Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Dortmund

„Großbauten sollten eine Chance bekommen, weitergedacht zu werden“

Dank des Brutalismus‘-Revivals werden immer mehr Großbauten wie das Ihme-Zentrum positiver wahr genommen. Mit ihrem Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ haben die Architekturexpertinnen, Stadtplanerinnen und Forscherinnen Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku eine wundervolle und detaillierte Hommage zu den Großbauten geschaffen. Am 4. April stellen sie ihre Forschung in einem bebilderten Vortrag im Ihme-Zentrum vor. Warum die Kolosse eine bessere Behandlung verdienen und wie schon mit wenig Pflege große Erfolge erzielt werden könnten, erklären sie im Interview.

Was habt ihr genau untersucht und wie?
In der Studie „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ haben wir zehn Großbauten der 1960er-/1970er-Jahre in Nordrhein-Westfalen angeschaut, die in der Diskussion standen oder stehen. Verwaltungsbauten und Hochschulen waren ebenso dabei, wie Wohnkomplexe und Multifunktionsanlagen. Wir haben uns zunächst mit den Themen in den aktuellen öffentlichen Debatten zum Umgang mit diesen Riesen beschäftigt – das Spektrum reicht von komplettem Abbruch über den z.T. weitreichenden Umbau bis hin zum Denkmalschutz. Daneben haben wir historische Planungsunterlagen ausgewertet, und in der Gegenüberstellung der ursprünglichen Konzepte im stadträumlichen Kontext mit den heutigen Anforderungen und Situationen ergaben sich jenseits der großen Bauvolumen und Maßstabssprünge neue Perspektiven auf die vielfach überformten oder vergessenen konzeptionellen Qualitäten der Objekte. Unsere Untersuchung wurde um einen neuen Blick „auf Augenhöhe“ des Fotografen Ben Kuhlmann mit sehr schönen Bildern ergänzt.

An die Studie knüpfte im Herbst 2017 dann die dezentrale Veranstaltungsreihe „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ an, die in Kooperation mit den örtlichen Volkshochschulen durchgeführt wurde. In Aachen, Bochum, Bonn, Essen, Dortmund, Duisburg, Köln und Marl wurden die Besonderheiten des jeweiligen Bauwerks dann im Maßstab 1:1 nachvollziehbar: Die Objekte wurden im Rahmen von Abendveranstaltungen besichtigt und mit unterschiedlichen Akteuren öffentlich und aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert.

Yasemin Uktu (links) und Alexandra Apfelbaum forschen zu architektonischen Großbauten und deren Potenzial.

Wo kommt aus eurer Sicht die Skepsis in Deutschlang gegenüber Großbauten her?
Eine wichtige Erkenntnis der Studie war, dass in den meisten Fällen der bauliche Zustand der Gebäude der Hauptgrund für eine negative Wahrnehmung ist, also überfällige Instandsetzungen, Sanierungen oder einfach ein fehlender neuer Anstrich. Hinzu kommen vielfach bauliche Veränderungen oder vermeintliche Anpassungen, die sich nicht bewährt haben und inzwischen auch schon in die Jahre gekommen sind. Wenn die Bauten und Anlagen dann auch noch eine bestimmte Größe bzw. Ausdehnung aufweisen, gepaart mit einer nicht mehr zeitgemäßen Nutzung, dann sind mit den Instandhaltungs- oder Sanierungskosten sowie Nutzungsanpassungen für diese Riesen große Herausforderungen verbunden und die sogenannte Abwärtsspirale beginnt. Ein weiterer Faktor in der Negativwahrnehmung ist die städtebauliche Verzahnung der Objekte mit ihrem jeweiligen Umfeld. Hier sind es meist die Veränderungen im öffentlichen Raum sowie insbesondere die mangelnde Pflege der Freiflächen.

