Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: limmer

Hochbahnsteige werden ohne Ihme-Zentrum geplant

Copyright: Gerd Runge

So ineffektiv verläuft derzeit der Verkehr am Küchengarten / Ihme-Zentrum

Alle Straßenbahn-Haltestellen in Hannover sollen barrierefrei werden. Diese gute Idee sorgt in Linden derzeit für Streit. Es herrscht Uneinigkeit über die genaue Planung der Haltestellen der Linie 10. Und auch die Menschen im Ihme-Zentrum sollen bei der Planung nicht berücksichtigt werden. Timon Dzienus (Grüne) fordert deshalb ein Umdenken und einen echten Runden Tisch.

Derzeit wird der Hochbahnsteig am Anfang der Limmerstraße/Küchengarten in einem runden Tisch neu geplant. Viele sehen die neue Haltestelle als eine mögliche Verbindung zwischen Linden-Nord, Linden-Mitte sowie dem Ihme-Zentrum. Wie ist da der aktuelle Stand?
Für die Planung der Hochbahnsteige rund um die Limmerstraße gibt es mehrere Vorschläge, die aktuell diskutiert werden. Die von der Verwaltung und vom Runden Tisch 2011 vorgelegten Varianten haben einige Probleme: die Erreichbarkeit, die Abstände, die Barrierefreiheit. Daher müssen wir neue Vorschläge diskutieren. Der Bezirksrat hat deshalb ein eigenes Konzept vorgeschlagen: Einen Hochbahnsteig direkt vors Ihme-Zentrum (Spinnereistraße), einen am Anfang der Limmerstraße (vor Rossmann) und einen, direkt nach der Fußgängerzone am Ende der Limmerstraße (vor der Post).
Ob es noch einen Hochbahnsteig näher am FZH Linden geben soll, oder ob der vor dem Ihme-Zentrum gebaut werden soll, ist dabei strittig. Als weitere Planungsvariante wurde außerdem einen neue Bahnstrecke entlang des Ihme-Zentrums (Blumenauerstraße) diskutiert. Hier könnte eine neue Linie über den Schwarzen Bär Richtung Tunnel lang laufen.

Copyright: Gerd Runge

Mehr Ordnung, schnellere Wege für alle und Wohnungsbau am Küchengarten. So könnte die Zukunft aussehen.

Ihr und weitere VertreterInnen im Bezirksrat Linden-Limmer habt euch dafür ausgesprochen, dass auch VertreterInnen aus dem Ihme-Zentrum beim runden Tisch mitmachen sollten. Wie wurde das von der Region Hannover aufgenommen?
Leider nicht sehr gut. Wir finden, es muss mit allen Beteiligten und Betroffenen diskutiert werden. Gerade die Belange des Ihme-Zentrums sind uns wichtig. Für uns ist der Runde Tisch daher aktuell nicht ganz so rund. Mit REWE und dem Optiker soll gesprochen werden, mit der Apotheke und den Menschen aus dem Ihme-Zentrums aber nicht? Wir fordern die Region hier zum Umdenken auf!

Welche Wünsche bzw. Forderungen habt ihr als Fraktion im Bezirksrat bei dem Thema?
Besonders wichtig ist uns neben der Barrierefreiheit, der Erreichbarkeit und die Anbindung an die besiedelten Stadtteile, dass alle Verkehrsteilnehmer*innen, wie Radfahrer*innen in den Blick genommen werden. Hochbahnsteige dürfen daher nicht dem Radverkehr im Weg stehen, und alle müssen mit Rampen auf beiden Seiten ausgestattet sein. Außerdem dürfen die neuen Haltestellen im Stadtteil mit der höchsten Besiedlung nicht 600-700 m entfernt voneinander sein. Daher fordern wir mindestens einen weiteren Hochbahnsteig zu den jetzigen Haltestellen.

Timon Dzienus sitzt für die Grünen im Bezirksrat Linden-Limmer. Er ist außerdem Sprecher der Grünen Jugend Niedersachsen.

Am 30. November findet ein Infotreffen zur Planung der Hochbahnsteige in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (Ihmeplatz 7E) statt.
Es geht um 19.30 Uhr los. Hier mehr Infos bei Facebook.

