Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: spaziergang

Februar 2016 – Alle müssen mitmachen

2014 startete die Stadtverwaltung von Hannover das einzigartige BürgerInnen-Beteiligungsprojekt „Hannover2030“. Hunderte Veranstaltungen wurden dazu gemacht, alle wichtigen Themen besprochen, die Bürgerinnen und Bürger hatten gute Gelegenheit, der Verwaltung und den Mitgliedern im Stadt- und in den Bezirksräten zu sagen, wie sie sich ein besseres Hannover in 2030 vorstellen.

Auch ich durfte bei Podiumsdiskussionen und öffentlichen Anhörungen einbringen, dass das Ihme-Zentrum eine Chance ist und eine Transformation möglich. Bei der Auswertung des Beteiligungsprojektes betonte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) noch einmal, wie wichtig es sei für eine Stadt wie Hannover, die Bürgerinnen und Bürger aktiv mit einzubeziehen in die Planung.

Im zuständigen Bezirksrat Linden-Limmer sehen das nicht alle Mitglieder so. Bei einer Sitzung am Mittwoch, 3. Februar, beschloss eine große Mehrheit der Parteien, dass sich die gewählten Vertreter bei einem Rundgang einen Überblick über die Lage vor Ort verschaffen werden. Auch wurde beschlossen, dem Rat der Stadt vorzuschlagen, eine sogenannte Voruntersuchung zu machen, ob das Ihme-Zentrum ein städtebauliches Sanierungsgebiet ist.

Die SPD war in Teilen gegen diesen Vorschlag und lehnte auch einen Besuch des Ihme-Zentrums ab. Ihr Fraktionsvorsitzende Eike Geffers sagte sogar, dass eine Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung der unteren Geschosse des Zentrums nicht sinnvoll wäre. Der Großeigentümer Intown habe aus seiner Sicht schon genug Probleme, mit den übrigen Eigentümerinnen zurecht zu kommen. „Wir als SPD sind für die Beteiligung“, antwortete Geffers auf eine Anfrage per E-Mail. „Aber es bringt uns nicht weiter, wenn wir Erwartungen wecken, die nicht zu erfüllen sind.“ Um das zu besprechen habe ich die SPD-Fraktion für Linden-Limmer  persönlich zum nächsten Rundgang am 14. Februar eingeladen. Wer ebenfalls dabei sein möchte, kann sich hier anmelden.

Fast jeden Tag erreichen mich Ideen, Wünsche und Visionen für das Ihme-Zentrum. Es gibt viele Menschen, die als Mieter oder sogar Besitzer von Gewerbe und Wohnung sofort einziehen würden. Der Wunsch nach einer Beteiligung der Einwohner, Anwohner und Bürgerinnen und Bürger von Hannover an einem positiven Wandel ist enorm. Auch in Zukunft werden an dieser Stelle ausgewählte Ideen vorgestellt.

Wer Lust hat, gemeinsam mit uns positive Visionen für das Ihme-Zentrum zu entwickeln: Am 27. Februar machen wir eine Zukunftswerkstatt auf dem Utopianale Filmfestival im Freizeitheim Linden. Vorher zeigen wir erste Ausschnitte unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“. Hier gibt es dazu alle Infos. Oder schreibt eine E-Mail.

Dieser Artikel wurde um 18.30 Uhr aktualisiert.

Herbst 2015 – Rundgänge durchs Ihme-Zentrum

Ihme-Zentrum, 2014.

Warum sieht das Ihme-Zentrum aus wie eine Baustelle? Wieso wurde dieser vermeintliche Klotz überhaupt einmal gebaut? Gibt es wirklich eine U-Bahnstation? Und was können wir machen, damit aus dem Quartier ein nachhaltiges, buntes, kreatives Stadtviertel der Zukunft wird?

Diese und andere Fragen beantworte ich bei einem kommentierten Spaziergang durchs Ihme-Zentrum. Das Ganze dauert etwa anderthalb Stunden und ist kostenlos. Spenden nehme ich gerne an. Sie helfen, dieses Projekt am Leben zu halten, die Website zu pflegen und finanzieren die geplante Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“.

Anmeldungen per E-Mail an rundgang(at)ihmezentrum(.)org

August 2015 – Das Ihme-Zentrum als Fotomotiv

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Am Mittwoch, 19. August, organisieren Pamuk Akkaya und ich einen kommentierten Rundgang durchs Ihme-Zentrum extra für Fotografen und Instagram-Nutzer: ein sogenanntes InstaMeet. Hier erklärt die Social-Media-Expertin, was Besucher erwartet und warum das Ihme-Zentrum aus ihrer Sicht ein geeignetes Fotomotiv ist.

