Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Tag: Analyse

Das Experiment Ihme-Zentrum ist abgeschlossen

Wie können kaputte Strukturen und Systeme repariert werden? Das heraus zu finden war mein Hauptantrieb, als ich 2014 ins Ihme-Zentrum gezogen bin. Seitdem konnte ich genug Material sammeln, um eine Analyse über Transformation in unserer Gesellschaft zu schreiben: Über Ereignisse und Prozesse, die das Gemeinwohl und damit auch den sozialen Frieden in der Gesellschaft gefährden. Über den Wandel, der uns zwingt, neu zu denken und die Zukunft nachhaltig zu gestalten. Aber auch über all die kreativen Antworten, die es schon heute gibt, um mit Globalisierung, Digitalisierung und dem demografischen Wandel umzugehen.

Bevor ich mich zum schreiben zurückziehe spreche ich bei einem Kaminabendgespräch mit dem Journalisten Jan-Egge Sedelies über Ergebnisse, Innovationsansätze, erzähle aber auch spannende und humorvolle Anektdoten aus der Welt des Ihme-Zentrums, von Wutbürgern, der Immobilienwirtschaft und natürlich aus der Lokalpolitik, die zeigen: Das kaputte Quartier lässt sich reparieren.

Wann: Mittwoch, 13. Juni 2018 – 19 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e
Wie viel: Kostenloser Eintritt bei Anmeldung via mail(.)ihmezentrum(org)

Advertisements

„Das Ihme-Zentrum ist ein Möglichkeitsraum“

Wie funktioniert kreative und nachhaltige Stadtentwicklung? Ein Forscherteam der Leuphana Universität Lüneburg hat in den vergangenen Jahren untersucht, welche Möglichkeitsräume es in Hannover gibt. Am 21. April präsentieren sie ihre Ergebnisse im Ihme-Zentrum. Im Interview erklärt Professor Volker Kirchberg, was Visionen und Utopien ausmacht und warum die Entwicklung des Ihme-Zentrums eine Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus hätte.

Was ist ein Möglichkeitsraum genau?
Möglichkeitsräume werden auch als Freiräume, Intentional Communities, Experimentierräume oder Heterotopien bezeichnet. Es sind physische, aber auch soziale und mentale Räume, in denen gewünschte Zukunftsentwicklungen für die Stadt angedacht und/ oder angelegt werden. Sie erlauben verschiedenen Grade der Entfaltung und können dabei offen und geschlossen sein: Offen, weil sie im Austausch mit der Gesellschaft stehen, geschlossen, weil sie um den experimentellen Prozess einen geschützten Raum bilden können.
Diese Räume sind Orte der utopischen Praxis, insbesondere „Räume der Hoffnung“ (so der Geograph David Harvey) oder „Reale Utopien“ (so der Soziologe Erik Olin Wright). Gerade dieser letzte Begriff hat es uns angetan, nachdem wir uns solche Orte in Hannover angesehen haben. Dabei ist „Ort“ begrifflich sehr flexibel zu verstehen, denn Orte der utopischen Praxis sind auch Initiativen, Projekte und Kampagnen, deren Wirkung man nicht auf einen bestimmten geografischen Ort begrenzen kann.
Diese Möglichkeitsräume oder Orte der realen Utopie experimentieren mal mehr und mal weniger radikal mit Modellen einer positiven (also nachhaltigen) Stadtentwicklung, die mit ihrer Wirkung auf städtische Teilgebiete oder auch auf die Stadt als Ganzes ausstrahlen sollen, von kleinen Schritten der Veränderung einer unmittelbaren Nachbarschaft bis hin zur sozialen Transformation der ganzen Gesellschaft.
Eine „reale Utopie“ zeichnet sich dabei aus durch Antworten auf drei Fragen: „Was wird gewünscht?“, „Was ist machbar?“ und „Was ist umsetzbar?“. Es gibt entsprechend der Antworten auf diese Fragen also drei Typen „realer Utopien“, je nachdem wie weit sich das Utopische oder Visionäre vom Möglichen unterscheidet. Das illustriere ich im Workshop mit acht Beispielen aus Hannover.

