Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Ernährung

Weihnachtsmarkt verzaubert das Ihme-Zentrum

Warmes Licht, tolle Musik, leckere Snacks und schmackhafter Glühwein – mit einem bunten Programm hat am Wochenende der Weihnachtsmarkt das Ihme-Zentrum belebt. Viele hundert Bewohner und Interessierte kamen, um sich begeistern zu lassen, was passiert, wenn bunte Lichter den sonst leer stehenden Sockelbereich des Ihme-Zentrums in eine vorweihnachtliche Stimmung versetzen.

Die Organisatoren rund um die Vereine Transition Town Hannover und der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung. „Die Stimmung war zu jeder Zeit super“, so einer der Organisatoren. „Viele Besucher kamen zum ersten Mal ins Viertel und wollten sehr viel über die aktuelle Situation und die Herausforderungen im Viertel lernen.“ Ein gutes Zeichen, das zeige, wie aufmerksam die Menschen in Hannover und aus ganz Niedersachsen beobachteten, was im Ihme-Zentrum passiert. „Wir mussten lange zittern, ob wir den Markt überhaupt machen können“, so eine Organisatorin. „Obwohl wir die Veranstaltung bereits im Sommer ordnungsgemäß angemeldet hatte, kam die Erlaubnis der Verwaltung wieder erst wenige Tage vor dem Beginn.“ Ein Konzert am Samstag wurde sogar ganz verboten.

Der Stimmung geschadet hat es nicht – im Gegenteil: Die zahlreichen Gruppen an den Buden freuten sich über großes Interesse, zahlreiche Besucher in jedem Alter wandelten durch den Palettengarten und besuchten auch das Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Freitag und Sonntag verwandelte sich der Saal in eine Märchenstube: Zuerst war das Kindertheater „Willi und der Magische Adventskalender“ zu Gast, veranstaltet durch die Landeshauptstadt Hannover, Bereich Stadtteilkultur, Freizeitheim Linden. Am Sonntag dann verzauberte Ellen Maria Kienhorst „An den Nachtfeuern der Karawan-Serail – Alttürkische Märchen“ die Zukunftswerkstatt mit alten Märchen aus 1001 Nacht.

„Der Weihnachtsmarkt ist eine tolle Tradition, die die Stimmung im Ihme-Zentrum enorm verbessert hat“, so einer der Organisatoren. „Wir freuen uns schon bald, die Planung für 2018 zu starten.“

 

September 2016 – Ein Picknick im Ihme-Zentrum

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung vorbeigebracht.

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung zum Picknick vorbeigebracht.


Am Sonnabend, 24. September, lädt die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum mit FreundInnen und Kooperationspartnern zum ersten Picknick für BewohnerInnen, FreundInnen und Kulturschaffende. Wir möchten mit Euch ab 15 Uhr zusammenkommen, um gemeinsam zu essen, trinken, klönen. Dafür stellen wir im zweiten Obergeschoss am Ihmeplatz Tische und Bänke auf und rufen zu einem interaktiven Kaffeekränzchen.

Der Ort ist gut über einen der beiden Aufzüge zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm oder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz zu erreichen. Jeder kann dabei einfach dazukommen und muss nichts weiter machen, als ein wenig Proviant mitzubringen.

Wie beim Bürgerbrunch lernt man sich bei Gesprächen besser kennen, kommt unverbindlich miteinander ins Gespräch und kann sich gegenseitig zu Kuchen, Salat & Fruchtcocktails einladen – was man auch immer mitbringen möchte. Natürlich kann man seinen Tisch auch festlich dekorieren! Oder minimalistisch gestalten.

Dazu stellt die Kultur AG der Zukunftswerkstatt Plakate auf, auf denen BewohnerInnen und Künstler festhalten können, welche Spielarten der Kultur dem Ihme-Zentrum grundsätzlich fehlen. Lesungen? Aktionen? Oder doch Ausstellungen samt Bildern aus dem Ihme-Zentrum selbst? Wir wollen mit Euch gemeinsam essen und ein wenig auf kulturelle Ideensammlung gehen.

Bringt Freunde mit! Bringt gutes Wetter mit(wir sind aber zur Not überdacht)! Und seid herzlich Willkommen!

