Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: medien

10 Thesen für die Revitalisierung des Ihme-Zentrums

1. These
Das Ihme-Zentrum ist eine stadtgesellschaftliche Herausforderung. Es geht darum, dem Ihme-Zentrum eine Zukunftsperspektive zu geben – der Abriss ist keine Option. Die Übernahme des Intown-Eigentums durch die Stadt steht nicht zur Diskussion.

2. These
Etwa 225.000 m² der ca. 285.000 m² Gesamtfläche im Ihme-Zentrum funktionieren im Grundsatz. Bei diesen Flächen anstehende Sanierungen können und müssen privatrechtlich gelöst werden. Dies liegt in der Verantwortung der jeweiligen Eigentümer.

3. These
Das Gemeinschaftseigentum im Sockelgeschoss (ca. 13.000 m²) muss neu geordnet werden, denn mit der jetzt gültigen Teilungserklärung ist ein Zukunftskonzept nicht realisierbar.

4. These
Der Rat der Landeshauptstadt sollte kurzfristig nach der Kommunalwahl Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 des Baugesetzbuches (BauGB) in Auftrag geben. Nach Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung ist zu bewerten, ob eine Erhaltungssatzung nach § 142 BauGB oder eine Ausweisung als „Stadtumbaugebiet West“ nach § 171d BauGB für die Neuregelung der Eigentumsverhältnisse im Sockelgeschoss zielführend sein kann.

5. These
Wenn die Gemeinschaftseigentumsflächen neu geregelt sind, gibt es für die Sockelgeschossetagen eine gute Perspektive für die Zukunft!

6. These
Für eine gelingende Revitalisierung und Integration des Quartiers in seine Umgebung müssen die Wegeverbindungen im Ihme-Zentrum und die Vorflächen zur Ihme öffentlich werden und in die Zuständigkeit der Stadt übergehen (insgesamt ca. 15.000 m²).

7. These
Sinnvoll sind stadtteilbezogene Einkaufsflächen mit Bezug auf die Wegeverbindungen an den beiden Kopfseiten des Sockelgeschosses in einer Größe, die den Konkurrenzdruck zu den Geschäften in den angrenzenden Stadtbereichen nicht zu groß werden lassen.

8. These
Zum Sanierungskonzept sollten der Rückbau der Überdachung der Ihmepassage und der Umbau in begrünte und den Bewohnern zum Aufenthalt vorbehaltene Blockinnenbereiche gehören. Hierdurch wird es möglich und wirtschaftlich tragfähig, im Bereich zwischen Ihmepassage und Blumenauer Straße oberhalb der Straßenebene ca. 10.000 m² zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

9. These
Die übrigen ca. 30.000 m² im Sockelgeschoss vorrangig auf der Straßenebene eignen sich sehr gut für Gewerbe, Kultur, Dienstleistungen, Gesundheitsprojekte, Gastronomie, etc..

10. These
Die Stadt Hannover schließt mit Intown für die jetzt genutzten ca. 28.000 m² Büroflächen und, wenn enercity ausziehen sollte, auch für deren ca. 30.000 m² für aus dem Stadtgebiet zusammengezogene Behörden, einen neuen 20-Jahres-Mietvertrag. Dies geschieht jedoch nur dann, wenn Intown die in den folgenden kommunalpolitischen Handlungsempfehlungen dargestellten Bedingungen erfüllt.

Die Thesen wurden vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im Sommer 2016 erarbeitet. Das gesamte Thesenpapier „10 Schritte zum Glück“ mit detaillierten Erläuterungen und Handlungsempfehlungen steht hier zum kostenlosen Download.

Copyright: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Das Konzept wird am 23. August bei einer Podiumsdiskussion im Capitol (Schwarzer Bär 2) vorgestellt. Einlass ist ab 17.30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

Juni 2016 – Das Ihme-Zentrum als Ort für Kultur

Slackliner im Ihme-Zentrum

Auch das ist Kreativität: Slackliner zwischen Ihme-Zentrum und dem anderen Ufer.

Das Ihme-Zentrum als Ort der Kultur und Kreativität? Für viele Menschen ist das eine natürliche Verbindung. Auch das Kulturdezernat von Hannover sieht das so und unterstützt deshalb Initiativen im Quartier. Im Interview erklärt Dezernent Harald Härke, was bereits passiert ist und welche Vision er für das Ihme-Zentrum hat.

