Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Investor

„Es ist völlig unklar, was Intown umsetzen wird“

Der Großkomplex Hannibal 2 in Dortmund. Foto: Mieterverein Dortmund

Der Fall des Dortmunder Hochhauses Hannibal 2 geht seit Monaten durch die Presse in ganz Deutschland: Im September wurde das Gebäude, das mit Intown dem gleichen Großeigentümer wie beim Ihme-Zentrum und Ex-Maritim Hotel in Hannover gehört, innerhalb weniger Stunden mieterfrei. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund erklärt im Interview, wie Intown in Dortmund agiert. Am 17. März ist Scholz mit weiteren Betroffenen von Intown aus anderen Städten zu Gast in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Was macht Intown in Dortmund seitdem das Unternehmen dort Immobilien besitzt?
Wir kennen Intown über die in Berlin ansässige Objektgesellschaft Lütticher 49 Properties GmbH seit dem Dezember 2011. Damals wurde das Hochhaus Hannibal 2 mit 412 Wohnungen in Dortmund-Dorstfeld im Rahmen der Zwangsversteigerung in einer Bieterschlacht zu einem Preis von 7 Millionen Euro (Verkehrswert 3,7 Mio. Euro) erworben. Das Gebäude hatte zum damaligen Zeitpunkt einen riesigen Instandsetzungsstau und einen Leerstand von knapp 120 Wohnungen. Der Name Intown existierte damals noch nicht, zumindestens nicht in der Öffentlichkeit. Verknüpfungen konnten nur über die gleiche Geschäftsanschrift in Berlin und identische Personen in der Geschäftsführung gefunden werden. So erwarb die Intown-Gruppe  2015 ein Problemhaus-Portfolio in der Dortmunder Nordstadt. Über Immobilienanzeigen im Internet kann auch eine Reihe von Büro- und Handelsimmobilien in der Dortmunder City gefunden werden, die in Teilen große Leerstände aufweisen.

Gibt es besonders krasse Fälle?
Ja, die bereits erwähnte Wohnanlage Hannibal 2. Und diese war bereits vor der Räumung durch die Stadt Dortmund wegen unabweisbarer Brandschutzmängel im September 2017 ein krasser Fall. Instandhaltungsstau und Wohnungsmängel haben den Mietern das Leben schwer gemacht. Beispielhaft waren die immer wiederkehrenden Aufzugsausfälle. 2015 hat ein Mieter nach wiederholten Ausfällen erfolgreich auf die Instandsetzung des Aufzuges geklagt. Der Aufzug wurde erneuert. Die Aufzüge in den sieben anderen Häusern hätten es auch dringend nötig, wurden jedoch bisher nicht erneuert. Wir haben immer wieder beobachten können, wie neue Mieter erst begeistert von den Maisonette-Wohnungen und der Aussicht waren. Dann aber mit Wohnungsmängeln oder hohen Betriebskostennachzahlungen in unsere Rechtsberatung gekommen sind und den Hannibal wieder verlassen haben bzw. wieder ausziehen wollten– soweit der angespannte Wohnungsmarkt das zugelassen hat. Es gibt aber auch langjährige Mieterinnen und Mieter, die viel in die Renovierung ihrer Wohnungen investiert haben und dem Hannibal seit über 20 oder sogar 30 Jahre treu geblieben sind.

