Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Bildung

Mehr Sauberkeit, mehr Kreativität und mehr Lebensqualität für das Ihme-Zentrum

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Ein halbes Jahr lang haben Studierende der Leuphana Universität im Seminar „Nachhaltige Transformation innerstädtischer Komplexe in Möglichkeitsräume am Beispiel des Ihme-Zentrums in Hannover“ Entwicklungsansätze in den Bereichen Kultur, Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung für das Ihme-Zentrum erforscht. Zum Abschluss kamen die Kulturwissenschafts-Studierenden in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, um gemeinsam mit Bewohnern, Kulturschaffenden und Architekten konkrete Ideen zu entwickeln. Das Ergebnis des Seminars von Patricia Wedler (Leuphana Universität Lüneburg, Golden Pudel Hamburg, Planbude HH) und Constantin Alexander (Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum): Das Ihme-Zentrum ist ein Möglichkeitsraum. Bewohner, Eigentümer, Stadtverwaltung, Wirtschaft und Kreative haben gemeinsame Interessen, hier etwas voran zu bringen.

Zusammen könnten diese Stakeholder-Gruppen die Lebensqualität steigern, das Sicherheitsempfinden vor Ort verbessern, die Grünflächen pflegen und entwickeln, Werte, Jobs und Steuern schaffen und das Ihme-Zentrum positiv entwickeln.

Ein riesiges Danke an dieser Stelle an die Studierenden der Leuphana Universität, dem Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, den teilnehmenden Bewohnern und Mitarbeitenden der Landeshauptstadt Hannover und den Architekten und Experten, die das Seminar ermöglicht haben.

Das Ihme-Zentrum ist ein idealer Ort für Design

Das Ihme-Zentrum inspiriert Künstler, Kreative und Designer. Am 13. Januar wird daher dort Hannovers erstes Micro Designfest „Coold“ gefeiert. Im Interview erklärt Initiator Matthias Lauche, warum ihn das Quartier fasziniert, welche Rolle Kreative bei der Wiederbelebung spielen sollten und was Besucher bei „Coold“ erwarten dürfen.

Am 13. Januar geht ihr mit „Coold“ in die Zukunftswerkstatt im Ihme-Zentrum. Was genau habt ihr vor?
Produktdesign ist in der kreativen Szene in Hannover so gut wie gar nicht vertreten. Andere Teilbereiche der Designwirtschaft haben bereits Veranstaltungen entwickelt, bei denen sich die Designer präsentieren können. Es existieren tolle Produkte, designed in Hannover, tolle Designer und Designerinnen, klasse Projekte und Büros, aber dies wird nur selten nach außen getragen. Das soll sich ändern. COOLD bietet in Hannover ein Forum für Produktdesignerinnen und Produktdesigner.

Und wie sieht das konkret aus?
Die Veranstaltung wird dazu genutzt, die Thematik Produktdesign aus Hannover und der Region in der kreativen Szenen sichtbar zu machen. Dazu werden natürlich auch Akteure gesucht, die daran teilhaben und sich und ihr Projekt, Produkt, Dienstleistung, Prototyp usw. dem Publikum und der Öffentlichkeit zeigen. Geplant sind interessante Angebote wie Vorträge, DIY, Workshops und Diskussionsrunden. Aber auch für die Liebhaber des „Guten Designs“ist gesorgt, denn es gibt eine kleine Ausstellungs-Area für Produkte „designed in Hannover“. Abgerundet wird das Ganze mit nachweihnachtlichem Glühwein, solange der Vorrat reicht und entspannten Beats.
Idealerweise bekommen die Besucher der Veranstaltung Einblicke in die Design…Produktdesign. Szene der Stadt und der Region. Sie können sich ein Bild davon machen, wie das aktuelle Produktdesign aus Hannover aussieht und sich bei den Designern informieren.

Hier findet ihr das ganze Programm.

