Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: festival

September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird ein jugendgerechtes Viertel

 

Das Ihme-Zentrum als Beitrag für eine Stadt der Jugend und der Zukunft – beim Stadtjugendtag 2015 am Samstag, 26. September, wird genau dieses Potenzial diskutiert. Stadtjugendpfleger Volker Rohde spricht im Interview über das Zentrum als Chance und wie wichtig es ist, eine Stadt für Kinder und Jugendliche zu gestalten. 

Was genau geschieht an diesem Stadtjugendtag?
Der Stadtjugendtag ist in erster Linie eine (große) Beteiligungsveranstaltung für Jugendliche im Rahmen von „Mein Hannover 2030“. Jugendliche sollen sich im Rahmen dieser Veranstaltung und in Bezug auf „Mein Hannover 2030“ im Rahmen von den zwei folgenden groben Fragestellungen äußern: Was soll diese Stadt im Jahr 2030 für Jugendliche bieten und sein? Was soll diese Stadt für mich, als dann ca. 30 Jährige/n bieten. Dabei ist 2030, zumindest was den ersten Teil der Frage betrifft, natürlich nur ein Synonym. Die Ideen und Wünsche der Jugendlichen müssen natürlich unmittelbar und kurzfristig aufgenommen werden. Beide Fragestellungen sind zudem sehr abstrakt oder auch etwas uncool. Deshalb sollen sie von den Jugendlichen auf ihre Art gestellt und beantwortet werden.

Demzufolge sollte der Stadtjugendtag von vornherein eine Veranstaltung von Jugendlichen für Jugendliche werden. Wir haben deshalb viel Wert darauf gelegt, dass die gesamte Veranstaltung sich auch sehr jugendgerecht entwickelt. Dementsprechend besteht dieser Tag nicht nur aus Foren und Diskussionsrunden, wie vielleicht in anderen Beteiligungszusammenhängen. Viel mehr wollen wir Jugendlichen auch die Gelegenheit geben, sich mit ihren Aktivitäten und Interessen an diesem Tag umfassend zu präsentieren. Folgerichtig hat sich der Stadtjugendtag damit mehr  zu einem Festival entwickelt. Diese Entwicklung finden wir großartig und freuen uns darauf, was dabei herauskommt.

Das Festival findet ja in einer dynamischen Atmosphäre zwischen Glocksee und Ihme-Zentrum statt. In wieweit ist dieser Rahmen geeignet für den Stadtjugendtag?
Die Fläche ist hervorragend geeignet. Da ist zum einen, das seit über 40 Jahren bestehende Unabhängige Jugendzentrum Glocksee. Es steht für die Tradition von Selbstorganisation und Partizipation, aber auch für Party, Spaß und Ausprobieren von Jugendlichen. Die neugestaltete Fläche zwischen Glocksee und Ihme steht wiederum für die Interessen von Jugendlichen, den öffentlichem Raum in ihrem Sinne zu nutzen und auch temporär zu gestalten. Nicht zuletzt bietet das Ihme-Zentrum mit seinem ambivalenten Charme eine besondere, durchaus jugendgerechte Kulisse und ist nicht nur deshalb ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.

Stadtjugendtag 2015

Könnte aus Ihrer Sicht das Ihme-Zentrum eine jugendgerechtes Quartier werden?
Auf den ersten Blick eine vielleicht etwas abwegige Frage. Allerdings nur auf den ersten Blick. Mit der Verbindung von der Glocksee und der Freifläche an der Ihme hat das Ihme-Zentrum großes Potenzial für einen jugendgerechten Ort. Auch der ambivalente Charme könnte dazu beitragen, denn Jugendliche mögen mit Einschränkung eher das etwas Unaufgeräumte und Unstrukturierte und weniger Saubere, wenn es um die Nutzung öffentlicher Räume geht. Solche Räume bieten viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und bieten eine Alternative zur der aus der Sicht von Jugendlichen, nach wie vor als „spießig“ und um Sauberkeit und Ordnung bemühten Erwachsenengesellschaft. Warum sollte sich durch verschiedene Aktivitäten nicht ausgerechnet das Ihme-Zentrum zu einem ganz besonderem jugendgerechten Quartier entwickeln. Im Übrigen vielleicht sogar, was bezahlbaren Wohnraum in einem „hippen“ Stadtteil betrifft.

Wie ist Ihr persönlicher Bezug zum Stadtteil?
Ich wohne seit fast 30 Jahren in Linden und liebe diesen Stadtteil in seiner ganzen Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Meine Kinder sind hier geboren und bevölkern als noch Jugendliche die öffentliche Räume des Stadtteils. Ich genieße am Wochenende den Stadtteilspaziergang an Leine und Ihme. Das Ihme-Zentrum ist mir in seiner ganzen Entwicklung sehr vertraut. Zum einem arbeite ich seit fast zehn Jahren im Ihme-Zentrum und konnte unmittelbar die Entwicklung oder auch Nichtentwicklung unmittelbar mitverfolgen. Zum anderen kenne ich das Ihme-Zentrum seit Jahrzenten als Einkaufs- und Aufenthaltsort, zu Zeiten als hier noch HUMA oder Saturn-Hansa die Käufer/innen anzogen. Leider ist das mit dem Einkaufs- und Aufenthaltsort in den letzten Jahren etwas schwieriger geworden.