Der Großkomplex Hannibal 2 in Dortmund. Foto: Mieterverein Dortmund

Und im vergangenen Jahr ist das Ganze dann eskaliert?
Die Unbewohnbarkeitserklärung wegen der Brandschutzmängel durch die Stadt Dortmund hat dann eine Steigerung dargestellt, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Das Gebäude ist jetzt seit über einem halben Jahr unbewohnbar. Die Vielzahl der Verstöße beim Brandschutz im Gebäude ist erschreckend. Im Falle eines Brandes hätten selbst die Sicherheitstreppenräume und damit der Fluchtweg verrauchen können. Die dortigen Steigleitungen für Löschwasser seien nicht funktionsfähig. Es existieren weiterhin Brandschutzmängel an den kombinierten Lüftungs- und Versorgungsschächten. Über diese, aber auch über die Aufzugsschächte und nicht genehmigte, vertikale Durchbrüche zwischen den Technikräumen könnte sich Rauch über die Etagen ausbreiten. Wie Intown daher zu der Bewertung kommen konnte, im Bereich Brandschutz gäbe es keinen Handlungsbedarf, erschließt sich uns nicht. Mehr Infos gibt der Artikel „Schacht matt im Hannibal“ in den Ruhrnachrichten und das aktuelle Heft unserer Mieterzeitung.

Was ist Intown für Sie? Ein Investor oder ein Spekulant?
Die Investoren im Hintergrund scheinen Immobilien mit vielen Herausforderungen nicht abzuschrecken. Ganz im Gegenteil, wenn man sich das Portfolio und Ankäufe aus den vergangenen Jahren deutschlandweit ansieht. Dies scheint ja das Geschäftsmodell zu sein: Ob opportunistischer Investor oder Spekulant besser passt, ist zweitrangig. Es sind zwei Seiten einer Medaille. Intown hat vergangene Woche angekündigt, im Sommer 2018 eine Baugenehmigung für eine Sanierung des Gebäudes einzureichen und die Sanierung bereits Ende 2019 / Angang 2020 abzuschließen. Noch ist völlig unklar, welche Maßnahmen Intown am Gebäude umsetzen will. Wir informieren hier laufend zu den aktuellen Entwicklungen.

Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund wird mit weiteren Intown-Betroffenen am 17. März in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum von seinen Erfahrungen berichten. Zur Einführung wird Professor Andrej Holm, Experte für Stadtentwicklung, über aktuelle Herausforderungen berichten. Los geht es um 14 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Weitere Kooperationspartner bei der Veranstaltung sind die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen und h1.

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Ist der Ihme-Zentrum-Großeigentümer Intown ein Investor oder ein Spekulant?

Seit rund drei Jahren besitzt das Immobilienunternehmen Intown mehr als 80 Prozent des Ihme-Zentrums. Wird die Firma das Quartier umbauen und eine positive Wende in der bewegten Geschichte von Das Ihme-Zentrum bringen? Oder ist Intown ein Spekulant, der die Bewohner und die Mieter im Stich lassen wird?

Wir haben Betroffene und Mieter von Intown aus Städten wie Dortmund oder Schwerin eingeladen, damit sie von ihren Erfahrungen mit dem Unternehmen berichten.

Für den Überblick wird Andrej Holm einen Einführungsvortrag über Stadtentwicklung und Immobilienspekulation halten. Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion.

Intown – Investor oder Spekulant?
Samstag, 17. März, 14 Uhr
Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Die Sitzplätze sind limitiert. Daher bitte per E-Mail an mail(at)ihmezentrum(.)org anmelden
Die Veranstaltung wird gefilmt, das Video später kostenlos online gestellt

Diese Veranstaltung findet im Rahmen von #ihmezentrum2025 statt. Bei der Event-Reihe geht es um eine positive und konstruktive Zukunft des Quartiers. Sie wird durch den Innovationsfonds des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover gefördert. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen ist eine weitere Kooperationspartnerin.

 

September 2017 – Erneut Gebäude von Intown geräumt

 

Der Hannibal-Komplex in Dortmund. Foto: Ralf Hüls

Nach der Räumung eines Hochhauses in Wuppertal und großen Problemen in Schwerin ist Intown (Großeigentümer im Ihme-Zentrum) erneut in den Schlagzeilen: In Dortmund musste am Donnerstag ein Gebäude mit rund 800 Menschen innerhalb kürzester Zeit geräumt werden. Wie mehrere Medien berichteten, habe die Stadt Dortmund die Räumung der mehr als 400 Wohnungen angeordnet, weil „Gefahr für Leib und Leben“ bestehe. Konkret gebe es ein erhebliches Risiko wegen des mangelhaften Brandschutzes. Der zuständige Dortmunder Baudezernent Ludger Wilde sprach in einer Pressekonferenz von drei wesentlichen Gründen für die Räumung: Die Tiefgarage habe keinen Brandschutz. Viele Leerschächte seien nicht brandsicher, und es gebe in dem Haus keinen Rettungsweg. Die Bewohnenden seien für die erste Nacht in Notunterkünften oder privat untergekommen. „Wie lange das Gebäude evakuiert bleiben muss, kann derzeit nicht sicher beantwortet werden“, so Wilde laut Rheinischer Post.

