Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: fotografie

Januar 2016 – „Wir machen daraus ein Kultzentrum“

Geometrie

Mit seiner Kamera ist der hannoversche Künstler Benny Rebel seit Jahrzehnten rund um den Globus unterwegs, um spektakuläre Fotos zu machen. Seine Aufnahmen aus Afrika sind heute weltberühmt. In seiner Heimat hat der Naturfotograf aber auch ein Herz fürs Ihme-Zentrum. Er teilt viele Ideen mit uns und ist so überzeugt vom Quartier, dass er in diesem Jahr einziehen wird.

Benny, wie würdest du das Ihme-Zentrum beschreiben?
Vor 28 Jahren bin ich nach Hannover gekommen und wohnte damals in der Calenberger Straße, ganz in der Nähe des Ihme-Zentrums. Täglich war ich in der Einkaufsmeile, um zu flanieren und einzukaufen. Es war schön, so ein gut sortiertes und interessantes Einkaufszentrum ganz in der Nähe zu haben. Von Lebensmitteln bis hin zu technischen Geräten wurde Vieles zum Kauf angeboten, und es machte mir Spaß, mich dort aufzuhalten. Ich habe schon damals davon geträumt, in einer der Wohnungen im Ihme-Zentrum hoch über den Dächern Hannovers zu wohnen und die fantastische Aussicht täglich aus meinem Fenster oder Balkon zu genießen. Jetzt hat es endlich geklappt, und im Herbst werde ich in eine der tollen Wohnungen ziehen.

Was sind denn für dich die Stärken des Ihme-Zentrums?
Das Ihme-Zentrum hat eine ausgezeichnete Lage in der Stadt und Wohnungen mit einer hervorragenden Sicht weit über den Dächern Hannovers. Die Geschäftsmeile des Zentrums kann eine blühende Zukunft bekommen, wenn der Investor, die Stadt Hannover und andere Beteiligte einen klugen Plan entwickeln und hoffentlich bald mit der Umsetzung beginnen. Es gibt bereits jetzt durchaus vielversprechende Pläne, die nur noch konkretisiert und in Auftrag gegeben werden müssen, damit der Stein der Revitalisierung des Zentrums ins Rollen kommen kann.

Crowdfunding

Wie könnte aus deiner Sicht eine nachhaltige Transformation gelingen?
Die bisherigen Bemühungen der vorherigen Inhaber / Investoren fanden ihre Konzentration hauptsächlich darin, Geschäftsinhaber bzw. Filialisten wieder zurück in das Zentrum zu holen, um damit auch Kunden anzulocken. Dass diese Pläne scheiterten, ist wohl jedem bekannt, der die Geschichte des Ihme-Zentrums mitverfolgt hat. Meiner Meinung nach braucht die Wiederbelebung des Geschäftsherzes zwei verschiedene Schrittmacher: Die verschiedenen Ladengeschäfte und die Filialisten gehören auch in meinem Plan zu den wichtigsten Faktoren, die dazu beitragen könnten, das Zentrum wieder mit Leben zu füllen.
Viel wichtiger jedoch sind kulturelle und vor allem künstlerische Aktivitäten in diesem Gebäudekomplex, um zwei wichtige Verbesserungsfaktoren gleichermaßen zu bedienen. Jede gut geplante und professionell organisierte künstlerische Aktivität bringt Menschen in das Zentrum, die die Aktion genießen, und gleichzeitig sorgt sie dafür, dass das Image des Zentrums aufpoliert wird. Und genau hier liegt meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg! Wenn regelmäßig interessante kulturelle und künstlerische Angebote im Zentrum bereitgestellt werden, werden immer öfter und immer mehr Menschen dahinkommen und nach und nach Ihre Ängste und Vorurteile bezüglich des Gebäudekomplexes in einer Empathie und Sympathie für das Ganze umwandeln.

Man könnte vorerst in einem kleinen und  definierten und von den Investoren zur Verfügung gestellten Bereich verschiedene interessante kulturelle Angebote für die Besucher bereitstellen und somit Menschen dorthin locken, die von diesen entweder kostenlosen oder günstigen Angeboten Gebrauch machen möchten.

Fassade

Was stellst du dir konkret vor?
Diese Angebote können z.B. Fotoworkshops  oder Vorträge in vielen verschiedenen Versionen sein. Videoproduktionen, Musikproduktionen, Mal-Workshops, Tanz- und Gesangswettbewerbe, Musikveranstaltungen, Flohmärkte und unzählige andere kreative und interessante Möglichkeiten könnten dazu führen, dass immer mehr Menschen ins Zentrum kommen und das Gebäude bald als KULTZENTRUM bezeichnen werden. Sobald das erste Leben in die unteren Etagen des Gebäudekomplexes zurückkehrt, werden mit Sicherheit auch die ersten Geschäftsleute anklopfen, die dort Geld verdienen wollen und somit kommt auch die Ladenmeile nach und nach wieder zurück.

