Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: grün

„Ein Garten im Ihme-Zentrum bringt die Menschen zusammen“

Besonders in schwierigen Stadtteilen ist ein Garten häufig der Start für eine positive Entwicklung. Diese Erfahrung hat das Team von Himmelbeet in Berlin gemacht. Am 15. April stellen sie ihre Ideen im Ihme-Zentrum vor. Im Interview erklärt Sonja Rosenthal, wieso ein Garten Menschen zusammen bringt und ein wichtiger Teil von Stadtentwicklung ist.

Was ist Himmelbeet und wie arbeitet ihr daran, Städte nachhaltiger und grüner zu machen?
Seit 2013 betreibt die himmelbeet gGmbH auf einer Sportplatzbrache im Berliner Wedding urbane Landwirtschaft. Wir sind ein sozial-ökologisches Projekt, dass sich auf verschiedenen Ebenen für „Das gute Leben für Alle“ einsetzt. Das „Zuhause“ des himmelbeets ist der Gemeinschaftsgartens mit vielfältigen Möglichkeiten, teilzuhaben und der v.a. durch freiwilliges Tun besteht. Außerdem sind wir in verschiedenen Formen im Kiez aktiv, bauen stadtweit Gemeinschaftsgärten auf und setzen uns mit Stadtentwicklung und Transformationsprozessen in diesem Feld auseinander.
Um Städte neben diesen Kernaufgaben nachhaltiger zu gestalten teilen wir unseren Raum mit anderen und verstehen uns als Teil eines Netzwerkes von der globalen bis zur lokalen Ebene, das unsere Ziele teilt und dabei hilft Synergien entstehen zu lassen.

Im Ihme-Zentrum stehen insgesamt rund 100.000 Quadratmeter leer, es gibt viele Brachflächen unter freiem Himmel. Wie kann Grün dort positiv wirken?
Grüne Orte in der Stadt, v.a. allem wenn sie den Anspruch „Freiraum“ formulieren, bieten die Möglichkeiten eine Gegenwelt zu erschaffen, die nach eigenen Regeln funktioniert. Menschen kommen zusammen, können sich auf Augenhöhe begegnen. Selbstwirksamkeit erfahren ist dort möglich, teilen und lernen stehen im Vordergrund.
Grün ist Natur und die Verbindung dazu aufrecht zu erhalten oder neu entstehen zu lassen verbessert Lebensqualitäten und schafft Raum für Ideen. Egal ob ehrenamtliche Initiative oder gemeinwohlorientiertes Unternehmertum, grün gibt einen Gestaltungs- und Handlungsspielraum für zukunftsfähige Städte.

Sonja Rosenthal von Himmelbeet stellt am 15. April im Rahmen des Events „Grüne Stadt“ ihr Konzept für Stadtteilgärten vor. Daneben gibt es Impulsvorträge zu Permakultur und kreativer Brauchflächenentwicklung. Im Anschluss werden in Workshops Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers gesammelt und erarbeitet. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen sind Hannover VOIDS, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz, Universität, Transition Town Hannover.

Was: „Grüne Stadt“ – Vorträge und Workshop
Wann: Sonntag, 15. April, 14
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt kostenlos

„Das Ihme-Zentrum sollte ein urbanes Labor werden“

Welche Rollen könnten die brach liegenden, offenen Flächen im Ihme-Zentrum spielen? Wenn es nach dem Team von Hannover VOIDS geht, dann würden dort Gemeinschaftsgärten und Begegnungsorte entstehen. Das ganze Quartier eignet sich für die kreativen Freiraumplaner ideal, um kreative und nachhaltige Experimente durchzuführen. Im Interview erklärt Mitinitiatorin Kendra Busche, wie Bewohnerinnen und Bewohner von einer (Wieder-)Belebung der Flächen profitieren und das ganze Umfeld dadurch aufblühen würde.