Oktober 2015 – Erntedankfest

 

Heute habe ich den Mini-Versuchsgarten winterfest gemacht und dabei auch die letzten Tomaten geerntet. Der Herbst zieht ein ins Ihme-Zentrum. Und neben der Kälte werden die Bewohner mit negativen Neuigkeiten aus einem anderen Teil des Viertels konfrontiert: Der städtische Energieversorger enercity will das sein Hochhaus verlassen – damit würde einer der wichtigsten verbleibenden Gewerbemieter wegfallen. Ein so großer Schock, dass die Stadt sich am Mittwoch genötigt sah, in einer Pressemeldung die Verantwortung an den Investor Intown weiterzuschieben. „Zwischen dem Investor und der Stadtverwaltung laufen derzeit intensive Gespräche über die von Stadt, Stadtwerken und Wohnungs-Eigentümern geforderte und dringend notwendige Sanierung des Ihme-Zentrums“, so der Wortlaut in der Meldung. Doch neben diesen Gesprächen gibt es derzeit auf anderen Ebenen Bemühungen, die Starre des Zentrums aufzutauen.

So kam es bei einem Diskussionsforum im Historischen Museum Hannover Anfang Oktober zu einigen tumultartigen Beschwerden von Bewohnern, aber auch Interessierten, die einen neuen Ansatz im Umgang mit der aktuellen Situation forderten. Wenn mich Menschen fragen, welche Idee ich hätte, um das Ihme-Zentrum zu revitalisieren, fallen mir zwei konkrete Ideen ein:

Ein runder Tisch mit Vertretern der Stadtverwaltung, Intown, der Bewohner, aber auch der Zivilgesellschaft. Es geht nicht um Grabenkämpfe oder Vorwürfe, sondern die Frage: Welche Bedürfnisse hat welche Partei, und wie gelingt ein Kompromiss, bei dem alle Seiten profitieren. Die Bewohner erhalten einen funktionierenden Stadtteil, die Stadt Hannover erhält eine Gegenleistung (z.B. Steuern und Arbeitsplätze) für die Millionen Euro Miete, die sie jedes Jahr zahlt und der Investor Intown bekommt Mieterträge. Intown schreibt selbst auf seiner Website, dass ihnen dies am Herzen liegt: „Mit unseren national und international vernetzten Partnerschaften orientieren wir uns bei der Auswahl der Mieter an den Bedürfnissen der dortigen Bewohner sowie Arbeitnehmer.“

Als zweites braucht es ein langfristiges, nachhaltiges Quartiersmanagement. Der Umbau des Zentrums ist in fünf Jahren nicht abgeschlossen. Viele Menschen verstehen nicht, dass das Ihme-Zentrum kein Gebäude ist, sondern ein Stadtviertel, und als solches ist es immer in Bewegung. Intown beschreibt sich selbst als „ein junges aufstrebendes und stark expandierendes Unternehmen“, das Immobilien nach erfolgter Revitalisierung „langfristig und nachhaltig bewirtschaftet“.

Diese Kartoffeln wuchsen ebenfalls im Mini-Versuchsgarten. Sie sollen wieder eingepflanzt werden, um eine eigene Kartoffelsorte zu zu züchten.

Das klingt vielversprechend. Und deckt sich erst einmal mit meinem Ansatz, das Ihme-Zentrum zu einem Leuchtturm einer nachhaltigen, demokratischen Transformation zu machen. Ich habe seit Herbst 2014 knapp 1.000 Menschen das Ihme-Zentrum bei meinen Rundgängen gezeigt, und jeden Tag bekomme ich E-Mails mit neuen Ideen und Visionen für den Umbau des Zentrums. Ich habe erlebt, wie bei vielen Menschen aus der Betonburg auf einmal eine Märchenburg wurde – einfach weil sie sich vorgestellt haben, was man hier alles machen könnte. Ein paar dieser Ideen haben es hier auf den Blog geschafft und mich und andere Menschen zum Träumen gebracht. Doch das reicht nicht!

Ich habe genug Argumente gefunden, warum das Ihme-Zentrum nicht abgerissen werden kann. Ich habe genug realistische Ideen gesammelt, wie das Ihme-Zentrum strukturell nachhaltig umgebaut werden könnte. Ich habe Verbündete gefunden, die im Ihme-Zentrum auch das sehen, was ich darin sehe: eine Chance, ein neues Wahrzeichen. Und viele von ihnen würden hier sofort einziehen, wenn sie es dürften. In den kommenden Wochen wird es an dieser Stelle nicht mehr nur Träume geben, sondern konstruktive Forderungen und Hilfsangebote von Vereinen, Verbänden, Institutionen und Betroffenen nach einer Zukunft. Aus dem Ich ist ein Wir geworden. Es geht gerade erst los. 🙂

Juni 2015 – „Und die Blätter leuchten golden…“

Die Kulturszene in Hannover wäre um einiges ärmer ohne sie: Claudia Pahl hat nicht nur jahrelang am Staatstheater gearbeitet, mit Feinkost Lampe führt sie auch einen der schönsten Klubs der Stadt. Und sie hat eine bunte, lebenslustige Vision für das Ihme-Zentrum.

