Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: nachhaltig

Von der Ruine zum Hype – die Wiederentdeckung des Ihme-Zentrums

Rund 100.000 Quadratmeter Leerstand in bester Lage. Eine bewegte Geschichte, die an einen Krimi erinnert. Und ein Ruf, der nur wenig Hoffnung macht: Als Constantin Alexander im Sommer 2014 für ein wissenschaftliches Experiment ins Ihme-Zentrum zieht, lag der Brutalismus-Stadtteil am Rande von Hannovers Innenstadt am Boden. Ignoriert von der Politik und der Wirtschaft dominierte Hoffnungslosigkeit und negative Presse die Stimmung der meisten Bewohner.

Vier Jahre später sieht das Ganze anders aus: Mit einer Mischung aus Forschung und einer kreativen, inzwischen preisgekrönten Nachhaltigkeitskampagne von Constantin Alexander wurde aus der vermeintlichen Ruine ein Möglichkeitsraum und Ort für Innovationen: 

Immer häufiger ziehen junge Familien ein. Künstler und Kreative haben das Quartier entdeckt, und sogar die Stadtpolitik verspricht ein größeres Engagement.

Wie der Wandel gelungen ist und welche Lektionen sich daraus für ganz Hannover ziehen lassen, erläutert Initiator Constantin Alexander am Mittwoch, 13. Juni, im Gespräch mit Jan Egge Sedelies (Hannoversche Allgemeine Zeitung).

Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Der Eintritt ist kostenlos. Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung per E-Mail notwendig unter mail(at)ihmezentrum.org.

Die Veranstaltung ist der Abschluss der #ihmezentrum2025 Reihe, bei der Innovationen im urbanen Raum erforscht wurden. Die Reihe wurde gefördert aus Mitteln des Innovationsfonds des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover.

Warum das Ihme-Zentrum ein Ort für Innovation und Nachbarschaft ist

Mit ihrem Innovationsfonds fördert das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover neue Projekte aus Hannover. Auch #ihmezentrum2025 erhält eine Unterstützung aus diesen Mitteln. Im Interview erklärt Bernd Jacobs vom Kulturbüro, warum Möglichkeitsräume wichtig sind und wie das Thema Nachbarschaft innovativ neu gedacht werden kann. Am 21. April ist er mit beim Event „Stadt als Möglichkeitsraum“ in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Am 21. April gibt es im Ihme-Zentrum die Veranstaltung „Stadt als Möglichkeitsraum“ mit der Leuphana Universität Lüneburg. Wie würdest du einen Möglichkeitsraum beschreiben und hast du Beispiele dafür in Hannover?
Kurz gesagt ist für mich ein Möglichkeitsraum, wo man sich mit wenig Vorgaben mit Ideen, Visionen und Utopien austoben kann. Dort besteht die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten an der Umsetzung dieser Ideen zu arbeiten. Mit dem Platzprojekt hat sich ein solcher Ort in Hannover bereits entwickelt. Dort kann man in Gemeinschaft, aber auch alleine Möglichkeitsträume gestalten.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der #ihmezentrum2025 Reihe statt, die durch den Innovationsfonds des Kulturbüros gefördert wird. Was genau ist das Ziel des Innovationsfonds und wie wirken die Projekte in der Stadt?
Mit dem Innovationsfonds für Kunst und Kultur sollen neue Impulse für die Kulturlandschaft Hannovers und besonders ideenreiche, interdisziplinäre Projekte gefördert werden. Dadurch wird ein Beitrag zur innovationsfreundlichen Entwicklung der Kunst und Kulturlandschaft der Landeshauptstadt geleistet.
Dabei ist es der Jury besonders wichtig, dass insbesondere junge Erwachsene und Migranten angesprochen werden. Durch die drei Förderschwerpunkte First Steps – Junge Hunde, Get Together und Long Life – wird u.a. sichergestellt, dass unterschiedlichste Partner innovative interdisziplinäre Projektideen entwickeln.
Gerade unter der Überschrift Möglichkeitsräume sind bzw. werden viele Projekte gefördert. Der Open Space (OSCO) auf dem Platzprojekt als nicht kuratierter Kunst und Kulturraum ist ein gutes Beispiel dafür. Ein weiteres ist das Projekt upgration vom Cameo Kollektiv, dass einen mit der Plattform einen virtuellen Möglichkeitsraum entwickelt.