Eure Veranstaltung dreht sich um Produktdesign. Wieso ist das Ihme-Zentrum so spannend für Produktdesigner?
Wer über den Tellerrand der Stadt Hannover hinausschaut und den Fokus auf Designveranstaltungen legt, der wird schnell feststellen, dass diese meist an eher ungewöhnlichen Orten stattfinden. Ich, als zugezogener Lindener, (mittlerweile aber auch schon elf Jahre) finde, dass das Ihme-Zentrum genau ein solcher Ort ist. Jeder kennt es, jeder weiß, wo es ist, und ich würde behaupten jeder ist daran interessiert, wie es jetzt aussieht. Es ist ein toller Ort, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und genau das steht bei COOLD ja im Vordergrund.

Hast du eine Vision für ein nachhaltig und kreativ entwickeltes Ihme-Zentrum 2025?
Ich würde mir für das Ihme-Zentrum 2025 wünschen, dass noch viel mehr Kreative dort einen Platz finden, um ihr Ding durchzuziehen. Egal in der Fläche oder als Räumlichkeit. Es soll ein belebter Ort werden, an dem man sich gerne trifft, der einen besseren Ruf hat. Die Stadt in der Stadt soll mit den umliegenden Stadtteilen verbunden werden, damit es zum Austausch kommen kann.

 

Juni 2017 – „Die Ihme-Zentrum ist eine Stilikone“

Studierende von Professorin Ute Heuer der HsH Fakultät III arbeiten seit Ende März im Ihme-Zentrum. Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat mit der Professorin und Künstlerin über die Studieninhalte, die Wichtigkeit des Ihme-Zentrums und die Bedeutung der Arbeit vor Ort gesprochen.

Wie kommt es, dass Sie mit Ihren Studierenden ausgerechnet im Ihme-Zentrum arbeiten?
Als Hochschule ist es selbstverständlich unser Anliegen, Studierende mit etablierten Persönlichkeiten aus dem künstlerischen Bereich zu vernetzen – Galeristen, Künstler, Kuratoren und so weiter. Dazu gehört auch das Erschließen von nutzbaren Räumlichkeiten. Fürs zweite Semester haben wir schönerweise die Möglichkeit bekommen, das Ihme-Zentrum zu nutzen.

Sie betonen das zweite Semester explizit.
Ja, in den Räumlichkeiten arbeiten seit März die 16 Studierenden eines neuen Studiengangs, die sich gerade im zweiten Semester befinden. Experimentelle Gestaltung heißt dieser Studiengang. Das ist eine Mischung aus Bühnenbild, Kostüm und Szenografie. Dabei bilden wir nicht im klassischen Sinne künstlerisch aus, um Persönlichkeiten zu schaffen, die auf dem Kunstmarkt aktiv werden und eigene Werke verkaufen. Sicher kann das auch passieren, aber es geht im Kern eher um gesellschaftlich integrierte künstlerische Prozesse, das Arbeiten mit Menschen und Orten…

… weshalb das Ihme-Zentrum für Sie bestimmt besonders interessant ist.
Richtig! Unsere Möglichkeiten in dem Raum sind zeitlich begrenzt. So können wir dort noch bis August arbeiten, danach sind wir in anderen Räumlichkeiten. Natürlich würden wir auch gern im Ihmezentrum bleiben, wenn es sich ergibt. Aber diese Fluktuation, dieses häufige Wechseln von Orten und sich Einlassen auf neue Situationen ist etwas, was die Studierenden lernen sollen. Von daher sind wir opportunistisch.

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Wie genau kann man sich das Arbeiten vorstellen?
Ganz unterschiedlich: Es gibt zum einen eine Ateliersituation. Zum anderen arbeiten die Studierenden am Raum selbst, bemalen beispielsweise die Wände. Unser Ziel ist ein umgestalteter Raum als Ausstellungsobjekt mit Skulpturen, Installationen, Farben und Bildern. Ende Juni wird das Ergebnis dann auch öffentlich zugänglich sein.

Wieso sind solche Räume für Sie und Ihre Studierenden wichtig?
Zum einen sind sie günstig. Zum anderen arbeiten wir mit jungen, offenen, freien Menschen. Möglichkeitsräume und Orte anzubieten, die Kreativität und Visionen anregen, sind essenziell bei der Entwicklung des künstlerischen Bewusstseins.