 

Ihr habt in den vergangenen Jahren untersucht, welche Möglichkeitsräume in Hannover es gibt. Was habt ihr herausgefunden?
Es führt an dieser Stelle zu weit, alle Ergebnisse in ihrer interdisziplinären Diversität hier aufzuführen. Die Breite und Tiefe der Ergebnisse umfasst zum Beispiel die künstlerischen Initiativen, die vorbildhaft eher als „Möglichkeitsinitiativen“ und „Möglichkeitsaktionen“ denn als „Möglichkeitsräume“ agieren; dazu kann Sacha Kagans Film „HANOTHER“ Auskunft geben, den wir ja auch zeigen werden. Oder unsere Analyse der Akteure einer nachhaltigen Stadtentwicklung Hannovers als „Change Agents“, denn sie nutzen und schaffen durch ihre vernetzten Aktivitäten konkrete Impulse für die nachhaltige Stadtentwicklung. Sie stoßen durch ihre kreative Praxis auch neue Formen der Kommunikation zwischen Einrichtungen der Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und den Initiativen, Gruppen und Projekten der lokalen Zivilgesellschaft an.
Die Analyse der Vernetzung und der Kommunikation zwischen diesen unterschiedlichen Akteuren und Einrichtungen ergibt spannende Ergebnisse zu den Übersetzungen zwischen Zivilgesellschaft und Staat und zwischen „Mind Set“ (= Imagination der Welt, wie sie uns umgibt/ wie sie sein sollte) und „Work Set“ (= tatsächliche Handlungsmuster und -grenzen beim Versuch der Umsetzung einer nachhaltigen Stadtwelt). Die Imagination des (scheinbar) Möglichen und (scheinbar) Unmöglichen in der Stadt(teil)entwicklung und im Stadt(teil)leben hat sich zu einem zentralen Gegenstand unserer Forschung kristallisiert, zum Beispiel auch bei der Erforschung des kreativen Schreibprojektes „Linden Fiction 2050“.
Was bewerten die Akteure in Hannover als möglich, was wird darüber hinaus als Vision in Betracht gezogen, und was wird vielleicht gar nicht mehr weitergedacht, weil es als zu „utopisch“ den Bereich des „Realen“ verlässt? Oder gibt es eine Angst vor einer dystopischen Zukunft, die uns die Fähigkeit zum besseren Umgestalten nimmt? Dies sind allerdings Fragen, die nicht alle auf einem Workshop behandelt werden können: Deshalb gibt es ja mehrere Veranstaltungen zum Projekt und auch eine Buchveröffentlichung, die für das Ende des Jahres geplant ist.

In eurer Arbeit ist das Ihme-Zentrum als ein Möglichkeitsraum gekennzeichnet. Warum, was macht diesen Ort aus für euch?
Das Ihme-Zentrum ist eines der acht Beispiele für eine „Reale Utopie“. Ich will hier nicht zu viel vorwegnehmen, aber es ist deshalb so interessant, weil es in seinen visionären Möglichkeiten nicht nur sehr groß ist, sondern weil es als Modell einer nachhaltigen Stadtentwicklung auf ganz Hannover austrahlen könnte – also mehr bewirken könnte als viele der kleineren realen Utopien. Über diese „Utopie“ im spezifischen Sinne – und deren Wirkung – möchte ich gerne in dem Workshop diskutieren – auch und gerade in Kontrast zu und Reflektion mit einem anderen Projekt, das Hannover als „Stadt als Möglichkeitsraum“ präsentiert, nämlich zum Stadtentwicklungskonzept „Mein Hannover 2030“ – und den auch visionären Potenzialen dieser höchst offiziellen Stadtkampagne.

Volker Kirchberg ist Professor für Soziologie der Künste an der Leuphana Universität Lüneburg.

Volker Kirchberg und weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen am 21. April ihre Forschung zu „Stadt als Möglichkeitsraum“ in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (Ihmeplatz 7e) vor. Neben Vorträgen wird es konkrete Workshops geben sowie der Film „Hanother“ gezeigt. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt, die vom Innovationsfonds Landeshauptstadt Hannover gefördert wird. Das Forschungsprojekt „Stadt als Möglichkeitsraum“ wurde gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft.

Was: „Stadt als Möglichkeitsraum“, Vorträge, Workshop, Filmvorführung.
Wann: 21. April, 14 bis 18 Uhr
Wie viel: Eintritt frei
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7e, 30449 Hannover

November 2016 – „Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen“

 

Mehr Transparenz, mehr Beteiligung, eine bessere Kommunikation und ein Konzept abseits von 0815-Einkaufszentren – so könnte eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums gelingen. Das ist eines der Ergebnisse von Catharina Hagemann, die das Viertel in ihrer Uni-Abschlussarbeit untersucht hat. Für sie ist das Quartier ein Möglichkeitsraum mit viel Potenzial.

Du hast deine Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Was hast du genau untersucht?
Ich habe mich in meiner Arbeit mit dem Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung beschäftigt und geprüft, inwieweit mit Hilfe dieses Leitbildes ein Revitalisierungskonzept für das Ihme-Zentrum aufgestellt werden kann. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema und besonders bei Projekten, bei deren Planung der Nachhaltigkeitsaspekt noch keine große Rolle gespielt hat, wie damals beim Ihme-Zentrum, finde ich es spannend, diese auf ein modernes Leitbild zu übertragen.