Hannover will 2025 Europäische Kulturhauptstadt werden. Welche Rolle siehst du da für Möglichkeitsräume? Und wie unterstützt ihr mit dem Bereich Junge Kultur die Entwicklung dieser Orte?
Junge Kultur setzt auf eine Ermöglichungs- und Anerkennungskultur für junge kreative Menschen in Hannover. Gerade mit diesem offenen partizipativen Ansatz kann Junge Kultur neue und spannende Ideen für die Kulturhauptstadt Bewerbung generieren. Wenn ich mir die geförderten Projekte aus dem Innovationsfonds Kunst und Kultur 2018 ansehe, dann können mehr als die Hälfte mit dem Arbeitstitel der Kulturhauptstadtbewerbung Nachbarschaft in Verbindung gebracht werden. Also scheint Nachbarschaft neu interpretiert und gedacht ein relevantes Thema zu sein und wir werden über unsere Netzwerke und PartnerInnen viele Impulse in Richtung Kulturhauptstadtbüro geben können. Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum arbeitet ja eigentlich auch mit dem Thema Nachbarschaft auf unterschiedlichen Ebenen.

Bernd Jacobs leitet den Bereich Junge Kultur im Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover. Angedockt an das Kulturbüro ist das Sachgebiet Junge Kultur spartenübergreifend Ansprechpartner für die Zielgruppe der 20- bis 35-jährigen Kunst- und Kulturschaffenden. Ziel ist, junge kreative Menschen an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft zu unterstützen und zusammenzubringen und deren Projekte, auch finanziell, zu fördern. Dazu gehört es, eine tragfähige Netzwerk- und Infrastruktur aufzubauen und eine Anerkennungs- und Ermöglichungskultur für neue, interdisziplinäre, innovative Ideen zu entwickeln.

Bei der Veranstaltung „Stadt als Möglichkeitsraum“ am 21. April der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (Ihmeplatz 7e) wird es neben Vorträgen konkrete Workshops geben sowie der Film „Hanother“ gezeigt. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Das Forschungsprojekt „Stadt als Möglichkeitsraum“ wurde gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft.

Was: „Stadt als Möglichkeitsraum“, Vorträge, Workshop, Filmvorführung.
Wann: 21. April, 14 bis 18 Uhr
Wie viel: Eintritt frei
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e, 30449 Hannover

Mit dem Ihme-Zentrum und weiteren Riesen auf Augenhöhe

Warum sind Großbauten wie das Ihme-Zentrum so faszinierend? Die Architekturexpertinnen und Wissenschaftlerinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku Großbauten haben mit ihrem Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ Großkomplexe der 1960er und 1970er Jahre in Deutschland analysiert und portraitiert. Am 4. April kommen sie mit einem Fotovortrag in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Viele dieser Gebäude stehen seit Jahren in der Diskussion, zum Teil waren oder sind sie sogar vom Abriss bedroht. Diese Bauten prägen noch heute die Stadtstruktur vieler Städte und stehen für eine euphorische Phase in Stadtplanung und Bauwesen.

In einem Vortrag zeigen Apfelbaum und Utku die Qualitäten dieser Gebäude und wie sich deren Wahrnehmung wandelt. So wie bei Das Ihme-Zentrum in der Landeshauptstadt Hannover.

Als Einführung sprechen Prof. Ekkehard Bollmann (BDA Niedersachsen -Bund Deutscher Architekten Landesverband Niedersachsen-) und Prof. Wilhelm Meyer Grußworte.

4. April: „Mit den Riesen auf Augenhöhe“
19 bis ca. 22 Uhr, Eintritt frei
Vortrag der Architektinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku über Großwohnsiedlungen wie das Ihme-Zentrum

Die Veranstaltung findet im Rahmen von #ihmezentrum2025 statt. Die Reihe beschäftigt sich mit Zukunftsszenarien für das umstrittenste Quartier Hannovers und wird gefördert vom Innovationsfonds des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover. Weitere Partner bei dieser Veranstaltung sind der Verein zur Förderung der Baukunst und der Bürgersender h1.

Hier die zugehörige Event-Seite bei Facebook

„Ich wünsche mir eine bessere Zukunft für das Ihme-Zentrum“

Foto: Samuel Kirby http://www.samuelkirby.com

Als Kulturdezernent hat sich Harald Härke (parteilos) immer wieder für das Ihme-Zentrum eingesetzt. Im Interview erklärt er, wieso das Quartier so großes Potenzial nicht nur für Kreative und Künstler hat und welche Rolle das Ihme-Zentrum bei der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt spielen könnte.

