. Grafik: Gerd Runge

Deine Pläne sehen die Verkehrssituation am Ihme-Zentrum jedoch auch im Kontext mit seiner Umgebung. Was gehört aus deiner Sicht noch für eine weitere Integration des Quartiers dazu?
Der Verkehr in dem Gebiet wurde in den 1960er-Jahren geplant und entspricht nicht mehr der Realität. Als BDA und SRL empfehlen wir deshalb folgendes:
1. Den Rückbau der Einmündung der Elisenstraße parallel zum Heizkraftwerk, gemäß der Blockstruktur von Linden-Nord mit direkter Einmündung in die Spinnereistraße.
2. Die Entflechtung von privatem und öffentlichem Verkehr, Unterbringung des Hochbahnsteigs als Bindeglied zwischen Linden-Nord und Ihme-Zentrum sowie die Zusammenfassung aller Bus- und Stadtbahnhaltestellen
3. Die Trennung des Fuß- und Radwegeverkehrs Linden-Mitte – Limmerstraße von den Abbiege-Ampelschaltungen Blumenauer Str. / Fössestr.
4. Den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses mit ca. 100 Wohnungen und Gewerbeflächen auf dem städtischen Grundstück, das durch die Verbesserung des Verkehrskonzeptes frei würde.

Das sind viele Punkte. Hältst du das für realistisch?
Ja. Die Krise des Ihme-Zentrums ist ja eine Chance, ein paar der versäumten Planungen nachzuholen. Das Ihme-Zentrum und die gesamte Stadt würden von so einer Neuordnung profitieren.

Gerd Runge

Der hannoversche Architekt Gerd Runge

Am Mittwoch, 9. März, ist eine Anhörung zum Ihme-Zentrum im Bezirksrat Linden-Limmer. Neben Gerd Runge sind außerdem noch Torsten Jaskulski (Verwalter des Ihme-Zentrums), Jürgen Oppermann, Vertreter der Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum sowie Constantin Alexander eingeladen. Das Ganze beginnt um 19 Uhr im Freizeitheim Linden und ist öffentlich.