Großeigentümer Intown sieht keinen Grund für die Räumung und hält die „Maßnahme der Räumung des Wohnkomplexes für nicht rechtens, für unangemessen und ermessensfehlerhaft“, so Sascha Hettrich, Geschäftsführer von Intown, gegenüber den  Medien. Der Mieterverein Dortmund sieht die Evakuierung dagegen als notwendig, auch weil die Mängel seit Jahren bekannt seien. So habe es immer wieder Beschwerden und Mitteilungen über den Zustand des Gebäudes gegeben, das Intown vor rund sieben Jahren gekauft hat. „Seitdem die Berliner Firma Intown Properties die Immobilie gekauft hat, sind bekannte Probleme nicht ausreichend behoben worden“, so Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mitervereins, gegenüber dem Nachrichtenportal Dortmund24. Laut Medienberichten will Baudezernent Ludger Wilde Intown die anfallenden Kosten für die Evakuierung und die Unterbringung der betroffenen Bewohnenden in Rechnung stellen. Bei dem Räumungseinsatz seien Hunderte Einsatzkräfte im Einsatz gewesen.

Intown besitzt rund 83 Prozent des Ihme-Zentrums sowie weitere Immobilien in Hannover, u.a. das ehemalige Maritim Hotel gegenüber dem Neuen Rathaus. Laut dem Eigentümer soll das Ihme-Zentrum bis 2022 fertig umgebaut werden. Die Stadt verhandelt derzeit über den Verbleib von mehreren hundert Mitarbeitern in dem Bürobereich. Ein Teil der Bewohnerschaft hat vor mehreren Monaten beim Amtsgericht Hannover eine Klage gegen Intown eingereicht. Hier gibt es eine Umfrage zum Thema Ihme-Zentrum und Intown.

Weitere Berichte zur Räumung des Gebäudes in Dortmund:

Bericht auf bild.de

Bericht auf faz.de

Bericht auf Süddeutsche.de

Bericht auf Spiegel Online

Text: Projektteam „Das Ihme-Zentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“

Statikakten des Ihme-Zentrums gerettet

Eine Gruppe von 27 Bewohnern des Ihme-Zentrums, Architekten und engagierten Bürgern von Hannover hat das einzige vollständige Set Statikakten vom Ihme-Zentrum gekauft. Der Großeigentümer und der Vertreter der Wohnungseigentümer wollten sie nicht. 

Für manche ist das Ihme-Zentrum kein reines Wohnviertel, sondern eine Aneinanderreihung von menschlichen Schicksalen, die in dieser ursprüngliche urbanen Utopie eine tragische Entwicklung genommen haben. Der Werdegang des ursprünglichen Statikers gehört dazu: Der Ingenieur hatte in den 1970er-Jahren die Berechnungen für den Bauherrn gemacht und wurde deshalb vom damaligen Großeigentümer Carlyle angeheuert, der 2006 anfing, das Ihme-Zentrum umzubauen.

Doch das Projekt scheiterte, und der Statiker beendete sein Leben. Seine Witwe wurde durch die Insolvenz des Unternehmens mittellos und musste ihr Haus und vieles mehr verkaufen. Das Statikbüro blieb ein Jahrzehnt leer. Die Statikakten, das einzige komplette Set, das noch vorhanden ist, verstaubte jahrelang im Keller.