Ich hole eine Freundin von der Haltestelle Küchengarten ab, und wir gehen, mit Badesachen beladen, zurück zum Ihme-Zentrum um bei dem schönen Frühsommerwetter am IZ-Strand abzuhängen. Entlang des gesamten Untergeschosses des grün-bunten Komplexes zieht sich seit zwei Jahren ein feiner Sandstrand samt entspannter kleiner Beach-Bars, Liegestühlen und Hängematten zwischen kunstvoll gestalteten Stahlpalmen.

Wie immer erfreue ich mich an dem sichtbaren Wandel, den dieser einst desolate Koloss genommen hat. Schon von Weiten weiß man gar nicht, wo man am liebsten hinschaut: auf die fast dschungelartig begrünten Dachflächen und Zwischenebenen, wo Urban-Gardening-Projekte für den Eigenbedarf der Bewohner*innen und für die tägliche Volksküche Gemüse und Obst anpflanzen. Oder lässt man sich von den vielfältigen Fassadenkünsten faszinieren, die dem einst grauem Waschbeton neue Strukturen, Farbgestaltungen und Konturen verleihen. Ein Großteil der ehemaligen Wohnungen in den Hochhaustürmen sind nun selbstbestimmte Wohnprojekte ganz unterschiedlicher Art.

Hier leben intergenerativ und im Sinne der Inklusion Künstler*innen, Flüchtlinge, Studis, Behinderte, Familien und alte Menschen zusammen. Fast jede Etage hat sich ihr eigenes Format des Miteinanders erdacht. Allen gemeinsam ist, dass sie aus diesem Ort ein bezahlbares Zuhause für kreative Menschen und Ideen geschaffen haben.

In den ehemaligen Geschäftsräumen zwischen und unter den Wohngebäuden findet man jetzt die künstlerischen Studiengänge der Hochschule samt Studiobühne, Ateliers, Probe- und Werkstatträumen. Daneben hat das Theater „Fenster zur Stadt“, die eigentlichen Pioniere, was die kulturelle Nutzung dieses Ortes angeht, eine alt-neue feste Heimat gefunden, und gegenüber residiert das „Orchester im Treppenhaus“ in einem licht gestalteten Konzerthaus, wo sie auch viele internationale zeitgenössische KomponistInnen präsentieren.

Auch das in Hannover bisher eher unterrepräsentierte Tanztheater hat hier endlich ein eigenes Zuhause gefunden. Unter der Leitung des Choreographen Felix Landerer und Tanztheaterfestivalchefin Christiane Winter ist hier ein international angesehenes Podium für modernen Tanz entstanden. Es gibt überhaupt viele „Artists in Residence“, die in den Studios mit angeschlossenen Gästewohnungen für einige Monate im IZ leben und arbeiten und ihre Werke hier präsentieren oder uraufführen. Daher schwirren im Inneren des IZ auch die Sprachen durcheinander, das es eine Freude ist. Die Hauptsprache ist hier zumeist Englisch, dann klappt’s am besten mit Nachbarin und Nachbar.

Für uns heißt es jetzt erstmal „be idle“ am IZ-Strand, kleinen Feierabenddrink und Sonnenbrand. Und dann unseren wöchentlichen Freiwilligendienst in der veganen VoKü. Um von Küchenchefin B.B. mal wieder ein paar sensationelle Geheimnisse für die eigenen Kochtöpfe zu lernen. Und für ein sehr leckeres Abendessen. Und dann noch auf die Vernissage von Studio Level 2. Und dann mal sehen, auf welchem Level wir noch landen!

Soweit unsere Pläne, als wir die kleine baumflankierte Allee erreichen, die ins Innere des Ihme-Zentrums führt und die Blätter leuchten, golden natürlich….

Claudia PahlClaudia Pahl betreibt den Klub Feinkost Lampe und
organisiert zahlreiche Kulturveranstaltungen in Hannover.