Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Kunst

März 2017 – Ein Möglichkeitsraum für eine bessere Zukunft

Ob Austausch unter der Bewohnerschaft, Aktionen des Vereins oder Kunst und Kultur – das Nachbarschaftszentrum soll als Ort des Austauschs dienen.

Am 11. Juni eröffnet die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Kommunikations- und Nachbarschaftsraum im Ihme-Zentrum. Die rund 230 Quadratmeter sind aufgeteilt in drei Büros und einem großen Veranstaltungsraum für rund 100 bis 150 Personen. Ideal für Versammlungen, Kulturveranstaltungen und Feiern. Der Verein bietet die Räume offen an für Bewohner aus dem Ihme-Zentrum, aber auch für Interessierte von außen. Am Mittwoch, 29. März, gibt es dazu eine Art Tag der offenen Tür. Interessierte können ab 20h in die Räume am Ihmeplatz 7f (2. Etage) kommen. Eingang über Küchengarten. Vor Ort zeigen die unterschiedlichen Arbeitsgruppen des Vereins, was sie vorhaben. Aber auch weitere Initiativen werden sich vorstellen. Kommt vorbei, wir freuen uns auf eure Ideen.

Was: Tag der offenen Tür in der Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz
Wann: 29. März, ab 20h
Wo: Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7f, 2. Etage – Eingang am Küchengarten
Fragen? Antworten: zukunft(at)ihmezentrum(punkt)org

März 2017 – Das Ihme-Zentrum in der Kestnergesellschaft

 

Was hat das Ihme-Zentrum mit Kurt Schwitters zu tun? Die Künstlerin Verena Issel sieht viele Parallelen zwischen den beiden hannoverschen Originalen und widmet ihnen eine eigene Ausstellung. Am 10. März  startet diese in der Kestnergesellschaft. Im Interview erklärt sie, was Besucher erwarten können.

Du hast dich in deiner Arbeit mit dem Ihme-Zentrum auseinandergesetzt. Was interessiert dich am meisten an dem Gebäude?
Wenn ich an Hannover denke, denke ich von der Kunst herkommend sofort an den von mir heiß geliebten Kurt Schwitters und seinen Merzbau: Sein 1923 begonnenes Lebenswerk, das er in seiner Privatwohnung in der hannoverschen Waldhausenstraße 5A errichtete. Der Raum wurde hier immer weiter zu- und umgebaut, geometrische und organische Gliederungen erstrecken sich nach innen, verschiedene Schwerpunkte und Themen hier und dort verstreut.
Schwitters hat meinen Begriff von Skulptur, Bau und Installation sehr geprägt.
Ich interessierte mich deshalb sehr dafür, welche anderen Bauwerke es  im heutigen Hannover, Wiege des Merz, gibt – eigentlich war ich eher auf der Suche nach anderen Innenausbauten a la KdeE, doch dann kommt man ja, sobald man mal in Hannover ist, gar nicht am Ihme-Zentrum vorbei.

Wieso?
Dieser brutalistische Riesenkoloss aus Beton, Europas größtes gegossenes Beton Fundament ist ebenso wie Schwitters‘ Merzbau eigentlich heutzutage eine Angelegenheit der Privatheit, schwer (nur über eine Brücke) zugänglich, als eine Art Gated Community geplant. Ein absolut faszinierendes utopisches Gebäude!

Was fasziniert dich besonders am Ihme-Zentrum?
Wie der Merzbau auch ist das Ihme-Zentrum in viele verschiedene kleine Teile gegliedert. Eklektische Bauelemente wie unterschiedlich geformte und andersfarbige Fensterrahmen, Backsteine etc. werden zusammen geführt zu einem großen Ganzen, das ziemlich verrückt wirkt.
Das eine ist ein Raumschiff nach innen, das andere ein Raumschiff nach außen… Diese Dialektik in Hannover hat mich interessiert und zu meiner Installation inspiriert!

Wo siehst du Parallelen zwischen dem Ihme-Zentrum und dem Werk Schwitters‘?
Das Ihme-Zentrum ist Vandalismus und Zerstörung ausgesetzt, die sinnlosen Graffiti an den Wänden erinnern teils an Schwitters dadaistische Gedichte. Ich habe mich auch für die Historie des Ortes interessiert, die Tatsache, dass früher an Stelle des Ihme-Zentrums eine Brotfabrik beheimatet war, kommt mir fast grotesk vor angesichts der rauen Massen des Betons.
Ich habe deshalb das im Ihme-Zentrum aufgefundene Graffiti fotografiert und es aus Salzteig nachgebaut, kombiniert mit Zitaten aus dem Dadaismus.  So finde ich passt Schwitters „i-Gedicht“  (Siehe Grafik) ja schon sehr gut: „rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf.“
Ähnlich spontan und schnell wurde ja auch das brutalistische Monstrum von Ihme-Zentrum gebaut.
Auch die nächtliche Beleuchtung des Ihme-Zentrums, die es noch mehr als tagsüber wie ein Raumschiff wirken lässt, habe ich in der Ausstellung auf mehreren Ebenen versucht aufzugreifen. Auch Schwitters experimentierte in seinem Bau mit verschiedenen Beleuchtungen, und ich habe hier nun leuchtendes Graffiti mit einfließen lassen.