Ändert sich das Bewusstsein und könnten diese Riesen irgendwann so beliebt werden wie Altbauten?
Es gibt zumindest ein wachsendes Interesse an Großbauten aus der Zeit der 1960er- und 1970er-Jahre; das ist deutlich spürbar. Vielleicht trägt die Welle der Brutalismus-Begeisterung ihren Teil dazu bei, aber vermutlich werden sie nie mit Altbauten vergleichbar sein. Das ist ja sogar gut so. Es wäre wichtig, dass sie irgendwann in und mit ihrer eigenen Qualität geschätzt und verehrt werden.
Genau wie bei den Altbauten werden nicht alle der Riesen aus der Nachkriegszeit erhalten bleiben, aber neben ihrem baukulturellen Wert sind es immerhin auch gebaute Ressourcen, die eine Chance haben sollten, weitergedacht zu werden. Ob in ihrer ursprünglichen oder in einer neuen Funktion. Da lässt beispielsweise das aktuelle Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum für einige Objekte neue Perspektiven aufblitzen.
Bemerkenswert ist ja auch das ungebrochene Interesse an Großbauten, vielleicht lässt sich auch daran anknüpfen – mit der Hoffnung, alte Fehler nicht zu wiederholen.

Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellen ihre Arbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ am 4. April in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum vor. Der bebilderte Vortrag beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Weitere Kooperationspartner bei der Veranstaltung sind der Verein zur Förderung der Baukunst in Niedersachsen und h1.

Was: Bebilderter Vortrag „Mit den Riesen auf Augenhöhe“
Wann: Mittwoch, 4. April, um 19 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Eintritt frei

„Es ist völlig unklar, was Intown umsetzen wird“

Der Großkomplex Hannibal 2 in Dortmund. Foto: Mieterverein Dortmund

Der Fall des Dortmunder Hochhauses Hannibal 2 geht seit Monaten durch die Presse in ganz Deutschland: Im September wurde das Gebäude, das mit Intown dem gleichen Großeigentümer wie beim Ihme-Zentrum und Ex-Maritim Hotel in Hannover gehört, innerhalb weniger Stunden mieterfrei. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund erklärt im Interview, wie Intown in Dortmund agiert. Am 17. März ist Scholz mit weiteren Betroffenen von Intown aus anderen Städten zu Gast in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Was macht Intown in Dortmund seitdem das Unternehmen dort Immobilien besitzt?
Wir kennen Intown über die in Berlin ansässige Objektgesellschaft Lütticher 49 Properties GmbH seit dem Dezember 2011. Damals wurde das Hochhaus Hannibal 2 mit 412 Wohnungen in Dortmund-Dorstfeld im Rahmen der Zwangsversteigerung in einer Bieterschlacht zu einem Preis von 7 Millionen Euro (Verkehrswert 3,7 Mio. Euro) erworben. Das Gebäude hatte zum damaligen Zeitpunkt einen riesigen Instandsetzungsstau und einen Leerstand von knapp 120 Wohnungen. Der Name Intown existierte damals noch nicht, zumindestens nicht in der Öffentlichkeit. Verknüpfungen konnten nur über die gleiche Geschäftsanschrift in Berlin und identische Personen in der Geschäftsführung gefunden werden. So erwarb die Intown-Gruppe  2015 ein Problemhaus-Portfolio in der Dortmunder Nordstadt. Über Immobilienanzeigen im Internet kann auch eine Reihe von Büro- und Handelsimmobilien in der Dortmunder City gefunden werden, die in Teilen große Leerstände aufweisen.

Gibt es besonders krasse Fälle?
Ja, die bereits erwähnte Wohnanlage Hannibal 2. Und diese war bereits vor der Räumung durch die Stadt Dortmund wegen unabweisbarer Brandschutzmängel im September 2017 ein krasser Fall. Instandhaltungsstau und Wohnungsmängel haben den Mietern das Leben schwer gemacht. Beispielhaft waren die immer wiederkehrenden Aufzugsausfälle. 2015 hat ein Mieter nach wiederholten Ausfällen erfolgreich auf die Instandsetzung des Aufzuges geklagt. Der Aufzug wurde erneuert. Die Aufzüge in den sieben anderen Häusern hätten es auch dringend nötig, wurden jedoch bisher nicht erneuert. Wir haben immer wieder beobachten können, wie neue Mieter erst begeistert von den Maisonette-Wohnungen und der Aussicht waren. Dann aber mit Wohnungsmängeln oder hohen Betriebskostennachzahlungen in unsere Rechtsberatung gekommen sind und den Hannibal wieder verlassen haben bzw. wieder ausziehen wollten– soweit der angespannte Wohnungsmarkt das zugelassen hat. Es gibt aber auch langjährige Mieterinnen und Mieter, die viel in die Renovierung ihrer Wohnungen investiert haben und dem Hannibal seit über 20 oder sogar 30 Jahre treu geblieben sind.