Wie bist du genau vorgegangen?
Ich habe mich zuerst mit dem theoretischen Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung auseinandergesetzt und Ziele rausgearbeitet, die mit einem Revitalisierungskonzept erreicht werden müssen. Hier handelte es sich sowohl um wirtschaftliche, aber auch ökologische, soziale und kulturelle Ziele. Mit Hilfe von Experteninterviews konnte ich dann ein Konzept erarbeiten, das zeigt, wie eine nachhaltige Revitalisierung aussehen könnte.

Und welches Ergebnis hast du erarbeitet?
Beim Ihme-Zentrum gibt es sehr großen Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen. Vieles ist in der Vergangenheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert, sodass sich Gerüchte und Vorurteile gebildet haben. Hier wäre zunächst einmal Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit von Seiten der Verantwortlichen wie Eigentümer und Verwaltung wichtig, um die Meinung der Hannoveraner zum Ihme-Zentrum zu verbessern und die aktuelle Situation zu verstehen. Des Weiteren müssen sich die Wohneigentümer und der Großeigentümer einig werden, um gemeinsam Veränderungen möglich zu machen. Aber auch nutzungsstrukturelle und bauliche Maßnahmen sind nötig, um die alten, nicht mehr zeitgenössischen Strukturen aufzubrechen. Ich denke nicht, dass Linden an dieser Stelle ein riesiges 0815-Einkaufszentrum braucht.

 

Gibt es denn Alternativen?
Ja, es herrscht eine ganz besondere kreativwirtschaftliche Lokalökonomie, die genutzt werden kann, um das Ihme-Zentrum modern und zukunftsweisend zu revitalisieren. Dabei sind kleinteilige Strukturen und die Förderung von Start-ups besonders wichtig. Die Nähe zum Wasser bietet viel Potenzial für eine Renaturierung und Naherholung, wie es auf der anderen Flussseite bei der Glocksee bereits der Fall ist. Das Ihme-Zentrum bietet unglaublich viel Potenzial, es müssen nur Mittel und Wege gefunden werden, diese zu nutzen.

Was findest du interessant an dem Quartier?
Mit seiner Größe und Bauweise ist es so innenstadtnah in Hannover einfach einzigartig. Ich wohne selbst in unmittelbarer Nähe des Ihme-Zentrums, sodass ich es ständig im Blick habe. Es ist ein Stück Heimat, und ich freue mich immer, wenn ich es nach längerer Abwesenheit wieder vor Augen habe. Das ursprüngliche Konzept „Stadt in der Stadt“ mit der angedachten Nutzungsmischung finde ich spannend. Die Idee, innerhalb eines Quartiers zu wohnen, zu arbeiten, sich zu versorgen und seine Freizeit zu gestalten ist sehr zukunftsweisend und so ist es umso trauriger zu sehen, dass es hier aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Gerade weil es so viel Potenzial gibt. Wenn ich mir vorstelle, was im Ihme-Zentrum alles möglich wäre, habe ich direkt Lust, mitzuarbeiten und ein neues, modernes Ihme-Zentrum mit aufzubauen und so geht es vielen. Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen.

Hast du eine Vision, wie ein nachhaltiges und kreatives Ihme-Zentrum 2030 aussehen könnte?
Es wäre bunt, voller Menschen aller Nationalitäten, jeden Alters, aller Lebensformen, die man sich vorstellen kann. Es gäbe ein durchmischtes, kleinteiliges Angebot an Geschäften und Kultur- und Bildungseinrichtungen. Die Fassaden könnten neu bemalt und alles grün und naturnah gestaltet werden. Es sollte ein Ort werden, an dem viele verschiedene Interessen zusammenkommen und umgesetzt werden können. Ich habe dabei kein genaues Bild vor Augen, das sollten wir alle zusammen gestalten.

Catharina Hagemann

Catharina Hagemann hat Kultur-und Sozialgeographie an der Leibniz Universität Hannover studiert und ihre Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Sie ist Mitglied im Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum wohnt seit 2009 in Hannover.

Juni 2015 – „Wirklich großes Potenzial“

Ihme-Zentrum, 2014.

Als Wissenschaftlerin erforscht Professorin Christine Hannemann die Wechselwirkung von menschlichen Bedürfnissen, Interessen sowie Nutzungen und gebauter Umwelt. Ende Mai durfte ich ihr im Rahmen einer Veranstaltung der Akademie für Raumforschung und Landesplanung das Ihme-Zentrum zeigen. Im Interview erklärt sie, welches Potenzial sie für den Gebäudekomplex sieht und welche Probleme es geben könnte.