Du hast dich in deiner Arbeit mit dem Ihme-Zentrum auseinandergesetzt. Was interessiert dich am meisten an dem Gebäude?
Ich finde die Verdrängung von Kunst auf marginale vorstädtische Orte ein Problem in Deutschlands Metropolen. Künstler und andere Kulturschaffende können sich oft innenstädtische Räume nicht mehr leisten. Durch Gentrifizierung und Landflucht wird es immer teurer und somit schwieriger, einen Ausstellungs-, Konzert- oder Atelierraum zu unterhalten. Viele Leute, die ich in Hamburg oder Berlin kenne, arbeiten mittlerweile sehr weit an den Rändern der Vorstädte. Dass in Hannover innerstädtisch tatsächlich noch große Flächen leer stehen, ist eine große Chance für kulturelle Entwicklung. Ich würde anfangen, die leeren Flächen an Künstler als Ateliers zu vergeben. Ich würde Proberäume für Musiker einrichten und vielleicht auch einen Club und einen Ausstellungsraum eröffnen. So könnte das Ihme-Zentrum Ein kultureller Magnet für viele Menschen werden, der Teilhabe ermöglicht.

Und darüber hinaus?
Ich könnte mir auch vorstellen, dass eine Art Artist-in-Residency-Programm, mit dem man Künstler aus anderen Städten und Ländern einlädt, in Hannover Projekte zu realisieren, zu großem internationalen Austausch und einer interessanten kulturellen Auseinandersetzung in Hannover führen kann. Die Gastkünstler könnten im Ihme-Zentrum wohnen und arbeiten. Das wäre derart skurril und besonders, dass man sich bestimmt kaum vor Bewerbern retten könnte!  Die Stadt könnte auf diese Weise stark profitieren, dass Ihme-Zentrum könnte ein touristischer und kultureller Magnet für viele Menschen werden, das Gebäude an sich ist schon so faszinierend, und wenn es dann noch mit interessanten Inhalten gefüllt wäre, würden bestimmt viele Leute auch aus anderen Städten anreisen, um es kennen zu lernen. Und nicht zuletzt die Hannoveraner hätten wieder einen aktiven künstlerischen Hotspot!

Verena Issel

Verena Issel ist Künstlerin. Ihre Ausstellung im Rahmen des „vg Stipendiums 2017“ startet am 10. März in der kestnergesellschaft in Hannover mit einer Eröffnungsparty mit DJ ab 19h. Die Ausstellung läuft bis zum 7. Mai.

Februar 2017 – Neues von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Liebe Freunde des Ihme-Zentrums,

kaum zwei Monate sind in diesem Jahr schon vergangenen, doch das Ihme-Zentrum kommt auch jetzt nicht aus den Schlagzeilen: Sei es die Fake News, dass Trumps Sohn das Quartier gekauft hätte oder Berichte über marode Wasserleitungen.
Für uns als Verein waren es ebenfalls ein paar arbeitsintensive Wochen: Wir haben den Grundstein gelegt für ein Bürgerbeteiligungsprojekt im Stadtviertel. Wir werden die Menschen, die hier leben, arbeiten und sich eine bessere Zukunft wünschen, danach fragen, was sie brauchen, um sich wohl und sicher zu fühlen. Was sie sich für eine Nutzung in den rund 100.000 Quadratmetern vorstellen, die derzeit leerstehen.
Das Zentrum dieser Aktivitäten wird ein Quartiersforum im Ihme-Zentrum sein, das wir ab Mai anmieten werden: Damit die Bewohnerschaft wieder einen Treffpunkt hat und kreative und interessierte Menschen von außerhalb einen Ort für besondere Aktivitäten. Das wird leider nicht ohne Unterstützung funktionieren: Wir werden deshalb im Frühjahr eine Spendenaktion starten. Wer jetzt schon Ideen für Veranstaltungen hat oder gerne Sach- oder Geldspenden geben möchte – wir freuen uns über jede Hilfe!
Was sonst noch passiert ist in den vergangenen Wochen, steht in den folgenden Meldungen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht, das Team der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Veranstaltungsreihe: Zukunftswerkstatt im Dialog
Am 29. März findet mit dem Titel Das Ihme-Zentrum als kreativer Hotspot die nächste Veranstaltung in der Reihe „Zukunftswerkstatt im Dialog“ statt. Dieses Mal geht es um das kreative Potenzial des Viertels, das auf einem interaktiven Rundgang gezeigt wird. Treffpunkt ist pünktlich um um 19.30 Uhr vorm Versammlungsraum der Wohngenossenschaft Ostland, Blumenauer Straße 25. Der Eintritt ist kostenlos. Um Spenden wird gebeten. Weitere Informationen findet ihr hier.
Am 7. Dezember fand bereits eine Einführung zum Thema „Städtebaurecht im Ihme-Zentrum – Chancen und Möglichkeiten“ statt. Am 25. Januar lautete das Thema „Gefühlte Sicherheit im Ihme-Zentrum. Was kann und sollte verbessert werden?“. Bei der Veranstaltung sprachen sich alle Anwesenden – auch die Vertreter im Beirat des Ihme-Zentrums – dafür aus, ein Bürgerbeteiligungsprozess anzuregen. Infos dazu und ein Interview zum Thema „Sicherheit im Ihme-Zentrum“ findet ihr unter folgendem Link.