Was ist Hannover VOIDS und was möchtet ihr in der Stadt bewegen?
Hannover VOIDS macht Möglichkeitsräume in der Stadt sichtbar und stiftet zu Experimentierfreude und Kreativität im urbanen Raum an. Dem Ziel der „Stadt für alle“ möchten wir uns gemeinsam auf zwei Weisen nähern: digital im Netz, sowie physisch in der Stadtlandschaft. Hannover VOIDS zeigt untergenutze (Frei-)räume und ihre Charakteristika in Hannover auf. Das digitale Schaufenster ist als offene Sammlung ausgelegt und kann durch die HannoveranerInnen fortlaufend ergänzt werden.
Neben dem VOID-Atlas starten wir auch Vor-Ort-Aktionen. In Kooperation mit unseren Komplizen möchten wir Orte aktivieren, die sonst häufig im Alltag übersehen werden. Viele HannoveranerInnen besitzen Bedürfnisse an (Frei-)Raum, die es sich lohnt zu testen! Dieses räumliche und soziale Potential Hannovers möchten wir gemeinsam nutzen.

Beton statt Grün – momentan sehen viele Dächer, Höfe und ehemalige Gartenbereiche im Ihme-Zentrum noch sehr trostlos aus. Doch das Potenzial für Gärten ist riesig.

Am 14. und 15. April beschäftigt ihr euch mit dem Ihme-Zentrum. Dort gibt es viele Brachflächen. Was könnte man daraus aus eurer Sicht im Rahmen von Grüner Stadt machen?
Aus unserer „(landschafts-)architektonischen und städtebaulichen Sicht“ sollte die Entwicklung des Ihme-Zentrums Ziele einer nachhaltigen Stadtentwicklung verfolgen. Das heißt soziale Teilhabe ermöglichen, ökologischen Aspekten gerecht werden und dabei seine Eigenart bewahren. Große Potenziale liegen in der Wiederbelebung der „grünen Nachbarschaftstreffpunkte“ und der ökologischen Funktion von Wasserkanten, Fassaden und Dachflächen. Eine Entwicklung von Habitaten für Tiere und Pflanzen kann neben der Schaffung von Ruhe- und Bewegungsräumen für Anwohnende und NutzerInnen zur Wiederbelebung des Ihme-Zentrums beitragen. Auch die Kontaktstellen zur umgebenen Stadtstruktur stellen ein großes Potenzial dar. So könnte das Ihme-Zentrum in Zukunft wieder stärker als Transitraum für Spaziergänger und Radfahrer genutzt werden.

Hast du eine positive Vision vom Ihme-Zentrum im Jahr 2025?
Aus meiner Sicht besaß das Ihme-Zentrum schon immer positive Eigenschaften. Es verfügt über ein enormes (Raum-)Potenzial, um als ein urbanes Labor wahrgenommen und genutzt werden zu können. In diesem urbanen Labor spielen die BewohnerInnen des Ihme-Zentrums nicht die Rolle der „Labormäuse“, sondern werden Nachbarn sein, die von der neuen Vielfalt im Ihme-Zentrum profitieren. Die derzeitig verwahrlosten Ebenen im Sockelbereich übernehmen dabei eine verknüpfende Funktion. Integrative Kultur- und Lernräume, sowie gewerbliche Einrichtungen entstehen sukzessive. Kreative Experimentierräume werden geschaffen. Lokal verankerte Kaufleute und Gastronomen hauchen den Geschäftszeilen wieder Leben ein. Das Ihme-Zentrum hat für alle einen Platz im Herzen (von Hannover).

Kendra Busche ist Wissenschaftlerin an der Leibniz Universität Hannover und Mitinitiatorin von Hannover VOIDS.

Hannover VOIDS stellen am 15. April im Rahmen des Events „Grüne Stadt“ ihr Konzept der kreativen Brachflächenentwicklung vor. Daneben gibt es Impulsvorträge zu Permakultur und Gärten als soziale Räume. Im Anschluss werden in Workshops Ideen für eine grüne Entwicklung des Quartiers gesammelt und erarbeitet. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen / Stiftung Leben und Umwelt statt. Weitere Partnerinnen sind Himmelbeet, das Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz Universität, Transition Town Hannover sowie h1.

