Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: café

Mit Humor gegen Hass – das Arabische ArtCafé im Ihme-Zentrum

„Wenn man das Gefühl hat, etwas nicht zu kennen, bekommt man durch diese Unbekanntheit vielleicht Angst. Kann man damit nicht umgehen, wird daraus Hass. Humor und positives Engagement sind gute Mittel dagegen. Es gehe darum, mit Hass gegen Humor und Zynismus vorzugehen.“

So fasst die Hannoversche Allgemeine Zeitung die erste Veranstaltung des Arabischen ArtCafés Anfang Februar zusammen.

Hier findet ihr den ganzen Artikel zu der tollen Veranstaltung.

„Das Ihme-Zentrum ist einer der verheißungsvollsten Orte“

Volles Haus, ausgelassene, freudige Stimmung und ein tolles deutsch-arabisches Kulturprogramm: Am 2. Februar startete das Arabische ArtCafé in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Im Interview erklärt Janika Millan vom Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover, warum die Stadt das Ganze unterstützt und wieso das Ihme-Zentrum genau der richtige Ort dafür ist.

Warum unterstützt das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover das Arabische Artcafé?
Anfang 2016 haben wir im Kulturbüro die Initiative Welcome Artists gestartet. Damit wollten wir neu in Hannover angekommene, evlt. geflüchtete Kulturschaffende willkommen heißen und dabei unterstützen, ihre Arbeit hier in Hannover fortzusetzen. Zum Beispiel durch Netzwerke, Beratung, organisatorische und auch finanzielle Unterstützung für eigene künstlerische Projekte oder durch Kooperationsprojekte. Mit der Initiative möchten wir den einzelnen Künstlerinnen und Künstlern beim Neustart in einer noch fremden Stadt helfen und dadurch gleichzeitig auch, gewissermaßen ganz eigennützig, Hannovers Kulturszene international bereichern und kulturell vielfältiger machen. Wir haben die Initiative dann nach und nach ausgeweitet und richten uns mittlerweile an internationale Kulturschaffende allgemein.

Zum Start der Initiative Welcome Artists gab es zwei Auftaktveranstaltungen im Kulturzentrum Pavillon und dort haben wir u.a. den syrischen Filmemacher Meedo Salem kennen gelernt. Er hatte die Idee für ein Arabisches Artcafé mit jungen syrischen KünstlerInnen, wie den Videobloggern GermanLifeStyle, in gemütlicher Atmosphäre mit arabischen Süßigkeiten und Tee. Diese Idee fanden wir großartig und haben das zusammen weiterentwickelt und organisatorisch unterstützt. Mit dem Oud-Spieler Mohamad Almansour, dem Gründer des Syrian Heritage Ensembles und der Kunstausstellung von Ahmad Salma und Ola Kabani haben wir nun ein tolles Programm für den Abend mit Beiträgen aus verschiedenen Sparten auf die Beine gestellt. Und Meedos Frau, Halla Sari, hat den Flyer gestaltet.

Auf Grund des Krieges gibt es eine syrische Kulturszene bald nur noch im Exil. Deshalb ist Meedos Gedanke, einen Ort für Zusammenarbeit und Austausch zu schaffen, so wichtig. Auch deshalb hat das Kulturbüro diese Veranstaltung unterstützt.

Volles Haus bei der ersten Ausgabe des arabischen Artcafés.

Warum ist es toll, dass es im Ihme-Zentrum stattfindet?
Das Ihme-Zentrum ist zur Zeit einer der verheißungsvollsten Orte in Hannover. Viel ungenutzter Platz mitten in der Stadt direkt am Fluss. Hier könnte auch kulturell in Zukunft noch viel mehr geschehen. Zum Beispiel gibt es in Hannover schon lange den Wunsch nach einem Haus für internationale Kultur, einem „Haus der Kulturen“. Mit den Räumen der Zukunftswerkstatt gibt es jetzt einen ersten Veranstaltungsort im Ihme-Zentrum, eine Keimzelle für Kreativität sozusagen. Deshalb ist das Arabische Artcafé dort genau an der richtigen Stelle!

Janika Millan arbeitet im Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover
im Sachgebiet Internationale Kultur. Sie betreut gemeinsam mit ihrer
Kollegen Hülya Häseler das Arabische Artcafé.