Stadtjugendtag 2015

Wie kann man sich an der Veranstaltung beteiligen?
Alle Interessierten können am Samstag um 18.40 Uhr ins Forum kommen zur Diskussion „Das Diskussion als jugendgerechter Ort – was fehlt?“ Das Forum ist auf der Glockseewiese zwischen Glocksee und Ida-Arenhold-Brücke.

Volker Rohde ist Stadtjugendpfleger Hannover

September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird zur Kulisse eines Lichtspielfestivals

Foto: Katharina Geber

Die Kunst wertet das Ihme-Zentrum auf. Beim Ihme Vision Festival am 18. und 19. September zeigt ein Team aus Kreativen, wie schön das Gebäude und der angrenzende Park bespielt werden können. Im Gespräch erklärt der Künstler und Mitorganisator Franz Betz, welches Potenzial er für das Gebäude sieht und was seinen Charme ausmacht.

Was habt ihr vor beim Open Light Festival oder auch Ihme Vision?

Das Open Light Festival ist in diesem Jahr zunächst Pilot für die anvisierten Festivals in den nächsten Jahren. Wir, das heisst das kreative Veranstaltungsteam mit Iyabo Kaczmarek, Esther-Marie Kröger, Jörg Strohmann und mir habem die Ihme Vision in drei Bereiche unterteilt. Das ist einmal die Visuelle Bespielung der Fassaden des Ihme-Zentrums mit Projektions-Mapping und Architektur-Anleuchtung. Zum Zweiten ein Kurzfilmprogramm für die beiden Abende, und zum Dritten Pop-Up-Architektur für ein frisches gastronomische Angebot. Unterstützt werden wir von vielen Kreativen Hannovers.

Wichtig war uns auch, junge Filmer und Filmerinnen aus Hannover zu motivieren. Mit „Deine Vision in 60 Sekunden“ suchen wir filmisch neuen Blicke und werden zehn Einreichungen beim Festival zeigen.

Foto: Katharina Geber

Wie kommt ihr auf den Ort?

Jörg Strohmann aus dem Kreativteam radelt fast jeden Abend durch den Ihmepark am Ihmezentrum vorbei. Durch die Neugestaltung des Ihmeufers ist der Blick aufs Ihme-Zentrum ein ganz neuer geworden; sozusagen einer der wenigen urbanen Orte in Hannover, vergleichbar mit dem Central Park in New York. Diesem Impuls folgend hat er uns drei, die schon lang und länger im angrenzenden Capitolhochhaus arbeiten, von der Idee eines Festivals nicht lange überzeugen müssen. So haben wir unsere verschieden kreativen Talente aus Architektur, Veranstaltungen, Film und Licht in einem Projekt eingebracht und dafür öffentliche und private Förderer gefunden.

Wie würdest du das Ihme-Zentrum jemanden beschreiben, der es nicht kennt?

Das Ihme-Zentrum ist aus der Utopie entstanden, den Verkehr unter sich zu lassen und quasi wie in Wolken schwebend zu leben. Leider hat die Realität aus Beton und Investment den Sprung ins 21. Jahrhundert nicht geschafft. Sanierungen und Umgestaltungen sind für diese Bauten, die es in vielen anderen Großstädten ebenfalls gibt, aufwendig und nur mit hohem Aufwand wie z.B. dem Boros Bunker in Berlin zu schaffen. Diese Möglichkeiten standen für das Ihme-Zentrum nicht zur Verfügung, sodass mehrere Investoren gescheitert sind. Wie sich solche Gebäudekomplexe besonders in den Gewerbeflächen dauerhaft nutzen lassen, ist unklar.

Foto: Katharina Geber

Welches Potenzial siehst du in dem Gebäude?

Zunächst ein kreatives. Solche Gebäude verfallen nicht so einfach, wie die Industriearchitektur der Jahrhundertwende aus Ziegeln und Gusseisen. Also müssen wir schauen, wie sich solche Strukturen in eine Stadtlandschaft positiv integrieren lassen und dies zunächst ohne kommerzielles Interesse des Einzelhandels. Wie Licht und Grün besonders in die unteren Etagen wieder einziehen kann. Welche Nutzungen sich auf Dauer dort etablieren lassen. Ein geschützer Ort für zum Beispiel Veranstaltungen, Konzerte, Open-Air-Ateliers, und eben Licht-Festivals.

Foto: Claudia Below

Franz Betz ist Künstler.