Sie haben im Mai ein Netzwerktreffen mit der Kunst- und Kulturszene im Ihme-Zentrum veranstaltet: Was war der Auslöser?
Bei uns im Kulturdezernat häuften sich die Anfragen nach einer temporären oder dauerhaften kulturellen Nutzung im Ihme-Zentrum.  Die Idee war es, statt permanenter Einzelgespräche ein Netzwerktreffen mit allen Interessierten stattfinden zu lassen und somit Ideen in großer Runde auszutauschen. 
Die Veranstaltung sollte der erste Schritt sein, um gemeinsam eine kulturelle Transformation entstehen zu lassen. Dabei  ist es mir wichtig, dass wir die Kultur nicht selbst machen. Das Kulturdezernat hat  vielmehr die Rolle des Vermittlers und kann Rahmenbedingungen schaffen.

Die Teilnehmenden diskutierten über verschiedene Aspekte der Kultur im Ihme-Zentrum.

Was ist bei dem Netzwerktreffen passiert?
Zunächst gab es mit Impulsvorträgen ausreichend Input von Kulturmanagern anderer Städte, die einen ähnlichen Transformations- und Beteiligungsprozess begleitet haben. Im Anschluss haben wir alle Künstler und Kulturschaffende an Thementische gebeten, um sich mit ihren Ideen zur kulturellen Entwicklung des Ihme-Zentrums auszutauschen und dabei entweder konkrete Vorhaben zu benennen oder sich Gleichgesinnte zu suchen. Die Ideen wurden gesichtet und gesammelt, um damit weiterzuarbeiten.
Besonders gefreut habe ich mich über die positive Stimmung auf der Veranstaltung und die Euphorie der Teilnehmer, dass wir als Stadt (oder: Kulturdezernat) eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums befürworten und auch unterstützen.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Was machen Sie mit den Ergebnissen?
Die Ergebnisse der Thementische stellen wird allen Teilnehmern zur Verfügung. Ich hoffe, dass wir alle Anwesenden motiviert haben, sich im Ihme-Zentrum kulturell zu engagieren. Wir werden weiterhin Back-up geben und wenn es erforderlich ist, die entsprechende Vermittlertätigkeit ausfüllen.  Mit dem neu gegründeten Verein „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“  wird es eine Kooperation geben. 
Gerade sind wir dabei, weitere Veranstaltungen und Schritte zu planen, damit wir den positiven Geist dieser Veranstaltung aufrecht erhalten und eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums tatsächlich realisiert werden kann.

Allen war eine Nachhaltigkeit der Kultur sehr wichtig.

Welche Vision haben Sie persönlich für das Ihmezentrum?
Ich wünsche mir natürlich, dass die Idee eines spartenübergreifenden Kulturzentrums im Ihme-Zentrum realisiert wird. Dabei ist es wichtig, „Kultur mit allen“ in die Tat umzusetzen und soviel Teilhabe dafür zu schaffen, wie es möglich ist. Eine gute Mischung aus sogenannter Hochkultur und Off-Szene in Kombination mit ganz neuen, innovativen Formaten. Ich finde es spannend, einen solchen Prozess zu begleiten und die Kunst- und Kulturszene dabei zu unterstützen, das Ihme-Zentrum zu erobern und hier etwas Wertvolles und Nachhaltiges zu schaffen.

Harald Härke, Personaldezernent Landeshauptstadt Hannover.Harald Härke ist Kultur- und Personaldezernent der Stadt Hannover

Juni 2016 – „Wir fordern eine vorbereitende Untersuchung“

Der Himmel über dem Quartier

Die Überlegung der Landeshauptstadt Hannover, das Ihme-Zentrum abzureißen, führt zu Angst und Wut bei den Bewohnern. Angesichts der Situation fordert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum vom Stadtrat die Abstimmung für eine vorbereitende Untersuchung. Dies käme einer Inventur aller Missstände gleich. Doch auch der  Großeigentümer Intown sollte endlich Pläne für die Revitalisierung des Quartiers vorzeigen. Ein Überblick über die aktuelle Situation.