Der Großkomplex Hannibal 2 in Dortmund. Foto: Mieterverein Dortmund

Und im vergangenen Jahr ist das Ganze dann eskaliert?
Die Unbewohnbarkeitserklärung wegen der Brandschutzmängel durch die Stadt Dortmund hat dann eine Steigerung dargestellt, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Das Gebäude ist jetzt seit über einem halben Jahr unbewohnbar. Die Vielzahl der Verstöße beim Brandschutz im Gebäude ist erschreckend. Im Falle eines Brandes hätten selbst die Sicherheitstreppenräume und damit der Fluchtweg verrauchen können. Die dortigen Steigleitungen für Löschwasser seien nicht funktionsfähig. Es existieren weiterhin Brandschutzmängel an den kombinierten Lüftungs- und Versorgungsschächten. Über diese, aber auch über die Aufzugsschächte und nicht genehmigte, vertikale Durchbrüche zwischen den Technikräumen könnte sich Rauch über die Etagen ausbreiten. Wie Intown daher zu der Bewertung kommen konnte, im Bereich Brandschutz gäbe es keinen Handlungsbedarf, erschließt sich uns nicht. Mehr Infos gibt der Artikel „Schacht matt im Hannibal“ in den Ruhrnachrichten und das aktuelle Heft unserer Mieterzeitung.

Was ist Intown für Sie? Ein Investor oder ein Spekulant?
Die Investoren im Hintergrund scheinen Immobilien mit vielen Herausforderungen nicht abzuschrecken. Ganz im Gegenteil, wenn man sich das Portfolio und Ankäufe aus den vergangenen Jahren deutschlandweit ansieht. Dies scheint ja das Geschäftsmodell zu sein: Ob opportunistischer Investor oder Spekulant besser passt, ist zweitrangig. Es sind zwei Seiten einer Medaille. Intown hat vergangene Woche angekündigt, im Sommer 2018 eine Baugenehmigung für eine Sanierung des Gebäudes einzureichen und die Sanierung bereits Ende 2019 / Angang 2020 abzuschließen. Noch ist völlig unklar, welche Maßnahmen Intown am Gebäude umsetzen will. Wir informieren hier laufend zu den aktuellen Entwicklungen.

Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund wird mit weiteren Intown-Betroffenen am 17. März in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum von seinen Erfahrungen berichten. Zur Einführung wird Professor Andrej Holm, Experte für Stadtentwicklung, über aktuelle Herausforderungen berichten. Los geht es um 14 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Weitere Kooperationspartner bei der Veranstaltung sind die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen und h1.

Ist der Ihme-Zentrum-Großeigentümer Intown ein Investor oder ein Spekulant?

Seit rund drei Jahren besitzt das Immobilienunternehmen Intown mehr als 80 Prozent des Ihme-Zentrums. Wird die Firma das Quartier umbauen und eine positive Wende in der bewegten Geschichte von Das Ihme-Zentrum bringen? Oder ist Intown ein Spekulant, der die Bewohner und die Mieter im Stich lassen wird?

Wir haben Betroffene und Mieter von Intown aus Städten wie Dortmund oder Schwerin eingeladen, damit sie von ihren Erfahrungen mit dem Unternehmen berichten.

Für den Überblick wird Andrej Holm einen Einführungsvortrag über Stadtentwicklung und Immobilienspekulation halten. Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion.

