Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: BUND

Die Architektur des Ihme-Zentrums ist wieder in

Rohe Betonwände, gigantische Gebäudekomplexe, schlechter Ruf – die Architektur des Brutalismus’ wurde lange Jahre stigmatisiert und in ihrer Originalität und ihrer Bedeutung in Bezug auf das historische Erbe verkannt. Doch seit einigen Jahren erfreut sich der Baustil bei Architektur-, Design- und Kunstfans wieder größerer Aufmerksamkeit. Manch einer sagt dem Brutalismus sogar eine große Zukunft voraus, wie den Altbauten früher. Ausstellungen und Initiativen wie SOSBrutalism kämpfen für einen Erhalt dieser einmaligen Gebäude.

Auch Das Ihme-Zentrum in der Landeshauptstadt Hannover fasziniert heute deswegen immer mehr Menschen. Professor Ekkehard Bollmann, Architekt und Zeitzeuge, erklärt in einem Vortrag am 7. Januar um 16 Uhr, wie der Brutalismus in den wilden und ereignisreichen 1960er-Jahren entwickelt wurde, einer Zeit der gesellschaftlichen Utopien und Experimente, warum er für eine fortschrittliche Gesellschaft steht und wie es gelingt, aus geschmähten Betonklötzen die Leuchttürme zu machen, die sie sein könnten.

Zum Vortragenden:
Ekkehard Bollmann (*1935) arbeitete als Professor für Städtebau in den USA, Kanada und Deutschland. Als langjähriger Architekt schuf er u.a. das alte Kröpcke-Center in Hannover. Er ist Mitglied im Bund Deutscher Architekten Landesverband Niedersachsen, Deutscher Werkbund Nord, Freunde der Architektur dem Förderverein an der Leibniz Universität Hannover sowie in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Veranstalter: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, mit freundlicher Unterstützung des Bund Deutscher Architekten BDA, Bezirksgruppe Hannover.

Was: Vortrag über Brutalismus
Wann: 7. Januar, 16 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum am Ihmeplatz 7e, Eingang über Blumenauerstraße
Eintritt kostenlos, um Spenden wird gebeten.

Mehr Infos zur Veranstaltung gibt es auch hier bei Facebook.

Mai 2017 – Die Schwalben kehren zurück ins Ihme-Zentrum

Mehlschwalben leben im Ihme-Zentrum. Das ist ein gutes Zeichen. (Fotos: Uwe Vahldieck)

Im vergangenen Jahr brachte der BUND im Ihme-Zentrum Nisthilfen für die gefährdete Vogelart Mehlschwalben an. Auch im zweiten Jahr sind die Tiere zurückgekehrt, die Kolonie entwickelt sich sehr gut, erklärt Uwe Vahldieck vom BUND im Interview.

Herr Vahldieck, 2016 haben Sie im Ihme-Zentrum Brutkästen für die vom Aussterben bedrohten Mehlschwalben im Ihme-Zentrum angebracht. Wie hat sich das Ganze seitdem entwickelt?
Das erste Jahr war für den Anfang sehr gut. In einer Nisthilfe fand eine Brut statt, und in vier weiteren konnte ich Ein- und Ausflüge von Mehlschwalben in Nisthilfen beobachten. Das Annehmen von Kunstnestern durch Mehlschwalben ist normalerweise problematisch: Sie kennen keine Kunstnester. Darum war es sehr wichtig das die Schwalben die Nisthilfen gleich wahrgenommen und gebrütet haben.

Hatten die Tiere denn Schwierigkeiten?
Die Kolonie war einem Nesträuberangriff ausgesetzt. Alle 23 besetzten Naturnester wurden bis auf ein Nest und das Kunstnest zerstört. Es flogen keine Schwalben mehr am Ihme-Zentrum, und ich ging davon aus das es die Kolonie nicht mehr existiert. Jedoch kamen einige wieder, bauten Nester und brüteten erfolgreich.

Die Brutkästen und ihre Anbringung hat der BUND Region Hannover komplett selbst organisiert.

Sie haben erzählt, dass die Tiere in diesem Jahr zurückgekehrt sind. Wie geht es nun weiter?
Ich glaube und hoffe, dass wir die Nisthilfen zum richtigen Zeitpunkt angebracht haben. Denn wenn die Nesträuber einmal Erfolg hatten, kommen sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wieder. In den Nisthilfen sind die Tiere aber sicher.

Ist es aus Ihrer Sicht etwas Besonderes, dass sich die Mehlschwalben ausgerechnet das Ihme-Zentrum als Heimat ausgesucht haben?
Vielleicht ist diese Geschichte aus dem vergangenen Jahr und die weitere Entwicklung der Kolonie ein gutes Zeichen für das Ihme-Zentrum. Denn die Schwalben geben nicht auf!

Mehr Informationen zu den Nestern findet sich auf der Website des BUND Region Hannover.

April 2016 – Der Frühling zieht ins Ihme-Zentrum

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Nisthilfen für die Mehlschwalben. Alle Bilder: Uwe Vahldieck

Kurz vor Ostern brachten Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Nisthilfen für Mehlschwalben im Ihme-Zentrum an. Die Tiere sind stark gefährdet, nun haben sie die perfekte Behausung. Das Ihme-Zentrum ist dadurch ein wenig grüner geworden. Im Interview erklärt Uwe Vahldieck vom BUND, warum die Schwalben eine Bereicherung für das Quartier sind.

Was haben Sie genau gemacht?
Wir haben an einer Stelle im Ihme-Zentrum Nisthilfen für Mehlschwalben angebracht. Diese Tiere sind stark gefährdet und brauchen deshalb jede Unterstützung. Im Ihme-Zentrum lebt eine Kolonie seit Jahren. Für die haben wir neue Nisthilfen angebracht. Dem Ihme-Zentrum sind hierdurch keine Kosten entstanden. Die Bausubstanz wird dadurch weder zerstört noch beschädigt, und die Bewohner des Ihme-Zentrums haben dadurch keine Nachteile. Im Gegenteil.

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Mit einem Kran wurden die Nisthilfen im Ihme-Zentrum angebracht.

Es heißt: Eine gesunde Flora und Faune begünstigt auch das Leben der Menschen. Können Sie das bestätigen?
Ja, es ist nicht nur eine Freude, die Tiere zu beobachten. Wir profitieren alle von einer gesunden Biodiversität – auch in der Großstadt.

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Die Kosten für die Aktion trug der BUND. Es entstehen durch die Nisthilfen keine Schäden am Bauwerk.

Nun gilt das Ihme-Zentrum bei vielen Menschen als graue Burg und nicht als ein Hort der Tiere und der Pflanzen. Wie sehen Sie das?
Das kann ich nicht nachvollziehen. Das Quartier bietet eine gute Grundlage, um Menschen, aber auch Pflanzen und Tieren eine Heimat zu geben. Dass die Mehlschwalben hier schon seit mehr als 30 Jahren gelebt haben, ist ein gutes Zeichen dafür. Nicht umsonst heißt es im Volksmund: Dort wo die Schwalben wohnen, ist das Glück zu Hause.

Uwe Vahldieck

Uwe Vahldieck ist ehrenamtliches Mitglied des BUND Region Hannover mit dem Schwerpunkt Schwalbenschutz. Hier gibt es mehr Infos zu Mehlschwalben.