Dieses Interview wurde im Rahmen der Netzwerk-Recherche-Projektförderung Grow geführt. In dem Projekt wird erforscht, wie hyperlokaler, konstruktiver und nachhaltig verwalteter Journalismus funktionieren kann. Die Ergebnisse werden auf der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz am 29./30. Juni 2018 beim NDR in Hamburg und bei der Veranstaltungsreihe #ihmezentrum2025 im Frühjahr 2018 vorgestellt.

„Das Ihme-Zentrum könnte für einen Neuanfang stehen“

Mit dem Arabischen ArtCafé erfüllt sich der syrische Filmemacher Meedo Salem einen kleinen Traum: Am dem 2. Februar startet er mit dem Event für die Hochkulturdiaspora ein Forum für Kulturschaffende und -liebhaber mit und ohne Migrationshintergrund. Im Interview erklärt er, wieso das Ihme-Zentrum dabei für ihn der ideale Ort ist.

Am 2. Februar organisierst du zum ersten Mal gemeinsam mit dem Kulturbüro Hannover das Arabische ArtCafé. Was genau ist das? Und was können Besucher erwarten?
Ich lebe nun seit 2015 in Deutschland und fühle mich sehr wohl hier. Da möchte ich etwas zurück geben. Mir ist aufgefallen, dass es in Hannover keinen Ort gibt, wo sich die Hochkultur-Diaspora aus der arabischen Welt treffen kann: Um sich auszutauschen und gemeinsam mit allen Menschen (ob mit oder ohne Migrationshintergrund) Kultur zu genießen.
Es wird eine lockere Reihe, zu der wir immer mal wieder Künstler einladen. So auch am 2. Februar: Mohamad Alansour vom Syrian Heritage Ensemble wird uns musikalisch auf der Oud begleiten. Der Künstler Ahmad Salma stellt seine Werke aus und die Videoblogger „GermanLifeStyle“ Abdul Abbasi und Allaa Faham zeigen uns in ihrer kulturellen Satire, wie skurril und lustig mitunter der Austausch zwischen arabischen Migranten und Deutschen sein kann.

Du gehst mit deiner Reihe gezielt ins Ihme-Zentrum. Warum?
Das Ihme-Zentrum begeistert mich, seitdem ich in Hannover bin. Jeder Mensch, der mir die Stadt zeigt, hat mir seine tragische und bewegte Geschichte erzählt. Irgendwann war diese Geschichte in meinem Herzen. Nun erzähle ich sie anderen syrischen Geflüchteten. Es ist wie eine Märchenburg. Ich hatte in den vergangenen Jahren sehr viel Glück. Ich möchte daher mit unserem Café einen kleinen Beitrag zur positiven Wiederbelebung des Quartiers leisten.

Hast du eine positive Vision für die Zukunft des Ihme-Zentrums?
Ja, wir alle schaffen einen Neustart für diese Märchenburg. Vielleicht etablieren wir dort sogar einen festen Treffpunkt für Künstler aus aller Welt. Das wäre mein Traum – mit Filmen, Musik, Literatur und Essen und Trinken.

Der Eintritt ist frei. Da die Plätze begrenzt sind ist eine Teilnahme nur per Voranmeldung unter internationale-kulturarbeit(At)hannover-stadt.de möglich.

Hier gibt es eine Facebook-Veranstaltungsseite zum Event.

Meedo Salem ist Filmemacher.

Ein mobiles Café für das Ihme-Zentrum?

Erfolgreich durch Austausch – mit einem mobilen Café wurde in der japanischen Version des Ihme-Zentrums die Lebensqualität erheblich gesteigert.
Bewohner wurden an zentralen Plätzen besucht, um eine gemeinsame Teezeit zu machen.
Bei einem Vortrag in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum präsentierte Designerin Azusa Sumioka das Projekt.
Anwesende Bewohner im Ihme-Zentrum zeigten sich sehr interessiert an der Idee.

Ein mobiles Café, mit dem man Bewohner in einem Stadtteil mit großen Herausforderungen besucht – die Idee des Teams um Azusa Sumioka war eigentlich recht simpel und sofort erfolgreich. „Besonders für Senioren war es eine schöne Gelegenheit, mal wieder miteinander ins Gespräch zu kommen“, erklärte Sumioka am 10. Januar bei ihrem Vortrag in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. „Die Bewohner haben viele alte Geschichten über das Quartier erzählt.“ Zum Beispiel habe es vor Jahren einen ganz belebten Platz in der Mitte des Quartiers gegeben – wie ein Marktplatz, so die Designerin, die derzeit an der Hochschule Hannover weilt. Inzwischen gebe es viele weitere Projekte in dem Stadtteil, die die Lebensqualität erhöhten und das lange vernachlässigte Viertel wieder belebten.

