Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: europa

Volles Haus in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Mit Vorträgen, Seminaren und Diskussionen gelingt es der Zukunftswerkstatt, die Aufmerksamkeit für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums zu steigern. Foto: Lucy Winkler

Das Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum boomt: Zu spannenden Veranstaltungen zu den Themen Produktdesign, Architektur und Wohnungsbau kamen in den vergangenen Tagen viele Interessierte und Bewohner.

Es war ein voller Erfolg: Die Veranstaltungsreihe „Architektur und Stadtentwicklung“ des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im Januar mit vielen Kooperationspartnern zog viele Interessierte von außerhalb, aber auch viele Bewohner in das gleichnamige Kultur- und Nachbarschftszentrum im Herzen des Quartiers.

Warum Designer das Ihme-Zentrum lieben

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Los ging es am Samstag mit Coold, einer Messe für Produktdesign, von Matthias Lauche in Kooperation mit der Hochschule Hannover und dem kreHtiv Netzwerk für Kreativwirtschaft. Designer zeigten ihre eigenen Werke, von Möbeln über Arbeiten mit Beton bis hin zu spannenden Gadgets. Bei der Podiumsdiskussion abends ging es um den Umgang mit Freiräumen in Hannover, zu dem die Teilnehmenden auch explizit das Ihme-Zentrum zählen. „Wie kann es sein, dass mitten in der Stadt mehr als 100.000 Quadratmeter leer stehen“, fragte eine Teilnehmerin wütend: „Hier muss doch Leben rein!“

Warum die Geschichte des Ihme-Zentrums so viele bewegt

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Am Sonntag lud der Verein mit dem Vortrag „Europas größte Baustelle“ aus der Bau- und Anfangsphase des Ihme-Zentrums zu einer kleinen Zeitreise: Mitplaner und ehemaliger Bewohner Hans Dieter Keyl erzählte in der vom Historischen Museum unterstützen Veranstaltung von der spannenden Zeit in den 1960er- und 1970er-Jahren, als das Ihme-Zentrum erdacht und gebaut wurde. Für seinen Vortrag hatte der Architekt extra seine alten Dias digitalisiert. Die rund 120 Besucher konnten sich dann darüber freuen, exklusive Fotos zum ersten Mal überhaupt zu sehen. Besonders für die Bewohner war es ein schönes Gefühl, ihre Heimat mal wieder positiv zu erleben.

Warum das Ihme-Zentrum wichtig für den Wohnungsbau ist

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Den Abschluss der Reihe „Architektur und Stadtplanung“ im Januar 2018 bildete die Diskussion „Herausforderung Wohnen“ vom bbs – Bürgerbüro Stadtentwicklung und der Akademie für Raumforschung und Landesplanung. „Vor vollem Haus referierte Frau Prof. Dr.-Ing. Barbara Schönig (Universität Weimar) über Einflussmöglichkeiten der Wohnungspolitik“, erzählt Manfred Hinz, Bewohner im Ihme-Zentrum. „Anschließend präsentierte Daniel Fuhrhop, Buchautor von „Verbietet das Bauen“ seine Lösungsvorschläge gegen steigende Mieten und Wohnungsmangel.“ In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde die Frage, was Hannover diesem Trend entgegensetzen kann, mit hochkarätigen Gästen aus der Stadtverwaltung, Forschung und Wohnungswirtschaft diskutiert.

Dieses Artikel wurde im Rahmen der Netzwerk-Recherche-Projektförderung Grow geschrieben. In dem Projekt wird erforscht, wie hyperlokaler, konstruktiver und nachhaltig verwalteter Journalismus funktionieren kann. Die Ergebnisse werden auf der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz am 29./30. Juni 2018 beim NDR in Hamburg und bei der Veranstaltungsreihe #ihmezentrum2025 im Frühjahr 2018 vorgestellt.

„Ich wünsche mir eine bessere Zukunft für das Ihme-Zentrum“

Foto: Samuel Kirby http://www.samuelkirby.com

Als Kulturdezernent hat sich Harald Härke (parteilos) immer wieder für das Ihme-Zentrum eingesetzt. Im Interview erklärt er, wieso das Quartier so großes Potenzial nicht nur für Kreative und Künstler hat und welche Rolle das Ihme-Zentrum bei der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt spielen könnte.