September 2016 – Aktuelles von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Ab sofort gibt es einen Newsletter der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Darin wird regelmäßig über Neuigkeiten aus dem Quartier berichtet, was der Verein so treibt und welche Aktivitäten andere Akteuere im Zentrum so machen. Bei Interesse: Einfach eine E-Mail an mail(at)ihmezentrum(punkt)org schicken.

Wer sich auch so für den Verein interessiert: Am 24. September lädt das Team zum ersten kulturellen Picknick ins Ihme-Zentrum. Egal ob Bewohner, Interessierte oder Kulturschaffende – jeder ist herzlich eingeladen, dazuzukommen. Das Ganze ist organisiert wie eine Art Bürger-Brunch: An mehreren Tischen können sich die Besucher austauschen, nur das eigene Geschirr und auch etwas Proviant für die lange Tafel ist mitzubringen.

So können alle in offener Atmosphäre zusammenkommen und sich austauschen. Der Verein will dabei auch von wissen, welche Spielarten der Kultur im Ihme-Zentrum überhaupt erwünscht und gefordert sind: Lesungen? Ausstellungen und Performances? Oder sogar Konzerte?

Los geht es am 24. September ab 15 Uhr im 2. OG des Ihmeplatzes. Der Ort ist entweder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz erreichbar oder per Aufzug zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm in die 2. Etage. Hier das Event bei Facebook.

„Das Ihme-Zentrum muss zum Alleinstellungsmerkmal werden“

1608-ihmezentrum-capitol-2

Volles Haus im Capitol: Die Menschen interessiert die Zukunft des Ihme-Zentrums sehr.

Vor vollem Haus machten sich am Dienstagabend die Politiker der Landeshauptstadt Hannover stark für eine sogenannte Vorbereitende Untersuchung im Ihme-Zentrum. Diese Inventur muss im Stadrat beschlossen werden und untersucht, ob ein Stadtviertel unter baulichen Mängeln leidet und ob sich die Eigentümer vor Ort weigern, Renovierungsarbeiten vorzunehmen.

Das Capitol in Hannover ist voll. Die rund 200 Sitzplätze unten sind belegt, dahinter, daneben und oben auf der Empore drängen sich die Menschen – sie sind gekommen, um zu erfahren, wie die Politik in der Landeshauptstadt das Ihme-Zentrum revitalisieren möchte. Auf dem Podium sitzen neben Moderator Jan Egge Sedelies die Vertreter der demokratischen Parteien im Stadtrat: Felix Blaschzyk (CDU), Daniel Gardemin (Grüne), Ewald Nagel (SPD), Gerhard Kier (FDP) und Dirk Machentanz (Die Linke). Im Rahmen des Kommunalwahlkampfes wollen die Politiker die Positionen ihrer Parteien zur aktuellen Situation im Ihme-Zentrum vorstellen. Ein Thema, das in den vergangenen Monaten heftig diskutiert wurde, nachdem Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) dem Großeigentümer Intown ein Ultimatum gestellt hat, um ein Konzept vorzulegen.

Entgegen mancher Erwartung sind sich die fünf Politiker auf der Bühne des vollen Capitols sehr schnell auf wesentliche Punkte einig und blieben dabei stets sehr freundlich und konstruktiv: Das Ihme-Zentrum darf nicht abgerissen werden, und es braucht mit der sogenannten Vorbereitenden Untersuchung eine Art Inventur, um die Situation vor Ort von Experten bewerten zu lassen. Dazu hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht, der eine juristische und architektonische Grundlage für eine nachhaltige und kreative Transformation des Viertels bietet. Alle Parteien bewerteten diese zehn Thesen als wertvoll und ideal geeignet, um das Thema im Stadtrat und in den Dezernaten einmal komplett neu anzugehen.

1608-ihmezentrum-capitol-3

Freundlich und konstruktiv diskutierten die Vertreter über eine bessere Zukunft für das Quartier.