Als der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im Herbst 2016 anfing, Räume für sein soziokulturelles Nachbarschaftszentrum zu suchen, fand die Gruppe mit dem ehemaligen Statikbüro die ideale Immobilie. Man einigte sich schnell. Damit der Verein die Räume langfristig mieten kann, kaufte eine Gruppe von 27 Bewohnern im Ihme-Zentrum, Architekten und Stadtentwicklern, Wirtschaftsexperten und engagierten Bürgern aus Hannover das ehemalige Büro und ließ es nach nachhaltigen Kriterien umbauen.

Um mit dieser für sie traurigen Phase ihres Lebens vollends abzuschließen und damit die Statikakten nicht verloren gehen, bot die Witwe diese Akten dem Großeigentümer Intown zum Kauf an. Dieser zeigte trotz Umbaupläne und zum Entsetzen vieler Fachleute kein Interesse. Ohne Informationen zur Statik kann das Unternehmen keinen Bauantrag bei der Stadt einreichen. Diese Informationen nachträglich bestimmen zu lassen ist sehr teuer. Auch der Vertreter der Wohungseigentümer lehnte es ab, die Akten im Namen der Bewohner zu kaufen.

Um die Akten vor dem Verlust zu schützen und für die Bewohnerschaft und die Gewerbetreibenden im Ihme-Zentrum bereit zu stellen, hat die Initiative sie gekauft. Die Gesellschaft versteht sich als Treuhänder für dieses wichtige kollektive Gedächtnis des Ihme-Zentrums: Sie wird die Unterlagen allen interessierten Eigentümer bzw. deren beauftragten Planungsbüros bei Bedarf zur Nutzung für Umbauplanungen zur Verfügung stellen. Bei Fragen, einfach eine E-Mail schreiben.

Hier gibt es mehr zur GmbH.

Juni 2017 – „Es gibt keine Zusammenarbeit mit Intown“

Ein Großunternehmen kauft eine sanierungsbedürftige Immobilie und macht erst mal – nichts. Was sich anhört wie im Ihme-Zentrum oder beim ehemaligen Maritim Hotel am Neuen Rathaus in Hannover, spielt sich derzeit in ganz Deutschland ab. Oft handelt es sich um die gleichen Akteure, wie ein Vergleich der Aktvitäten von Intown in Hannover und in Dortmund ergibt. Welche Paralellen es zwischen den Städten gibt und wieso gute Worte nicht reichen, um diese Unternehmen wirklich auch in die Verantwortung zu nehmen, dass sie investieren, erklärt Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund im Interview.

Lieber Herr Scholz, Sie müssen sich als Mieterverein Dortmund viel mit der gleichen Unternehmensgruppe wie im Ihme-Zentrum auseinander setzen. Was ist da genau los?
2011 wurde die in Dortmund bekannte Wohnanlage Hannibal im Stadttel Dorstfeld von der Lütticher 49 Properties GmbH aus der Zwangsversteigerung erworben. Die Lütticher 49 gehört einer Firma mit Sitz auf Zypern. Wir gehen davon aus, dass die Lütticher im Hintergrund mit der Intown Group verbunden ist.-Beide Unternehmen haben ja mit Frau Efrat Abuav die gleiche Person als Geschäftsführerin. Zum Hannibal gehören etwa 420 Wohnungen, wovon rund 100 schon seit vielen Jahren leer stehen. Es gibt immensen Investitionsstau, zum Beispiel bei den Aufzügen. Es muss hier richtig was gemacht werden.

Das Unternehmen hat den Hannibal damals in einer Zwangsversteigerung gekauft. Was wurde gesagt, soll mit den Wohnungen passieren?
Es gab einen lapidaren Ausspruch à la „To make it nice and bring nice poeple.“ Die Lütticher 49 hat im Dezember 2011 mit 7 Mio. Euro viel zu teuer gekauft. Der Hannibal ging für fast das doppelte des Verkehrswertes von knapp 3,7 Millionen Euro über dem Tisch. Hinzuzurechnen wären damals laut Wertgutachten Investitionen von mindestens 9,3 Mio., Euro. um akute Bauschäden und -mängel zu beseitigen.