Intown – Investor oder Spekulant?
Samstag, 17. März, 14 Uhr
Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Die Sitzplätze sind limitiert. Daher bitte per E-Mail an mail(at)ihmezentrum(.)org anmelden
Die Veranstaltung wird gefilmt, das Video später kostenlos online gestellt

Diese Veranstaltung findet im Rahmen von #ihmezentrum2025 statt. Bei der Event-Reihe geht es um eine positive und konstruktive Zukunft des Quartiers. Sie wird durch den Innovationsfonds des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover gefördert. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen ist eine weitere Kooperationspartnerin.

 

Der Oktober im Ihme-Zentrum

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Schöne Musik und intensive Kunstgespräche auf der einen Seite und Schweigen und beunruhigende Geschichten über den Großeigentümer Intown auf der anderen – der Oktober zeigt einmal mehr, wie kontrastreich das Leben im Ihme-Zentrum sein kann. Ein kleiner Zwischenstand aus dem ereignissreichen Herbst 2017.

Wohlige Klänge erfüllen die leere Betonwüste – es wird Jazz gespielt im Ihme-Zentrum. Was für ein Kontrast: Während der Regen und die letzten Blätter von den Bäumen pflückt und der Wind um die Ecken heult, spielen die Musiker mitreißende Rhythmen und Melodien und hauchen dem schlafenden Riesen wieder ein bisschen mehr Leben ein. Im Rahmen der Jazz Woche Hannover waren das Arne Jansen Trio und Bert in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum gekommen, um das Nachbarschaftszentrum in einen Konzertsaal zu verwandeln. Sie sorgten für volles Haus und eine gute Stimmung, die noch weithin zu spüren und hören war.

WDR: Dortmunder Hochhaus-Eigentümer: eine Spurensuche

Ruhrnachrichten: Die Geschichte der Vertreibung von 753 Menschen

Für die Bewohnerschaft im Ihme-Zentrum sind solche positiven Klänge derzeit eine willkomene Abwechslung. Schließlich reißen die Negativmeldungen über den Großeigentümer Intown nicht ab. Zwei große Wohnhäuser im Besitz des Unternehmens wurden im Sommer geräumt. In Dortmundeskaliert der Streit zwischen Intown und der Stadtverwaltung, und auch in Hannover macht sich die Firma rar. Und weder die Vertreter im Beirat des Ihme-Zentrums, die Quartiersverwaltung, noch die Stadtpolitik von Hannover äußern sich öffentlich zur aktuellen Situation. Für viele Menschen im Ihme-Zentrum heißt das: Warten und Hoffen.

Heiß diskutiert wurde hingegen am Sonntag bei Ruine 2.2 in der Zukunftswerkstatt, bei dem der Intellektuelle Hans-Christian Dany über aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft und Popkultur referierte. Mehr zu der Reihe von Künstler Sebastian Stein im soziokulturellen Nachbarschaftstreff im Ihme-Zentrum gibt es hier.

September 2017 – Erneut Gebäude von Intown geräumt

 

Der Hannibal-Komplex in Dortmund. Foto: Ralf Hüls

Nach der Räumung eines Hochhauses in Wuppertal und großen Problemen in Schwerin ist Intown (Großeigentümer im Ihme-Zentrum) erneut in den Schlagzeilen: In Dortmund musste am Donnerstag ein Gebäude mit rund 800 Menschen innerhalb kürzester Zeit geräumt werden. Wie mehrere Medien berichteten, habe die Stadt Dortmund die Räumung der mehr als 400 Wohnungen angeordnet, weil „Gefahr für Leib und Leben“ bestehe. Konkret gebe es ein erhebliches Risiko wegen des mangelhaften Brandschutzes. Der zuständige Dortmunder Baudezernent Ludger Wilde sprach in einer Pressekonferenz von drei wesentlichen Gründen für die Räumung: Die Tiefgarage habe keinen Brandschutz. Viele Leerschächte seien nicht brandsicher, und es gebe in dem Haus keinen Rettungsweg. Die Bewohnenden seien für die erste Nacht in Notunterkünften oder privat untergekommen. „Wie lange das Gebäude evakuiert bleiben muss, kann derzeit nicht sicher beantwortet werden“, so Wilde laut Rheinischer Post.