Herr Härke, Sie gelten in der Öffentlichkeit seit Jahren als Politiker, der sich für eine positive Entwicklung im Ihme-Zentrum einsetzt. Ihre Mitarbeitenden unterstützen Bewohnerprojekte und Kulturinitiativen. Was bewegt Sie bei dem Thema?
Es tut mir ehrlich weh, wenn ich sehe, wie der Zustand dieses früher so lebendigen Stadtteils ist. Die Menschen, die im Ihme-Zentrum leben und arbeiten, erleben jeden Tag krasse Herausforderungen. Ich kenne das Viertel ja noch, als es funktioniert hat. Hier sind schließlich auch die ganzen Musikstars der 1970er-Jahre aufgetreten. Ich wünsche mir eine bessere Zukunft für das Quartier!

Sehen Sie die Möglichkeit für eine Wiederbelebung?
Meine Mitarbeitenden im Kulturdezernat und Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover und ich sehen das Ihme-Zentrum, so wie die Bewohner und viele Künstler und Kreative: Ein spannender Ort mit einem großen Potenzial. Wir unterstützen deshalb auch beispielsweise die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum über die Stadtteilkultur oder den Künstler Sebastian Stein mit einer Atelierförderung. Doch das Viertel bietet so viel mehr Platz für Arbeitsräume, Werkstätten, Proberäume, Ateliers oder Ausstellungsräume.

Immer häufiger kommen Besucher gezielt ins Viertel, um sich anzuschauen wie es hier aussieht. Wie sehen Sie das?
Ich stelle mir vor, welchen positiven Effekt eine Wiederbelebung nicht nur für das Ihme-Zentrum hat, sondern für ganz Linden und sogar ganz Hannover. Es ist ja hier genauso wie an vielen anderen Orten in unserer Heimatstadt: Überall findest du Baustellen – im wörtlichen und im übertragenden Sinn. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen im Jahr 2025 nach Hannover kommen und sich im Ihme-Zentrum und an vielen weiteren Orten anschauen können, wie kreativ, vielseitig und liebenswert diese Stadt und ihre Bewohner sind!

2025 soll Hannover Europäische Kulturhauptstadt sein. Ihr Team bereitet derzeit die Bewerbung vor. Viele Menschen in der Stadt – auch außerhalb der Kulturszene – sehen das als große Chance. Welche Rolle könnte dabei das Ihme-Zentrum spielen?
Bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt stellen die zuständigen Mitarbeitenden der Europäischen Union immer die Frage nach der Nachhaltigkeit des Projekts: Was bleibt, wenn die Feierlichkeiten vorbei sind? Wie sieht Hannovers Kulturszene und die Stadt selbst im Jahr 2026 und darüber hinaus aus?

Unserem Team um Melanie Botzki und Benedikt Pönsgen ist es sehr wichtig, in einen Dialog mit den Menschen zu gehen: Die Kultur hat aus meiner Sicht auch ein bisschen die Aufgabe, Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Und im Ihme-Zentrum zeigt sich ja, wie wichtig und positiv ein bisschen frischer Wind ist. Als Kulturbüro unterstützen wir daher über unseren Innovationsfonds die Veranstaltungsreihe „#ihmezentrum2025“, die von Constantin Alexander kuratiert wird: Es wird Vorträge geben zu aktuellen Themen der Stadtentwicklung und Workshops, auf denen Bewohner gemeinsam mit Architekten, Stadtentwicklern, Ingenieuren, Wirtschaftlern, Künstlern und vielen mehr Entwicklungsansätze und Visionen erarbeiten, wie das Ihme-Zentrum im Jahr 2025 aussehen könnte.

Was finden Sie daran so spannend?
Das ist für mich wie bei einem Orchester, wo die Instrumentalisten nur gemeinsam etwas Großartiges schaffen: Hier kommen Menschen zusammen, um gemeinsam an der konkreten Verbesserung unserer geliebten Stadt Hannover zu arbeiten. Da zeigt sich, welchen Wert und welchen positiven Einfluss Kultur haben kann.

 

Harald Härke ist Kulturdezernent der Landeshauptstadt Hannover und riesiger Hannover-96-Fan.