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum startet Bürgerbeteiligungsprojekt
Die Projektgruppe Steglitzer Kreisel will mehr als 10 Millionen Euro in den Umbau der Sockelgeschosse des Ihme-Zentrums investieren. Damit diese Mittel möglichst konstruktiv eingesetzt werden, hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Konzept für einen Bürgerbeteiligungsprozess erstellt. Das Ziel des Konzepts ist es, Bedarfe aller Beteiligten zu ermitteln und einen Konsens herzustellen zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern, im Ihme-Zentrum Arbeitenden, Vertretern aus Stadt und Politik, sowie weiteren Interessengruppen.
Das Konzept wurde auch dem Stadtrat vorgelegt. Die SPD hat als größte Partei den Antrag abgelehnt. Nichtsdestotrotz haben SPD/GRÜNE/FDP einen jährlichen Zuschuss für die Anmietung der QuartiersRäume zugesagt (siehe nächsten Punkt).
Die Mitglieder des Vereins werden jedoch mit weiteren externen Partnern und in Absprache mit der Hausbewohnerschaft trotz Ablehnung ein Bürgerbeteiligungsprojekt starten.

230 Quadratmeter für neue Ideen
Anfang Juni eröffnet der Verein seine eigenen Räumlichkeiten im Ihme-Zentrum. Die Räume sollen unter anderem der Einwohnerschaft des Ihme-Zentrums ein Forum für Aktionen und Treffen geben sowie Kulturschaffenden eine Plattform für Ausstellungen und Events bieten. Das Konzept für die Raumnutzung und einen Lageplan findet ihr in Zukunft hier.
Das Funktionieren dieses wichtigen Vereinsbausteins wird eine erhebliche Ausstrahlung für die Vereinsarbeit haben, aber auch für das Potenzial des Quartiers insgesamt. Doch der Start ist eine große Herausforderung und wir bitten dringend um Rückmeldung unter zukunft(AT)ihmezentrum.org, ob und wie ihr helfen könnt:

Hilferuf 1:
In der jetzt anstehenden Umbau- und Einrichtungsphase braucht unsere kleine Raum-AG dringend personelle Verstärkung! Es reicht dabei, wenn einige von euch nur die nächsten drei bis vier Monate mitmachen!

Hilferuf 2:
Für den Umbau der Räume fehlen uns noch mindestens 6.000 Euro!!!!! Bitte helft uns auf eine der folgenden Wege:

  1. Spendet selber privat was (wobei es keine Spendenbescheinigungen gibt, weil wir ja leider noch nicht gemeinnützig sind). Wenn ihr damit einverstanden seid, kommt ab 100 Euro euer Name im Eingangsbereich auf eine Sponsorenwand.
  2. Wenn ihr eine Firma habt: Fördert das Projekt wie jetzt schon sechs andere Firmen bzw. Institutionen. Ab 1.000 Euro wird eure Firma als Förderer der Zukunftswerkstatt in Broschüren und auf der Sponsoren-Wand in den QuartiersRäumen genannt, ab 2.000 Euro mit Logo. Bitte meldet Euch ggfs. an obige Mailadresse, damit wir eine entsprechende Vereinbarung schließen.
  3. Wenn ihr eine Firma oder Institution kennt, die eventuell als weiterer Sponsor in Frage kommt, sprecht bitte eure Kontaktpersonen dort an und informiert uns über das Hilfsangebot über obige Mailadresse.

Hilferuf 3:
Wir brauchen möglichst kostenlos oder günstig 120 Stapelstühle,  Gläser, Tassen, Teller, Besteck, Geschirrspülmaschine, Theke, Kaffeemaschine, Beamer, Lautsprecheranlage, 2 Schreibtische + Bürostühle, transportable Bühnenelemente, Rednerpult, Pinwände, usw.. Wenn ihr so etwas abgeben könnt oder einen Kontakt zu Sachspendern herstellen könnt, dann bitte eine Info an obige Mailadresse.

Besichtigungstermine der Vereinsräume
Tag der offenen Tür: Im April wollen wir Neugierige einladen, die Räume des Vereins zu besuchen. Zum einen wird es einen Termin explizit für die Bewohnerschaft des Ihme-Zentrums geben. Zum anderen werden Anwohnende und Interessierte eingeladen, sich ein Bild von den Lokalitäten zu machen. Wenn ihr Interesse oder eigene Ideen habt oder euch auch selbst einbringen möchtet: Meldet euch jetzt schon an unter zukunft(at)ihmezentrum.org – wir teilen euch dann den endgültigen Termin mit.

