Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: jugend

Bewohner und Forscher entwickeln Ideen für ein grüneres Ihme-Zentrum

Ein Wochenende lang haben Bewohnerschaft, Forschende und Interessierte bei dem Event  „Grüne Stadt“ gemeinsam Ideen entwickelt, wie das Ihme-Zentrum ökologisch nachhaltiger werden kann. Zu den Ideen gehörten Kinderspielplätze, Projekte für eine bessere Versickerung des Wassers, Dachgärten oder auch bepflanzte Fassaden. Am Sonntag kamen alle Teilnehmenden in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum zusammen, um die Ergebnisse zu sammeln.

Vorab stellten Expertinnen die Konzepte integrative Stadtteilgärten, Permakultur und kreative Brauchflächenentwicklung vor. Im anschließenden Workshop entwickelten Bewohner, Interessierte und Forscher gemeinsam Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers. Die Ergebnisse werden demnächst auf dieser Website präsentiert.

Danke an der Stelle auch an die Verwaltung des Ihme-Zentrums, die die Aktionen auf den verschiedenen Plätzen im Quartier erlaubte und sich sehr interessiert zeigte an den Ideen. Das Team will die Konzepte zeitnah überreichen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. „Grüne“ war eine Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen waren Hannover VOIDS, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz, Universität und Transition Town Hannover.

August 2017 – Der Sommer im Ihme-Zentrum

Das Hochwasser Ende Juli 2017 hat aus der Ihme einen richtigen Strom gemacht. Foto: Hans Dieter Keyl.

Trotz eines durchwachsenen Sommers gibt es viele gute Entwicklungen im Ihme-Zentrum: Das Quartier und seine Herausforderungen werden außerhalb Hannovers immer bekannter. Das neue Nachbarschaftszentrum entwickelt sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und viele Bewohner verbessern aktiv mit Grünpflege und Nachbarschaftshilfen die Lebensqualität vor Ort.

Der Juli im Ihme-Zentrum war durchwachsen. Ein heftiger Regen nagte für mehrere Tage an der Fassade und den Dächern und offenbarte manche schwache Stelle. Die Ihme trat über die Ufer und schwemmte ganze Baumstämme vorbei. Kein Wetter, bei dem man gerne nach draußen geht. Doch mit dem August ändert sich so langsam die Großwetterlage im Quartier. Nach dem letzten reinigenden Gewitter wird es jetzt wieder wärmer und die Pflanzen blühen, und das Spazierengehen macht wieder Freude.

 

Manch einer nutze das Hochwasser am Ihme-Zentrum zum Surfen. Foto: Hans Dieter Keyl

Indes hat das schlechte Wetter die Menschen nicht davon abgehalten, dem Ihme-Zentrum einen Besuch abzustatten. Zu mehreren Rundgängen kamen rund 200 Menschen, um sich das Quartier und das im Juni eröffnete und von der Kulturverwaltung der Stadt Hannover geförderte soziokulturelle Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E anzuschauen. Mit den Spenden rückt die vollständige Finanzierung der barrierefreien Toilette in den Räumen immer näher. Seit Anfang August ist außerdem mit dem Künstler Sebastian Stein der zweite Dauermieter neben dem Orchester im Treppenhaus eingezogen. Das BewohnerCafé, ein Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner jeden Dienstag, entwickelt sich zu einem lebendigen Stammtisch.

Doch nach dem Regen folgte Anfang August die Sonne.

Gleichzeitig waren das Quartier und seine Herausforderungen Thema mehrerer überregionaler Workshops und Vorträge. Mit großem Interesse verfolgten im Juni Vertreterinnen und Vertreter des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung im Rahmen des „Stadt von Übermorgen“ Treffens, wie der Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum aus der vermeintlichen Ruine einen positiven Möglichkeitsort geschaffen und sich somit das Image gewandelt hat. Die Expertinnen und Experten bewerteten demokratische Teilhabe und kreative Problemlösungen als wichtig für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums, wie auch für alle Kommunen. Dies entspräche auch der UN mit seinem Plan für „Nachhaltige Städte und Kommunen“.

Die Bewohnerschaft kümmert sich vor Ort intensiv um die Beflanzung im öffentlichen Bereich.

Anfang Juli präsentierten Studierende der Universität Hannover ihre Forschungsarbeiten, die sie im Sommersemester mit der Architektin Karin Kellner und dem Stadforscher Herbert Schubert entwickelt haben. Dabei waren viele gute Arbeiten, die sich mit einer angenehmeren Gestaltung vor Ort beschäftigen. Viele der von den Studierenden entwickelten technischen Lösungen sind gar nicht teuer und relativ schnell umzusetzen. Die Wissenschaftlerin Silke Hüper zeigte außerdem ihre Untersuchungen, wie die Zeitungen den Ruf des Quartiers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mit geprägt haben. In ein paar Monaten wird sie das Ganze noch einmal in der Zukunftswerkstatt vorstellen.

Das Quartier entwickelt sich in Hannover, aber auch außerhalb immer mehr zu einem Thema, über das man spricht.