Wir haben die Studierenden reagiert, als es hieß, dass sie im Ihme-Zentrum arbeiten werden?
Die jetzige Generation geht da ganz gezielt hin, findet das klasse. Die wollten das sofort.

Und Sie persönlich? Sie haben seit 1990 immer mal wieder in Hannover gelebt, inzwischen sind Sie hier Sesshaft. Wie hat sich Ihr Bild vom „Betonklotz“ entwickelt?
Es tat mir zunehmend leid, wie das verkommen ist. Damals sagte ich noch: „Bombe rein und weg“ (lacht). Jetzt wo ich mich damit beschäftige, sage ich: „Nein, auf gar keinen Fall, das muss erhalten bleiben!“. Gerade nach meiner Zeit in London weiß ich, was man damit machen kann, dass die Lage fantastisch ist und welche für Möglichkeiten da liegen.

Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich als Dozentin und Künstlerin für den Komplex?
Ich wünsche mir, dass es als Stilikone erhalten bleibt und die hervorragende Anbindung an die Stadt besser genutzt wird, Studierenden Wohn- und Arbeitsraum geboten wird und dass das Ihme-Zentrum lebt. Es gab mal Studierende von der Expoplaza, die vorgeschlagen haben, ihre Fakultät dorthin zu verlegen. Das fände ich großartig: Verschiedene Design-Disziplinen an einem zentralen Ort. (Hier der Text dazu)

Ute Heuer ist Professorin an der Hochschule Hannover. Malerei, Studienschwerpunkt/ Sprecherin Experimentelle Gestaltung.

Das Interview führte Mike Wonsikiewicz für die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V.


April 2017 – Das „Raumschiff Ihme-Zentrum“ wird Uni-Thema

Wie kann eine Transformation des Ihme-Zentrums nach dem menschlichen Maß funktionieren? Wie kann das leblose Sockelgeschoss wieder belebt und das Quartier mit seinem Umfeld zusammen wachsen. Architektin Karin Kellner und Stadtforscher Herbert Schubert untersuchen mit Architektur-Studierenden der Uni Hannover im Sommersemester das Potenzial des Ihme-Zentrums. Die Ergebnisse werden allen Interessierten zum Schluss präsentiert.

Ihr bietet im Sommersemester an der Uni Hannover ein Seminar zum „Raumschiff Ihme-Zentrum“ an. Was genau werdet ihr den Studierenden beibringen?
In der öffentlichen Meinung ist das Ihme-Zentrum umstritten. Wir wollen den fachlichen Diskurs beleben, dass es nicht nur ein typisches Architekturzeichen seiner Zeit repräsentiert, sondern auch ein kulturelles Erbe der Zweiten Nachkriegsmoderne in Hannover. Als Erbe enthält es ein großes umnutzbares Flächenpotenzial inmitten des lebendigen Stadtteils Linden. Von daher lohnt es sich, im Seminar die zugrunde liegende Konzeption des Strukturalismus und das Leitbild der Urbanität durch Dichte in Augenschein zu nehmen. Als Skulptur des Béton Brut oder Brutalismus repräsentiert das Ihme-Zentrum auch die Industrialisierung des großmaßstäblichen Bauens ab dem Ende der 1960er-Jahre.

Worauf dürfen sich die Studierenden denn konkret freuen?
Neben der zeit- und architekturhistorischen Einordnung des Ihme-Zentrums sollen die Studierenden hingeführt werden zu einer Reflexion, was den menschlichen Maßstab als Basis einer nutzergerechten Planung ausmacht. Neben einem Rundgang und dem Kennenlernen der Planungsgeschichte werden sich die Studierenden im Rahmen nutzerzentrierter Praxistestübungen an das Ihme-Zentrum annähern. Im weiteren Seminarverlauf werden Methoden und Instrumente für die Analyse und Bewertung des Ihme-Zentrums vorgestellt, die anschließend angewendet werden sollen.