„Wir brauchen eine Vorbereitende Untersuchung“, so Daniel Gardemin in seiner Forderung, der sich alle Politiker anschlossen und die im Publikum laut beklatscht wurde. Der Grünen-Politiker sieht in dem Quartier einen idealen Möglichkeitsraum für Gärten zwischen und auf den Häusern, für eine Energieversorgung mit Solarzellen und für Urban Farming im Gewerbebereich, bei dem Lebensmittel in Kreislaufsystemen hergestellt wird. „Im Stadtteil Linden wird viel ausprobiert, warum lassen wir dann beispielsweise nicht einen Künstler die Fassaden des Zentrums gestalten?“, so Gardemin, der dafür lauten Applaus genoss.

Der CDU-Politiker Felix Blaschzyk ging sogar weiter: „Das Ihme-Zentrum muss zum überregionalen Alleinstellungsmerkmal werden.“ Durch bessere Wegeverbindungen, indem beispielsweise die Stadt den Ihmeuferweg kauft, würde das Quartier besser mit Hannover verbunden. „Auch kann ich mir vorstellen, dass sich hier die Start-up-Szene wohl fühlt.“ Viele Gründer und Vertreter der Wirtschaft Hannovers waren im Publikum anwesend und reagierten mit lautstarker Zustimmung. Damit seine Forderung realistisch wird, schlug Blaschzyk die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft durch die Stadt vor, die das Ihme-Zentrum über Jahre revitalisiert und die Flächen an einzelne Interessenten vermieten oder verkaufen könnte.

Dem FDP-Vertreter Gerhard Kier war eine Verbesserung des Umfeldes des Ihme-Zentrums wichtig. „Die Blumenauerstraße im Süden muss zu einer richtigen Straße werden. Hier kann die Stadt zeigen, wie ernst sie es mit der Integration des Quartiers in sein Umfeld meint.“ Auch sollte die sanierte, aber bislang leer stehende Tiefgarage für Nutzer frei gegeben werden. Etwas, das der Linken-Politiker Dirk Machentanz unterstützte: „Uns wären vor allem bezahlbare Wohnungen im Ihme-Zentrum wichtig.“

1608-ihmezentrum-capitol-1

Gerd Runge von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum präsentierte die zehn Thesen des Vereins zur nachhaltigen und kreativen Revitalisierung des Quartiers.

Der SPD-Politiker Ewald Nagel wagte zwar keine große Vision, betonte aber das Engagement seiner Partei für das Quartier: „Ich wünsche mir ein lebendiges Ihme-Zentrum. Damit das gelingt, brauchen wir die gesamte Stadtgesellschaft“, appelierte er ans Publikum, die ihm lautstark unterstützten. Als Mehrheit im Rat sollte seine Partei eine Aktualisierung des Zustandsberichts im Quartier planen, schlug Nagel vor. Dies könnte durch eine neue Vorbereitende Untersuchung gemacht geschehen. „Die zehn Handlungsempfehlungen der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum sind sehr praktikabel und bieten für die Entwicklung des Quartiers eine gute Lösung“, so Nagel.

Mit einer positiven Grundstimmung und weitestgehender Einigkeit endete der Abend. Die Forderung eines Manns aus dem Publikum, das Ihme-Zentrum in einer gemeinsamen Aktion zu besetzen, wurde lachend zur Kenntnis genommen. Gerne hätte das Publikum den Großeigentümer Intown zu den besprochenen Themen befragt, doch trotz Einladung war weder ein Vertreter des Berliner Unternehmens vor Ort, noch jemand von der Quartiersverwaltung Cardea. Nun bleibt es abzuwarten, wie sich die Politiker nach der Kommunalwahl am 11. September an ihren Versprechen für eine bessere Zukunft des Quartiers erinnern und dementsprechend handeln.

Hier gibt es die zehn Schritte für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums zum kostenlosen Download.

Danke an die exposive Mediengruppe für die tolle Betreuung und Technik vor Ort. Und danke an Hannover Concerts, dass sie uns das Capitol zur Verfügung gestellt haben!

Juli 2016 – Das Ihme-Zentrum als Konzertsaal

Bei der ArchitekturZeit des Bundes Deutscher Architekten (BDA) Niedersachsen im Ihme-Zentrum verwandelte das Orchester im Treppenhaus das Quartier zu einem Konzertsaal. Wieso sich das Zentrum so gut für Musik eignet und welches Potenzial die Musiker dort sehen, erklärt Mitglied Yannick Hettich.