Großeigentümer Intown sieht keinen Grund für die Räumung und hält die „Maßnahme der Räumung des Wohnkomplexes für nicht rechtens, für unangemessen und ermessensfehlerhaft“, so Sascha Hettrich, Geschäftsführer von Intown, gegenüber den  Medien. Der Mieterverein Dortmund sieht die Evakuierung dagegen als notwendig, auch weil die Mängel seit Jahren bekannt seien. So habe es immer wieder Beschwerden und Mitteilungen über den Zustand des Gebäudes gegeben, das Intown vor rund sieben Jahren gekauft hat. „Seitdem die Berliner Firma Intown Properties die Immobilie gekauft hat, sind bekannte Probleme nicht ausreichend behoben worden“, so Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mitervereins, gegenüber dem Nachrichtenportal Dortmund24. Laut Medienberichten will Baudezernent Ludger Wilde Intown die anfallenden Kosten für die Evakuierung und die Unterbringung der betroffenen Bewohnenden in Rechnung stellen. Bei dem Räumungseinsatz seien Hunderte Einsatzkräfte im Einsatz gewesen.

Intown besitzt rund 83 Prozent des Ihme-Zentrums sowie weitere Immobilien in Hannover, u.a. das ehemalige Maritim Hotel gegenüber dem Neuen Rathaus. Laut dem Eigentümer soll das Ihme-Zentrum bis 2022 fertig umgebaut werden. Die Stadt verhandelt derzeit über den Verbleib von mehreren hundert Mitarbeitern in dem Bürobereich. Ein Teil der Bewohnerschaft hat vor mehreren Monaten beim Amtsgericht Hannover eine Klage gegen Intown eingereicht. Hier gibt es eine Umfrage zum Thema Ihme-Zentrum und Intown.

Weitere Berichte zur Räumung des Gebäudes in Dortmund:

Bericht auf bild.de

Bericht auf faz.de

Bericht auf Süddeutsche.de

Bericht auf Spiegel Online

Text: Projektteam „Das Ihme-Zentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“

August 2017 – Der Sommer im Ihme-Zentrum

Das Hochwasser Ende Juli 2017 hat aus der Ihme einen richtigen Strom gemacht. Foto: Hans Dieter Keyl.

Trotz eines durchwachsenen Sommers gibt es viele gute Entwicklungen im Ihme-Zentrum: Das Quartier und seine Herausforderungen werden außerhalb Hannovers immer bekannter. Das neue Nachbarschaftszentrum entwickelt sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und viele Bewohner verbessern aktiv mit Grünpflege und Nachbarschaftshilfen die Lebensqualität vor Ort.

Der Juli im Ihme-Zentrum war durchwachsen. Ein heftiger Regen nagte für mehrere Tage an der Fassade und den Dächern und offenbarte manche schwache Stelle. Die Ihme trat über die Ufer und schwemmte ganze Baumstämme vorbei. Kein Wetter, bei dem man gerne nach draußen geht. Doch mit dem August ändert sich so langsam die Großwetterlage im Quartier. Nach dem letzten reinigenden Gewitter wird es jetzt wieder wärmer und die Pflanzen blühen, und das Spazierengehen macht wieder Freude.

 

Manch einer nutze das Hochwasser am Ihme-Zentrum zum Surfen. Foto: Hans Dieter Keyl

Indes hat das schlechte Wetter die Menschen nicht davon abgehalten, dem Ihme-Zentrum einen Besuch abzustatten. Zu mehreren Rundgängen kamen rund 200 Menschen, um sich das Quartier und das im Juni eröffnete und von der Kulturverwaltung der Stadt Hannover geförderte soziokulturelle Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E anzuschauen. Mit den Spenden rückt die vollständige Finanzierung der barrierefreien Toilette in den Räumen immer näher. Seit Anfang August ist außerdem mit dem Künstler Sebastian Stein der zweite Dauermieter neben dem Orchester im Treppenhaus eingezogen. Das BewohnerCafé, ein Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner jeden Dienstag, entwickelt sich zu einem lebendigen Stammtisch.

Doch nach dem Regen folgte Anfang August die Sonne.