Welche Aufgaben werdet ihr den Studierenden stellen?
In den Aufgabenstellungen wird es um Fragen gehen, wie zum Beispiel: Wie lässt sich das Ihme-Zentrum auf ein menschliches Maß herunter brechen? Was heißt „maßstabsgerechte Planung“ im Ihme-Zentrum? Wie lässt es sich in kleinere Einheiten zerlegen? Wie kann das Prinzip der Nutzungsmischung erhalten werden?

Müssen die Studierenden eine Arbeit oder Entwürfe zum Ihme-Zentrum machen?
Die Themenschwerpunkte des Seminars werden sein: (1) Maßstäblichkeit und Proportionen; (2) öffentlicher Raum und seine Belebung; (3) das Stadtbild; (4) die Gestaltungsmuster der Pattern Language; (5) Nutzungsmischung. Als damit verbundene Vertiefungsaspekte sind vorgesehen: Anbindung der Wohnebenen an den öffentlichen Raum, Anbindung des Ihme-Zentrums an die Nachbarquartiere, sichere Raumnutzung durch Bewohnerschaft und Passanten, Zonierung und Gliederung des Raumes.
Die meisten Studierenden haben das Modul „Räume und Orte verstehen und entwickeln“ belegt und werden zu einem Themenschwerpunkt eine Analyse und Ausarbeitung von Ideen durchführen. Einige Studierenden wollen ein umfangreicheres Projektmodul realisieren – sie  werden sich mit drei Themenschwerpunkten auseinandersetzen und Planungsideen ausarbeiten.

Der Kurs ist ja nur für Architekturstudierende. Wird es denn eine öffentliche Vorstellung der Arbeiten geben?
Die Ergebnisse der studentischen Auseinandersetzung mit dem Ihme-Zentrum werden am Dienstag, 4. Juli 2017, um 19 Uhr vorgestellt. Geplant ist eine Veranstaltung um 19 Uhr in der Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E (Eingang vom Küchengarten aus), in den Räumen, die der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum als Nachbarschafts- und Kulturort betreibt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, vorbei zu kommen.

Herbert Schubert ist Stadtforscher. Karin Kellner ist Architektin.
Beide engagieren sich u.a. bei der Initiative Sicherheit im Städtebau in Niedersachsen
und sind Mitglieder im Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Städtebaurecht im Ihme-Zentrum – Chancen und Möglichkeiten

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Es gibt eine Alternative zur aktuellen Taktik der Stadt, mit dem komplexen Problem Ihme-Zentrum umzugehen. Der Stadtrat müsste nur handeln und sich für eine bessere Zukunft entscheiden. Wie genau das geht, erklären Experten für Stadtsanierung und Planung vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum am Mittwoch, 7. Dezember. Es geht um die Chancen und Möglichkeiten des Viertels auf Basis des Städtebaurechts und warum Vorbereitende Untersuchungen wichtig sind, um dem Zentrum eine Zukunft zu geben.

Diese Themen sind geplant:

• die Grenzen der privatrechtlichen Eigentumsstrukturierung und die Möglichkeiten der Umstrukturierung nach Baugesetzbuch;

• die transparente Entwicklung eines städtebaulichen Konzeptes von Integration vom Ihme-Zentrum in den Stadtteil im Rahmen von Vorbereitenden Untersuchungen nach Baugesetzbuch;

• das Verfahren und die einzelnen Schritte von Vorbereitenden Untersuchungen mit abschließendem Beschluss, rechtliche Änderungen während des Verfahrens und Höhe und Ermittlung von Ausgleichbeträgen nach dem Abschluss des Verfahrens.

Wann: Mittwoch, 7. Dezember 2016, 19.30 Uhr
Wo: Versammlungsraum der Wohngruppe, Wohnungsgenossenschaft Ostland, Blumenauer Str. 25 (Ecke Gartenallee)
Wieviel: Der Eintritt ist kostenlos
Wer: Die Einführung wird von den Architekten und Experten für Stadtentwicklung und Sanierungen, Gerd Runge, Michael Römer, Dieter Frenzel gemacht.

