Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: hochkultur

„Das Ihme-Zentrum könnte für einen Neuanfang stehen“

Mit dem Arabischen ArtCafé erfüllt sich der syrische Filmemacher Meedo Salem einen kleinen Traum: Am dem 2. Februar startet er mit dem Event für die Hochkulturdiaspora ein Forum für Kulturschaffende und -liebhaber mit und ohne Migrationshintergrund. Im Interview erklärt er, wieso das Ihme-Zentrum dabei für ihn der ideale Ort ist.

Am 2. Februar organisierst du zum ersten Mal gemeinsam mit dem Kulturbüro Hannover das Arabische ArtCafé. Was genau ist das? Und was können Besucher erwarten?
Ich lebe nun seit 2015 in Deutschland und fühle mich sehr wohl hier. Da möchte ich etwas zurück geben. Mir ist aufgefallen, dass es in Hannover keinen Ort gibt, wo sich die Hochkultur-Diaspora aus der arabischen Welt treffen kann: Um sich auszutauschen und gemeinsam mit allen Menschen (ob mit oder ohne Migrationshintergrund) Kultur zu genießen.
Es wird eine lockere Reihe, zu der wir immer mal wieder Künstler einladen. So auch am 2. Februar: Mohamad Alansour vom Syrian Heritage Ensemble wird uns musikalisch auf der Oud begleiten. Der Künstler Ahmad Salma stellt seine Werke aus und die Videoblogger „GermanLifeStyle“ Abdul Abbasi und Allaa Faham zeigen uns in ihrer kulturellen Satire, wie skurril und lustig mitunter der Austausch zwischen arabischen Migranten und Deutschen sein kann.

Du gehst mit deiner Reihe gezielt ins Ihme-Zentrum. Warum?
Das Ihme-Zentrum begeistert mich, seitdem ich in Hannover bin. Jeder Mensch, der mir die Stadt zeigt, hat mir seine tragische und bewegte Geschichte erzählt. Irgendwann war diese Geschichte in meinem Herzen. Nun erzähle ich sie anderen syrischen Geflüchteten. Es ist wie eine Märchenburg. Ich hatte in den vergangenen Jahren sehr viel Glück. Ich möchte daher mit unserem Café einen kleinen Beitrag zur positiven Wiederbelebung des Quartiers leisten.

Hast du eine positive Vision für die Zukunft des Ihme-Zentrums?
Ja, wir alle schaffen einen Neustart für diese Märchenburg. Vielleicht etablieren wir dort sogar einen festen Treffpunkt für Künstler aus aller Welt. Das wäre mein Traum – mit Filmen, Musik, Literatur und Essen und Trinken.

Der Eintritt ist frei. Da die Plätze begrenzt sind ist eine Teilnahme nur per Voranmeldung unter internationale-kulturarbeit(At)hannover-stadt.de möglich.

Hier gibt es eine Facebook-Veranstaltungsseite zum Event.

Meedo Salem ist Filmemacher.

Juni 2016 – Das Ihme-Zentrum als Ort für Kultur

Slackliner im Ihme-Zentrum

Auch das ist Kreativität: Slackliner zwischen Ihme-Zentrum und dem anderen Ufer.

Das Ihme-Zentrum als Ort der Kultur und Kreativität? Für viele Menschen ist das eine natürliche Verbindung. Auch das Kulturdezernat von Hannover sieht das so und unterstützt deshalb Initiativen im Quartier. Im Interview erklärt Dezernent Harald Härke, was bereits passiert ist und welche Vision er für das Ihme-Zentrum hat.

Sie haben im Mai ein Netzwerktreffen mit der Kunst- und Kulturszene im Ihme-Zentrum veranstaltet: Was war der Auslöser?
Bei uns im Kulturdezernat häuften sich die Anfragen nach einer temporären oder dauerhaften kulturellen Nutzung im Ihme-Zentrum.  Die Idee war es, statt permanenter Einzelgespräche ein Netzwerktreffen mit allen Interessierten stattfinden zu lassen und somit Ideen in großer Runde auszutauschen. 
Die Veranstaltung sollte der erste Schritt sein, um gemeinsam eine kulturelle Transformation entstehen zu lassen. Dabei  ist es mir wichtig, dass wir die Kultur nicht selbst machen. Das Kulturdezernat hat  vielmehr die Rolle des Vermittlers und kann Rahmenbedingungen schaffen.

Die Teilnehmenden diskutierten über verschiedene Aspekte der Kultur im Ihme-Zentrum.

Was ist bei dem Netzwerktreffen passiert?
Zunächst gab es mit Impulsvorträgen ausreichend Input von Kulturmanagern anderer Städte, die einen ähnlichen Transformations- und Beteiligungsprozess begleitet haben. Im Anschluss haben wir alle Künstler und Kulturschaffende an Thementische gebeten, um sich mit ihren Ideen zur kulturellen Entwicklung des Ihme-Zentrums auszutauschen und dabei entweder konkrete Vorhaben zu benennen oder sich Gleichgesinnte zu suchen. Die Ideen wurden gesichtet und gesammelt, um damit weiterzuarbeiten.
Besonders gefreut habe ich mich über die positive Stimmung auf der Veranstaltung und die Euphorie der Teilnehmer, dass wir als Stadt (oder: Kulturdezernat) eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums befürworten und auch unterstützen.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Was machen Sie mit den Ergebnissen?
Die Ergebnisse der Thementische stellen wird allen Teilnehmern zur Verfügung. Ich hoffe, dass wir alle Anwesenden motiviert haben, sich im Ihme-Zentrum kulturell zu engagieren. Wir werden weiterhin Back-up geben und wenn es erforderlich ist, die entsprechende Vermittlertätigkeit ausfüllen.  Mit dem neu gegründeten Verein „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“  wird es eine Kooperation geben. 
Gerade sind wir dabei, weitere Veranstaltungen und Schritte zu planen, damit wir den positiven Geist dieser Veranstaltung aufrecht erhalten und eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums tatsächlich realisiert werden kann.

Allen war eine Nachhaltigkeit der Kultur sehr wichtig.

Welche Vision haben Sie persönlich für das Ihmezentrum?
Ich wünsche mir natürlich, dass die Idee eines spartenübergreifenden Kulturzentrums im Ihme-Zentrum realisiert wird. Dabei ist es wichtig, „Kultur mit allen“ in die Tat umzusetzen und soviel Teilhabe dafür zu schaffen, wie es möglich ist. Eine gute Mischung aus sogenannter Hochkultur und Off-Szene in Kombination mit ganz neuen, innovativen Formaten. Ich finde es spannend, einen solchen Prozess zu begleiten und die Kunst- und Kulturszene dabei zu unterstützen, das Ihme-Zentrum zu erobern und hier etwas Wertvolles und Nachhaltiges zu schaffen.

Harald Härke, Personaldezernent Landeshauptstadt Hannover.Harald Härke ist Kultur- und Personaldezernent der Stadt Hannover