Wie würdest du ein InstaMeet beschreiben? Was erwartet die Teilnehmenden?
Ein InstaMeet ist ein Treffen für Gleichgesinnte, mit dem Hauptgedanken nicht nicht nur über digitale Bilder am Alltag der User teilzuhaben, sondern diese auch im „echten Leben“ kennenzulernen. Bei solch einem Treffen geht es darum, gemeinsam Fotos und Videos aufzunehmen, sich zu vernetzen, die Vielfalt der eigenen Stadt zu erkunden oder auch einfach nur um etwas Neues zu entdecken und sich von anderen Teilnehmern in Bezug auf die Fotografie inspirieren zu lassen. Durch einen gemeinsamen Hashtag, (z.B. #ihmezentrum_walk) werden im Anschluss die Fotos zugeordnet, mit den Followern geteilt und Einblicke in das vergangene Event gewährt.

Warum ist das Ihmezentrum aus deiner Sicht ein geeignetes Fotomotiv und so spannend für Instagramer?
Weil es viel Potential bietet, vor allem in kreativer Hinsicht.
Der Rundgang ist leider schon voll. Wer beim nächsten dabei sein will, meldet sich unter wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(punkt)de an. Das Ganze dauert etwa zwei Stunden.

August 2015 – Mach dir selbst ein Bild

Die Ihme

Die Zahl der Straftaten im Ihme-Zentrum ist nicht höher als im Rest vom umliegenden Hannover-Linden oder in anderen, vergleichbaren Stadtteilen wie der Nordstadt oder der Calenberger Neustadt. Das sage nicht ich, sondern ist das offizielle Statement der Pressestelle der Polizei Hannover. Und auch mehrere Vertreter des privaten Sicherheitsdienstes, der auf dem Gelände des Zentrums für Ordnung sorgt, bestätigen das. Doch die Statistik und die Erfahrung der Bewohner bewahren einen nicht vor dem Schock, wenn Meldungen von Verbrechen in den Medien sind. Von Verbrechen, die nicht in einer der Wohnungen geschehen, sondern im ehemaligen Gewerbeteil im Erdgeschoss.

Für viele selbst ernannte Experten des Ihme-Zentrums sind solche Meldungen wieder einmal der Beweis, dass der gesamte Gebäudekomplex gescheitert ist. Und diese Wutbürger fordern dann wieder mal nur eins: den Abriss des Ihme-Zentrums. Ich und viele andere Menschen – aus dem Zentrum und von außerhalb – glauben nicht, dass die Probleme löst. Der Grund für ein Verbrechen wie eine Vergewaltigung ist nicht das Gebäude, wo es passiert. Sondern der Täter selbst. Kriminalität gibt es – leider – in jeder Großstadt und dort verteilt. Das Ihme-Zentrum ist kein Hotspot für Gewalt und Verbrechen.

Aber das Ihme-Zentrum ist in seinen leer stehenden Gewerbeteil etwas, das die Psychologen Angstraum nennen. Menschen fühlen sich unwohl, weil das Erdgeschoss unübersichtlich, schmutzig und düster aussieht. Und wenn man sich unwohl fühlt, bewegt man sich auch automatisch anders. Viele fühlen sich in so einem Kontext wie ein Opfer und werden so vielleicht auch eher zu einem.

Doch das muss nicht sein. Es gibt genug Konzepte, wie aus einem Angstraum ein lebendiger Ort wird. Einer davon ist die sogenannte Broken-Window-Theorie, die Theorie der zerbrochenen Fenster. Einfach erklärt: Wenn in einem Viertel Häuser und Infrastruktur verfallen, lockt das automatisch auch Verbrecher an, und am Ende kommt es zum Niedergang eines ganzen Stadtteils. Wenn man nun alles in einem guten Zustand erhält und dafür sorgt, dass sich die Menschen wohl fühlen, dann senkt man damit auch die Kriminalitätsrate. In vielen Städten wie beispielsweise New York führte diese Strategie zu einer rapiden Verbesserung des sozialen Lebens. Was also, wenn der Gewerbeteil des Ihme-Zentrums ebenfalls repariert, modernisiert und wieder belebt werden würde? Einen Versuch wäre es wert.