Für viele der rund 50 Anwesenden schien so ein Platz und die Herausforderungen von Motomachi wie eine japanische Kopie des Ihme-Zentrums zu sein. Azusa Sumioka musste nach ihrem Vortrag noch zahlreiche Fragen beantworten. Viele anwesende Bewohner waren sofort begeistert von der Idee, mit einem mobilen Café durch das Ihme-Zentrum zu ziehen und bei einem Tee oder Kaffee mit anderen Bewohnern ins Gespräch zu kommen. So auch Manfred Hinz, Bewohner im Ihme-Zentrum, der sich sehr über den Vortrag freute. „Ein paar Ideen kann man vielleicht doch mitnehmen und umsetzen.“ Auch wenn die Voraussetzungen im Ihme-Zentrum in mancher Hinsicht anders seien als in Motomachi: Die öffentlichen Flächen des japanischen Quartiers befänden sich in kommunaler Hand.

Jürgen Lübbert, Architekt und Organisator des Vortrags schloss mit einem konstruktiven Ende: „Durch kreative Massnahmen kann man vor Ort das Interesse wecken und Dinge in Gang bringen.“

Foto: Manfred Hinz

Mehr Infos zur Veranstaltung hier.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt. In dieser Event-Reihe beschäftien sich Bewohner, Experten, Forscher und weitere Interessierte mit Ideen und Konzepten für Entwicklungsansätze im Ihme-Zentrum. Der nächste Termin ist am 14. Januar, 15 Uhr: „Europas größte Baustelle – die Anfangsphase des Ihme-Zentrums“. #ihmezentrum2025 wird u.a. unterstützt durch den Innovationsfonds der Landeshauptstadt Hannover.

BewohnerCafé im Ihme-Zentrum gestartet

So war das erste BewohnerCafé im Ihme-Zentrum.

Klönen, Spaß haben, neue Leute kennen lernen – ab sofort gibt es einen wöchenentlichen Treffpunkt für Bewohnerinnen und Bewohner im Ihme-Zentrum im soziokulturellen Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E.

Ab Juli findet jeden Dienstag von 15.30 bis 17.30 Uhr das BewohnerCafé im Ihme-Zentrum statt. Für Getränke und Kuchen ist gesorgt.

Was: Bewohnercafé im Ihme-Zentrum
Wann: Dienstags 15.30 bis 17.30 Uhr
Treffpunkt: Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7 E
Ansprechpartner: Die Arbeitsgruppe Bewohner des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum
Kontakt: bewohner(at)ihmezentrum.org

September 2016 – Ein Picknick im Ihme-Zentrum

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung vorbeigebracht.

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung zum Picknick vorbeigebracht.


Am Sonnabend, 24. September, lädt die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum mit FreundInnen und Kooperationspartnern zum ersten Picknick für BewohnerInnen, FreundInnen und Kulturschaffende. Wir möchten mit Euch ab 15 Uhr zusammenkommen, um gemeinsam zu essen, trinken, klönen. Dafür stellen wir im zweiten Obergeschoss am Ihmeplatz Tische und Bänke auf und rufen zu einem interaktiven Kaffeekränzchen.

Der Ort ist gut über einen der beiden Aufzüge zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm oder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz zu erreichen. Jeder kann dabei einfach dazukommen und muss nichts weiter machen, als ein wenig Proviant mitzubringen.

Wie beim Bürgerbrunch lernt man sich bei Gesprächen besser kennen, kommt unverbindlich miteinander ins Gespräch und kann sich gegenseitig zu Kuchen, Salat & Fruchtcocktails einladen – was man auch immer mitbringen möchte. Natürlich kann man seinen Tisch auch festlich dekorieren! Oder minimalistisch gestalten.

Dazu stellt die Kultur AG der Zukunftswerkstatt Plakate auf, auf denen BewohnerInnen und Künstler festhalten können, welche Spielarten der Kultur dem Ihme-Zentrum grundsätzlich fehlen. Lesungen? Aktionen? Oder doch Ausstellungen samt Bildern aus dem Ihme-Zentrum selbst? Wir wollen mit Euch gemeinsam essen und ein wenig auf kulturelle Ideensammlung gehen.

Bringt Freunde mit! Bringt gutes Wetter mit(wir sind aber zur Not überdacht)! Und seid herzlich Willkommen!