Ihr wart im Rahmen der ArchitekturZeit als Orchester im Ihme-Zentrum. Was genau habt ihr da gemacht?
Unsere Aufgabe als Orchester war es, das Ihme-Zentrum musikalisch begehbar zu machen. Das heißt, das Publikum den Raum durch die Musik erschließen zu lassen. An verschiedenen Orten des Ihme-Zentrums waren Musiker platziert. So spielte beispielsweise ein Tubist in der Tiefgarage, ein Fagott im Treppenhaus oder eine Trompete auf einem Dachvorsprung. Diese verschiedenen Stationen beschrieben eine Route, welche das Publikum durchlaufen hat, und somit das Ihme Zentrum auf offene und freundliche Art kennengelernt.

War das euer erstes Konzert im Quartier?
Das Orchesters im Treppenhaus ist dafür bekannt an ungewöhnlichen Orten aufzutreten. So haben wir beispielsweise auch schon mal am Lindener Hafen auf einem Kran gespielt oder etwas konservativer spielen wir jedes Jahr im August in Kooperation mit Feinkost Lampe in der St. Martins Kirche. Somit gibt es schon eine gewisse Verbundenheit mit Linden. Im Ihme-Zentrum war es jedoch unser erstes Projekt.

Könntet ihr euch vorstellen, so etwas zu wiederholen?
Sehr gerne. Es gibt einfach sehr magische Orte in dem Komplex. Besonders interessant war bei diesem Projekt der extreme Kontrast, den die Musiker, die in Abendgarderobe spielten, zu der Kulisse boten.

Welches Potenzial seht ihr im Ihme-Zentrum? Könnte es dort Konzert- und Proberäume geben z.B.?
Ich denke, das Gebäude hat einen ganz eigenen Charme und auch eine gewisse Schönheit. Auch die Stimmung in dem Gebäude ist extrem spannend. Viele Orte dort haben eine sehr gute oder auch sehr interessante Akustik. Da kann man sehr viel mit experimentieren. Es gibt dort ja schließlich viel ungenutzten Raum. Da ließe sich sehr viel machen.

Juni 2016 – Ein Bücherschrank für das Ihme-Zentrum

Haussprecherin Britta Zogall und der Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer Rainer-Jörg Grube weihen den Offenen Bücherschrank im Ihme-Zentrum ein.

Ab sofort gibt es im Ihme-Zentrum einen Offenen Bücherschrank. Jeder darf dort Bücher reinstellen und/oder mitnehmen. Initiiert hat das Projekt die Haussprecherin und Ihme-Zentrums-Bewohnerin Britta Zogall. Im Interview erklärt sie, wie durch so ein Projekt die Nachbarschaft belebt werden kann.

Sie haben sich dafür eingesetzt, dass das Ihme-Zentrum einen eigenen Offenen Bücherschrank bekommt. Was ist das genau?
Das ist ein von dem Werkstatt-Treff Mecklenheide gebauter Schrank, der nun an einem zentralen Platz im Ihme-Zentrum steht: am Fuß der Ihmepassage 2/Ecke Ida-Arenhold-Brücke. Er ist für jeden zugänglich und wird unterstützt vom Stadtbezirksrat Linden-Limmer.  Man kann einfach Bücher hineinstellen und auch welche herausnehmen. Völlig kostenlos.

John Winston Berta

Zur Einweihung hat der hannoversche Songwriter John Winston Berta ein paar Lieder gespielt.

Sie sind selbst Bewohnerin des Ihme-Zentrums. Kann so ein Bücherschrank auch ein Anfang sein, um einen Austausch in der Nachbarschaft zu ermöglichen?
Das ist genau das, was ich mir davon erhoffe. Und natürlich auch, dass die Menschen zum Lesen animiert werden. Vielleicht sogar Kinder.

Welche Vision haben Sie vom Ihme-Zentrum in 10 bis 20 Jahren?
Dass wir vielleicht viele solcher Orte im Ihme-Zentrum haben. Egal, ob man sich zum Klönen trifft oder um Sport zu machen, gemeinsam zu spielen oder Kunst auszustellen.

