Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: obst

August 2017 – Der Sommer im Ihme-Zentrum

Das Hochwasser Ende Juli 2017 hat aus der Ihme einen richtigen Strom gemacht. Foto: Hans Dieter Keyl.

Trotz eines durchwachsenen Sommers gibt es viele gute Entwicklungen im Ihme-Zentrum: Das Quartier und seine Herausforderungen werden außerhalb Hannovers immer bekannter. Das neue Nachbarschaftszentrum entwickelt sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und viele Bewohner verbessern aktiv mit Grünpflege und Nachbarschaftshilfen die Lebensqualität vor Ort.

Der Juli im Ihme-Zentrum war durchwachsen. Ein heftiger Regen nagte für mehrere Tage an der Fassade und den Dächern und offenbarte manche schwache Stelle. Die Ihme trat über die Ufer und schwemmte ganze Baumstämme vorbei. Kein Wetter, bei dem man gerne nach draußen geht. Doch mit dem August ändert sich so langsam die Großwetterlage im Quartier. Nach dem letzten reinigenden Gewitter wird es jetzt wieder wärmer und die Pflanzen blühen, und das Spazierengehen macht wieder Freude.

 

Manch einer nutze das Hochwasser am Ihme-Zentrum zum Surfen. Foto: Hans Dieter Keyl

Indes hat das schlechte Wetter die Menschen nicht davon abgehalten, dem Ihme-Zentrum einen Besuch abzustatten. Zu mehreren Rundgängen kamen rund 200 Menschen, um sich das Quartier und das im Juni eröffnete und von der Kulturverwaltung der Stadt Hannover geförderte soziokulturelle Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E anzuschauen. Mit den Spenden rückt die vollständige Finanzierung der barrierefreien Toilette in den Räumen immer näher. Seit Anfang August ist außerdem mit dem Künstler Sebastian Stein der zweite Dauermieter neben dem Orchester im Treppenhaus eingezogen. Das BewohnerCafé, ein Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner jeden Dienstag, entwickelt sich zu einem lebendigen Stammtisch.

Doch nach dem Regen folgte Anfang August die Sonne.

Gleichzeitig waren das Quartier und seine Herausforderungen Thema mehrerer überregionaler Workshops und Vorträge. Mit großem Interesse verfolgten im Juni Vertreterinnen und Vertreter des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung im Rahmen des „Stadt von Übermorgen“ Treffens, wie der Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum aus der vermeintlichen Ruine einen positiven Möglichkeitsort geschaffen und sich somit das Image gewandelt hat. Die Expertinnen und Experten bewerteten demokratische Teilhabe und kreative Problemlösungen als wichtig für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums, wie auch für alle Kommunen. Dies entspräche auch der UN mit seinem Plan für „Nachhaltige Städte und Kommunen“.

Die Bewohnerschaft kümmert sich vor Ort intensiv um die Beflanzung im öffentlichen Bereich.

Anfang Juli präsentierten Studierende der Universität Hannover ihre Forschungsarbeiten, die sie im Sommersemester mit der Architektin Karin Kellner und dem Stadforscher Herbert Schubert entwickelt haben. Dabei waren viele gute Arbeiten, die sich mit einer angenehmeren Gestaltung vor Ort beschäftigen. Viele der von den Studierenden entwickelten technischen Lösungen sind gar nicht teuer und relativ schnell umzusetzen. Die Wissenschaftlerin Silke Hüper zeigte außerdem ihre Untersuchungen, wie die Zeitungen den Ruf des Quartiers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mit geprägt haben. In ein paar Monaten wird sie das Ganze noch einmal in der Zukunftswerkstatt vorstellen.

Das Quartier entwickelt sich in Hannover, aber auch außerhalb immer mehr zu einem Thema, über das man spricht.

Im späten Juli wurde das Ihme-Zentrum im Münsteraner Freihaus bei „100 Stunden Brutalismus“ als mögliches Leuchtturmprojekt besprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Kreativwirtschaft zu dem interdisziplinären Event im Rahmen der Ruhrmoderne und der Skulptur Projekte. Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellten ihre Forschungsarbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ über große Brutalismuskomplexen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigten, dass diese oftmals wunderbare Orte zum Wohnen sind und für ihre Bewohnerinnen und Bewohnern geliebte Heimat – wie im Ihme-Zentrum auch. Jan Kampshoff erklärte, wieso frühere urbane Utopien durch Immobilienspekulation scheitern und die erfolgreichen immer auch die Menschen vor Ort integrierten. Am 13. August wird außerdem die Ihme-Zentrums-Dokumentation „Traum Ruine Zukunft“ im Apollokino in Hannover-Lindem gezeigt und am 30. August beim „Architektur.Film.Sommer 2017“ im Museumsquartier in Wien.