September 2016 – Aktuelles von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Ab sofort gibt es einen Newsletter der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Darin wird regelmäßig über Neuigkeiten aus dem Quartier berichtet, was der Verein so treibt und welche Aktivitäten andere Akteuere im Zentrum so machen. Bei Interesse: Einfach eine E-Mail an mail(at)ihmezentrum(punkt)org schicken.

Wer sich auch so für den Verein interessiert: Am 24. September lädt das Team zum ersten kulturellen Picknick ins Ihme-Zentrum. Egal ob Bewohner, Interessierte oder Kulturschaffende – jeder ist herzlich eingeladen, dazuzukommen. Das Ganze ist organisiert wie eine Art Bürger-Brunch: An mehreren Tischen können sich die Besucher austauschen, nur das eigene Geschirr und auch etwas Proviant für die lange Tafel ist mitzubringen.

So können alle in offener Atmosphäre zusammenkommen und sich austauschen. Der Verein will dabei auch von wissen, welche Spielarten der Kultur im Ihme-Zentrum überhaupt erwünscht und gefordert sind: Lesungen? Ausstellungen und Performances? Oder sogar Konzerte?

Los geht es am 24. September ab 15 Uhr im 2. OG des Ihmeplatzes. Der Ort ist entweder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz erreichbar oder per Aufzug zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm in die 2. Etage. Hier das Event bei Facebook.

Juni 2015 – „Ein Hotspot in Hannover“

Hannovers Marktkirche vom Dach des Ihme-Zentrums

Hannovers Marktkirche fest im Blick.

Immo Dirks genießt das Wohnen im Ihme-Zentrum. Und er hat viele tolle Ideen, wie aus der Baustelle ein neuer Hotspot in Hannover werden kann. Im Interview erklärt er, warum er sich entschieden hat, im Ihme-Zentrum zu leben und was die Zukunft bringen könnte.

Immo, du wohnst selbst im Ihme-Zentrum. Wie würdest du das Leben im umstrittensten Gebäude der Stadt beschreiben?
Ich habe das Glück gehabt, hier einmal eine Wohnung besichtigen zu können. Den Besichtigungstermin hatte ich zur Abrundung meiner damaligen Wohnungssuche vereinbart, und es war eigentlich mehr als Katastrophentourismus gedacht. Aber der Ausblick über die Ihme und der Schnitt der Wohnung haben mir sofort gefallen. Ich erzähle Freunden und Bekannten gerne von den Ruderern auf dem Fluss, der direkten Anbindung an Wander- und Fahrradwege, dem Lindener Nachtleben und der City-Nähe, aber auch von dem Stress, wenn in lauen Nächten auf dem Gegenufer wieder Party ist. Wenn ich Besuch erhalte, ist die erste Reaktion meist, wie hässlich der Gebäudekomplex in der Form und in der Außenfassade ist. Ich selber habe da eine andere, liebevollere Wahrnehmung, würde aber auch nicht von eleganter Grazie sprechen.

Wasser

Die Ihme vom Parkdeck aus gesehen.

Wie würdest du denn die Stimmung in den Häusern beschreiben?
Der Umgang untereinander ist in den mir bekannten Häusern mit wenigen Ausnahmen ausgesprochen freundlich und angenehm. Allerdings fehlt mir ein Bewohner-Café, um mit meinen Nachbarn in einen zwanglosen Austausch über die kurze Fahrstuhl-Freundlichkeit hinaus kommen zu können. Auch würde ich mir wünschen, dass der neue Investor ein paar seiner Wohnungen für betreutes Wohnen reserviert, als Basis für einen entsprechenden Pflegedienst, der dann das gesamte Ihme-Zentrum in seinen Wirkungsbereich einbeziehen kann. Ich möchte hier alt werden und auch bei Pflegebedürftigkeit wohnen bleiben können.

Hoch

Hochhaus und Himmel ergänzen sich.

Du hast konkrete Vorstellungen, wie das Zentrum entwickelt werden könnte. Welche Themen sind dir dabei wichtig ?
Offensichtlich ist der gewerbliche Teil des Ihme-Zentrums kein Selbstgänger. Entweder man „entbrutalisiert“ den Gebäudekomplex durch massive bauliche Eingriffe wie z.B. in dem bekannt gewordenen Architektenplan von 2005, der zu Gunsten eines eleganten, geschlossenen sechsstöckigen Baukörper über beinahe die gesamte Zentrumslänge den Abriss des enercity-Hochhauses und vom Ihmeplatz 1 vorsieht. Oder aber man wertet die Außenbereiche auf und entwickelt darüber hinaus Leuchtturmthemen, die das kaputte alte Image überstrahlen können. Die Leuchtturmthemen bringen Menschen in Kontakt mit dem Ihme-Zentrum, und Kontakt schafft Sympathie.