Und was ist seitdem passiert?
In der Gesamtbilanz viel, viel zu wenig. Ein Sanierungskonzept gibt es nicht. Die laufende Instandhaltung läuft schleppend. Mängel wurden und werden zu langsam, nicht vollständig oder auch gar nicht behoben.

Wie ist die Situation für die Mieter vor Ort?
Das Objekt war ja vorher mehrere Jahre in der Zwangsverwaltung. Die Mieter sagen, damals ging es ihnen besser. Schließlich wurde die eingenommene Miete wieder ins Haus gesteckt. Jetzt ist es eine Hängepartie ohne Ende. Dabei gibt es im Gebäude tolle Wohnungen über zwei und teilweise drei Etagen, guter S-Bahn-Anbindung und hervorragender Aussicht in den oberen Etagen.

Wie ist denn Ihr Kontakt mit dem Eigentümer?
Schlecht. Es gibt keine Zusammenarbeit. Aktuell beschäftigen uns unberechtigte Mahnungen mit angeblichen Mietrückständen. Da werden die Mieter richtig unter Druck gesetzt.

Foto: Ralf Hülls, CC BY-SA 2.0 de

Ist das Unternehmen neben dem Hannibal sonst noch aktiv in Dortmund?
Vor rund drei Jahren wurden von Intown (damals noch Newtown) mehrere richtige Problemimmobilien in der Dortmunder Nordstadt erworben. Dort war in Teilen auch die städtische Wohnungsaufsicht aktiv.
Und sie besaßen bis vor Kurzem ein leer stehendes innerstädtisches Einkaufszentrum, das Westfalen-Forum. Der Leerstand ist hier sehr groß- Investitionen wurden angekündigt, aber nicht umgesetzt. Nun sei das Einkaufszentrum nach Medienberichten an dieAroundtown Holding verkauft worden (http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/dortmund/44137-City~/Leerstand-Warum-das-Westfalenforum-wohl-ein-Sorgenkind-bleibt;art930,3221632). Aroundtown hält nach eigenen Angaben rund 36 % an Grand City Properties, die wir als Aufkäufer von Wohnungsbeständen kennen.

Was will das Unternehmen mit diesen Objekten?
Das weiß ich nicht. Intown investiert ohne erkennbare Strategie , es muss sich irgendwie anders für sie lohnen. Es ist ja auch komplett unklar, wer die Anleger sind, woher das Geld kommt, das hier in Immobilien in ganz Deutschland angelegt wird. Es gibt ja auch ein Objekt in Schwerin, wo die Menschen in unhaltbaren Zuständen leben müssen. Hier wird auf Kosten der Mieter spekuliert.

Haben Sie eine Idee, wie man mit diesem Unternehmen umgehen kann?
Intown müsste den „Spaß“ an den Objekten verlieren. Die Kommunen müssen mit allen anwendbaren ordnungs-, planungs- und wohnungsrechtlichen Instrumenten Druck aufbauen. Zugleich ist es wichtig, dass die Mieter unterstützt werden, ihre Mieterschutzrechte in Anspruch zu nehmen. Ein Beispiel: Den einen erneuerten Aufzug im Hannibal gibt es nur, weil ein Mieter die Eigentümerin auf Instandsetzung verklagt hat. Es braucht am Ende aber Träger, der dann zu einem angemessenen Preis einstiegen und ein bewohnerorientiertes Sanierungskonzept auf den Weg bringen könnte.

Wie geht denn die Stadt Dortmund mit dieser Herausforderung um?
Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen. Die Wohnungsaufsicht ist immer wieder aktiv. Ein Austausch zwischen den betroffenen Stadtverwaltungen wäre sicherlich sinnvoll, soweit nicht schon vorhanden. Auch ein Austausch zwischen Bewohnerinitiativen und beteiligten Mietervereinen wäre sinnvoll. Vielleicht können wir ja eine Art Intown-Konferenz auf die Beine stellen, wo wir Betroffene aus ganz Deutschland zu einladen.