Werbeanzeigen

Februar 2017 – Ein Garten im Ihme-Zentrum

Ein Garten blüht

Im Frühjahr 2016 startete eine Gruppe motivierter Gärtnerinnen und Gärtner einen Palettengarten im Ihme-Zentrum. Das Projekt zog schnell große Aufmerksamkeit auf sich und lockte Bewohner, aber auch Interessierte von außerhalb des Quartiers an. Nach dem Winterschlaf geht es nun weiter. Was genau das Team vorhat, erklärt Garten-Sprecherin Isa im Interview.

Ihr habt im vergangenen Jahr einen Palettengarten im Ihme-Zentrum eingerichtet. Was ist das und was habt ihr alles geschafft?

Wir haben angefangen, Hochbeete auf einem brach liegenden Teil des Ihme-Zentrums gegenüber vom Küchengartenplatz zu bauen. Das Gartenprojekt ist für alle offen, und wir freuen uns über immer mehr Menschen, die Lust haben ihren Teil zum Garten beizutragen. So ist unsere Gartengruppe stetig mit dem Garten gewachsen. Gemeinsam haben wir in den Beeten hauptsächlich Gemüse angepflanzt und einen Ort geschaffen, an dem sich wieder gerne aufgehalten wird. So entstand langsam aber sicher eine Gartenoase auf dem zuvor ungenutzten und grauen Betonplatz.

Harte Arbeit

Was kommt in diesem Jahr?
Wir werden den Winter über weiterhin regelmäßige Gartengruppentreffen abhalten, das nächste ist am 17. Februar. Dabei wollen wir das Jahr planen. Der Garten soll auf jeden Fall wieder geöffnet werden, und wir hoffen, dass er weiterhin so toll von den Menschen angenommen wird und viele Lust haben, mitzumachen. Wie genau das aussehen wird, wissen wir noch nicht. Bei der Planung sind den Ideen auf jeden Fall keine Grenzen gesetzt. Unsere Gruppe ist auch nach wie vor offen für neue Gesichter. Man kann uns einfach über die Transition Town Hannover Facebookseite kontaktieren, sich in den Verteiler für die Gartengruppe aufnehmen lassen und schwupps, ist man bei dem nächsten Treffen dabei.

Wie kann man euch unterstützen?
Wir können grundsätzlich immer wieder Sach- und Geldspenden gebrauchen. Aber am meisten freuen wir uns, wenn viele Menschen mit ihren verschiedensten Fähigkeiten den Garten mitgestalten und sich so einbringen. Das nächste Treffen der Gartengruppe ist am 17. Februar um 18h. Interessierte melden sich bitte hier.

kim-und-ich-im-garten_juni-2016

Isabel (links) studiert Soziale Arbeit und kümmert ist mit Kim zusammen verantwortlich für den Palettengarten im Ihme-Zentrum. Beim Gärtnern kann jeder mitmachen.

September 2016 – Ein Picknick im Ihme-Zentrum

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung vorbeigebracht.

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung zum Picknick vorbeigebracht.


Am Sonnabend, 24. September, lädt die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum mit FreundInnen und Kooperationspartnern zum ersten Picknick für BewohnerInnen, FreundInnen und Kulturschaffende. Wir möchten mit Euch ab 15 Uhr zusammenkommen, um gemeinsam zu essen, trinken, klönen. Dafür stellen wir im zweiten Obergeschoss am Ihmeplatz Tische und Bänke auf und rufen zu einem interaktiven Kaffeekränzchen.

Der Ort ist gut über einen der beiden Aufzüge zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm oder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz zu erreichen. Jeder kann dabei einfach dazukommen und muss nichts weiter machen, als ein wenig Proviant mitzubringen.

Wie beim Bürgerbrunch lernt man sich bei Gesprächen besser kennen, kommt unverbindlich miteinander ins Gespräch und kann sich gegenseitig zu Kuchen, Salat & Fruchtcocktails einladen – was man auch immer mitbringen möchte. Natürlich kann man seinen Tisch auch festlich dekorieren! Oder minimalistisch gestalten.

Dazu stellt die Kultur AG der Zukunftswerkstatt Plakate auf, auf denen BewohnerInnen und Künstler festhalten können, welche Spielarten der Kultur dem Ihme-Zentrum grundsätzlich fehlen. Lesungen? Aktionen? Oder doch Ausstellungen samt Bildern aus dem Ihme-Zentrum selbst? Wir wollen mit Euch gemeinsam essen und ein wenig auf kulturelle Ideensammlung gehen.

Bringt Freunde mit! Bringt gutes Wetter mit(wir sind aber zur Not überdacht)! Und seid herzlich Willkommen!