Zukunftswerkstatt und HaussprecherInnen starten Austausch
Anfang Februar haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Zukunftswerkstatt mit Haussprecherinnen und Haussprecher im Ihme-Zentrum getroffen. Beide Seiten waren sich einig: Nur gemeinsam kann eine Revitalisierung gelingen. Der Austausch über gemeinsame Aktivitäten wird in Zukunft weiter geführt.
Die Funktion der Haussprecher im Ihme-Zentrum betrifft die allgemeine Planung der jeweiligen Mehrfamilienhausteile, von denen es zwölf gibt. Haussprecher wird nur, wer Eigentum besitzt und von den kleinen Eigentumsgemeinschaften gewählt wird.

Januar 2017 – Fotoprojekt zum Ihme-Zentrum feiert Vernissage

Draußen und Drinnen

Rund ein Jahr hat der hannoversche Fotograf Simon Slipek das Ihme-Zentrum gemeinsam mit 60 Teilnehmern fotografisch entdeckt. Ab dem 11. Januar wird das Projekt im Rahmen einer Ausstellung in der Kunsthalle auf dem Faust-Gelände präsentiert. Im Interview erklärt Simon Slipek, was ihn an der Arbeit am meisten fasziniert hat und wieso der Kontrast zwischen der Eigenwahrnehmung der Bewohner und der Außenwahrnehmung so spannend ist.

Draußen und Drinnen heißt die von dir initiierte Fotoausstellung über das Ihme-Zentrum. Wie groß ist denn der Kontrast zwischen Innen- und Außenwahrnehmung?
Die Betroffenheit der Situation des Ihme-Zentrums ist groß. Man hat deutlich gemerkt, dass die Teilnehmer, die entweder im Ihme-Zentrum wohnen oder arbeiten, eine sichere innere Haltung zum Ihme-Zentrum haben, egal in welche Richtung. Die Teilnehmer, die im Stadtteil Linden leben, sind lockerer, romantischer und verspielter an das Projekt rangegangen. Es ist immer sehr viel schwieriger, seine engere Umgebung zu fotografieren, weil es schwieriger ist, noch was Neues zu sehen. Deswegen hatten alle Teilnehmer Schwierigkeit damit, nur eine begrenzte Anzahl von Fotos machen zu können. Dazu kommt noch, dass alle ihre Fotos sehr viel später erst gesehen haben und dann erst ihre Idee und ihre Wahrnehmung benutzt haben, um ihre Fotostrecke zu bauen. Das Ergebnis von Innen, wie von Außen ist erschreckend gut geworden.

Draußen und Drinnen

Wie kamst du darauf, dich auf diese Weise mit dem Zentrum zu beschäftigen?
Da ich als Hannoveraner die Stadt sehr gut kenne, hat es mich überrascht, nicht das Innere des Zentrum zu kennen. So kam ich zu der Idee, eine Fotostrecke zu machen um das Innere zu zeigen. Die Idee mit dem Workshop und den Einwegkameras hat sich aus der politischen Situation des Zentrums entwickelt. Es ist schön, dass sich ein Profi fotografisch mit dem Zentrum beschäftigt und sein Statment abgibt – aber wichtiger ist es, die Menschen, die sich Tag täglich mit dem Ihme-Zentrum beschäftigen, zu zeigen und somit Teilhabe zu ermöglichen. Menschen anhand einer Einwegkamera eine Stimme zu geben, die bleibt, das war das Wichtigste an diesem Projekt.

Hast du selbst eine Vision von einem besseren Ihme-Zentrum?
Auf jeden Fall. Das Ihme-Zentrum ist der wichtigste Wohnraum Hannovers. Jeder der auf der 2. Etage auf einem Balkon die unglaubliche Aussicht erleben durfte, wird sich in das Zentrum verlieben. Alle sind der Meinung, der aktuelle Zustand geht nicht. Wie oft hat die Vergangenheit das Gegenteil bewiesen? Ich bin für mehr Wohnraum und kreative Angebote für Jung und Alt.

„Draußen und Drinnen“ in der Kunsthalle Faust
Ausstellungsdauer: Donnerstag, 12. Januar, bis Sonntag, 29. Januar 2017
Vernissage: Mittwoch, 11. Januar, 19 Uhr
Öffnungszeiten Kunsthalle Faust: Do und Fr 16-20 Uhr, Sa und So 14-18 Uhr
Eintritt kostenlos

Das Ihme-Zentrum bei der UNESCO

Foto: Ole Witt

Nach zwei Jahren mit dem Experiment Ihme-Zentrum zieht Constantin Alexander Bilanz: Das Image des Quartiers hat sich gewandelt, viele tolle Menschen engagieren sich inzwischen für eine nachhaltige und kreative Transformation und das Thema interessiert inzwischen auch außerhalb Hannovers: Im September stellt Constantin sein Projekt bei einer UNESCO-Konferenz in Schweden vor.