Herr Härke, Sie gelten in der Öffentlichkeit seit Jahren als Politiker, der sich für eine positive Entwicklung im Ihme-Zentrum einsetzt. Ihre Mitarbeitenden unterstützen Bewohnerprojekte und Kulturinitiativen. Was bewegt Sie bei dem Thema?
Es tut mir ehrlich weh, wenn ich sehe, wie der Zustand dieses früher so lebendigen Stadtteils ist. Die Menschen, die im Ihme-Zentrum leben und arbeiten, erleben jeden Tag krasse Herausforderungen. Ich kenne das Viertel ja noch, als es funktioniert hat. Hier sind schließlich auch die ganzen Musikstars der 1970er-Jahre aufgetreten. Ich wünsche mir eine bessere Zukunft für das Quartier!

Sehen Sie die Möglichkeit für eine Wiederbelebung?
Meine Mitarbeitenden im Kulturdezernat und Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover und ich sehen das Ihme-Zentrum, so wie die Bewohner und viele Künstler und Kreative: Ein spannender Ort mit einem großen Potenzial. Wir unterstützen deshalb auch beispielsweise die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum über die Stadtteilkultur oder den Künstler Sebastian Stein mit einer Atelierförderung. Doch das Viertel bietet so viel mehr Platz für Arbeitsräume, Werkstätten, Proberäume, Ateliers oder Ausstellungsräume.

Immer häufiger kommen Besucher gezielt ins Viertel, um sich anzuschauen wie es hier aussieht. Wie sehen Sie das?
Ich stelle mir vor, welchen positiven Effekt eine Wiederbelebung nicht nur für das Ihme-Zentrum hat, sondern für ganz Linden und sogar ganz Hannover. Es ist ja hier genauso wie an vielen anderen Orten in unserer Heimatstadt: Überall findest du Baustellen – im wörtlichen und im übertragenden Sinn. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen im Jahr 2025 nach Hannover kommen und sich im Ihme-Zentrum und an vielen weiteren Orten anschauen können, wie kreativ, vielseitig und liebenswert diese Stadt und ihre Bewohner sind!

2025 soll Hannover Europäische Kulturhauptstadt sein. Ihr Team bereitet derzeit die Bewerbung vor. Viele Menschen in der Stadt – auch außerhalb der Kulturszene – sehen das als große Chance. Welche Rolle könnte dabei das Ihme-Zentrum spielen?
Bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt stellen die zuständigen Mitarbeitenden der Europäischen Union immer die Frage nach der Nachhaltigkeit des Projekts: Was bleibt, wenn die Feierlichkeiten vorbei sind? Wie sieht Hannovers Kulturszene und die Stadt selbst im Jahr 2026 und darüber hinaus aus?

Unserem Team um Melanie Botzki und Benedikt Pönsgen ist es sehr wichtig, in einen Dialog mit den Menschen zu gehen: Die Kultur hat aus meiner Sicht auch ein bisschen die Aufgabe, Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Und im Ihme-Zentrum zeigt sich ja, wie wichtig und positiv ein bisschen frischer Wind ist. Als Kulturbüro unterstützen wir daher über unseren Innovationsfonds die Veranstaltungsreihe „#ihmezentrum2025“, die von Constantin Alexander kuratiert wird: Es wird Vorträge geben zu aktuellen Themen der Stadtentwicklung und Workshops, auf denen Bewohner gemeinsam mit Architekten, Stadtentwicklern, Ingenieuren, Wirtschaftlern, Künstlern und vielen mehr Entwicklungsansätze und Visionen erarbeiten, wie das Ihme-Zentrum im Jahr 2025 aussehen könnte.

Was finden Sie daran so spannend?
Das ist für mich wie bei einem Orchester, wo die Instrumentalisten nur gemeinsam etwas Großartiges schaffen: Hier kommen Menschen zusammen, um gemeinsam an der konkreten Verbesserung unserer geliebten Stadt Hannover zu arbeiten. Da zeigt sich, welchen Wert und welchen positiven Einfluss Kultur haben kann.

 

Harald Härke ist Kulturdezernent der Landeshauptstadt Hannover und riesiger Hannover-96-Fan.