Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Ideen

Mehr Sauberkeit, mehr Kreativität und mehr Lebensqualität für das Ihme-Zentrum

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Ein halbes Jahr lang haben Studierende der Leuphana Universität im Seminar „Nachhaltige Transformation innerstädtischer Komplexe in Möglichkeitsräume am Beispiel des Ihme-Zentrums in Hannover“ Entwicklungsansätze in den Bereichen Kultur, Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung für das Ihme-Zentrum erforscht. Zum Abschluss kamen die Kulturwissenschafts-Studierenden in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, um gemeinsam mit Bewohnern, Kulturschaffenden und Architekten konkrete Ideen zu entwickeln. Das Ergebnis des Seminars von Patricia Wedler (Leuphana Universität Lüneburg, Golden Pudel Hamburg, Planbude HH) und Constantin Alexander (Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum): Das Ihme-Zentrum ist ein Möglichkeitsraum. Bewohner, Eigentümer, Stadtverwaltung, Wirtschaft und Kreative haben gemeinsame Interessen, hier etwas voran zu bringen.

Zusammen könnten diese Stakeholder-Gruppen die Lebensqualität steigern, das Sicherheitsempfinden vor Ort verbessern, die Grünflächen pflegen und entwickeln, Werte, Jobs und Steuern schaffen und das Ihme-Zentrum positiv entwickeln.

Ein riesiges Danke an dieser Stelle an die Studierenden der Leuphana Universität, dem Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, den teilnehmenden Bewohnern und Mitarbeitenden der Landeshauptstadt Hannover und den Architekten und Experten, die das Seminar ermöglicht haben.

Juni 2015 – „Ein Hotspot in Hannover“

Hannovers Marktkirche vom Dach des Ihme-Zentrums

Hannovers Marktkirche fest im Blick.

Immo Dirks genießt das Wohnen im Ihme-Zentrum. Und er hat viele tolle Ideen, wie aus der Baustelle ein neuer Hotspot in Hannover werden kann. Im Interview erklärt er, warum er sich entschieden hat, im Ihme-Zentrum zu leben und was die Zukunft bringen könnte.

Immo, du wohnst selbst im Ihme-Zentrum. Wie würdest du das Leben im umstrittensten Gebäude der Stadt beschreiben?
Ich habe das Glück gehabt, hier einmal eine Wohnung besichtigen zu können. Den Besichtigungstermin hatte ich zur Abrundung meiner damaligen Wohnungssuche vereinbart, und es war eigentlich mehr als Katastrophentourismus gedacht. Aber der Ausblick über die Ihme und der Schnitt der Wohnung haben mir sofort gefallen. Ich erzähle Freunden und Bekannten gerne von den Ruderern auf dem Fluss, der direkten Anbindung an Wander- und Fahrradwege, dem Lindener Nachtleben und der City-Nähe, aber auch von dem Stress, wenn in lauen Nächten auf dem Gegenufer wieder Party ist. Wenn ich Besuch erhalte, ist die erste Reaktion meist, wie hässlich der Gebäudekomplex in der Form und in der Außenfassade ist. Ich selber habe da eine andere, liebevollere Wahrnehmung, würde aber auch nicht von eleganter Grazie sprechen.

Wasser

Die Ihme vom Parkdeck aus gesehen.

Wie würdest du denn die Stimmung in den Häusern beschreiben?
Der Umgang untereinander ist in den mir bekannten Häusern mit wenigen Ausnahmen ausgesprochen freundlich und angenehm. Allerdings fehlt mir ein Bewohner-Café, um mit meinen Nachbarn in einen zwanglosen Austausch über die kurze Fahrstuhl-Freundlichkeit hinaus kommen zu können. Auch würde ich mir wünschen, dass der neue Investor ein paar seiner Wohnungen für betreutes Wohnen reserviert, als Basis für einen entsprechenden Pflegedienst, der dann das gesamte Ihme-Zentrum in seinen Wirkungsbereich einbeziehen kann. Ich möchte hier alt werden und auch bei Pflegebedürftigkeit wohnen bleiben können.

Hoch

Hochhaus und Himmel ergänzen sich.

Du hast konkrete Vorstellungen, wie das Zentrum entwickelt werden könnte. Welche Themen sind dir dabei wichtig ?
Offensichtlich ist der gewerbliche Teil des Ihme-Zentrums kein Selbstgänger. Entweder man „entbrutalisiert“ den Gebäudekomplex durch massive bauliche Eingriffe wie z.B. in dem bekannt gewordenen Architektenplan von 2005, der zu Gunsten eines eleganten, geschlossenen sechsstöckigen Baukörper über beinahe die gesamte Zentrumslänge den Abriss des enercity-Hochhauses und vom Ihmeplatz 1 vorsieht. Oder aber man wertet die Außenbereiche auf und entwickelt darüber hinaus Leuchtturmthemen, die das kaputte alte Image überstrahlen können. Die Leuchtturmthemen bringen Menschen in Kontakt mit dem Ihme-Zentrum, und Kontakt schafft Sympathie.

Baustelle

Strenge Formen sind typisch für diesen Baustil.

Meinst du denn, dass das Ihme-Zentrum wieder ein Einkaufszentrum werden muss, um zu funktionieren?
Ich persönlich habe keine Präferenzen, was das Verhältnis von Handelsflächen, Büros, Gastronomie und Wohnungen angeht. Ich weiß aber, dass ein Veranstaltungszentrum im Wohnumfeld von so vielen Menschen nicht machbar ist und dass eine einfache Zweitausgabe der Ernst-August-Galerie nicht funktionieren wird. Als Voraussetzung einer erfolgreichen gewerblichen Nutzung stelle ich mir eine Reihe von Maßnahmen vor, die die Wahrnehmung des Zentrums drastisch ändern könnten. Dazu gehören insbesondere: Das Dach des enercity-Turms wird eine Aussichtsplattform. Das oberste Stockwerk des enercity-Turms wird ein Restaurant. Die Wahrnehmung des Ihme-Zentrums wird mit bestimmten Sonderthemen verknüpft, wie Fahrrad-Café, Foodkarts, offene Künstler-Werkstätten. Der Fluss wird Teil des mit dem Gebäude verbundenen Erlebnisraums, indem u.a. das Ufer auf die erste Parkgaragenebene abgesenkt wird. Der alte Kasten könnte so durchaus noch ein Hotspot in Hannover werden.

Sonne

Eine Stadt am Wasser – das Ihme-Zentrum.

Hast du Hoffnung, dass es irgendwann besser wird im Zentrum?
Diese Hoffnung habe ich, weil das Ihme-Zentrum eine fantastische Lage hat, noch nicht heraus gemeißeltes Potenzial besitzt und zu zentral in der Stadt liegt, als dass die Baustelle ewig ignoriert werden könnte. Allerdings wird es nicht ohne energische (soll heißen: nicht ganz billige) Maßnahmen und wahrscheinlich nicht ganz ohne Beteiligung der Stadt gehen.

Immo Dirks ist Bewohner des Ihme-Zentrums. Seine Ideen zur Umwandlung
des Ihme-Zentrums zum Hotspot hat er unter Vom Schandfleck zum Hotspot einmal aufgeschrieben.