Was: „Grüne Stadt“ – Vorträge und Workshop
Wann: Sonntag, 15. April, 14 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt frei

September 2017 – Das Ihme-Zentrum als kreativer Treffpunkt

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Drohnenrennen, Kunsttreffen, Barcamp – das Ihme-Zentrum entwickelt sich immer mehr zum Treffpunkt der Kreativen und motivierten Stadtentwickler.

Für viele ist das Parkdeck in den untersten zugänglichen Stockwerken des Ihme-Zentrums eine weitestgehend leere Fläche ohne Sinn. Autos können nur in kleinen Bereichen parken, trotz akuter Parkplatznot im Umfeld. Für Martin Bennat ist die riesige freie Fläche jedoch mehr: es ist ein Spielplatz. Mehrere Monate verzog er sich ins Parkdeck, um dort seinem großen Hobby zu frönen: dem Drohnen-Fliegen. Weil er nicht allein ist mit dieser Leidenschaft hat er am 2. September das wohl erste Drohnen-Rennen Hannovers im Ihme-Zentrum organisiert. Hunderte Schaulustige und zahlreiche Profi-Flieger kamen und verwandelten das Parkdeck in eine Rennstrecke. Hoffentlich nicht zum ersten Mal.

Während im Untergrund die Drohnen summten und große Männer und Frauen wieder zu staunenden Kindern wurden, wurde ein paar Stockwerke darüber an der Zukunft des Quartiers gearbeitet. Im soziokulturellen Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E trafen sich zahlreiche Bewohnende, Kreative, Architekten, Vertreter der Stadtverwaltung, Wirtschaft, Kirche und Wissenschaftler, um bei einem Barcamp zu diskutieren, welche Aufgaben der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im kommenden Jahr übernehmen sollte. Entlang der drei Themen „Wider dem Gefühl der Ohnmacht – wie erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner im Ihme- Zentrum eine stärkere Stimme?“, „Spekulanten, Künstler, Handwerker – wie findet der Verein einen guten Umgang mit wirtschaftlich orientierten Akteuren im Ihme-Zentrum?“ und „Mehr grün, Kultur und Versorgung – wie steigern wir die Lebensqualität im Ihme-Zentrum?“ tauschten sich die Teilnehmenden intensiv, freundlich und konstruktiv aus, sodass am Ende konkrete Ideen und Projekte entwickelt wurden. In den kommenden Monaten werden einige davon realisiert.

Das Barcamp war die erste Veranstaltung dieser Art. Im kommenden Jahr wird es dazu mehrere Events geben, die sich mit der positiven und konstruktiven Entwicklung des Viertels beschäftigen.  „Zum ersten Mal konnten Bewohnende mit Menschen aus der Stadtverwaltung und Expertinnen und Experten aus Architektur, Kultur und Wirtschaft zusammen konkret Innovationen für das Ihme-Zentrum entwickeln“, zeigte sich Organisator und Vereinsvorsitzender Constantin Alexander zufrieden mit der Veranstaltung. „Das bestärkt uns darin, weiter an einem Runden Tisch für die positive Entwicklung im Ihme-Zentrum zu arbeiten.“

Am Sonntag dann präsentierte Artist Resident in der Zukunftswerkstatt, Sebastian Stein, sein neues Magazin Ruine. Mit weiteren Künstlerinnen und Künstlern bei Kaffee und Kuchen wurde lebhaft diskutiert und Pläne gesponnen. Sebastian hat weitere Aktionen im Nachbarschaftszentrum angekündigt – bis zum Ende des Jahres nutzt er einen der Arbeitsräume dort im Rahmen der Atelierförderung der Landeshauptstadt Hannover.

August 2017 – Der Sommer im Ihme-Zentrum

Das Hochwasser Ende Juli 2017 hat aus der Ihme einen richtigen Strom gemacht. Foto: Hans Dieter Keyl.

Trotz eines durchwachsenen Sommers gibt es viele gute Entwicklungen im Ihme-Zentrum: Das Quartier und seine Herausforderungen werden außerhalb Hannovers immer bekannter. Das neue Nachbarschaftszentrum entwickelt sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und viele Bewohner verbessern aktiv mit Grünpflege und Nachbarschaftshilfen die Lebensqualität vor Ort.