Gleichzeitig waren das Quartier und seine Herausforderungen Thema mehrerer überregionaler Workshops und Vorträge. Mit großem Interesse verfolgten im Juni Vertreterinnen und Vertreter des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung im Rahmen des „Stadt von Übermorgen“ Treffens, wie der Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum aus der vermeintlichen Ruine einen positiven Möglichkeitsort geschaffen und sich somit das Image gewandelt hat. Die Expertinnen und Experten bewerteten demokratische Teilhabe und kreative Problemlösungen als wichtig für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums, wie auch für alle Kommunen. Dies entspräche auch der UN mit seinem Plan für „Nachhaltige Städte und Kommunen“.

Die Bewohnerschaft kümmert sich vor Ort intensiv um die Beflanzung im öffentlichen Bereich.

Anfang Juli präsentierten Studierende der Universität Hannover ihre Forschungsarbeiten, die sie im Sommersemester mit der Architektin Karin Kellner und dem Stadforscher Herbert Schubert entwickelt haben. Dabei waren viele gute Arbeiten, die sich mit einer angenehmeren Gestaltung vor Ort beschäftigen. Viele der von den Studierenden entwickelten technischen Lösungen sind gar nicht teuer und relativ schnell umzusetzen. Die Wissenschaftlerin Silke Hüper zeigte außerdem ihre Untersuchungen, wie die Zeitungen den Ruf des Quartiers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mit geprägt haben. In ein paar Monaten wird sie das Ganze noch einmal in der Zukunftswerkstatt vorstellen.

Das Quartier entwickelt sich in Hannover, aber auch außerhalb immer mehr zu einem Thema, über das man spricht.

Im späten Juli wurde das Ihme-Zentrum im Münsteraner Freihaus bei „100 Stunden Brutalismus“ als mögliches Leuchtturmprojekt besprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Kreativwirtschaft zu dem interdisziplinären Event im Rahmen der Ruhrmoderne und der Skulptur Projekte. Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellten ihre Forschungsarbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ über große Brutalismuskomplexen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigten, dass diese oftmals wunderbare Orte zum Wohnen sind und für ihre Bewohnerinnen und Bewohnern geliebte Heimat – wie im Ihme-Zentrum auch. Jan Kampshoff erklärte, wieso frühere urbane Utopien durch Immobilienspekulation scheitern und die erfolgreichen immer auch die Menschen vor Ort integrierten. Am 13. August wird außerdem die Ihme-Zentrums-Dokumentation „Traum Ruine Zukunft“ im Apollokino in Hannover-Lindem gezeigt und am 30. August beim „Architektur.Film.Sommer 2017“ im Museumsquartier in Wien.

Juli 2017 – Das Ihme-Zentrum als Teil der Skulptur Projekte Münster

Der Baustil des Ihme-Zentrums, der Brutalismus, erlebt derzeit ein Revival. Immer mehr Architekten, Stadtentwickler, Kreativschaffende und Künstler entdecken das Erbe dieser vergessenen Moderne aus den 60er- und 70er-Jahren und fordern ein Umdenken im Umgang damit. Anstatt die Brutalismus-Gebäude abzureißen, sollten sie wie das Barbican Centre in London wieder belebt werden. Dass auch das Ihme-Zentrum ein riesiges Potenzial bietet, zeigt nicht zuletzt der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Am Samstag, 29. Juli 2017, darf Constantin Alexander, Mitgründer der Zukunftswerkstatt und Initiator des Transformationsprojektes im Ihme-Zentrum, bei einem Symposiums im Rahmen der Skulptur Projekte Münster erklären, warum und wie das Ihme-Zentrum ein neues Wahrzeichen für Hannover werden soll. Die Veranstaltung „Brutiful Life“ im Freihaus MS ist hochkarätig besetzt: Mit auf dem Podium sitzen Inke Arns (HMKV, Dortmund), Theo Deutinger (T. D. Architects, Amsterdam & Salzburg), Georg Elben (Skulpturenmuseum Glaskasten Marl) und Oliver Elser (D. A. M. Frankfurt).

Kooperationspartner ist StadtBauKultur NRW.