Baustelle

Strenge Formen sind typisch für diesen Baustil.

Meinst du denn, dass das Ihme-Zentrum wieder ein Einkaufszentrum werden muss, um zu funktionieren?
Ich persönlich habe keine Präferenzen, was das Verhältnis von Handelsflächen, Büros, Gastronomie und Wohnungen angeht. Ich weiß aber, dass ein Veranstaltungszentrum im Wohnumfeld von so vielen Menschen nicht machbar ist und dass eine einfache Zweitausgabe der Ernst-August-Galerie nicht funktionieren wird. Als Voraussetzung einer erfolgreichen gewerblichen Nutzung stelle ich mir eine Reihe von Maßnahmen vor, die die Wahrnehmung des Zentrums drastisch ändern könnten. Dazu gehören insbesondere: Das Dach des enercity-Turms wird eine Aussichtsplattform. Das oberste Stockwerk des enercity-Turms wird ein Restaurant. Die Wahrnehmung des Ihme-Zentrums wird mit bestimmten Sonderthemen verknüpft, wie Fahrrad-Café, Foodkarts, offene Künstler-Werkstätten. Der Fluss wird Teil des mit dem Gebäude verbundenen Erlebnisraums, indem u.a. das Ufer auf die erste Parkgaragenebene abgesenkt wird. Der alte Kasten könnte so durchaus noch ein Hotspot in Hannover werden.

Sonne

Eine Stadt am Wasser – das Ihme-Zentrum.

Hast du Hoffnung, dass es irgendwann besser wird im Zentrum?
Diese Hoffnung habe ich, weil das Ihme-Zentrum eine fantastische Lage hat, noch nicht heraus gemeißeltes Potenzial besitzt und zu zentral in der Stadt liegt, als dass die Baustelle ewig ignoriert werden könnte. Allerdings wird es nicht ohne energische (soll heißen: nicht ganz billige) Maßnahmen und wahrscheinlich nicht ganz ohne Beteiligung der Stadt gehen.

Immo Dirks ist Bewohner des Ihme-Zentrums. Seine Ideen zur Umwandlung
des Ihme-Zentrums zum Hotspot hat er unter Vom Schandfleck zum Hotspot einmal aufgeschrieben.

Mai 2015 – Das Ihme-Zentrum wird zur Theaterbühne

Das Ihme-Zentrum wird zur Theaterbühne

Am 30. Mai zeigt das Ensemble des Theaters an der Glocksee ein besonderes Stück: Die Balkone des Ihme-Zentrums, der gesamte Uferbereich und der Park werden zum Set. Los geht es um 16 Uhr. Ich habe mit Lena vom Theater gesprochen, was sie genau vor hat und warum das Ihme-Zentrum aus Sicht der Künstlerinnen so wichtig ist.

Was habt ihr als Theater genau vor?
Wir probieren von Mai bis Juli ein neues Format mit dem Übertitel WILDWECHSEL. Wir wollen neue andere Theaterformen ausprobieren und den öffentlichen Raum zurückerobern. Dafür habe ich mir Unterstützung von zwei Kolleginnen aus Hamburg und Berlin geholt. Als „Das wundersame Akitonsbündnis der Tante Trottoir“ haben wir uns vorgenommen, jeden Samstag im Mai eine Aktion in Hannover zu starten, mal politisch, mal poetisch motiviert. Für den 30. Mai haben wir uns das Ihme-Zentrum als Objekt vorgenommen, das wir von 16 bis 18 Uhr bespielen wollen. Unser Überthema ist (bisher) „Titanic – der Film“. Wobei die Ihme zum weiten Meer und das Ihme-Zentrum zum Schiff wird. Es wird kein durchinszeniertes Stück, sondern eine Performance, die wir vom anderen Ihme-Ufer unterhalb der Glocksee als „Regie-Tanten“ anleiten werden. Vielleicht kann man sich das als Live-Filmdreh vorstellen, an dem auch die Regisseurinnen verzweifeln, weil natürlich nicht alles so läuft, wie man will. Wir sind selber Teil der Performance. Es wird sowohl eingeweihte Bewohner geben, als auch zufällige Situationen am anderen Ufer, die wir für uns umwandeln wollen. Es wird eine Blaskapelle geben und Gesang vom Balkon.