Tobias Scholz arbeitet für den Mieterverein Dortmund. Dies ist der erste Artikel in einer Reihe von Texten, in denen die Aktivitäten der Unternehmensgruppe um Intown beobachtet werden.

1. April 2017 – Kauft Carsten Maschmeyer das Ihme-Zentrum?

Laut dem Norddeutschen Immobilienindex (NIX) ist der bekannte Investor heute in Hannover, um sich das Ihme-Zentrum anzuschauen. Wir berichten, wenn es weitere Informationen gibt.

April, April.

März 2017 – „Wenn enercity auszieht, was soll aus uns werden?“

So sieht der hannoversche Künstler Jan Cido Heidemann die Hochhäuser im Ihme-Zentrum. Links das enercity-Haus.

Die Entscheidung von enercity, das Ihme-Zentrum verlassen, macht vielen Bewohnern Angst. Denn das kommunale Energieunternehmen ist neben der Landeshauptstadt der wichtigste Mieter in dem Quartier. Sie befürchten durch den Auszug eine negative Spirale, an dessen Ende das ganze Viertel leiden könnte. Eine Bewohnerin, die nicht namentlich erwähnt werden möchte, möchte jetzt ein Zeichen setzen und hat ihren Vertrag mit enercity gekündigt. Warum sie diesen Schritt wählt und was sie sich fürs Ihme-Zentrum wünscht, erklärt sie im Interview.

Wie haben Sie darauf reagiert, dass enercity als wichtiger Mieter das Ihme-Zentrum verlassen will?
Wir haben das ja seit Jahren erwartet, schließlich gab es immer wieder die Drohungen. Aber als es dann offiziell wurde, hatte ich im ersten Moment schon Angst. Schließlich weiß man nicht, was mit dem Auszug alles passieren wird.

Können Sie denn die Entscheidung von enercity verstehen?
Ja, das Gebäude ist schließlich total kaputt. Ich habe mal mit einer Angestellten von enercity gesprochen, die hat mir von den katastrophalen Verhältnissen dort erzählt. Ich würde da auch nicht arbeiten wollen. Aber trotzdem fühlt man sich von denen im Stich gelassen.

Der Großeigentümer Intown hat doch angekündigt, das Zentrum zu modernisieren. Denken Sie nicht, dass das  ohne Mieter einfacher sein wird?
Wenn der wirklich Interesse an dem Ihme-Zentrum hätte, würde der sich doch auch mal mit der Bewohnerschaft in Verbindung setzen. Macht er aber nicht. Für mich ist das ein Spekulant, so wie Carlyle und Engel vorher. In der Bewohnerschaft glaubt wirklich niemand mehr daran, dass der hier was bauen wird.

Sie haben Ihren Vertrag mit enercity gekündigt – aus Protest. Warum?
Weil ich das nicht einfach so hinnehmen möchte. Ich denke mir, wenn die hier nicht mehr für Stabilität sorgen, dann möchte ich denen nicht mehr mein Geld geben. Im Gespräch mit meinen Nachbarn spüre ich großes Verständnis für diese Entscheidung. Es gibt inzwischen viele, die das Gleiche vorhaben. Irgendwie müssen wir doch ein Zeichen setzen.

Haben Sie denn eine Vision für eine bessere Zukunft im Ihme-Zentrum?
Ich habe so oft erlebt, dass hier große Versprechungen gemacht wurden, da bin ich über die Jahre sehr vorsichtig geworden. Ich wünsche mir im Grunde, dass hier wieder Leben reinkommt. Dass ich hier ein bisschen einkaufen kann, vielleicht auch ein Kiosk. Aber auch ein Arzt wäre praktisch. Das sind keine großen Träume, es reicht ja schon, wenn sich endlich ein Eigentümer findet, der verantwortungsbewusst ist und sich an der Instandhaltung beteiligt.

Die Bewohnerin ist 51 Jahre alt und wohnt sei vielen Jahren im Ihme-Zentrum. Sie möchte anonym bleiben.