Der Juli im Ihme-Zentrum war durchwachsen. Ein heftiger Regen nagte für mehrere Tage an der Fassade und den Dächern und offenbarte manche schwache Stelle. Die Ihme trat über die Ufer und schwemmte ganze Baumstämme vorbei. Kein Wetter, bei dem man gerne nach draußen geht. Doch mit dem August ändert sich so langsam die Großwetterlage im Quartier. Nach dem letzten reinigenden Gewitter wird es jetzt wieder wärmer und die Pflanzen blühen, und das Spazierengehen macht wieder Freude.

 

Manch einer nutze das Hochwasser am Ihme-Zentrum zum Surfen. Foto: Hans Dieter Keyl

Indes hat das schlechte Wetter die Menschen nicht davon abgehalten, dem Ihme-Zentrum einen Besuch abzustatten. Zu mehreren Rundgängen kamen rund 200 Menschen, um sich das Quartier und das im Juni eröffnete und von der Kulturverwaltung der Stadt Hannover geförderte soziokulturelle Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E anzuschauen. Mit den Spenden rückt die vollständige Finanzierung der barrierefreien Toilette in den Räumen immer näher. Seit Anfang August ist außerdem mit dem Künstler Sebastian Stein der zweite Dauermieter neben dem Orchester im Treppenhaus eingezogen. Das BewohnerCafé, ein Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner jeden Dienstag, entwickelt sich zu einem lebendigen Stammtisch.

Doch nach dem Regen folgte Anfang August die Sonne.

Gleichzeitig waren das Quartier und seine Herausforderungen Thema mehrerer überregionaler Workshops und Vorträge. Mit großem Interesse verfolgten im Juni Vertreterinnen und Vertreter des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung im Rahmen des „Stadt von Übermorgen“ Treffens, wie der Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum aus der vermeintlichen Ruine einen positiven Möglichkeitsort geschaffen und sich somit das Image gewandelt hat. Die Expertinnen und Experten bewerteten demokratische Teilhabe und kreative Problemlösungen als wichtig für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums, wie auch für alle Kommunen. Dies entspräche auch der UN mit seinem Plan für „Nachhaltige Städte und Kommunen“.

Die Bewohnerschaft kümmert sich vor Ort intensiv um die Beflanzung im öffentlichen Bereich.

Anfang Juli präsentierten Studierende der Universität Hannover ihre Forschungsarbeiten, die sie im Sommersemester mit der Architektin Karin Kellner und dem Stadforscher Herbert Schubert entwickelt haben. Dabei waren viele gute Arbeiten, die sich mit einer angenehmeren Gestaltung vor Ort beschäftigen. Viele der von den Studierenden entwickelten technischen Lösungen sind gar nicht teuer und relativ schnell umzusetzen. Die Wissenschaftlerin Silke Hüper zeigte außerdem ihre Untersuchungen, wie die Zeitungen den Ruf des Quartiers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mit geprägt haben. In ein paar Monaten wird sie das Ganze noch einmal in der Zukunftswerkstatt vorstellen.

Das Quartier entwickelt sich in Hannover, aber auch außerhalb immer mehr zu einem Thema, über das man spricht.

Im späten Juli wurde das Ihme-Zentrum im Münsteraner Freihaus bei „100 Stunden Brutalismus“ als mögliches Leuchtturmprojekt besprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Kreativwirtschaft zu dem interdisziplinären Event im Rahmen der Ruhrmoderne und der Skulptur Projekte. Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellten ihre Forschungsarbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ über große Brutalismuskomplexen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigten, dass diese oftmals wunderbare Orte zum Wohnen sind und für ihre Bewohnerinnen und Bewohnern geliebte Heimat – wie im Ihme-Zentrum auch. Jan Kampshoff erklärte, wieso frühere urbane Utopien durch Immobilienspekulation scheitern und die erfolgreichen immer auch die Menschen vor Ort integrierten. Am 13. August wird außerdem die Ihme-Zentrums-Dokumentation „Traum Ruine Zukunft“ im Apollokino in Hannover-Lindem gezeigt und am 30. August beim „Architektur.Film.Sommer 2017“ im Museumsquartier in Wien.