Wasser und Brutalismus 1

Was können die Bewohner machen, um euch zu unterstützen?
Wer einen Balkon hat, der von der Glocksee-Seite gut zu sehen ist, kann sich bei uns melden unter info(at)theater-an-der-glocksee.de oder (05 11) 1 61 39 36. Von dort aus kann man in das Geschehen mit eingebunden werden. Zum Beispiel mit einem Banner, der vom Balkon hängt oder einer Fahne, die geschwenkt wird – wenn man möchte. Man kann aber auch nur den Ort zur Verfügung stellen, z.B für eine Sängerin. Die Bewohner können auch anonym bleiben. Außerdem kann man am Samstag von 16 bis 18 Uhr aus dem Fenster schauen, winken und als Passagier der Titanic agieren, Seifenblasen pusten, mit Taschentüchern winken oder ähnliches. Hierbei verbieten sich rassistische, sexistische, sich selbst und sich selbst und andere gefährdende Aktionen von selbst. Anweisungen gibt es auch per Zuruf von den „Regie-Tanten“ am anderen Ufer.

Warum ist das Ihme-Zentrum für euch ein geeigneter Rahmen für eine Theater-Performance?
Es ist ein geliebt-gehasster Ort für viele Hannoveraner. Für uns ist es alltägliche Kulisse, im Zusammenhang mit dem oft dreckigen Glocksee-Areal wirkt es auch teilweise abschreckend auf Besucher, die sich Theater immer an einem anderen Ort vorstellen als an diesem. Seit ich mich mit dem Gebäude näher beschäftige, habe ich es auf eine schräge Art lieb gewonnen. So geht es uns doch mit vielen Dingen im Leben, oder? Was man liebgewinnt, das will man von nun an auch anders bewahren und spürt eine andere Verantwortung in sich. Das wir nun das Thema Titanic genommen haben, bezieht sich auch auf den Hochmut zu Zeiten des Erbauens, seine Größe, die Hoffnung, die hineingesteckt wurden als Stadt in der Stadt, die Kosten und nun der „Bausünde“-Stempel und das „Wrack“, dass es von außen, und in den unteren Ebenen auch von innen, ist. Aber wir werden am 30. Mai unser eigenes Drehbuch schreiben und – versprochen – das Ihmezentrum wird nicht untergehen. Ich denke, es würde sich wohl auch strikt weigern.

Wasser und Brutalismus 2

Welches Potenzial hat der Komplex für euch als Kulturschaffende?
Ein großes. Ehrlich gesagt wundert es mich, dass es nicht viel mehr Aktionen wie die unsrige gibt. Vielleicht habe ich sie auch nicht mitbekommen. Berliner Freunde flippen jedes Mal im positiven Sinne aus, wenn sie das Ihme-Zentrum sehen. Bühnenbildner jubilieren, Fotografen juchzen aufgrund dieser vermeintlichen Anti-Schönheit an der Ihme, in der sie vielleicht eine Wahrheit, ein Scheitern, eine Zerissenheit und eine Sturheit erkennen, die sie anrührt. Der Hannoveraner verbindet eine andere Geschichte mit dem Zentrum und vielleicht etwas weniger Selbstbewusstsein im Hinblick auf das Potenzial des Gebäudes. Oder man ist des Kampfes müde, was ich auch verstehen kann.

Künstler sind oft die ersten, die sich in Stadtgebieten ansiedeln, die nicht mehr gut angesehen sind oder es vielleicht noch nie waren. Das kann man in vielen Städten beobachten. Vielleicht liegt das am fehlenden Euro in der Tasche – oder an einem Blick auf die Dinge, der nicht nur sieht, was NICHT möglich ist, sondern, was MÖGLICH ist. Sie setzen sich über Unbequemlichkeiten hinweg, sie nehmen Dinge nicht hin, sondern probieren, Neues zu (er)-schaffen. Sie machen diese Stadtteile wieder urbar. Es folgen Cafés, Klubs, Zuschauer, Mieter usw. Das darauf immer eine Gentrifizierung folgt, muss ja nicht zum Naturgesetz werden, wenn wir es nicht wollen.

Wir alle können viel mehr bewirken als wir glauben, oft sind wir nur viel zu eingeschüchtert aufgrund der Größe der Welt und ihrer Probleme. Bei so etwas Großem und Komplexem wie dem Ihme-Zentrum legen wir lieber die Hände in den Schoß, da fühlt man sich geradezu ohnmächtig. Dabei war es auch mal nur eine Idee in einem Kopf…