April 2016 – Das Ihme-Zentrum bekommt einen Garten

IMG_7382

Im Winter zeigte Constantin Alexander den Vertretern von Transition Town Hannover einige Orte im Ihme-Zentrum, die sich für ein urbanen und öffentlichen Garten eignen. Nun hat die Verwaltung zugestimmt, und der Urban Garden kann am 10. April losgehen. Im Interview erklärt Philip Kosanke von Transition Town, was die Gruppe vorhat und wie man selbst mitmachen kann. Denn: Der urbane Garten steht jedem offen!

Am 10. April startet ihr ein Urban-Gardening-Projekt im Ihme-Zentrum. Was genau habt ihr vor?
Wir wollen in diesem Jahr im Ihme-Zentrum mit dem Aufbau einer mobilen Garteninfrastruktur, Palettenbeeten und anderen bepflanzten Behältnissen, Wasserreservoirs usw. Akzente setzen nach dem Motto „Wir wollen Zukunft“. Dieser „Wandergarten“ wird von Transition Town Hannover (TTH) schon seit ca. fünf Jahren saisonal an verschiedenen Stellen in Hannover aufgestellt.

Indem wir im Ihme-Zentrum eine grüne Oase entstehen lassen, wollen wir mehrschichtige Wirkungen erzielen. Zunächst geht es längerfristig um die Veränderung der Atmosphäre, einen Gegensatz zu den Flächen und Fassaden aus Beton und Asphalt zu schaffen. Es soll ein Treffpunkt entstehen, der Besuchern und Bewohnern eine neue Aufenthaltsqualität im Umfeld des Gartens schafft. Die Hoffnung ist, dass sich dadurch eine große Außenwirkung entfaltet.

Das Prinzip von Urban Gardening sind ja offene Gärten. Wo und wie melden sich bei euch Menschen, die mitmachen wollen?
Das Projekt lebt davon, dass viele Menschen mitmachen, sich treffen und Spaß am Garten haben. Neben den passionierten und interessierten Gärtner*Innen sollte der Platz auch von kreativen Personen mitgestaltet und wünschenswerter Weise vor allem von den Bewohnern als Aufenthaltsraum ausgebaut werden. Mitmachen kann also erst mal Jede(R). Der wichtigste Weg, Mitmacher zu integrieren, ist erfahrungsgemäß die Mund-zu-Mund-Propaganda: also schon aktive Gartenbenutzer oder die Transition-Town-Verantwortlichen vor Ort anzusprechen. Letztere können auch über die Mailadresse pr(at)tthannover(punkt)de erreicht werden.

Wasser und Brutalismus 2

Braucht ihr vorher noch Hilfe beim Anlegen des Gartens?
Allerdings! Am kommenden Wochenende findet das Ballhof-Marktplatz-Spektakel auf dem Ballhofplatz statt. Samstag und Sonntag werden dort in einem Workshop von TTH die Pflanzkisten gebaut. Um die Kisten, Pflanzen und anderes Gartenzubehör an seinen Bestimmungsort zu bringen, wird am Sonntag ab 16 Uhr die Pflanz- und Tanz-Demo veranstaltet. Mit umweltfreundlichen fahrbaren Untersätzen aller Art soll der Garten mit musikalischer Unterstützung bis zum Ihme-Zentrum „wandern“. Dort wird er anschließend aufgestellt.

Dazu brauchen wir noch viele Menschen, Hände, Fahrradanhänger, Lastenräder, Skateboards usw., damit es eine schöne große Prozession wird. Jede Unterstützung ist hilfreich, schon wenn ein Blumentopf, eine Harke oder eine Gießkanne getragen wird. Im Ihme-Zentrum werden dann in der folgenden Woche die Kisten und Behälter mit Erde befüllt und alles eingepflanzt. Dabei könnte wieder mitgeholfen werden. Das Wetter soll am Sonntag jedenfalls sehr gut werden.

Aus deiner Sicht: Warum eignet sich das Ihme-Zentrum für Urban-Gardening?
Das Ihme-Zentrum ist ein gigantischer, in die Jahre gekommener Betonbau mit zum größten Teil unbegrünten Dachflächen, Plätzen und Fassaden. Der Verfall ist an vielen Stellen mehr und mehr sichtbar. Ich denke, dass dadurch die Attraktivität für Bewohner und Besucher gering ist, sich im Außenbereich aufzuhalten. Die Kontrastwirkung durch einen urbanen Garten ist deshalb besonders groß. Er kann Menschen zusammenbringen, die sich durch die Auseinandersetzung mit dem „grauen Koloss“ gedanklich positiv mit der Zukunft des Ihme-Zentrums, also ihrer direkten Wohnumgebung auseinandersetzen. Diese „Stadtentwicklung auf Bürgerebene“ ist ja immer auch ein Ziel der urbanen Gärten.