Genau vor zwei Jahren habe ich ein Experiment gestartet. Ich bin in ein Wohnviertel gezogen, das viele in meiner Heimatstadt Hannover als Schandfleck oder Ruine beschimpfen: das Ihme-Zentrum. Dieses einstige Leuchtturmprojekt aus den 1970er-Jahren steht für die Verwüstungen von globaler Immobilienspekulation, unnachhaltigem Wirtschaften und einer gestörten Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Es ist riesengroß, sieht aus wie ein Raumschiff und urbane Legenden darum drehen sich vor allem um Gewalt, Kriminalität und Verderben. Ich stellte mir ein Leben dort vor allem als ein Abenteuer vor.

Meine Freunde waren erst ungläubig, als ich ihnen erzählte, was ich vorhatte. „Dort wirst du doch sofort ausgeraubt“, warnten sie mich. „Da ist die ganze Zeit Stress.“ Manche machten Witze: „Bist du jetzt der Hipster, der dort einzieht und die Gentrifizierung startet?“ Andere wiederum wurden sofort aufmerksam und teilten mein Interesse an dem Quartier: „Geil, lädst du mich ein, sobald du drin bist?“

Am Anfang fand ich vor allem zwei Fragen spannend: Warum wurde das Ihme-Zentrum gebaut? Und: Warum sieht es in den unteren Geschossen eigentlich so kaputt aus? Ich sprach mit Nachbarn, Experten aus den Bereichen Architektur, Geschichte und Wissenschaft und recherchierte intensiv. Tagsüber und nachts nahm ich meine Taschenlampe und ging auf Erkundungstour. Nach einigen Monaten hatte ich einen Überblick und Antworten.

Das Ihme-Zentrum steht symbolisch für die Zeit, in der es entstanden ist: Die 1970er-Jahre waren das letzte Jahrzehnt, in dem die Zukunft positiv gesehen wurde. Menschen flogen zum Mond und machten sich die Erde endgültig Untertan. Alles, was technisch möglich war, wurde ausprobiert. Das Quartier wurde so groß, weil es so mehr Geld verdienen sollte. Doch der Bauherr ging vor der Eröffnung pleite. Seitdem ähnelt die Geschichte des Ihme-Zentrums einem Krimi oder einer Tragödie. Dass es so leer steht, liegt vor allem an der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 und daran, dass manche Unternehmen mehr Geld damit verdienen, etwas kaputt gehen zu lassen, als es zu erhalten.

Trotz der tragischen Geschichte des Quartiers war ich sofort fasziniert von meiner neuen Heimat. Meine Nachbarn waren von Anfang an super, ich wohnte nun über einem Fluss mit dem Blick über die Stadt, und das Ihme-Zentrum selbst wurde für mich immer mehr zu einem Raumschiff. Ich sah nicht mehr die Kaputtheit und den Schmutz vor meinem Eingang, sondern die Möglichkeiten, die sich hier boten. 100.000 Quadratmeter stehen hier leer, in der besten Lage einer aufstrebenden und liebenswerten Stadt. Da musste es doch Lösungen geben, wie das Ganze zu reparieren ist, dachte ich mir. Dieser schlafende Riese musste doch aufzuwecken sein…

Um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu finden, fing ich im Winter 2014 an, Menschen ins Zentrum einzuladen. Und sie kamen: Am Anfang waren es vor allem Expertinnen und Experten und meine Freunde. Doch bald wurden es immer mehr, mit denen ich mich austauschen konnte. Ich fing an, kostenlose monatliche Rundgänge durch das Ihme-Zentrum zu machen. Bis heute kamen mehr als 4.000 Menschen. Ich traf den tollen Filmemacher Hendrik Millauer, wir wurden Freunde und fingen an, die bewegte Geschichte des Quartiers in einem Dokumentarfilm einzufangen. „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ ist fast fertig. Im Oktober dürfen wir eine aktuelle Werkstattschau in der Kunsthalle Wien zeigen. Die Premiere in Hannover wird im Herbst sein.

Weil wir kein Geld für den Film hatten, starteten wir eine Crowdfunding-Kampagne, die mit rund 10.000 Euro endete. Für die Entwicklung des Drehbuchs bekamen wir eine Förderung von Nordmedia. Die Designerin Corinna Lorenz gestaltete als Film-Merchandise wunderschöne Poster und Postkarten, die inzwischen in ihrem Laden immer mehr verkauft werden. Kai Schirmeyer vom kre-H-tiv Netzwerk für Kreativwirtschaftsförderung erkannte das Potenzial des Ihme-Zentrums für einen kreativen Hot-Spot und ließ mich die Analye Der Hannover-Effekt anfertigen. Und aus einem losen Gesprächskreis von den Architekten, Stadtplanern und Experten für Stadtsanierung, mit denen ich ins Gespräch gekommen war, wurde in diesem Frühjahr der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. (Eine ganze Liste der Aktiven und alle Infos zum Verein gibt es hier.)