 

10 Thesen für die Revitalisierung des Ihme-Zentrums

1. These
Das Ihme-Zentrum ist eine stadtgesellschaftliche Herausforderung. Es geht darum, dem Ihme-Zentrum eine Zukunftsperspektive zu geben – der Abriss ist keine Option. Die Übernahme des Intown-Eigentums durch die Stadt steht nicht zur Diskussion.

2. These
Etwa 225.000 m² der ca. 285.000 m² Gesamtfläche im Ihme-Zentrum funktionieren im Grundsatz. Bei diesen Flächen anstehende Sanierungen können und müssen privatrechtlich gelöst werden. Dies liegt in der Verantwortung der jeweiligen Eigentümer.

3. These
Das Gemeinschaftseigentum im Sockelgeschoss (ca. 13.000 m²) muss neu geordnet werden, denn mit der jetzt gültigen Teilungserklärung ist ein Zukunftskonzept nicht realisierbar.

4. These
Der Rat der Landeshauptstadt sollte kurzfristig nach der Kommunalwahl Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 des Baugesetzbuches (BauGB) in Auftrag geben. Nach Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung ist zu bewerten, ob eine Erhaltungssatzung nach § 142 BauGB oder eine Ausweisung als „Stadtumbaugebiet West“ nach § 171d BauGB für die Neuregelung der Eigentumsverhältnisse im Sockelgeschoss zielführend sein kann.

5. These
Wenn die Gemeinschaftseigentumsflächen neu geregelt sind, gibt es für die Sockelgeschossetagen eine gute Perspektive für die Zukunft!

6. These
Für eine gelingende Revitalisierung und Integration des Quartiers in seine Umgebung müssen die Wegeverbindungen im Ihme-Zentrum und die Vorflächen zur Ihme öffentlich werden und in die Zuständigkeit der Stadt übergehen (insgesamt ca. 15.000 m²).

7. These
Sinnvoll sind stadtteilbezogene Einkaufsflächen mit Bezug auf die Wegeverbindungen an den beiden Kopfseiten des Sockelgeschosses in einer Größe, die den Konkurrenzdruck zu den Geschäften in den angrenzenden Stadtbereichen nicht zu groß werden lassen.

8. These
Zum Sanierungskonzept sollten der Rückbau der Überdachung der Ihmepassage und der Umbau in begrünte und den Bewohnern zum Aufenthalt vorbehaltene Blockinnenbereiche gehören. Hierdurch wird es möglich und wirtschaftlich tragfähig, im Bereich zwischen Ihmepassage und Blumenauer Straße oberhalb der Straßenebene ca. 10.000 m² zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

9. These
Die übrigen ca. 30.000 m² im Sockelgeschoss vorrangig auf der Straßenebene eignen sich sehr gut für Gewerbe, Kultur, Dienstleistungen, Gesundheitsprojekte, Gastronomie, etc..

10. These
Die Stadt Hannover schließt mit Intown für die jetzt genutzten ca. 28.000 m² Büroflächen und, wenn enercity ausziehen sollte, auch für deren ca. 30.000 m² für aus dem Stadtgebiet zusammengezogene Behörden, einen neuen 20-Jahres-Mietvertrag. Dies geschieht jedoch nur dann, wenn Intown die in den folgenden kommunalpolitischen Handlungsempfehlungen dargestellten Bedingungen erfüllt.

Die Thesen wurden vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im Sommer 2016 erarbeitet. Das gesamte Thesenpapier „10 Schritte zum Glück“ mit detaillierten Erläuterungen und Handlungsempfehlungen steht hier zum kostenlosen Download.