September 2017 – Wie die Medien das Ihme-Zentrum sehen

Ab und zu besuchen Medienvertreter das Ihme-Zentrum, um sich vor Ort anzuschauen, wie Bewohnerinnen und Bewohner konstruktiv an der Verbesserung ihres Stadtteils arbeiten.
Hier zwei aktuelle Artikel – über das Nachbarschaftscafé in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum und junge kreative Aktivistinnen aus dem Quartier.

Erschienen in „Hallo Linden“, September 2017.

 

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„Schöne neue Welt“ bei Süddeutsche Zeitung / jetzt.de

September 2017 – Zukunftswerkstatt für Nachhaltigkeitspreis nominiert

Das Ihme-Zentrum ist keine Ruine, sondern ein Möglichkeitsraum. Alles ist reparabel. Die Bewohnerschaft braucht eine stärkere Stimme bei der Gestaltung der Zukunft des Quartiers, und alle betroffenen Akteure sollten sich zu einem Runden Tisch zusammen finden. Das sind einige der wichtigsten Themen, für die sich der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum seit April 2016 einsetzt.

Die rund 80 Mitglieder sind Bewohner (Mieter und Eigentümer) im Ihme-Zentrum, aber auch engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur oder Medien. Sie alle eint der Wunsch das Quartier positiv und konstruktiv zu entwickeln. Seit Juni 2017 gibt es mit der gleichnamigen Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E zum ersten Mal überhaupt ein soziokulturelles Nachbarschaftszentrum im Quartier.

Für ihre Arbeit wurde der Verein im zweiten Jahr in Folge für den Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis nominiert: Bis zum 3. Oktober kann hier unter diesem Link noch abgestimmt werden. Unterstützt das Team und gebt eure Stimme. So zeigen wir, dass die Menschen in Hannover konstruktiv und nachhaltig mit den Herausforderungen umgehen!

September 2017 – Das Ihme-Zentrum als kreativer Treffpunkt

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Drohnenrennen, Kunsttreffen, Barcamp – das Ihme-Zentrum entwickelt sich immer mehr zum Treffpunkt der Kreativen und motivierten Stadtentwickler.

Für viele ist das Parkdeck in den untersten zugänglichen Stockwerken des Ihme-Zentrums eine weitestgehend leere Fläche ohne Sinn. Autos können nur in kleinen Bereichen parken, trotz akuter Parkplatznot im Umfeld. Für Martin Bennat ist die riesige freie Fläche jedoch mehr: es ist ein Spielplatz. Mehrere Monate verzog er sich ins Parkdeck, um dort seinem großen Hobby zu frönen: dem Drohnen-Fliegen. Weil er nicht allein ist mit dieser Leidenschaft hat er am 2. September das wohl erste Drohnen-Rennen Hannovers im Ihme-Zentrum organisiert. Hunderte Schaulustige und zahlreiche Profi-Flieger kamen und verwandelten das Parkdeck in eine Rennstrecke. Hoffentlich nicht zum ersten Mal.

Während im Untergrund die Drohnen summten und große Männer und Frauen wieder zu staunenden Kindern wurden, wurde ein paar Stockwerke darüber an der Zukunft des Quartiers gearbeitet. Im soziokulturellen Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E trafen sich zahlreiche Bewohnende, Kreative, Architekten, Vertreter der Stadtverwaltung, Wirtschaft, Kirche und Wissenschaftler, um bei einem Barcamp zu diskutieren, welche Aufgaben der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im kommenden Jahr übernehmen sollte. Entlang der drei Themen „Wider dem Gefühl der Ohnmacht – wie erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner im Ihme- Zentrum eine stärkere Stimme?“, „Spekulanten, Künstler, Handwerker – wie findet der Verein einen guten Umgang mit wirtschaftlich orientierten Akteuren im Ihme-Zentrum?“ und „Mehr grün, Kultur und Versorgung – wie steigern wir die Lebensqualität im Ihme-Zentrum?“ tauschten sich die Teilnehmenden intensiv, freundlich und konstruktiv aus, sodass am Ende konkrete Ideen und Projekte entwickelt wurden. In den kommenden Monaten werden einige davon realisiert.