Britta Zogall ist Bewohnerin und Haussprecherin im Ihme-Zentrum.
Mehr zu den Bücherschränken der Landeshauptstadt Hannover.

März 2016 – „Eine Entwicklung geht nur gemeinsam“

Copyright: Gerd Runge

So könnte das Ihme-Zentrum mit Linden zusammenwachsen. Idee und Grafik von Gerd Runge.

Am Mittwoch (9. März) veranstaltete der Bezirksrat Linden-Limmer zu einer Anhörung zum Thema Ihme-Zentrum. Eingeladen waren der Verwalter des Ihme-Zentrums, Torsten Jaskulski, der Vertreter der Wohnungseigentümer Jürgen Oppermann, die Architekten und Vertreter des Bund Deutscher Architekten Gerd Runge und Robert Marlow sowie Constantin Alexander, Bewohner des Ihme-Zentrums und Initiator der Aktion „Das Ihme-Zentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“. Torsten Jaskulski präsentierte vor vollem Saal einen Zeitplan für die Umbaumaßnahmen im Ihme-Zentrum mit einem Konzept, das im wesentlichen aus Einzelhandel besteht. Demnach ist eine Eröffnung des neuen, dann umgestalteten Einkaufszentrum bis Ende 2018 geplant. Die ersten Bauanträge sollen im Juni 2016 gestellt werden.

Die Neuigkeit sorgte bei den Politikern und anwesenden Bewohnerinnen und Bewohnern des Ihme-Zentrums für Optimismus. Nach knapp zehn Jahren sind die Hoffnungen groß, dass es nun mit dem Großeigentümers Intown Invest endlich voran geht. Bereits in diesem Jahr soll der Weg am Ihmeufer umgebaut und modernisiert werden. die Stadt hat in Aussicht gestellt, dass der Weg an der Spinnereistraßenbrücke und an der Benno-Ohnesorg-Brücke am Schwarzen Bär mit dem weiteren Uferweg barrierefrei verbunden werden könnte, sodass man auf der Seite des Ufers kilometerweit spazieren gehen und Fahrradfahren kann. Es wäre ein erster wichtiger Schritt zur Integration des Ihme-Zentrums in seine Umgebung.

Mehrere Anwesende baten außerdem darum, die Interessen der Bewohner, der Stadt als größte Mieterin sowie der Zivilgesellschaft mit zu berücksichtigen, damit der Umbau ein voller Erfolg wird. „Nur gemeinsam können wir etwas erreichen“, betonte auch noch einmal Wohnungseigentümer-Vertreter Jürgen Oppermann. Dem schlossen sich alle Anwesenden an.

März 2016 – So könnte der Verkehr rund ums Ihme-Zentrum aussehen

Copyright: Gerd Runge

Die Idee von Gerd Runge: Der Küchengarten wird ein grüner Weg bis zum Ihme-Ufer. Grafik: Gerd Runge

Der hannoversche Architekt Gerd Runge beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Ihme-Zentrums und einer möglichen Integration des Quartiers in den umliegenden Stadtteil Linden. Doch er ist sich sicher: Alle Probleme sind technisch lösbar, damit das Burghafte des Ihme-Zentrum aufgelöst werden kann. Als Vertreter des Bundes Deutscher Architekten (BDA) trägt er bei der Anhörung des Bezirksrates Linden-Limmer am Mittwoch, 9. März, seine Ideen vor. Im Interview erklärt er, wie die Transformation auf infrastrukturelle Seite gelingen kann.