Juni 2016 – Ein Bücherschrank für das Ihme-Zentrum

Haussprecherin Britta Zogall und der Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer Rainer-Jörg Grube weihen den Offenen Bücherschrank im Ihme-Zentrum ein.

Ab sofort gibt es im Ihme-Zentrum einen Offenen Bücherschrank. Jeder darf dort Bücher reinstellen und/oder mitnehmen. Initiiert hat das Projekt die Haussprecherin und Ihme-Zentrums-Bewohnerin Britta Zogall. Im Interview erklärt sie, wie durch so ein Projekt die Nachbarschaft belebt werden kann.

Sie haben sich dafür eingesetzt, dass das Ihme-Zentrum einen eigenen Offenen Bücherschrank bekommt. Was ist das genau?
Das ist ein von dem Werkstatt-Treff Mecklenheide gebauter Schrank, der nun an einem zentralen Platz im Ihme-Zentrum steht: am Fuß der Ihmepassage 2/Ecke Ida-Arenhold-Brücke. Er ist für jeden zugänglich und wird unterstützt vom Stadtbezirksrat Linden-Limmer.  Man kann einfach Bücher hineinstellen und auch welche herausnehmen. Völlig kostenlos.

John Winston Berta

Zur Einweihung hat der hannoversche Songwriter John Winston Berta ein paar Lieder gespielt.

Sie sind selbst Bewohnerin des Ihme-Zentrums. Kann so ein Bücherschrank auch ein Anfang sein, um einen Austausch in der Nachbarschaft zu ermöglichen?
Das ist genau das, was ich mir davon erhoffe. Und natürlich auch, dass die Menschen zum Lesen animiert werden. Vielleicht sogar Kinder.

Welche Vision haben Sie vom Ihme-Zentrum in 10 bis 20 Jahren?
Dass wir vielleicht viele solcher Orte im Ihme-Zentrum haben. Egal, ob man sich zum Klönen trifft oder um Sport zu machen, gemeinsam zu spielen oder Kunst auszustellen.

Britta Zogall ist Bewohnerin und Haussprecherin im Ihme-Zentrum.
Mehr zu den Bücherschränken der Landeshauptstadt Hannover.

April 2015 – „Das Zentrum muss zum Campus werden“

Copyright: Linda Iglesias Navarro und Elsa Berger

Das Ihme-Zentrum als Campus? Auf den Plänen von Linda Iglesias Navarro und Elsa Berger sieht die Idee schon sehr realistisch aus.

 

Das Ihme-Zentrum muss zum Uni-Campus werden. Die beiden Innenarchitektinnen Elsa Berger und Linda Iglesias Navarro haben in ihrer Abschlussarbeit untersucht, wie realistisch der Umzug der Hochschule Hannover ins Ihme-Zentrum ist. Das Ergebnis wäre ein Traum, nicht nur für Studierende.

Wie kamt ihr darauf, eure Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum zu machen?
Als wir vor viereinhalb Jahren für unser Innenarchitekturstudium nach Hannover zogen, hatten wir beide noch keine Ahnung, dass es das Ihme-Zentrum überhaupt gibt. Erst nach einigen Monaten ist es uns mit seinem massiven und kolossalen Erscheinungsbild aufgefallen. Nach und nach wurde es immer mehr zum ständigen Begleiter und Thema: „Was war da?“ oder „Was ist da?“
„Wieso nimmt sich diesem Gebäude eigentlich keiner an?“
Wir hörten immer mehr Geschichten über fertige U-Bahnstationen, geheime Partys, Junkies und Prostitution, und das Zentrum ließ neben einer gewissen Abscheu auch das Interesse wachsen.
Diese konträre Haltung ist ein wichtiger Punkt bei unserem Entschluss gewesen. Denn eine konträre und durchaus auch negative Meinung zu einem Thema ist – wie uns die Erfahrung lehrte – meist fruchtbarer und intensiver als eine positive oder neutrale Meinung. So wurde aus unseren anfänglichen Hirngespinsten ein ernstes Thema, das uns all die Studienjahre verfolgte und uns keine Ruhe ließ.
„Da kann man doch was draus machen!“
„Dieses Ihme-Zentrum hat Potenzial.“
„Man muss nicht alles, was alt und augenscheinlich hässlich ist, abreißen und vergessen. Man kann es doch nutzen und die Geschichte spürbar machen.“
„Mann, stell dir vor – unsere Hochschule im Ihme-Zentrum. Mitten in Linden! Wäre das nicht eine Idee?“