Und was könntest du dazu beisteuern?
Es gibt einige Menschen in Hannover, zu denen ich selbst gehöre, die über ein großes Netzwerk von kreativen Machern verfügen. Wenn einige dieser Kreativen sich zusammenschließen, von den Investoren, der Stadt Hannover und von den Wohnungseigentümern unterstützt werden, dann bin ich felsenfest davon überzeugt, dass das Ihme-Zentrum aus dem Dornröschenschlaf erwachen und sich auf eine blühende Zukunft  zum KULTZENTRUM erfreuen kann. Mein Plan kann mit relativ geringen finanziellen Mitteln realisiert werden, und hierbei gibt es keinen Verlierer. In jeder Phase der Umsetzung des Plans gibt es nur Gewinner. Menschen, die von den kulturellen Angebote Gebrauch machen, Künstler, die ihre Ideen verwirklichen können, Investoren und Wohnungseigentümer, deren Immobilienwerte steigen werden und die Stadt Hannover, die ein Problem weniger haben wird – alle sind am Ende Gewinner! Abgesehen davon werden die Beteiligten ein KULTZENTRUM erschaffen, das noch Jahre nach unserem Tod Menschen ein angenehmes Zuhause und ein Wohlfühleinkaufszentrum bietet – ein kleines Paradies in einer Stadt.

Benny Rebel

Benny Rebel ist ein ausgezeichneter Naturfotograf, Autor von Büchern, Filmen, Multimedia-Shows und anderen Medien. Geboren 1968 im Iran, lebt er seit 1987 in Deutschland. Nach seiner Ausbildung zum Feinmechaniker und dem Abschluss seines Abiturs arbeitete er in den unterschiedlichsten Branchen, bis der passionierte Naturschützer die Fotografie und die Filmproduktion als Werbemittel für Umweltschutzprojekte entdeckte.

Dezember 2014 – „Ich finde diesen Stil aus den 1970er-Jahren toll“

Ausgang

Ole Witt studiert Fotografie an der Hochschule Hannover. Für ein Studienprojekt hat er zahlreiche Bewohner des Ihme-Zentrums besucht und abgelichtet – auch mich. Ich sprach mit ihm über die Rolle des Zentrums für Hannover und über die Ästhetik des Betons.

Ole, wie kommst du dazu, ein Fotoprojekt über die Bewohner des Ihme-Zentrums zu machen?
Ich bin in Hannover groß geworden und habe das Ihme-Zentrum immer wahrgenommen. Früher war ich hier sogar einkaufen. Ich wollte wissen, was für Menschen hier leben. Was steckt dahinter. Und dann sind die Meinungen zum Zentrum ja so gesplittet zwischen totaler Ablehnung und großem Interesse, das finde ich interessant.

Was sind das für widersprüchliche Meinungen aus deiner Sicht?
Auf der einen Seite stehen die Menschen, die das Zentrum als absolute Bausünde sehen. Und auf der anderen Seite wird es als kulturell wichtig bewertet. Ich dachte mir: So unterschiedlich wie die Meinungen, so unterschiedlich sind sicher auch die Menschen, die im Zentrum leben.

Und ist das auch so?
Ja. Ich habe zahlreiche Menschen fotografiert – die Lebensweisen waren dabei so komplett verschieden. Und auch die Wohnungen sind sehr unterschiedlich. Von kleinen Künstlerwohnungen bis zum luxuriösem Loft. Das finde ich spannend.

Ästhetisch wird dem Zentrum häufig Hässlichkeit vorgeworfen. Wie siehst du das?
Es gibt ja den Spruch „Im Ihme-Zentrum sind die schönsten Wohnungen Hannovers, weil man von dort das Zentrum selbst nicht sehen kann“. Das sehe ich nicht so. Ich finde diesen Stil aus den 1970er-Jahren toll. Ich habe aber auch keinen Bezug zu der Zeit, in der es gebaut wurde. Dafür bin ich mit meinen 22 Jahren zu jung. Und ich kann mir vorstellen, dass die Menschen, die seit Jahrzehnten im Zentrum leben, das alles als veraltet ansehen.

Hat sich deine Meinung zum Zentrum positiv verändert seit deinem Projekt?
Nein, ich fand es vorher auch schon gut. Und es gehört einfach zu Hannover dazu.

Ole Witt

Ole Witt, Fotograf und Student aus Hannover.