Mai 2017 – Die Schwalben kehren zurück ins Ihme-Zentrum

Mehlschwalben leben im Ihme-Zentrum. Das ist ein gutes Zeichen. (Fotos: Uwe Vahldieck)

Im vergangenen Jahr brachte der BUND im Ihme-Zentrum Nisthilfen für die gefährdete Vogelart Mehlschwalben an. Auch im zweiten Jahr sind die Tiere zurückgekehrt, die Kolonie entwickelt sich sehr gut, erklärt Uwe Vahldieck vom BUND im Interview.

Herr Vahldieck, 2016 haben Sie im Ihme-Zentrum Brutkästen für die vom Aussterben bedrohten Mehlschwalben im Ihme-Zentrum angebracht. Wie hat sich das Ganze seitdem entwickelt?
Das erste Jahr war für den Anfang sehr gut. In einer Nisthilfe fand eine Brut statt, und in vier weiteren konnte ich Ein- und Ausflüge von Mehlschwalben in Nisthilfen beobachten. Das Annehmen von Kunstnestern durch Mehlschwalben ist normalerweise problematisch: Sie kennen keine Kunstnester. Darum war es sehr wichtig das die Schwalben die Nisthilfen gleich wahrgenommen und gebrütet haben.

Hatten die Tiere denn Schwierigkeiten?
Die Kolonie war einem Nesträuberangriff ausgesetzt. Alle 23 besetzten Naturnester wurden bis auf ein Nest und das Kunstnest zerstört. Es flogen keine Schwalben mehr am Ihme-Zentrum, und ich ging davon aus das es die Kolonie nicht mehr existiert. Jedoch kamen einige wieder, bauten Nester und brüteten erfolgreich.

Die Brutkästen und ihre Anbringung hat der BUND Region Hannover komplett selbst organisiert.

Sie haben erzählt, dass die Tiere in diesem Jahr zurückgekehrt sind. Wie geht es nun weiter?
Ich glaube und hoffe, dass wir die Nisthilfen zum richtigen Zeitpunkt angebracht haben. Denn wenn die Nesträuber einmal Erfolg hatten, kommen sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wieder. In den Nisthilfen sind die Tiere aber sicher.

Ist es aus Ihrer Sicht etwas Besonderes, dass sich die Mehlschwalben ausgerechnet das Ihme-Zentrum als Heimat ausgesucht haben?
Vielleicht ist diese Geschichte aus dem vergangenen Jahr und die weitere Entwicklung der Kolonie ein gutes Zeichen für das Ihme-Zentrum. Denn die Schwalben geben nicht auf!

Mehr Informationen zu den Nestern findet sich auf der Website des BUND Region Hannover.

Februar 2017 – Ein Garten im Ihme-Zentrum

Ein Garten blüht

Im Frühjahr 2016 startete eine Gruppe motivierter Gärtnerinnen und Gärtner einen Palettengarten im Ihme-Zentrum. Das Projekt zog schnell große Aufmerksamkeit auf sich und lockte Bewohner, aber auch Interessierte von außerhalb des Quartiers an. Nach dem Winterschlaf geht es nun weiter. Was genau das Team vorhat, erklärt Garten-Sprecherin Isa im Interview.

Ihr habt im vergangenen Jahr einen Palettengarten im Ihme-Zentrum eingerichtet. Was ist das und was habt ihr alles geschafft?

Wir haben angefangen, Hochbeete auf einem brach liegenden Teil des Ihme-Zentrums gegenüber vom Küchengartenplatz zu bauen. Das Gartenprojekt ist für alle offen, und wir freuen uns über immer mehr Menschen, die Lust haben ihren Teil zum Garten beizutragen. So ist unsere Gartengruppe stetig mit dem Garten gewachsen. Gemeinsam haben wir in den Beeten hauptsächlich Gemüse angepflanzt und einen Ort geschaffen, an dem sich wieder gerne aufgehalten wird. So entstand langsam aber sicher eine Gartenoase auf dem zuvor ungenutzten und grauen Betonplatz.