Copyright: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Das Konzept wird am 23. August bei einer Podiumsdiskussion im Capitol (Schwarzer Bär 2) vorgestellt. Einlass ist ab 17.30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

Januar 2016 – Deine Vision fürs Ihme-Zentrum

Das Ihme-Zentrum ist Hannovers größter Freiraum überhaupt. Tausende Quadratmeter stehen hier leer und warten nur darauf, bespielt zu werden. Dabei ist fast alles möglich: Kunst, Kultur, Sport, Soziales, nette Geschäfte, Bildung, Spielplätze, urbane Gärten. Wir haben im Rahmen der Produktion unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ Menschen aus der Stadt gefragt, was sie für eine Vision für das Ihme-Zentrum haben. Hier sind ein paar Beispiele.

Herbert Schmalstieg, ehemaliger Oberbürgermeister von Hannover

 

Monika Stadtmüller, Vorsitzende des Seniorenbeirats Hannover

 

Jan-Philippe Lücke, Bewohner des Ihme-Zentrums und Künstler

 

Du hast auch eine Vision fürs Ihme-Zentrum? Am 27. Februar machen wir eine Zukunftswerkstatt zum Ihme-Zentrum und nachhaltiger Stadtentwicklung auf dem Utopianale Filmfestival im Freizeitheim Linden. Vorher zeigen wir erste Szenen aus unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ in einem  Pre-Screening. Tickets dafür gibt es hier auf unserer Crowdfunding-Seite. Kommt vorbei und macht mit! Die Zukunftswerkstatt wird auch für den Film dokumentiert.

Du interessierst dich für einen Rundgang durchs Ihme-Zentrum?

November 2015 – Verantwortung übernehmen

Samuel Kirby www.samuelkirby.com

Foto: Samuel Kirby http://www.samuelkirby.com

Anfang Oktober durfte ich gemeinsam mit dem Architekten Gerd Runge dem Bund Deutscher Architekten und der Vereinigung für Stadt- und Regional- und Landesplanung erklären, warum das Ihme-Zentrum wichtig ist und was die Experten unternehmen können, um das Thema bekannter zu machen. Nun haben beide Vereinigungen zusammen ein Plädoyer veröffentlicht, in dem sie sich für die nachhaltige und stadtteilbezogene Umnutzung und Umstrukturierung des Ihme-Zentrums einsetzen. Das ist ein toller Schritt und zeigt, dass es in Hannover immer mehr Menschen gibt, die verstehen, dass wir alle gemeinsam Verantwortung für unsere Stadt und seine Herausforderungen übernehmen müssen. Hier der Wortlaut des SRL zum Ihme-Zentrum:

In Hannover gibt es drei Dinge, über die alle irgendwie eine Meinung haben: das Wetter, Hannover 96 und das Ihme-Zentrum.
Gerade letzteres ruft Assoziationen und Vorurteile hervor. Geplant als Modell der „Urbanität durch Dichte“ und vermeintlich wegweisendem Städtebau der späten 60er-Jahre, befindet sich das Zentrum mit über 800 Wohnungen und rund 60.000m² Gewerbeflächen seit fast 20 Jahren im Niedergang. Verschiedene, kosmetische Umbauansätze wechselnder Investoren sind bislang gescheitert, aktuell liegt die gesamte Einkaufsebene des Zentrums, dem öffentlichen Raum enthoben, brach.

Angeregt von der Berichterstattung in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, vom Engagement einzelner Kollegen und verschiedenen Veranstaltungen zur Zukunft des Ihme-Zentrums haben Architekten und Stadtplaner des BDA und der SRL ein Plädoyer für eine nachhaltige und stadtteilbezogene Umnutzung und Umstrukturierung des Ihme-Zentrums verfasst, das wir Ihnen hiermit zur Kenntnis geben möchten.

Wir hoffen sehr, dass Sie den Anregungen unserer Kollegen aus beiden Fachverbänden offen gegenüberstehen und diese als konstruktiven Beitrag für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums auffassen. Unser Ziel ist es, die komplexen Probleme des Ihme-Zentrums ort- und zeitgemäß zu lösen und Ansatzpunkte zu einer stadtverträglichen Neuordnung des Komplexes, im besten Fall in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zu generieren.

Hier das Plädoyer des BDA und SRL für alle zum Lesen und Verteilen.