Wer immer noch glaubt, dass das Ihme-Zentrum eine Hochburg des Verbrechens ist, den oder die lade ich ein, zu einem meiner Rundgänge zu kommen. Der nächste Spaziergang ist am 27. September statt. Das Ganze dauert rund zwei Stunden und ist kostenlos. Anmeldungen unter wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(punkt)de.

Mai 2015 – Warum ich Spaziergänge durchs Ihme-Zentrum anbiete

 

Am Fluss

Seit dem Winter 2014 mache ich kommentierte Spaziergänge durch das Ihme-Zentrum. In meiner Freizeit und kostenlos. Inzwischen kommen pro Termin zwischen 30 und 40 Menschen, die Interesse am Zentrum haben und schauen wollen, wie viel von den Vorurteilen und Legenden wirklich wahr ist. Fast alle sind nach den Rundgängen überrascht, wie lebendig es im Zentrum ist und dass es überhaupt kein Ghetto oder Slum ist. Sondern liebgewonnene Heimat für Tausende Menschen.

Verlassener Garten

Die Rundgänge zeigen mir, warum es im Rahmen meiner Untersuchung wichtig ist, auch die Menschen außerhalb des Zentrums aufzuklären über die genaue Faktenlage und warum das Zentrum so geworden ist, wie es jetzt aussieht. Warum das wichtig ist? Weil das Ihme-Zentrum ein Image-Problem hat. Und ich fast täglich Mails und Nachrichten bekomme, die mich beleidigen, die das Zentrum diffamieren oder einfach nur schimpfen. Hier ein kleiner Ausschnitt einer Mail (Fehler habe ich nicht korrigiert):

„Wofür Führungen? dieses Gebäude ist ein Schandfleck! Man könnte so coole Sachen bauen. Dieser Beton-klotz gehört abgerissen und nichts anderes! So hat man vielleicht früher gebaut, aber es ist einfach nicht mehr Zeitgemäß und es sieht nicht nur aus wie eine Ruine. Ein Wahrzeichen könnte dies überhaupt nicht werden. Ein Wahrzeichen für hässliche Architektur oder was? Die Nord LB sieht doch cool aus. Wenn man mit viel Glas arbeitet und ausgefallenen Formen. Sowas ist modern. Aber dieses Ihme-Zentrum ist nur schrecklich.“

Dachgarten

Dem gegenüber stehen nicht nur die vielen tollen Ideen und Visionen, die ich hier auf dem Blog sammele, sondern auch die Reaktionen der Teilnehmenden an den Rundgängen. An dieser Stelle habe ich einige gesammelt:

Jochen W.: „Ich empfand es als sehr informativ und interessant. Einmal Deine/Ihre Erklärungen (trotz der Aussage, dass es sich nicht um eine Führung handelte); aber auch die Anmerkungen der weitern Anwohnerinnen. Ich finde es großartig, wenn man sich so engagiert und auch freiwillig und unentgeltlich so etwas konzipiert und arrangiert. Es waren mehr Teilnehmer da, als ich vermutete und könnte mir vorstellen, dass man das Ganze in einem kleineren Kreis noch intensiver erleben könnte und sich mehr Raum für einen Austausch ergäbe.“

Jana P.: „Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen, allerdings habe ich mich durch ein Uni-Projekt bereits eingehend mit dem Ihmezentrum beschäftigt, und daher war es für mich nicht überraschend, dass es im Ihmezentrum z.B. kaum Leerstand gibt. Meinem Freund war das bisher aber nicht klar gewesen und ihn hat das überrascht und auch sehr zum Nachdenken angeregt.“

Wasser

Mir ist es zu einfach, nur das Negative im Zentrum zu sehen. Ich möchte mit meiner Untersuchung das Potenzial des Gebäudes zeigen. Das Ihme-Zentrum ist für mich repräsentativ für die Entwicklung unserer Städte. Und die sollten wir aktiv mit begleiten. Deshalb freue ich mich weiterhin über Impulse und Unterstützung. Der nächste Rundgang ist übrigens am 31. Mai.

Spaziergänge durchs Ihme-Zentrum

März 2015

Ist das Ihme-Zentrum eine Ruine? Ein gescheiterter Stadtteil oder eine große Chance? Auf einem kommentierten Spaziergang erkläre ich, wieso das Gebäude so aussieht und welches Potenzial es hat. Wer Interesse hat, schreibt mir bitte eine Mail an rundgang(at)ihmezentrum(.)org. Das Ganze dauert rund zwei Stunden, um Spenden wird gebeten.

For English speakers: If you are interested in tours through and around the Ihmezentrum send me an email. The walk takes approximately 2 hours.