Harte Arbeit

Was kommt in diesem Jahr?
Wir werden den Winter über weiterhin regelmäßige Gartengruppentreffen abhalten, das nächste ist am 17. Februar. Dabei wollen wir das Jahr planen. Der Garten soll auf jeden Fall wieder geöffnet werden, und wir hoffen, dass er weiterhin so toll von den Menschen angenommen wird und viele Lust haben, mitzumachen. Wie genau das aussehen wird, wissen wir noch nicht. Bei der Planung sind den Ideen auf jeden Fall keine Grenzen gesetzt. Unsere Gruppe ist auch nach wie vor offen für neue Gesichter. Man kann uns einfach über die Transition Town Hannover Facebookseite kontaktieren, sich in den Verteiler für die Gartengruppe aufnehmen lassen und schwupps, ist man bei dem nächsten Treffen dabei.

Wie kann man euch unterstützen?
Wir können grundsätzlich immer wieder Sach- und Geldspenden gebrauchen. Aber am meisten freuen wir uns, wenn viele Menschen mit ihren verschiedensten Fähigkeiten den Garten mitgestalten und sich so einbringen. Das nächste Treffen der Gartengruppe ist am 17. Februar um 18h. Interessierte melden sich bitte hier.

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Isabel (links) studiert Soziale Arbeit und kümmert ist mit Kim zusammen verantwortlich für den Palettengarten im Ihme-Zentrum. Beim Gärtnern kann jeder mitmachen.

November 2016 – Jugendliche planen die Zukunft des Ihme-Zentrums

Constantin Alexander erklärt die Historie

Anfang November trafen sich rund 60 Schülerinnen und Schüler im Neuen Rathaus, um im Rahmen der Konferenz „Leibniz plant das Ihme-Zentrum“ neue Ideen für das Quartier zu sammeln und so spielerisch zu lernen, wie Demokratie funktioniert. Die Jugendlichen wünschen sich neben einem begrünten und bunten Ihme-Zentrum vor allem eine bessere Nutzung der freien Flächen. 

„Da ist so viel Platz, da könnten wir locker Sportplätze, Clubs und vieles anderes reinbauen, ohne dass es die Bewohner stört.“ Das Ihme-Zentrum als Möglichkeitsraum – so stellen es sich die rund 60 Schülerinnen und Schüler vor, die Anfang November bei der Konferenz „Leibniz plant das Ihme-Zentrum“ ins Neue Rathaus gekommen sind, um Zukunftsvisionen für das Viertel zu entwickeln. Relativ schnell sind sich alle einig: Ein Abriss ist Quatsch, vielmehr sollte man das Zentrum zum lebendigen Stadtteil Linden öffnen. Viele der Teilnehmenden kommen direkt aus der Nachbarschaft und empfinden den aktuellen Zustand des Quartiers als Belastung. „Das ist doch schade, wir könnten dort so viele tolle Sachen starten“, erklärt einer. „Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass dort ganz oben im Hochhaus ein geiles Restaurant oder Club drin wäre. Das würde Menschen anlocken – auch von außerhalb Hannovers.“

Die Jugendichen debattieren konzentriert und kreativ.

Die Teilnehmenden haben dabei keine Vorurteile gegenüber dem Zentrum, sie sehen vielmehr das Potenzials. Und so sind drei der Ideen, die es später durch das simulierte Parlament kommen, direkte Impulse, die auch den aktuellen Großeigentümer Intown interessieren könnten: „Begrünung der Dächer und der umliegenden Plätze“, „Bunte Architektur“ und eine bessere Außengestaltung würden im ersten Schritt schon viel bewegen – vor allem was das Image des Quartiers angeht. Doch auch die anderen Ideen zeigen, wie kreativ und gleichzeitig realitätsnah die Jugendlichen diskutiert haben: So wünschen sie sich Sporteinrichtungen in den derzeit leerstehenden unteren Geschossen, aber auch neuartige Arbeits- und Gemeinschaftsflächen sowie einen nachhaltigen Umbau des Viertels.

