Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: niedersachsen

Juli 2017 – Das Ihme-Zentrum als Teil der Skulptur Projekte Münster

Der Baustil des Ihme-Zentrums, der Brutalismus, erlebt derzeit ein Revival. Immer mehr Architekten, Stadtentwickler, Kreativschaffende und Künstler entdecken das Erbe dieser vergessenen Moderne aus den 60er- und 70er-Jahren und fordern ein Umdenken im Umgang damit. Anstatt die Brutalismus-Gebäude abzureißen, sollten sie wie das Barbican Centre in London wieder belebt werden. Dass auch das Ihme-Zentrum ein riesiges Potenzial bietet, zeigt nicht zuletzt der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Am Samstag, 29. Juli 2017, darf Constantin Alexander, Mitgründer der Zukunftswerkstatt und Initiator des Transformationsprojektes im Ihme-Zentrum, bei einem Symposiums im Rahmen der Skulptur Projekte Münster erklären, warum und wie das Ihme-Zentrum ein neues Wahrzeichen für Hannover werden soll. Die Veranstaltung „Brutiful Life“ im Freihaus MS ist hochkarätig besetzt: Mit auf dem Podium sitzen Inke Arns (HMKV, Dortmund), Theo Deutinger (T. D. Architects, Amsterdam & Salzburg), Georg Elben (Skulpturenmuseum Glaskasten Marl) und Oliver Elser (D. A. M. Frankfurt).

Kooperationspartner ist StadtBauKultur NRW.

Januar 2016 – Deine Vision fürs Ihme-Zentrum

Das Ihme-Zentrum ist Hannovers größter Freiraum überhaupt. Tausende Quadratmeter stehen hier leer und warten nur darauf, bespielt zu werden. Dabei ist fast alles möglich: Kunst, Kultur, Sport, Soziales, nette Geschäfte, Bildung, Spielplätze, urbane Gärten. Wir haben im Rahmen der Produktion unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ Menschen aus der Stadt gefragt, was sie für eine Vision für das Ihme-Zentrum haben. Hier sind ein paar Beispiele.

Herbert Schmalstieg, ehemaliger Oberbürgermeister von Hannover

 

Monika Stadtmüller, Vorsitzende des Seniorenbeirats Hannover

 

Jan-Philippe Lücke, Bewohner des Ihme-Zentrums und Künstler

 

Du hast auch eine Vision fürs Ihme-Zentrum? Am 27. Februar machen wir eine Zukunftswerkstatt zum Ihme-Zentrum und nachhaltiger Stadtentwicklung auf dem Utopianale Filmfestival im Freizeitheim Linden. Vorher zeigen wir erste Szenen aus unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ in einem  Pre-Screening. Tickets dafür gibt es hier auf unserer Crowdfunding-Seite. Kommt vorbei und macht mit! Die Zukunftswerkstatt wird auch für den Film dokumentiert.

Du interessierst dich für einen Rundgang durchs Ihme-Zentrum?

Dezember 2015 – Der perfekte Spielort

Traum

Immer wieder bitten mich Künstler, ihnen das Ihme-Zentrum zu zeigen. Anscheinend fällt es kreativen Menschen einfacher, das Potenzial des Quartiers sofort zu sehen. Im Herbst durfte ich einmal Mitgliedern des fantastischen Orchesters im Treppenhaus zeigen, wo in wenigen Jahren Proberäume oder sogar ein Konzertsaal entstehen könnten. Die Musiker waren begeistert. Im Interview erklärt einer von ihnen – Simon Kluth –, was er sich für das Ihme-Zentrum vorstellen könnte.

Ich habe dir und Teilen des Orchesters im Treppenhaus das Ihme-Zentrum bei einem Rundgang gezeigt. Wie hat das Gebäude auf dich gewirkt?
Das Ihme-Zentrum wirkte für mich anfangs nicht sehr einladend. Tatsächlich war es für mich der allererste Besuch des Ihme-Zentrums überhaupt! Es gab vorher einfach nie eine Gelegenheit oder einen Anlass, in das Gebäude zu gehen. Das Ihme-Zentrum wirkt wie ein hermetisch abgeriegeltes Baukonstrukt, von dem mal als Außenstehender nur mutmaßen kann, was innerhalb des Gebäudes vor sich geht. Es ist erstaunlich, wie viel in diesem Gebäude verfallen oder unfertig daliegt, obwohl doch jede Wohnung im Ihme-Zentrum bewohnt ist und der Lebensraum so vieler Menschen ist! Allem voran der erste Stock, welcher als Einkaufszentrum gedacht war. Fast unvorstellbar, dass hier noch bis vor ein paar Jahren diverse Geschäfte beherbergt wurden.

Leere.

Viel Platz für Kultur: Hier könnten Proberäume, Ateliers, Werkstätten und vieles mehr entstehen.