Im späten Juli wurde das Ihme-Zentrum im Münsteraner Freihaus bei „100 Stunden Brutalismus“ als mögliches Leuchtturmprojekt besprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Kreativwirtschaft zu dem interdisziplinären Event im Rahmen der Ruhrmoderne und der Skulptur Projekte. Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellten ihre Forschungsarbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ über große Brutalismuskomplexen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigten, dass diese oftmals wunderbare Orte zum Wohnen sind und für ihre Bewohnerinnen und Bewohnern geliebte Heimat – wie im Ihme-Zentrum auch. Jan Kampshoff erklärte, wieso frühere urbane Utopien durch Immobilienspekulation scheitern und die erfolgreichen immer auch die Menschen vor Ort integrierten. Am 13. August wird außerdem die Ihme-Zentrums-Dokumentation „Traum Ruine Zukunft“ im Apollokino in Hannover-Lindem gezeigt und am 30. August beim „Architektur.Film.Sommer 2017“ im Museumsquartier in Wien.

November 2016 – Jugendliche planen die Zukunft des Ihme-Zentrums

Constantin Alexander erklärt die Historie

Anfang November trafen sich rund 60 Schülerinnen und Schüler im Neuen Rathaus, um im Rahmen der Konferenz „Leibniz plant das Ihme-Zentrum“ neue Ideen für das Quartier zu sammeln und so spielerisch zu lernen, wie Demokratie funktioniert. Die Jugendlichen wünschen sich neben einem begrünten und bunten Ihme-Zentrum vor allem eine bessere Nutzung der freien Flächen. 

„Da ist so viel Platz, da könnten wir locker Sportplätze, Clubs und vieles anderes reinbauen, ohne dass es die Bewohner stört.“ Das Ihme-Zentrum als Möglichkeitsraum – so stellen es sich die rund 60 Schülerinnen und Schüler vor, die Anfang November bei der Konferenz „Leibniz plant das Ihme-Zentrum“ ins Neue Rathaus gekommen sind, um Zukunftsvisionen für das Viertel zu entwickeln. Relativ schnell sind sich alle einig: Ein Abriss ist Quatsch, vielmehr sollte man das Zentrum zum lebendigen Stadtteil Linden öffnen. Viele der Teilnehmenden kommen direkt aus der Nachbarschaft und empfinden den aktuellen Zustand des Quartiers als Belastung. „Das ist doch schade, wir könnten dort so viele tolle Sachen starten“, erklärt einer. „Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass dort ganz oben im Hochhaus ein geiles Restaurant oder Club drin wäre. Das würde Menschen anlocken – auch von außerhalb Hannovers.“

Die Jugendichen debattieren konzentriert und kreativ.

Die Teilnehmenden haben dabei keine Vorurteile gegenüber dem Zentrum, sie sehen vielmehr das Potenzials. Und so sind drei der Ideen, die es später durch das simulierte Parlament kommen, direkte Impulse, die auch den aktuellen Großeigentümer Intown interessieren könnten: „Begrünung der Dächer und der umliegenden Plätze“, „Bunte Architektur“ und eine bessere Außengestaltung würden im ersten Schritt schon viel bewegen – vor allem was das Image des Quartiers angeht. Doch auch die anderen Ideen zeigen, wie kreativ und gleichzeitig realitätsnah die Jugendlichen diskutiert haben: So wünschen sie sich Sporteinrichtungen in den derzeit leerstehenden unteren Geschossen, aber auch neuartige Arbeits- und Gemeinschaftsflächen sowie einen nachhaltigen Umbau des Viertels.

Viele tolle Ideen.

Die Konferenz wurde von Politik zum Anfassen e.V. organisiert.

September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird ein jugendgerechtes Viertel

 

Das Ihme-Zentrum als Beitrag für eine Stadt der Jugend und der Zukunft – beim Stadtjugendtag 2015 am Samstag, 26. September, wird genau dieses Potenzial diskutiert. Stadtjugendpfleger Volker Rohde spricht im Interview über das Zentrum als Chance und wie wichtig es ist, eine Stadt für Kinder und Jugendliche zu gestalten. 

Was genau geschieht an diesem Stadtjugendtag?
Der Stadtjugendtag ist in erster Linie eine (große) Beteiligungsveranstaltung für Jugendliche im Rahmen von „Mein Hannover 2030“. Jugendliche sollen sich im Rahmen dieser Veranstaltung und in Bezug auf „Mein Hannover 2030“ im Rahmen von den zwei folgenden groben Fragestellungen äußern: Was soll diese Stadt im Jahr 2030 für Jugendliche bieten und sein? Was soll diese Stadt für mich, als dann ca. 30 Jährige/n bieten. Dabei ist 2030, zumindest was den ersten Teil der Frage betrifft, natürlich nur ein Synonym. Die Ideen und Wünsche der Jugendlichen müssen natürlich unmittelbar und kurzfristig aufgenommen werden. Beide Fragestellungen sind zudem sehr abstrakt oder auch etwas uncool. Deshalb sollen sie von den Jugendlichen auf ihre Art gestellt und beantwortet werden.