Seit einigen Tagen fühlt sich das Leben im Ihme-Zentrum an, als sei eine Bombe explodiert. Anfang Juni hat die Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover dem Großeigentümer im Ihme-Zentrum, dem Unternehmen Intown, eine Frist gesetzt, bis wann dieser ein Konzept für die Sanierung abgeben muss. Andernfalls sucht sich die Stadt für die rund 1.000 Beschäftigten, die in verschiedenen Fachbereichen im Ihme-Zentrum arbeiten, neue Büroräume. Am Donnerstag, 9. Juni, ist dazu um 13.30 Uhr eine Sitzung des Stadtrats und des zuständigen Bezirksrats Linden-Limmer geplant. Das Ganze findet im Rathaus statt. Hier alle Infos.

Das ehemalige Einkaufszentrum

Zusammen mit der Frist-Ankündigung wurde außerdem alle Details zu den Mietverhandlungen der Stadt öffentlich zugänglich gemacht. Auch das schlimmste Szenario kommt da vor: der Arbiss des Quartiers. Auch wenn diese Alternative höchst unwahrscheinlich ist, wie ich hier schon aufgeführt habe: Die Menschen im Ihme-Zentrum haben Angst. Mehrmals am Tag unterhalte ich mich mit Nachbarn, die entweder geschockt sind oder wütend. Die nicht hinnehmen wollen, dass ihre Heimat abgerissen werden könnte und die nicht verstehen, warum der Eigentümer hier seit anderthalb Jahren nichts macht, außer altes Mobiliar aus einem anderen Haus „zwischenlagert“.

Sie haben Verständnis für die Stadt, die als Mieterin und Arbeitgeberin die unhaltbaren Zustände in den Bürobereichen nicht mehr tragen kann und will. Aber sie fühlen sich allein gelassen. „Unsere Wohnungen sind auf einmal wertlos geworden“, erzählt eine langjährige Bewohnerin. Ein anderer: „Die Politik darf uns doch nicht im Stich lassen, hier leben Tausende Menschen.“ Viele machen in ihrer Wut den Großeigentümer Intown verantwortlich, der rund 83 Prozent des Viertels besitzt und seit dem Kauf im Februar 2015 kein Konzept für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums vorgelegt hat.

Wasser

Unterdessen fordert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum in einem offiziellen Statement vom 8. Juni eine vorbereitende Untersuchung: „Der Verein sieht die Entscheidung des Oberbürgermeisters, nach alternativen Standorten zu suchen als richtig und fordert vom Großeigentümer die kurzfristige Vorlage eines realistischen Sanierungskonzeptes. Gleichzeitig muss sich die Landeshauptstadt Hannover ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein: Ein Abriss des Ihme-Zentrums ist keine Alternative. Um die infrastrukturellen und juristischen Probleme im Quartier zu lösen, fordert der Verein eine formelle, vorbereitende Untersuchung, die im Stadtrat beschlossen werden muss.

Wir wünschen uns von den Mitgliedern im Stadtrat eine Entscheidung FÜR die im Städtebaurecht verankerte, sogenannte vorbereitende Untersuchung im Ihme-Zentrum. Dies kommt einer Inventur aller Missstände im Quartier gleich – sowohl auf der baulichen und technischen Ebene als auch bei den schwierigen Eigentumsverhältnissen.

Gleichzeitig fordern wir den Großeigentümer auf, endlich seine Planung mit konkreten Zeitschritten für die Sanierung des Gebäudebestandes vorzulegen, damit sowohl die Stadt als Mieterin, als auch die mehr als 2.500 Bewohner Klarheit über ihre Zukunft bekommen“, schreiben die beiden Mitglieder des Vereins, Karin Kellner und Gerd Runge.

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum fordert vorbereitende Untersuchung

Mai 2016 – Das Ihmezentrum im Fernsehen

Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.10.57

Der NDR hat einen kleinen Bericht über die aktuellen Ereignisse im Ihmezentrum gemacht. Zu Wort kommen neben Bewohnerin Karin Menges und Initator der Kampagne „Das Ihmezentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“ auch der Verwalter des Quartiers, Torsten Jaskulski. Der Beitrag zeigt: Es bewegt sich einiges im Zentrum. Lass uns gemeinsam weiter daran arbeiten. 🙂

Hier findet ihr den Bericht in der NDR Mediathek.

Februar 2016 – Das Ihme-Zentrum wird zum Filmstar

Am 31. Januar endete die Crowdfunding-Kampagne für die Produktion unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“. Wir haben 8.764 Euro über Spenden eingenommen und sind sehr dankbar! Für uns heißt das: Die Arbeit kann jetzt richtig losgehen. Wir werden euch an dieser Stelle auf dem Laufenden halten. Vielen vielen Dank an alle Unterstützer, die wir wir das Ihme-Zentrum als Chance sehen.