Der Verein ist bislang sehr aktiv: Die Expertinnen und Experten in der Arbeitsgruppe Räumliche Planung haben einen Zehn-Punkte-Plan zur planerischen und architektonischen Sanierung erarbeitet. Wir durften den Bund Deutscher Architekten bei der Durchführung ihrer „Architekturzeit“ im Quartier unterstützen. Wir vermittelten einen Platz für einen Palettengarten, den die Menschen von Transition Town Hannover liebevoll pflegen. Einer meiner Höhepunkte war die gemeinsam mit der exposive medien gruppe entwickelte Podiumsdiskussion mit den Vertretern der demokratischen Fraktionen im Stadtrat von Hannover. Vor der Kommunalwahl erklärten alle Politiker, dass sie die Punkte des Vereins unterstützen und eine bessere Zukunft für das Ihme-Zentrum wollen.

Es waren zwei wilde Jahre. Ich durfte lernen, dass sich Engagement lohnt und wie toll die Menschen in Hannover sind! Die Chancen stehen gut, dass das Ihme-Zentrum eine bessere Zukunft bekommt. Und ich habe gespürt, dass ich NICHT der Einzige bin, der die Arbeit dafür übernimmt. Wir sind viele, und es werden immer mehr. Und die Aufmerksamkeit kommt inzwischen auch von außerhalb der Stadt!

Am 13. September darf ich mein Experiment Ihme-Zentrum auf einer Konferenz über kreative und nachhaltige Ansätze bei der Regionalen Entwicklung von der UNESCO in Schweden präsentieren. Darauf freue ich mich sehr. Ich werde den Menschen erzählen, welche tollen Ideen es in Hannover gibt, wenn es darum geht, aus einer vermeintlichen Ruine ein neues Wahrzeichen für eine nachhaltige und kreative Stadt der Zukunft zu machen. Und ich werde sie einladen, nach Hannover zu kommen, um sich das Ihme-Zentrum anzuschauen, mit den Menschen dieser spannenden Stadt ins Gespräch zu kommen und uns zu helfen.

Danke für alle, die mich in den vergangenen zwei Jahren unterstützt haben! Ihr macht diese Stadt lebenswert!

Kommt am 24. September ins Ihme-Zentrum zum ersten öffentlichen Picknick der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum! Es geht um 15 Uhr los in der Passage auf der 2. Ebene. Der Weg vom Küchengarten dorthin wird ausgeschildert.

Im Rahmen meiner Arbeit habe ich eine Broschüre entwickelt: „Die nachhaltige Disruption“ hier zum kostenlosen Download.

10 Thesen für die Revitalisierung des Ihme-Zentrums

1. These
Das Ihme-Zentrum ist eine stadtgesellschaftliche Herausforderung. Es geht darum, dem Ihme-Zentrum eine Zukunftsperspektive zu geben – der Abriss ist keine Option. Die Übernahme des Intown-Eigentums durch die Stadt steht nicht zur Diskussion.

2. These
Etwa 225.000 m² der ca. 285.000 m² Gesamtfläche im Ihme-Zentrum funktionieren im Grundsatz. Bei diesen Flächen anstehende Sanierungen können und müssen privatrechtlich gelöst werden. Dies liegt in der Verantwortung der jeweiligen Eigentümer.

3. These
Das Gemeinschaftseigentum im Sockelgeschoss (ca. 13.000 m²) muss neu geordnet werden, denn mit der jetzt gültigen Teilungserklärung ist ein Zukunftskonzept nicht realisierbar.

4. These
Der Rat der Landeshauptstadt sollte kurzfristig nach der Kommunalwahl Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 des Baugesetzbuches (BauGB) in Auftrag geben. Nach Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung ist zu bewerten, ob eine Erhaltungssatzung nach § 142 BauGB oder eine Ausweisung als „Stadtumbaugebiet West“ nach § 171d BauGB für die Neuregelung der Eigentumsverhältnisse im Sockelgeschoss zielführend sein kann.

5. These
Wenn die Gemeinschaftseigentumsflächen neu geregelt sind, gibt es für die Sockelgeschossetagen eine gute Perspektive für die Zukunft!

6. These
Für eine gelingende Revitalisierung und Integration des Quartiers in seine Umgebung müssen die Wegeverbindungen im Ihme-Zentrum und die Vorflächen zur Ihme öffentlich werden und in die Zuständigkeit der Stadt übergehen (insgesamt ca. 15.000 m²).

7. These
Sinnvoll sind stadtteilbezogene Einkaufsflächen mit Bezug auf die Wegeverbindungen an den beiden Kopfseiten des Sockelgeschosses in einer Größe, die den Konkurrenzdruck zu den Geschäften in den angrenzenden Stadtbereichen nicht zu groß werden lassen.