Demzufolge sollte der Stadtjugendtag von vornherein eine Veranstaltung von Jugendlichen für Jugendliche werden. Wir haben deshalb viel Wert darauf gelegt, dass die gesamte Veranstaltung sich auch sehr jugendgerecht entwickelt. Dementsprechend besteht dieser Tag nicht nur aus Foren und Diskussionsrunden, wie vielleicht in anderen Beteiligungszusammenhängen. Viel mehr wollen wir Jugendlichen auch die Gelegenheit geben, sich mit ihren Aktivitäten und Interessen an diesem Tag umfassend zu präsentieren. Folgerichtig hat sich der Stadtjugendtag damit mehr  zu einem Festival entwickelt. Diese Entwicklung finden wir großartig und freuen uns darauf, was dabei herauskommt.

Das Festival findet ja in einer dynamischen Atmosphäre zwischen Glocksee und Ihme-Zentrum statt. In wieweit ist dieser Rahmen geeignet für den Stadtjugendtag?
Die Fläche ist hervorragend geeignet. Da ist zum einen, das seit über 40 Jahren bestehende Unabhängige Jugendzentrum Glocksee. Es steht für die Tradition von Selbstorganisation und Partizipation, aber auch für Party, Spaß und Ausprobieren von Jugendlichen. Die neugestaltete Fläche zwischen Glocksee und Ihme steht wiederum für die Interessen von Jugendlichen, den öffentlichem Raum in ihrem Sinne zu nutzen und auch temporär zu gestalten. Nicht zuletzt bietet das Ihme-Zentrum mit seinem ambivalenten Charme eine besondere, durchaus jugendgerechte Kulisse und ist nicht nur deshalb ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.

Stadtjugendtag 2015

Könnte aus Ihrer Sicht das Ihme-Zentrum eine jugendgerechtes Quartier werden?
Auf den ersten Blick eine vielleicht etwas abwegige Frage. Allerdings nur auf den ersten Blick. Mit der Verbindung von der Glocksee und der Freifläche an der Ihme hat das Ihme-Zentrum großes Potenzial für einen jugendgerechten Ort. Auch der ambivalente Charme könnte dazu beitragen, denn Jugendliche mögen mit Einschränkung eher das etwas Unaufgeräumte und Unstrukturierte und weniger Saubere, wenn es um die Nutzung öffentlicher Räume geht. Solche Räume bieten viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und bieten eine Alternative zur der aus der Sicht von Jugendlichen, nach wie vor als „spießig“ und um Sauberkeit und Ordnung bemühten Erwachsenengesellschaft. Warum sollte sich durch verschiedene Aktivitäten nicht ausgerechnet das Ihme-Zentrum zu einem ganz besonderem jugendgerechten Quartier entwickeln. Im Übrigen vielleicht sogar, was bezahlbaren Wohnraum in einem „hippen“ Stadtteil betrifft.

Wie ist Ihr persönlicher Bezug zum Stadtteil?
Ich wohne seit fast 30 Jahren in Linden und liebe diesen Stadtteil in seiner ganzen Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Meine Kinder sind hier geboren und bevölkern als noch Jugendliche die öffentliche Räume des Stadtteils. Ich genieße am Wochenende den Stadtteilspaziergang an Leine und Ihme. Das Ihme-Zentrum ist mir in seiner ganzen Entwicklung sehr vertraut. Zum einem arbeite ich seit fast zehn Jahren im Ihme-Zentrum und konnte unmittelbar die Entwicklung oder auch Nichtentwicklung unmittelbar mitverfolgen. Zum anderen kenne ich das Ihme-Zentrum seit Jahrzenten als Einkaufs- und Aufenthaltsort, zu Zeiten als hier noch HUMA oder Saturn-Hansa die Käufer/innen anzogen. Leider ist das mit dem Einkaufs- und Aufenthaltsort in den letzten Jahren etwas schwieriger geworden.

Stadtjugendtag 2015

Wie kann man sich an der Veranstaltung beteiligen?
Alle Interessierten können am Samstag um 18.40 Uhr ins Forum kommen zur Diskussion „Das Diskussion als jugendgerechter Ort – was fehlt?“ Das Forum ist auf der Glockseewiese zwischen Glocksee und Ida-Arenhold-Brücke.

Volker Rohde ist Stadtjugendpfleger Hannover

April 2015 – Das Ihme-Zentrum im Brasilia-Magazin

Brasilia II

Wie sieht die Ideale Stadt aus? Und welche Zweifel müssen wir auf dem Weg dorthin besiegen? Für das Magazin Brasilia habe ich einen Artikel über das Ihme-Zentrum als ideale Stadt geschrieben. Die Zeitschrift von Studierenden der Hochschule Hannover, Designern, Fotografen, Schreibern und Kreativen aus Hannover erscheint am 18. April. Direkt am Samstag um 19 Uhr ist Release-Party im Coworkingspace Edelstall (Schwarzer Bär). Mehr Infos – auch wo es das Magazin zu kaufen gibt – findet ihr auch hier bei Facebook.