Advent 2015 – „Das Ihme-Zentrum wird zum Filmstar“

Die Poster zum Film "Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft"

Die Poster zum Film „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“

Die christliche Idee vom Advent beschreibt die Hoffnung auf einen guten Ausgang. Nach rund zwei Wochen Crowdfunding-Kampagne blicken wir als Team des Dokumentarfilmprojekts „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ mit Euphorie und Dankbarkeit zurück. Wir haben (Stand 16.12.) mehr als 35 Prozent der anvisierten 8.000 Euro erreicht. Und das vor allem, weil wir ein unfassbar tolles Feedback bekommen haben. Und es sind noch mehr als 40 Tage über bis zum Ende der Kampagne. Aus dem Ihme-Zentrum sprechen uns viele Bewohnerinnen und Bewohner an. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ hat dankenswerter Weise mehrere Meldungen zur Kampagne veröffentlicht und sogar getitelt: „Das Ihme-Zentrum wird zum Filmstar“. Die zweite große hannoversche Tageszeitung „Neue Presse“ berichtete ebenfalls, genauso wie die Stadtteilzeitung „Hallo Linden“. Danke auch für all die Menschen, die das Projekt in den sozialen Medien unterstützen. Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 🙂

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Das Team des hannoverschen Filmfestivals „Utopianale“ hat uns eingeladen, dass wir eine erste Version des Films am 27. Februar 2016 zeigen dürfen. Im Anschluss an das Pre-Screening machen wir einen Workshop mit allen Interessierten zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Die Tickets werden wir als Dankeschön vor Weihnachten anbieten.

Gleichzeitig drehen wir weiter als Vorbereitung für den Film. So haben wir in den vergangenen Wochen Interviews geführt, unter anderem mit dem ehemaligen Bürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg, engagierten Ihme-Zentrums-Fans wie Monika Stadtmüller (Seniorenbeirat Hannover) und natürlich Bewohnerinnen und Bewohnern des Ihme-Zentrums. Ein erstes Lied für den Soundtrack haben wir ebenfalls aufgenommen, und gerade sprechen wir mit weiteren Musikern, ob sie ein Lied für den Film geben möchten. Ein Film über Hannover sollte auch die Klänge und Melodien enthalten, die hier geboren werden.

Wir werden vor Weihnachten noch weitere Interviews drehen, mit Menschen aus dem Ihme-Zentrum sprechen, um Unterstützung bitten, immer wieder erklären, was wir vorhaben und immer hoffen, dass sich diese Arbeit lohnt, die wir da neben dem Job in unserer Freizeit machen. Dass wir aber ein gutes Team sind, haben wir bei unserem ersten gemeinsamen Mittagessen bei Pide, Döner und Falafel gemerkt. Und das ist für uns momentan wohl eines der wichtigsten Erkenntnisse: Egal, wie die Kampagne ausgeht, wir haben unfassbar viel gelernt: Über uns, über die Menschen in Hannover, darüber, wie wichtig es ist, sich nur an einen guten Ausgang zu erhoffen. Sondern jeden Tag dafür zu arbeiten, manchmal sogar zu kämpfen – sei es für für unsere Dokumentation oder für das Ihme-Zentrum insgesamt.

Danke allen, die uns bis auf diesem Weg begleiten. Wir wünschen euch eine entspannte Adventszeit! 🙂

Immer vorbeigegangen, aber niemals reingetraut? Wir bieten Rundgänge durchs Ihme-Zentrum

März 2015 – „Brach liegen lassen wäre ein fatales Signal“

Die taz Sonderbeilage zu Hannover

Im Februar brachte die taz eine Sonderbeilage über Hannover. Der Journalist Jens Fischer schrieb darin auch einen Artikel über das Ihme-Zentrum. Für ihn ist der Komplex ein Mahnmal, aber auch ein Symbol für die Stadtenwicklung.

Ist das Ihme-Zentrum repräsentativ für Hannover? Politisch, architektonisch, als positive oder negative PR.
Meiner Ansicht nach ist das Ihme-Zentrum sowohl architektonisch wie auch stadtentwicklungspolitisch negative Hannover-PR. Repräsentativ ist es nicht, da die Planungen, weitere solcher gen Himmel strebenden Stadtteile zu bauen, ja nicht realisiert wurden. Repräsentativ ist es allerdings für die verfehlte Stadtentwicklungspolitik Hannovers – und wenn man so will auch ein Mahnmal für die architektonische Ödnis des Hannoveraner Wiederaufbaus.