8. These
Zum Sanierungskonzept sollten der Rückbau der Überdachung der Ihmepassage und der Umbau in begrünte und den Bewohnern zum Aufenthalt vorbehaltene Blockinnenbereiche gehören. Hierdurch wird es möglich und wirtschaftlich tragfähig, im Bereich zwischen Ihmepassage und Blumenauer Straße oberhalb der Straßenebene ca. 10.000 m² zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

9. These
Die übrigen ca. 30.000 m² im Sockelgeschoss vorrangig auf der Straßenebene eignen sich sehr gut für Gewerbe, Kultur, Dienstleistungen, Gesundheitsprojekte, Gastronomie, etc..

10. These
Die Stadt Hannover schließt mit Intown für die jetzt genutzten ca. 28.000 m² Büroflächen und, wenn enercity ausziehen sollte, auch für deren ca. 30.000 m² für aus dem Stadtgebiet zusammengezogene Behörden, einen neuen 20-Jahres-Mietvertrag. Dies geschieht jedoch nur dann, wenn Intown die in den folgenden kommunalpolitischen Handlungsempfehlungen dargestellten Bedingungen erfüllt.

Die Thesen wurden vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im Sommer 2016 erarbeitet. Das gesamte Thesenpapier „10 Schritte zum Glück“ mit detaillierten Erläuterungen und Handlungsempfehlungen steht hier zum kostenlosen Download.

Copyright: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Das Konzept wird am 23. August bei einer Podiumsdiskussion im Capitol (Schwarzer Bär 2) vorgestellt. Einlass ist ab 17.30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

August 2016 – Das Ihme-Zentrum als Teil einer Theater-Wanderung

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Die Geschichte des Ihme-Zentrums könnte sicher Inhalt ein eigenes Theaterstück sein. Für die Theatergruppe Frl. Wunder AG des Freien Theater Hannover ist das Quartier schon jetzt ein spannender Ort, um Teil einer Wanderung durch Hannover zu sein. Mit-Initiator Micha Kranixfeld erzählt, warum das Zentrum ab morgen Teil einer Inszenierung ist:

Für unser Projekt „Wegefreiheit“ haben wir uns nicht nur auf die Suche nach ungewöhnlichen Routen durch Hannover begeben, sondern auch nach Orten gesucht, an denen sich Visionen von Arbeit und Freizeit manifestieren. Im Ihme-Zentrum werden die urbane Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses Themas gleichzeitig sichtbar. Von der mechanischen Weberei des „Lindener Samts“ über den Beton gewordenen Traum von Arbeit, Wohnen und Freizeit in Einem bis hin zur Vision einer nachhaltigen neuen Zukunft, die der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum oder das Team des Palettengartens von Transition Town Hannover jetzt formulieren.

Die Theater-Wanderung der Frl. Wunder AG findet zwischen dem 13. August und 25. September an verschiedenen Terminen statt. Alle Infos und Tickets gibt es hier.

Juli 2016 – Das Ihme-Zentrum als beliebtes Fotomotiv

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„Ich fotografiere das Ihme-Zentrum sehr gerne, da das Ihme-Zentrum für mich einen ganz eigenen persönlichen Charme hat, den man mit jedem Foto immer wieder neu entdecken kann!“ Sabine

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„Der Anblick des Wohnkomplexes am Ihme-Ufer ist gewaltig, vor allem bei sommerlichem Licht am Spätnachmittag. Mich fasziniert die bunte Skyline vom anderen Flussufer genauso wie die grauen und dunklen Verzweigungen im Inneren des Zentrums. Trotz der abgesperrten Bereiche und dem Leerstand der Schaufenster fühlt und sieht man noch Leben im Ihme-Zentrum. Ich freue mich über die bisherige Erhaltung des Komplexes, jedoch erachte ich ihn als viel zu spannend, um ihn so ungenutzt zu lassen. Die Vielseitigkeit und Authentizität der Location macht sie natürlich auch fotografisch interessant. Ich freue mich schon auf den nächsten Spaziergang auf beiden Uferseiten, ob mit oder ohne Kamera!“ Max

Juni 2016 – Ein Bücherschrank für das Ihme-Zentrum

Haussprecherin Britta Zogall und der Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer Rainer-Jörg Grube weihen den Offenen Bücherschrank im Ihme-Zentrum ein.

Ab sofort gibt es im Ihme-Zentrum einen Offenen Bücherschrank. Jeder darf dort Bücher reinstellen und/oder mitnehmen. Initiiert hat das Projekt die Haussprecherin und Ihme-Zentrums-Bewohnerin Britta Zogall. Im Interview erklärt sie, wie durch so ein Projekt die Nachbarschaft belebt werden kann.

Sie haben sich dafür eingesetzt, dass das Ihme-Zentrum einen eigenen Offenen Bücherschrank bekommt. Was ist das genau?
Das ist ein von dem Werkstatt-Treff Mecklenheide gebauter Schrank, der nun an einem zentralen Platz im Ihme-Zentrum steht: am Fuß der Ihmepassage 2/Ecke Ida-Arenhold-Brücke. Er ist für jeden zugänglich und wird unterstützt vom Stadtbezirksrat Linden-Limmer.  Man kann einfach Bücher hineinstellen und auch welche herausnehmen. Völlig kostenlos.

