Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: bund deutscher architekten

Juli 2016 – Das Ihme-Zentrum als Konzertsaal

Bei der ArchitekturZeit des Bundes Deutscher Architekten (BDA) Niedersachsen im Ihme-Zentrum verwandelte das Orchester im Treppenhaus das Quartier zu einem Konzertsaal. Wieso sich das Zentrum so gut für Musik eignet und welches Potenzial die Musiker dort sehen, erklärt Mitglied Yannick Hettich.

Ihr wart im Rahmen der ArchitekturZeit als Orchester im Ihme-Zentrum. Was genau habt ihr da gemacht?
Unsere Aufgabe als Orchester war es, das Ihme-Zentrum musikalisch begehbar zu machen. Das heißt, das Publikum den Raum durch die Musik erschließen zu lassen. An verschiedenen Orten des Ihme-Zentrums waren Musiker platziert. So spielte beispielsweise ein Tubist in der Tiefgarage, ein Fagott im Treppenhaus oder eine Trompete auf einem Dachvorsprung. Diese verschiedenen Stationen beschrieben eine Route, welche das Publikum durchlaufen hat, und somit das Ihme Zentrum auf offene und freundliche Art kennengelernt.

War das euer erstes Konzert im Quartier?
Das Orchesters im Treppenhaus ist dafür bekannt an ungewöhnlichen Orten aufzutreten. So haben wir beispielsweise auch schon mal am Lindener Hafen auf einem Kran gespielt oder etwas konservativer spielen wir jedes Jahr im August in Kooperation mit Feinkost Lampe in der St. Martins Kirche. Somit gibt es schon eine gewisse Verbundenheit mit Linden. Im Ihme-Zentrum war es jedoch unser erstes Projekt.

Könntet ihr euch vorstellen, so etwas zu wiederholen?
Sehr gerne. Es gibt einfach sehr magische Orte in dem Komplex. Besonders interessant war bei diesem Projekt der extreme Kontrast, den die Musiker, die in Abendgarderobe spielten, zu der Kulisse boten.

Welches Potenzial seht ihr im Ihme-Zentrum? Könnte es dort Konzert- und Proberäume geben z.B.?
Ich denke, das Gebäude hat einen ganz eigenen Charme und auch eine gewisse Schönheit. Auch die Stimmung in dem Gebäude ist extrem spannend. Viele Orte dort haben eine sehr gute oder auch sehr interessante Akustik. Da kann man sehr viel mit experimentieren. Es gibt dort ja schließlich viel ungenutzten Raum. Da ließe sich sehr viel machen.

November 2015 – Verantwortung übernehmen

Samuel Kirby www.samuelkirby.com

Foto: Samuel Kirby http://www.samuelkirby.com

Anfang Oktober durfte ich gemeinsam mit dem Architekten Gerd Runge dem Bund Deutscher Architekten und der Vereinigung für Stadt- und Regional- und Landesplanung erklären, warum das Ihme-Zentrum wichtig ist und was die Experten unternehmen können, um das Thema bekannter zu machen. Nun haben beide Vereinigungen zusammen ein Plädoyer veröffentlicht, in dem sie sich für die nachhaltige und stadtteilbezogene Umnutzung und Umstrukturierung des Ihme-Zentrums einsetzen. Das ist ein toller Schritt und zeigt, dass es in Hannover immer mehr Menschen gibt, die verstehen, dass wir alle gemeinsam Verantwortung für unsere Stadt und seine Herausforderungen übernehmen müssen. Hier der Wortlaut des SRL zum Ihme-Zentrum:

In Hannover gibt es drei Dinge, über die alle irgendwie eine Meinung haben: das Wetter, Hannover 96 und das Ihme-Zentrum.
Gerade letzteres ruft Assoziationen und Vorurteile hervor. Geplant als Modell der „Urbanität durch Dichte“ und vermeintlich wegweisendem Städtebau der späten 60er-Jahre, befindet sich das Zentrum mit über 800 Wohnungen und rund 60.000m² Gewerbeflächen seit fast 20 Jahren im Niedergang. Verschiedene, kosmetische Umbauansätze wechselnder Investoren sind bislang gescheitert, aktuell liegt die gesamte Einkaufsebene des Zentrums, dem öffentlichen Raum enthoben, brach.

Angeregt von der Berichterstattung in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, vom Engagement einzelner Kollegen und verschiedenen Veranstaltungen zur Zukunft des Ihme-Zentrums haben Architekten und Stadtplaner des BDA und der SRL ein Plädoyer für eine nachhaltige und stadtteilbezogene Umnutzung und Umstrukturierung des Ihme-Zentrums verfasst, das wir Ihnen hiermit zur Kenntnis geben möchten.

Wir hoffen sehr, dass Sie den Anregungen unserer Kollegen aus beiden Fachverbänden offen gegenüberstehen und diese als konstruktiven Beitrag für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums auffassen. Unser Ziel ist es, die komplexen Probleme des Ihme-Zentrums ort- und zeitgemäß zu lösen und Ansatzpunkte zu einer stadtverträglichen Neuordnung des Komplexes, im besten Fall in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zu generieren.

Hier das Plädoyer des BDA und SRL für alle zum Lesen und Verteilen.