Viele tolle Ideen.

Die Konferenz wurde von Politik zum Anfassen e.V. organisiert.

Mai 2016 – Das Ihmezentrum als Park?

Ein Garten auf dem Dach: Architekt Felix Rebers hat für die Dokumentation

Ein Garten auf dem Dach: Architekt Felix Rebers hat für die Dokumentation „Das Ihmezentrum – Traum Ruine Zukunft“ Illustrationen gemacht, die das Potenzial aufzeigen.

Grün gehört zu einer funktionierenden Stadt dazu. Für die Amerikanistin Annabel Friedrichs gibt es genügend Beispiele, wie Gärten eine Stadt verschönern und verbessern können. Auch beim Ihmezentrum sieht sie viel Potenzial.

Hannover verfügt nicht nur über den größten Betonkomplex, sondern auch über den größten Stadtwald Europas. Grau und Grün – ist das womöglich vereinbar? Die Idee eines urbanen Gartens macht es vor: Blumenkübel statt Betonkomplex, warum also nicht auch Park statt Parken?

Beispiele für die Umnutzung von ähnlichen innerstädtischen Flächen gibt es zuhauf: Da wäre die New Yorker High Line. Die ehemalige Hochbahntrasse, auf der bis kurz vor der Stilllegung Truthahn transportiert wurde, in Manhattans Lower West Side steht für eine neue Parkbewegung: Brach liegende, postindustrielle Betonwüsten werden kreativ wiederbelebt und „recycelt“ zu nachhaltig geprägten öffentlichen Plätzen. Ganz im Sinne des New Urbanism steht neben innerstädtischer Begrünung auch Fußgängerfreundlichkeit im Fokus.

Park statt Leerstand?

Park statt Leerstand?

Das Bild von Natur, welches Parks wie die High Line (oder das Gegenstück im verlassenen U-Bahn-Tunnel, die Lowline) vermitteln, könnte aktueller nicht sein: Wir ziehen zurück in die Städte, kaufen Bio auf dem Stadtteilmarkt, ernähren uns Paleo und wollen inmitten der Großstadt unseren Dschungel. Das Ihmezentrum bietet (und das mitten in der Stadt!) zahlreiche Fassaden und offene Ebenen, die mit ihrer Größe und Lage ideal für diesen Großstadtdschungel, im Sinne einer Umnutzung als öffentliche Grünfläche, geeignet sind. Platz für einen Laden, in dem lokale Produkte aus Urban Gardening-Aktionen (Wie wäre es mit Ihmezentrum-Kartoffeln?) verkauft werden, ist auch noch.

Und doch ist dieses nahezu ländliche Bild von innerstädtischer Natur inmitten eines gescheiterten Großstadtprojekts auch kritisch zu betrachten. So bezeichnet Jeremiah Moss in seinem Blog Vanishing New York die High Line etwa als den „Auslöser für die schnellste Gentrifizierung in der Geschichte New Yorks“, hier sogar im Spezialfall einer grünen Gentrifizierung – oder wie Blogger Eric Jaffe schreibt: Ein schicker Park zieht ein, und einkommensschwächere Anwohnende ziehen aus.

Nun ist Hannover nicht New York, Linden nicht der Meatpacking District und das Ihmezentrum keine begrünte Hochbahntrasse umringt von Millionen-Dollar Lofts im Industrieschick. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass rund um das Ihmezentrum schon heute ein Gentrifizierungsprozess stattfindet, der in Zukunft noch an Fahrt aufnehmen dürfte.

Grün statt grau: Felix Rebers hat aus dem ehemaligen Einkaufszentrum einen Wald gemacht.

Grün statt grau: Felix Rebers hat aus dem ehemaligen Einkaufszentrum einen Wald gemacht.

Denkt man das Szenario weiter, kann man schon fast von einem Dilemma sprechen: Wir wollen Grün. Mitten in der Stadt. Wir wollen aber auch sozial verträglichen und bezahlbaren Wohnraum. Sind Parks ein zweischneidiges Schwert, welches die Nutzer von Parks in eine Zweiklassengesellschaft zerschneidet? Parklage nur gegen Prunkanlage?