Hat das Ihme-Zentrum aus deiner Sicht als Musiker Potenzial?
Das Ihme-Zentrum als Ort kultureller Einrichtungen und Spielort von Kunst und Kultur ist perfekt. Es ist diese interessante Divergenz zwischen, ich sage mal vorsichtig, Ruine und Lebensraum vieler Menschen. Mein Schaffen als Musiker ist besonders von dem unkonventionellen Aufführen von Musik geprägt. Sei es nun im Ausdenken neuer Formate oder dem Entdecken und Bespielen neuer Spielorte. Das Ihme-Zentrum ist in dieser Hinsicht eine ideale Spielwiese. Mittel- und langfristig gesehen hat man aber zudem mit dem Ihme-Zentrum die Chance, die kulturelle Landschaft nicht nur dieses Gebäudes, sondern ganz Hannovers zu prägen. Das, was Städte wie Berlin auszeichnet und attraktiv macht, hat man hier in Hannover quasi vor der Haustür.

Was wäre dein Traum, dort zu realisieren – ein konzertsaal oder Proberäume zum Beispiel?
Die Einrichtung eines ständigen Proberaumes für das Orchester im Treppenhaus wäre fantastisch. Wir sind schon lange auf der Suche danach. Das Ihme-Zentrum liegt zentral in Hannover und ist gut erreichbar. Es bietet viel Platz und inspiriert zu neuen Ideen. Für uns als entdeckungsfreudiges und unkonventionelles Kammerorchester einfach perfekt!

Foto: Philipp Loeper

Foto: Philipp Loeper

Simon Kluth, 1986 in Hamburg geboren, studierte Musik mit Hauptfach Violine in Detmold, Hannover und Paris. Simon ist Erfinder und Moderator des Komponistenwettstreits Composer Slam, den er in verschiedenen Städten in ganz Deutschland organisiert. Zusammen mit dem MusikZentrum Hannover wurde er mit dem Förderpreis Musikvermittlung 2015 des Musikland Niedersachsen ausgezeichnet und für den internationalen JUNGE OHREN PREIS 2015 nominiert. Simon ist Mitglied im Orchester im Treppenhaus sowie im Kammerorchester Hamburger Camerata. Mit seinem SonARTrio, ein Ensemble für Neue Musik, wurde er Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbes 2013. Simons Zuhause ist die Bühne, ob Konzertsaal, Club oder Bar. Regelmäßige Auftritte hat er ebenfalls mit der Band Milou&Flint. Durch sein breitgefächertes Interesse spielt Simon mit Künstlern unterschiedlichster Genres zusammen.

Interesse am Ihme-Zentrum? Der nächste kommentierte Spaziergang durch das Quartiert ist am Sonntag, 17. Januar. Das Ganze dauert etwa anderthalb Stunden und ist kostenlos. Anmeldungen unter wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(punkt)de.

Dezember 2014 – „Ich finde diesen Stil aus den 1970er-Jahren toll“

Ausgang

Ole Witt studiert Fotografie an der Hochschule Hannover. Für ein Studienprojekt hat er zahlreiche Bewohner des Ihme-Zentrums besucht und abgelichtet – auch mich. Ich sprach mit ihm über die Rolle des Zentrums für Hannover und über die Ästhetik des Betons.

Ole, wie kommst du dazu, ein Fotoprojekt über die Bewohner des Ihme-Zentrums zu machen?
Ich bin in Hannover groß geworden und habe das Ihme-Zentrum immer wahrgenommen. Früher war ich hier sogar einkaufen. Ich wollte wissen, was für Menschen hier leben. Was steckt dahinter. Und dann sind die Meinungen zum Zentrum ja so gesplittet zwischen totaler Ablehnung und großem Interesse, das finde ich interessant.

Was sind das für widersprüchliche Meinungen aus deiner Sicht?
Auf der einen Seite stehen die Menschen, die das Zentrum als absolute Bausünde sehen. Und auf der anderen Seite wird es als kulturell wichtig bewertet. Ich dachte mir: So unterschiedlich wie die Meinungen, so unterschiedlich sind sicher auch die Menschen, die im Zentrum leben.

Und ist das auch so?
Ja. Ich habe zahlreiche Menschen fotografiert – die Lebensweisen waren dabei so komplett verschieden. Und auch die Wohnungen sind sehr unterschiedlich. Von kleinen Künstlerwohnungen bis zum luxuriösem Loft. Das finde ich spannend.

Ästhetisch wird dem Zentrum häufig Hässlichkeit vorgeworfen. Wie siehst du das?
Es gibt ja den Spruch „Im Ihme-Zentrum sind die schönsten Wohnungen Hannovers, weil man von dort das Zentrum selbst nicht sehen kann“. Das sehe ich nicht so. Ich finde diesen Stil aus den 1970er-Jahren toll. Ich habe aber auch keinen Bezug zu der Zeit, in der es gebaut wurde. Dafür bin ich mit meinen 22 Jahren zu jung. Und ich kann mir vorstellen, dass die Menschen, die seit Jahrzehnten im Zentrum leben, das alles als veraltet ansehen.

Hat sich deine Meinung zum Zentrum positiv verändert seit deinem Projekt?
Nein, ich fand es vorher auch schon gut. Und es gehört einfach zu Hannover dazu.

Ole Witt

Ole Witt, Fotograf und Student aus Hannover.