Das Barcamp war die erste Veranstaltung dieser Art. Im kommenden Jahr wird es dazu mehrere Events geben, die sich mit der positiven und konstruktiven Entwicklung des Viertels beschäftigen.  „Zum ersten Mal konnten Bewohnende mit Menschen aus der Stadtverwaltung und Expertinnen und Experten aus Architektur, Kultur und Wirtschaft zusammen konkret Innovationen für das Ihme-Zentrum entwickeln“, zeigte sich Organisator und Vereinsvorsitzender Constantin Alexander zufrieden mit der Veranstaltung. „Das bestärkt uns darin, weiter an einem Runden Tisch für die positive Entwicklung im Ihme-Zentrum zu arbeiten.“

Am Sonntag dann präsentierte Artist Resident in der Zukunftswerkstatt, Sebastian Stein, sein neues Magazin Ruine. Mit weiteren Künstlerinnen und Künstlern bei Kaffee und Kuchen wurde lebhaft diskutiert und Pläne gesponnen. Sebastian hat weitere Aktionen im Nachbarschaftszentrum angekündigt – bis zum Ende des Jahres nutzt er einen der Arbeitsräume dort im Rahmen der Atelierförderung der Landeshauptstadt Hannover.

August 2017 – Der Sommer im Ihme-Zentrum

Das Hochwasser Ende Juli 2017 hat aus der Ihme einen richtigen Strom gemacht. Foto: Hans Dieter Keyl.

Trotz eines durchwachsenen Sommers gibt es viele gute Entwicklungen im Ihme-Zentrum: Das Quartier und seine Herausforderungen werden außerhalb Hannovers immer bekannter. Das neue Nachbarschaftszentrum entwickelt sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und viele Bewohner verbessern aktiv mit Grünpflege und Nachbarschaftshilfen die Lebensqualität vor Ort.

Der Juli im Ihme-Zentrum war durchwachsen. Ein heftiger Regen nagte für mehrere Tage an der Fassade und den Dächern und offenbarte manche schwache Stelle. Die Ihme trat über die Ufer und schwemmte ganze Baumstämme vorbei. Kein Wetter, bei dem man gerne nach draußen geht. Doch mit dem August ändert sich so langsam die Großwetterlage im Quartier. Nach dem letzten reinigenden Gewitter wird es jetzt wieder wärmer und die Pflanzen blühen, und das Spazierengehen macht wieder Freude.

 

Manch einer nutze das Hochwasser am Ihme-Zentrum zum Surfen. Foto: Hans Dieter Keyl

Indes hat das schlechte Wetter die Menschen nicht davon abgehalten, dem Ihme-Zentrum einen Besuch abzustatten. Zu mehreren Rundgängen kamen rund 200 Menschen, um sich das Quartier und das im Juni eröffnete und von der Kulturverwaltung der Stadt Hannover geförderte soziokulturelle Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E anzuschauen. Mit den Spenden rückt die vollständige Finanzierung der barrierefreien Toilette in den Räumen immer näher. Seit Anfang August ist außerdem mit dem Künstler Sebastian Stein der zweite Dauermieter neben dem Orchester im Treppenhaus eingezogen. Das BewohnerCafé, ein Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner jeden Dienstag, entwickelt sich zu einem lebendigen Stammtisch.

Doch nach dem Regen folgte Anfang August die Sonne.

Gleichzeitig waren das Quartier und seine Herausforderungen Thema mehrerer überregionaler Workshops und Vorträge. Mit großem Interesse verfolgten im Juni Vertreterinnen und Vertreter des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung im Rahmen des „Stadt von Übermorgen“ Treffens, wie der Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum aus der vermeintlichen Ruine einen positiven Möglichkeitsort geschaffen und sich somit das Image gewandelt hat. Die Expertinnen und Experten bewerteten demokratische Teilhabe und kreative Problemlösungen als wichtig für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums, wie auch für alle Kommunen. Dies entspräche auch der UN mit seinem Plan für „Nachhaltige Städte und Kommunen“.

Die Bewohnerschaft kümmert sich vor Ort intensiv um die Beflanzung im öffentlichen Bereich.

Anfang Juli präsentierten Studierende der Universität Hannover ihre Forschungsarbeiten, die sie im Sommersemester mit der Architektin Karin Kellner und dem Stadforscher Herbert Schubert entwickelt haben. Dabei waren viele gute Arbeiten, die sich mit einer angenehmeren Gestaltung vor Ort beschäftigen. Viele der von den Studierenden entwickelten technischen Lösungen sind gar nicht teuer und relativ schnell umzusetzen. Die Wissenschaftlerin Silke Hüper zeigte außerdem ihre Untersuchungen, wie die Zeitungen den Ruf des Quartiers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mit geprägt haben. In ein paar Monaten wird sie das Ganze noch einmal in der Zukunftswerkstatt vorstellen.