Seit Jahren beschäftigst du dich schon als Architekt mit der fehlenden Integration des Ihme-Zentrums in das ansonsten sehr lebendige Stadtviertel Linden. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen?
Das Erdgeschoss des Ihme-Zentrums ist eine unansehnliche Tiefgarage. Entlang der Spinnereistraße und der Blumenauerstraße fehlt eine ordentlichen Fassade mit Fenstern und Eingängen. Der Tunnel für Fußgänger und Radfahrer zwischen Gartenallee und Ida-Arenhold-Bürkc unübersichtlich und dunkel. Der dunkle Sockel des Ihme-Zentrums trennt den Stadtteil vom Ihme-Ufer. Zwischen lebendiger Limmerstraße und Küchengarten schiebt sich eine dysfunktionalen und überdimensionierten Verkehrsfläche als Barriere. Zwischen Bus- und Bahnhaltestellen müssen die Fahrgäste Ampeln mit bis zu elf Ampelphasen überwinden. Und zum Schluss: der Ihme-Uferweg ist nicht barrierefrei: An der Spinnereistraßenbrücke und am Capitol endet die Durchwegung.

Copyright: Gerd Runge

Bislang verläuft der Verkehr auf der Spinnereistraße so. Fußgänger brauchen elf Ampelphasen, um von der Limmerstraße zum Ihme-Zentrum zu gelangen. Grafik: Gerd Runge

Das sind viele Punkte. Gibt es denn technische Möglichkeiten, diese Herausförderungen zu lösen?
Ja, wenn man das Ganze ganzheitlich betrachtet und ein neues Gesamtkonzept entwickelt. Zusammen mit weiteren Vertretern des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) haben wir folgende Punkte zusammengefasst:
1. neue Rad- und Fußwegverbindung von Linden an die Ihme als Passage – verlängert als Fuß- und Radwegeverbindung zum Goethekreisel und Steintor.
2. öffentliche Fuß- und Radwegeverbindung an der Ihme – mit Unterquerung der Spinnereibrücke und der Benno-Ohnesorg-Brücke und Rampen an die Ida-Arenhold-Brücke.
3. Erdgeschosszone an Blumenauer Straße und Spinnereistraße mit Fassaden von gewerblicher, kultureller Nutzung mit ablesbarer Adressbildung durch markierte Eingänge.

Copyright: Gerd Runge

So könnte der Verkehr aussehen: Straßenbahnen, Busse und Autos würden neu geordnet, sodass sie sich nicht mehr stören. Auch die Fußgänger würden profitieren. Grafik: Gerd Runge

Deine Pläne sehen die Verkehrssituation am Ihme-Zentrum jedoch auch im Kontext mit seiner Umgebung. Was gehört aus deiner Sicht noch für eine weitere Integration des Quartiers dazu?
Der Verkehr in dem Gebiet wurde in den 1960er-Jahren geplant und entspricht nicht mehr der Realität. Als BDA und SRL empfehlen wir deshalb folgendes:
1. Den Rückbau der Einmündung der Elisenstraße parallel zum Heizkraftwerk, gemäß der Blockstruktur von Linden-Nord mit direkter Einmündung in die Spinnereistraße.
2. Die Entflechtung von privatem und öffentlichem Verkehr, Unterbringung des Hochbahnsteigs als Bindeglied zwischen Linden-Nord und Ihme-Zentrum sowie die Zusammenfassung aller Bus- und Stadtbahnhaltestellen
3. Die Trennung des Fuß- und Radwegeverkehrs Linden-Mitte – Limmerstraße von den Abbiege-Ampelschaltungen Blumenauer Str. / Fössestr.
4. Den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses mit ca. 100 Wohnungen und Gewerbeflächen auf dem städtischen Grundstück, das durch die Verbesserung des Verkehrskonzeptes frei würde.

Das sind viele Punkte. Hältst du das für realistisch?
Ja. Die Krise des Ihme-Zentrums ist ja eine Chance, ein paar der versäumten Planungen nachzuholen. Das Ihme-Zentrum und die gesamte Stadt würden von so einer Neuordnung profitieren.

Gerd Runge

Der hannoversche Architekt Gerd Runge

Am Mittwoch, 9. März, ist eine Anhörung zum Ihme-Zentrum im Bezirksrat Linden-Limmer. Neben Gerd Runge sind außerdem noch Torsten Jaskulski (Verwalter des Ihme-Zentrums), Jürgen Oppermann, Vertreter der Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum sowie Constantin Alexander eingeladen. Das Ganze beginnt um 19 Uhr im Freizeitheim Linden und ist öffentlich.