Es ist eine Frage von Environmental Justice: Parks werten einen Stadtteil ästhetisch auf und wirken wie Luftfilter. Andererseits verdrängen steigende Immobilienpreise die mit dieser grünen Verbesserungsmaßnahme anvisierten Anwohnenden. Der Ansatz mit dem Namen Just Green Enough, erfunden von Winifred Curran und Trina Hamilton, könnte Abhilfe schaffen durch verschiedene Abstufungen von Grün. Das heißt, ein neuer Park muss nicht gleich den neuesten teuren Öko-Standards entsprechen. Und Designerparkbänke braucht auch keiner. Im Beispiel des Ihmezentrums hieße das: Statt schicker Promenade am Ihmeufer lieber Gemeinschaftsgärtnern mit Anwohnenden.

Ebenso wichtig ist aber auch eine Miteinbeziehung aller möglichen (Konflikt-)Parteien in einem transparenten Partizipations- und Gestaltungsprozess. Ob das Ihmezentrum nun irgendwann mal einen Park beherbergt oder einfach Flächen für urbanes Gärtnern schafft: Fragen der Freiraumpolitik und die Vereinbarung verschiedener Interessengruppen spielen bei jedem Wandel eine Rolle.

 

Annabel Friedrichs

Annabel Friedrichs studiert im Master Advanced Anglophone Studies an der Leibniz Universität Hannover und forscht zu urbaner Natur und (neuen) Parks und Parkformen in New York. Für sie ist der Zugang zu innerstädtischem Grün keine Frage von Einkommen und Wohnlage, sondern ein Grundrecht für alle Stadtbewohner und ein wichtiger Pfeiler der Stadt der Zukunft.

Die Illustrationen hat der Architekt Felix Rebers für die Dokumentation „Das Ihmezentrum – Traum Ruine Zukunft“ hergestellt. Er träumt von einem Wald unter dem Ihmezentrum. Mehr dazu in der Doku. 

Ostern 2015 – Wachsen und Gedeihen

Schärfe aus dem Ihme-Zentrum: Die ersten Chili-Samen haben Triebe und werden umgepflanzt.

Es ist jetzt Frühling im Ihme-Zentrum. Ich habe ein paar Pflanzen ausgesät und plane gemeinsam mit meinem guten Freund Coco ein Experiment: Auf einem Südbalkon im Ihme-Zentrum legen wir in den kommenden Wochen einen Minigarten an. Als Beet dient uns unter anderem eine alte Badewanne. Erde, Samen und Dünger sind nachhaltig und ökologisch abbaubar. Die Materialien sind zum größten Teil Second Hand und ebenfalls nachhaltig. Ich werde auf dem Blog den Fortschritt dokumentieren.

Das Ziel ist die Ernte von Gemüse, Obst und Kräutern und so der Beweis, dass Urban Gardening und sogar Urban Farming im Ihme-Zentrum möglich sind. Die Balkone und die Dachgärten meiner Nachbarn zeigen das ja auch schon seit Jahrzehnten.

Warum das wichtig ist? Weil der Mensch nicht nur von Pflanzen lebt: Er braucht sie auch in seiner Nähe, wie eine aktuelle Untersuchung der University of Pennsylvania beweist. Die Ärzte kamen zu dem Ergebnis, dass wer beim Spazieren an gepflegtem Grün vorbeikommt oder in seiner direkten Wohnungsumgebung kleine Naturflecken hat, einen niedrigeren Puls hat. Man fühlt sich weniger gestresst, ist achtsamer. Kleine Gärten sind also nicht nur schöner, bringen Lebensmittel und verbessern die Atmosphäre durch Photosynthese, sie haben auch direkt positive Auswirkungen auf die Gesundheit.

Im Ihme-Zentrum gibt es ein paar Ecken, in denen Platz wäre für Urbane Gärten, teilweise stehen dort jetzt schon Beete und Kästen, die aber weitestgehend verwildert sind. Warum nicht diese Orte aufwerten und den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Interessierten zum Gärtnern anbieten?