Das Quartier entwickelt sich in Hannover, aber auch außerhalb immer mehr zu einem Thema, über das man spricht.

Im späten Juli wurde das Ihme-Zentrum im Münsteraner Freihaus bei „100 Stunden Brutalismus“ als mögliches Leuchtturmprojekt besprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Kreativwirtschaft zu dem interdisziplinären Event im Rahmen der Ruhrmoderne und der Skulptur Projekte. Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellten ihre Forschungsarbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ über große Brutalismuskomplexen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigten, dass diese oftmals wunderbare Orte zum Wohnen sind und für ihre Bewohnerinnen und Bewohnern geliebte Heimat – wie im Ihme-Zentrum auch. Jan Kampshoff erklärte, wieso frühere urbane Utopien durch Immobilienspekulation scheitern und die erfolgreichen immer auch die Menschen vor Ort integrierten. Am 13. August wird außerdem die Ihme-Zentrums-Dokumentation „Traum Ruine Zukunft“ im Apollokino in Hannover-Lindem gezeigt und am 30. August beim „Architektur.Film.Sommer 2017“ im Museumsquartier in Wien.

Juli 2017 – Das Ihme-Zentrum als Teil der Skulptur Projekte Münster

Der Baustil des Ihme-Zentrums, der Brutalismus, erlebt derzeit ein Revival. Immer mehr Architekten, Stadtentwickler, Kreativschaffende und Künstler entdecken das Erbe dieser vergessenen Moderne aus den 60er- und 70er-Jahren und fordern ein Umdenken im Umgang damit. Anstatt die Brutalismus-Gebäude abzureißen, sollten sie wie das Barbican Centre in London wieder belebt werden. Dass auch das Ihme-Zentrum ein riesiges Potenzial bietet, zeigt nicht zuletzt der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Am Samstag, 29. Juli 2017, darf Constantin Alexander, Mitgründer der Zukunftswerkstatt und Initiator des Transformationsprojektes im Ihme-Zentrum, bei einem Symposiums im Rahmen der Skulptur Projekte Münster erklären, warum und wie das Ihme-Zentrum ein neues Wahrzeichen für Hannover werden soll. Die Veranstaltung „Brutiful Life“ im Freihaus MS ist hochkarätig besetzt: Mit auf dem Podium sitzen Inke Arns (HMKV, Dortmund), Theo Deutinger (T. D. Architects, Amsterdam & Salzburg), Georg Elben (Skulpturenmuseum Glaskasten Marl) und Oliver Elser (D. A. M. Frankfurt).

Kooperationspartner ist StadtBauKultur NRW.

Juli 2017 – Neue Ideen für das Raumschiff Ihme-Zentrum

Unter dem Titel „Raumschiff Ihme-Zentrum: Eine Betonskulptur der urbanen Gesellschaftsutopie der Zweiten Nachkriegsmoderne auf dem Weg der Reintegration in die Stadt“ führten die Architektin Karin Kellner und Prof. Dr. Herbert Schubert im Sommersemester 2017 in Kooperation mit dem Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Seminar an der Leibniz Universität Hannover, Fakultät für Architektur und Landschaft durch. Die Studierenden setzten sich intensiv mit Das Ihme-Zentrum auseinander.

Im Blickpunkt standen: die Maßstäblichkeit, der öffentliche Raum, die Nutzungsmischung, das Stadtbild und die Gliederung durch raumbildende Muster. Die Studierenden haben sich im Rahmen nutzerzentrierter Übungen an das Ihme-Zentrum angenähert. Im weiteren Seminarverlauf wurden Analysen durchgeführt, auf deren Grundlage Planideen entwickelt wurden.

In den Aufgabenstellungen ging es um Fragen wie zum Beispiel: Wie lässt sich das Ihme-Zentrum auf ein menschliches Maß herunterbrechen? Was heißt „maßstabsgerechte Planung“ im Ihme-Zentrum? Wie lässt es sich nach kleineren Einheiten gliedern? Wie kann das Prinzip der Nutzungsmischung erhalten werden? Wie generiert man qualitätvolle, öffentliche Räume im Ihmezentrum, in denen sich Menschen gerne aufhalten?

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse werden am 4. Juli von 19 bis 21 Uhr vorgestellt. Die Präsentation ist in dem Nachbarschafts- und Kulturort Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E.