Februar 2016 – Alle müssen mitmachen

2014 startete die Stadtverwaltung von Hannover das einzigartige BürgerInnen-Beteiligungsprojekt „Hannover2030“. Hunderte Veranstaltungen wurden dazu gemacht, alle wichtigen Themen besprochen, die Bürgerinnen und Bürger hatten gute Gelegenheit, der Verwaltung und den Mitgliedern im Stadt- und in den Bezirksräten zu sagen, wie sie sich ein besseres Hannover in 2030 vorstellen.

Auch ich durfte bei Podiumsdiskussionen und öffentlichen Anhörungen einbringen, dass das Ihme-Zentrum eine Chance ist und eine Transformation möglich. Bei der Auswertung des Beteiligungsprojektes betonte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) noch einmal, wie wichtig es sei für eine Stadt wie Hannover, die Bürgerinnen und Bürger aktiv mit einzubeziehen in die Planung.

Im zuständigen Bezirksrat Linden-Limmer sehen das nicht alle Mitglieder so. Bei einer Sitzung am Mittwoch, 3. Februar, beschloss eine große Mehrheit der Parteien, dass sich die gewählten Vertreter bei einem Rundgang einen Überblick über die Lage vor Ort verschaffen werden. Auch wurde beschlossen, dem Rat der Stadt vorzuschlagen, eine sogenannte Voruntersuchung zu machen, ob das Ihme-Zentrum ein städtebauliches Sanierungsgebiet ist.

Die SPD war in Teilen gegen diesen Vorschlag und lehnte auch einen Besuch des Ihme-Zentrums ab. Ihr Fraktionsvorsitzende Eike Geffers sagte sogar, dass eine Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung der unteren Geschosse des Zentrums nicht sinnvoll wäre. Der Großeigentümer Intown habe aus seiner Sicht schon genug Probleme, mit den übrigen Eigentümerinnen zurecht zu kommen. „Wir als SPD sind für die Beteiligung“, antwortete Geffers auf eine Anfrage per E-Mail. „Aber es bringt uns nicht weiter, wenn wir Erwartungen wecken, die nicht zu erfüllen sind.“ Um das zu besprechen habe ich die SPD-Fraktion für Linden-Limmer  persönlich zum nächsten Rundgang am 14. Februar eingeladen. Wer ebenfalls dabei sein möchte, kann sich hier anmelden.

Fast jeden Tag erreichen mich Ideen, Wünsche und Visionen für das Ihme-Zentrum. Es gibt viele Menschen, die als Mieter oder sogar Besitzer von Gewerbe und Wohnung sofort einziehen würden. Der Wunsch nach einer Beteiligung der Einwohner, Anwohner und Bürgerinnen und Bürger von Hannover an einem positiven Wandel ist enorm. Auch in Zukunft werden an dieser Stelle ausgewählte Ideen vorgestellt.

Wer Lust hat, gemeinsam mit uns positive Visionen für das Ihme-Zentrum zu entwickeln: Am 27. Februar machen wir eine Zukunftswerkstatt auf dem Utopianale Filmfestival im Freizeitheim Linden. Vorher zeigen wir erste Ausschnitte unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“. Hier gibt es dazu alle Infos. Oder schreibt eine E-Mail.

Dieser Artikel wurde um 18.30 Uhr aktualisiert.

Das Ihme-Zentrum beim Platzprojekt

Wie wollen wir in Zukunft in unserer Stadt leben? In Hannover gibt es gerade das spannende Bürgerbeteiligungsprojekt „Mein Hannover 2030„, bei dem sich die Menschen in dieser Stadt äußern können, welche Themen ihnen am Herzen liegen und wie sie gerne die Stadt entwickeln möchten. Am Samstag, 11. Juli, bin ich zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Projekts eingeladen, um die Rolle des Ihme-Zentrums innerhalb einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu beschreiben.

Das Ganze ist auf dem sehr spannenden Platzprojekt im Lindener Industriegebiet, beginnt um 16 Uhr und ist natürlich kostenlos. Kommt vorbei, diskutiert mit und schaut euch vor allem an, wie auf dem Platzprojekt gerade alternative Stadtentwicklungskonzepte ausprobiert werden.