Der Artikel von Jens Fischer

Halten Sie eine nachhaltige Modernisierung für möglich?
Das ist schwer vorstellbar, aber warum nicht? Fachlich bin ich dem Punkt allerdings Laie.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Entwicklung solcher Immobilien für die Großstädte in Europa?
Natürlich sehr wichtig, da sie zentrale Räume besetzen, soziales Klima und – ich nenn’s mal – urbane Atmosphäre mitbestimmen, allein durch ihre Größe großer Aufmerksamkeit auf sich ziehen und für das Image einer Stadt im guten wie schlechten Beispiel bedeutsam sind. Brach liegen lassen wäre ja ein fatales Signal, das die Stadt ihren Bürgern und nach draußen senden würde. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: abreißen – oder grundlegend eine neue Identität erschaffen.

Jens Fischer ist Journalist und schreibt für die taz.

Dezember 2014 – „Der schlafende Drache“

nachts

Jan Fischer ist Journalist und Autor und hat einen tollen Artikel und eine Kurzgeschichte über das Ihme-Zentrum geschrieben. Ich habe mich mit ihm über die spannenden Seiten des Komplexes unterhalten. Ein Interview über gescheiterte Utopien, die Chancen durch Kultur und eine mögliche Zukunftsperspektive.

Jan, was macht das Ihme-Zentrum für dich als Journalisten und Autoren so spannend?
Es ist ein verdammt beeindruckendes Gebäude, in jeder Hinsicht. Ich finde das Zentrum faszinierend. Und jeder in Hannover kennt es und hat eine Geschichte oder Legende darüber zu erzählen. Es wirkt dabei wie in einer anderen Realität. Komplett anders als der Rest des Stadtteils drumherum.

Könntest du dir vorstellen, selbst da zu wohnen?
Ja. Als ich vor ein paar Jahren nach Hannover zog, habe ich mir sogar auch eine Wohnung angeschaut – sie war aber zu klein. Dafür hatte sie eine beheizbare Wanne – das war damals
modern.

Du wohnst in Linden-Nord. Welche Rolle spielt das Zentrum in deinem Alltag?
Ich fahre daran immer vorbei. Und ich habe mich dort öfter umgeschaut und mir den Verfall angesehen. Als ich im ehemaligen Einkaufszentrum stand, dachte ich, ich muss da etwas drüber machen.

Du hast ja auch eine Kurzgeschichte darüber geschrieben, die wirkt sogar ein wenig düster.
Ja, ich habe mich da sicher ein wenig von H. P. Lovecraft inspirieren lassen. Für mich ist das Ihme-Zentrum ein schlafender Drache. Man hat ein wenig Angst, dass er wach wird.

Die Geschichte des Zentrums ist ja komplex, wie hast du dich damals auf deine Reportage vorbereitet?
Ich habe mich viel mit der Stadtplanung beschäftigt. Hannover ist ja nach dem Zweiten Weltkrieg als „Autogerechte Stadt“ geplant worden, was klar in die Hose gegangen ist. Doch die Ideen hinter dem Zentrum waren damals super. Die Planer haben sich viele moderne Konzepte angeschaut – ein Einkaufszentrum unten, und darüber Wohnraum für Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten. Es hat niemand was richtig falsch gemacht damit. Doch dann wendete sich die Stimmung, und der Aufbruch in die Zukunft ist völlig schief gegangen. Das sieht man ja auch gut auf der Seite der Bürgerinitiative, wo man ja generell viele Informationen findet.

Wo siehst du denn das Potenzial für das Ihme-Zentrum?
Ich habe mich für den Artikel mit ein Künstler unterhalten, der meinte, dass man das Zentrum in ein autonomens, sich selbst versorgendes Stadtviertel umbauen sollte. Mit Gärten, Solarzellen und eigener Wasserversorgunf. Aber ich weiß nicht, ob sowas funktioniert. Und teuer wäre es ja auch.
Ich finde aber, dass man im jetzigen Zustand dort Theater oder einen Technoklub machen sollte. Einfach zwei Berghain-DJs einfliegen lassen, eine fette Anlage – und fertig. Die Ästhetik gibt das einfach her. Und der Platz ist ja da. In anderen Städten funktioniert so etwas ja auch!