Der Campus

Auf den Entwürfen gut zu sehen: In Kuben wird gelernt oder auch mal Pause gemacht. Die Flure eignen sich für den Austausch.

 

Wie seid ihr bei eurer Untersuchung vorgegangen?
Zunächst haben wir versucht, das Gebäude zu begreifen. Dazu gehörte neben der Ortsbegehung auch das Sichten der Pläne. Diese bekamen wir vom Verwalter Jaskulski zur Verfügung gestellt, neben vielen Informationen zu Verwaltungsstrukturen und Hintergründen. Eine ausgiebige Recherche sollte das Fundament unserer Entwurfsarbeit sein und uns natürlich in erster Linie darüber aufklären, weshalb das Ihme-Zentrum als Einkaufszentrum gescheitert ist und was in dem Gebäudekomplex die architektonischen Probleme darstellt.
In der Entwurfsarbeit konzentrierten wir uns in erster Linie auf die leerstehenden Flächen und vor allem auf die Straßenebene. Primäres Ziel war es, die Zugänglichkeit zu erleichtern und öffentliche Aufenthaltszonen zu schaffen, die für Hochschule und Bürger gleichermaßen dienlich sind. Die Hochschulräume sollten so konzipiert sein, dass sie den Studierenden eine vielfältige und individuelle Arbeitsweise ermöglichen und einen starken Außenbezug haben.

Der Campus

Bislang müssen die Studierenden noch raus zum Expo-Gelände fahren. Im Ihme-Zentrum könnten sie mitten in der Stadt lernen.

 

Wie realistisch ist es, die Hochschule ins Ihme-Zentrum zu verlegen?
Das Ihme-Zentrum verfügt aufgrund seiner Lage über eine sehr gute Infrastruktur sowie über eine schnelle Verbindung innerhalb der Stadt und würde somit einen idealen Standort bieten. Die Leibniz Universität, Bibliotheken und Mensen sind nicht weit entfernt, wodurch ebenfalls ein Austausch zwischen weiteren Studierenden stattfinden könnte.
Von der Größe des Gebäudes her wäre es durchaus möglich, Teile der Hochschule Hannover in das Ihme-Zentrum zu verlegen und somit einen attraktiven Campus für die Studenten zu schaffen, der auch Anwohnern und Interessierten offen stünde. Damit diese Idee eines Tages Realität wird, müssen wir allerdings noch mehr Menschen von unserem Konzept begeistern und einen geeigneten Investor finden.

Der Campus

Transparent: Die Aufenthaltsräume sollen nicht nur für Studierende sein, sondern auch für die Anwohner und Interessierte.

 

Hat sich eure Meinung zum Ihme-Zentrum geändert, nachdem ihr euch so lange damit beschäftigt habt?
Mit der Zeit haben wir immer mehr Potenzial in dem Gebäude gesehen. Bei jeder Besichtigung kamen uns neue Ideen, und wir entdeckten weitere interessante Stellen, die man bearbeiten könnte. Der große unübersichtliche Bau verschmolz immer mehr mit unserem Konzept, und unsere Vision wurde immer konkreter.
Für viele ist das Ihme-Zentrum ein nutzloser Schandfleck, für uns ist es jedoch ein Ort, der Geschichten erzählt und der mit der richtigen Idee zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt werden könnte – und zwar im positiven Sinne.

Linda Iglesias-Navarro und Elsa Berger Linda Iglesias Navarro (links) und Elsa Berger sind Innenarchitektinnen

Interesse an einem Rundgang durch das Ihme-Zentrum?