John Winston Berta

Zur Einweihung hat der hannoversche Songwriter John Winston Berta ein paar Lieder gespielt.

Sie sind selbst Bewohnerin des Ihme-Zentrums. Kann so ein Bücherschrank auch ein Anfang sein, um einen Austausch in der Nachbarschaft zu ermöglichen?
Das ist genau das, was ich mir davon erhoffe. Und natürlich auch, dass die Menschen zum Lesen animiert werden. Vielleicht sogar Kinder.

Welche Vision haben Sie vom Ihme-Zentrum in 10 bis 20 Jahren?
Dass wir vielleicht viele solcher Orte im Ihme-Zentrum haben. Egal, ob man sich zum Klönen trifft oder um Sport zu machen, gemeinsam zu spielen oder Kunst auszustellen.

Britta Zogall ist Bewohnerin und Haussprecherin im Ihme-Zentrum.
Mehr zu den Bücherschränken der Landeshauptstadt Hannover.

Juni 2016 – Das Ihme-Zentrum als Ort für Kultur

Slackliner im Ihme-Zentrum

Auch das ist Kreativität: Slackliner zwischen Ihme-Zentrum und dem anderen Ufer.

Das Ihme-Zentrum als Ort der Kultur und Kreativität? Für viele Menschen ist das eine natürliche Verbindung. Auch das Kulturdezernat von Hannover sieht das so und unterstützt deshalb Initiativen im Quartier. Im Interview erklärt Dezernent Harald Härke, was bereits passiert ist und welche Vision er für das Ihme-Zentrum hat.

Sie haben im Mai ein Netzwerktreffen mit der Kunst- und Kulturszene im Ihme-Zentrum veranstaltet: Was war der Auslöser?
Bei uns im Kulturdezernat häuften sich die Anfragen nach einer temporären oder dauerhaften kulturellen Nutzung im Ihme-Zentrum.  Die Idee war es, statt permanenter Einzelgespräche ein Netzwerktreffen mit allen Interessierten stattfinden zu lassen und somit Ideen in großer Runde auszutauschen. 
Die Veranstaltung sollte der erste Schritt sein, um gemeinsam eine kulturelle Transformation entstehen zu lassen. Dabei  ist es mir wichtig, dass wir die Kultur nicht selbst machen. Das Kulturdezernat hat  vielmehr die Rolle des Vermittlers und kann Rahmenbedingungen schaffen.

Die Teilnehmenden diskutierten über verschiedene Aspekte der Kultur im Ihme-Zentrum.

Was ist bei dem Netzwerktreffen passiert?
Zunächst gab es mit Impulsvorträgen ausreichend Input von Kulturmanagern anderer Städte, die einen ähnlichen Transformations- und Beteiligungsprozess begleitet haben. Im Anschluss haben wir alle Künstler und Kulturschaffende an Thementische gebeten, um sich mit ihren Ideen zur kulturellen Entwicklung des Ihme-Zentrums auszutauschen und dabei entweder konkrete Vorhaben zu benennen oder sich Gleichgesinnte zu suchen. Die Ideen wurden gesichtet und gesammelt, um damit weiterzuarbeiten.
Besonders gefreut habe ich mich über die positive Stimmung auf der Veranstaltung und die Euphorie der Teilnehmer, dass wir als Stadt (oder: Kulturdezernat) eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums befürworten und auch unterstützen.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Was machen Sie mit den Ergebnissen?
Die Ergebnisse der Thementische stellen wird allen Teilnehmern zur Verfügung. Ich hoffe, dass wir alle Anwesenden motiviert haben, sich im Ihme-Zentrum kulturell zu engagieren. Wir werden weiterhin Back-up geben und wenn es erforderlich ist, die entsprechende Vermittlertätigkeit ausfüllen.  Mit dem neu gegründeten Verein „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“  wird es eine Kooperation geben. 
Gerade sind wir dabei, weitere Veranstaltungen und Schritte zu planen, damit wir den positiven Geist dieser Veranstaltung aufrecht erhalten und eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums tatsächlich realisiert werden kann.

Allen war eine Nachhaltigkeit der Kultur sehr wichtig.

Welche Vision haben Sie persönlich für das Ihmezentrum?
Ich wünsche mir natürlich, dass die Idee eines spartenübergreifenden Kulturzentrums im Ihme-Zentrum realisiert wird. Dabei ist es wichtig, „Kultur mit allen“ in die Tat umzusetzen und soviel Teilhabe dafür zu schaffen, wie es möglich ist. Eine gute Mischung aus sogenannter Hochkultur und Off-Szene in Kombination mit ganz neuen, innovativen Formaten. Ich finde es spannend, einen solchen Prozess zu begleiten und die Kunst- und Kulturszene dabei zu unterstützen, das Ihme-Zentrum zu erobern und hier etwas Wertvolles und Nachhaltiges zu schaffen.

Harald Härke, Personaldezernent Landeshauptstadt Hannover.Harald Härke ist Kultur- und Personaldezernent der Stadt Hannover