Meinst du denn, dass sich auf lange Sicht etwas ändern wird?
Das muss es ja! Linden wird drumherum gerade so gentrifiziert, dass wir den Platz im Zentrum in absehbarer Zukunft brauchen werden. Und dann wäre es besser, wenn jemand mit Ideen das in die Hand nimmt. Und niemand, der nur schnell Geld verdienen will.

Jan Fischer

Jan Fischer schreibt einen Blog und twittert unter @nichtsneues.

 

Dezember 2014 – Die Kunst I

Irgendwann im Jahr 2010 sprühte ein Graffiti-Maler den Spruch „Wäre Graffit legal, wäre das Ihme-Zentrum schön“ an eine der grauen Säulen des Gebäudes. Diese kleine Botschaft sollte eine ganze Reihe von Entwicklungen anstoßen, unter anderem die Ihme Gallery. Ein Street-Art- und Graffiti-Projekt, bei der einerseits das Leitsystem innerhalb des Zentrums modernisiert wurde, andererseits die bunte Farbe verwendet wurde, um die Wände schöner zu machen und die Stimmung aufzuhellen. Ich habe mit Björn Vofrei, dem Initiator und Leiter des damaligen Projekts, gesprochen.

Wie kam es zur Ihmegallery?
Es gab damals einen Artikel, dass sich werdene Mütter nicht mehr in das Amt für Jugend & Familie trauen, weil der Weg dorthin durch die brach liegende Baustelle geht. Daraufhin haben sie die Wege vom Familienmanagement und Hannoverliebe! gefunden, und man war sich einig, dass etwas passieren muss. Ein mit Edding an die Wand geschriebener Spruch „Wäre Graffiti legal, wäre das Ihme Zentrum schön“ war der ausschlaggebende Punk,t ein Graffiti- und Street-Art-Projekt zu starten.

Welche Reaktionen hat das Projekt erzeugt?
Die Reaktionen waren in verschiedene Richtungen überraschend: Die Medien haben durchweg positiv reagiert, und es gab sogar bundesweit Berichterstattungen. In verschiedenen Online-Kanälen wurde viel über das Projekt diskutiert, und die Bürger haben das Projekt auch gut gefunden. Wobei es auch Meinungen gab, das Ihme-Zentrum einfach abzureissen, wäre die bessere Lösung. Von der Stadt war das Feeback ein wenig verhalten, schliesslich haben wir auch auf einen Missstand hingewiesen, und das Thema Graffiti ist nicht positiv besetzt. Da galt es dann Aufklärungsarbeit zu leisten, dass Graffiti nicht pauschal mit Schmiererei gleichgesetzt werden kann, genauso wenig wie man einen Fussballfan pauschal mit einem Hooligan vergleichen kann. Im Nachhinein fanden es dann aber doch viele gut.

Nun, vier Jahre später: Wie geht es weiter?
Ich finde es beachtlich, dass viele Wände noch so gut aussehen. Ich selbst hätte mir gewünscht, dass es eine Art Pflegevertrag gibt oder wir einmal im Jahr eine Art Festival machen könnten um die Wände neu zu gestalten. Da das aber ein erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand wäre, fehlen an der Stelle einfach die Ressourcen und der politischer Wille.

Könnte das Ihme-Zentrum zu einem Kunstprojekt werden?
Mit der richtigen Vision und Durchsetzungskraft könnte das Ihme-Zentrum so einiges sein. Dieser Gebäudekomplex bietet Raum für viele Ideen und Möglichkeiten. Aber auch hier wieder: Alles eine Frage der Motivation aller Beteiligten. Ich würde mir wünschen, den Gebäudekomplex in seiner ursprünglichen Idee als „Stadt in der Stadt“ neu zu denken: Gemeinschaft, autarke Energieversorgung, Urban-Gardening-Projekte, Einbinden von kulturellen Angeboten und Freiräumen etc. Um solche Vision durchzusetzen, braucht es anders denkende Visionäre, die nicht den Blick auf Investment und Immobilie haben, sondern eher ein gesamtheitliches Bild aufzeigen. Da braucht es auch Künstler.

Das Projekt wurde damals auch in einem Buch festgehalten. Ich schrieb einige der Texte. Es war meine erste journalistische Begegnung mit dem Zentrum.