Frau Hannemann, Sie waren Ende Mai im Rahmen eines Expertengesprächs zur Zukunft des Ihme-Zentrums in Hannover zu Gast. Welchen Eindruck hatten Sie von der Stadt vorher?
Nur ein paar Tage vor dem Podiumsgespräch hatte ich das Glück den städtischen Baudezernenten Uwe Bodemann in einem Vortrag zu erleben. Er hat uns die Entwicklung der Stadt Hannover mit allen Erfolgen und Herausforderungen beschrieben. Demnach hat sich die Stadt in den vergangenen Jahren ja stark zum Positiven entwickelt. Doch das Ihme-Zentrum hat er nicht mit einem Wort erwähnt. Das fand ich angesichts der Größe der Probleme in dem Stadtviertel eher ungewöhnlich.

Der Umbau beginnt...

Im Rahmen Ihres Besuches in Hannover habe ich Ihnen das Ihme-Zentrum gezeigt. Welchen Eindruck macht der Komplex auf Sie?
Ich finde die Summe der Probleme dort schon immens. Aber offensichtlich funktioniert das Wohnen ja gut. Also muss vor allem der gewerbliche Bereich umgestaltet werden. Für mich hat das Ihme-Zentrum ein wirklich großes Potenzial zur Entwicklung.

Gibt es aus Ihrer Erfahrung denn andere sogenannte Problemstadtteile, bei denen ein Wandel, eine Transformation gelungen ist?
Ja, die gibt es. Wobei das auch immer daran liegt, wie die Eigentumsverhältnisse organisiert sind. Die Lage im Ihme-Zentrum – mit einem Investor, dem rund 83 Prozent gehört und rund 550 weiteren Einzelbesitzern – ist schon ungewöhnlich. Dabei würde mich vor allem interessieren, wie die Struktur der Bewohner aussieht. Also welchem Milieu sie entstammen, was ihre Bedürfnisse sind. Bislang weiß ich nur, dass es in dem ganzen Komplex keine Sozialwohnungen und einen hohen Anteil an Privatwohnungen gibt.

Eingang

Sie beschäftigen sich an der Universität Stuttgart mit Aspekten und Dimensionen der Wechselwirkung von menschlichen Bedürfnissen, Interessen sowie Nutzungen und gebauter Umwelt. Welches Entwicklungspotenzial sehen Sie denn im Ihme-Zentrum?
Das Ihme-Zentrum bietet im Prinzip eine wunderbare Möglichkeit, um hier einen sozial und ökologisch nachhaltigen Stadtteil mit Innenstadtlage, also auch fußgänger- und fahrradfreundlich, zu etablieren. Die Frage ist nur: Wollen das die Bewohner und der Investor? Und, wie engagiert sich die Stadt?

Christine Hannemann

Prof. Dr. Christine Hannemann leitet das Fachgebiet Architektur- und Wohnsoziologie
am Institut für Wohnen und Entwerfen der Universität Stuttgart.

Juni 2015 – Das Ihme-Zentrum bei der Tedx Konferenz

Wie ist das Ihme-Zentrum zu dem geworden, was es heute ist? Und wie könnten wir die Herausforderungen angehen und die Probleme lösen? Als ich vor knapp einem Jahr eingezogen bin, wollte ich die Theorie aus meinem Nachhaltigkeitsmanagement-Studium einmal praktisch ausprobieren und habe mich in den Gebäudekomplex verliebt. Deswegen freue ich mich über jede Mail, jedes nette Wort, jede Idee und Vision für den „Klotz“. Das Ihme-Zentrum ist ein Symbol für so manche Verfehlung der europäischen Stadtentwicklung, aber es ist kein Slum, keine Bausünde und vor allem sind alle Mängel technologisch lösbar.

Am Mittwoch, 10. Juni, erkläre ich an der Leuphana Universität Lüneburg im Rahmen der Tedx Konferenz, warum ich das Ganze mache, warum ich eine Nachhaltigkeitsanalyse anwende und was mein Projekt mit Embedded Journalism oder dem Gonzo-Journalismus eines Hunter S. Thompson zu tun hat. Das Ganze wird aufgezeichnet, ich werde das Video dann an dieser Stelle posten.

Hier gibt es den Livestream. Los geht es um 17 Uhr.

Februar 2015 – Schöner scheitern

Reihenhaus vor Hochhaus

Das Ihme-Zentrum ist ein einfaches Opfer. Es ist leicht, sich über Aspekte der architektonischen und städtebaulichen Fehlplanung aufzuregen. Die Außenfassade ist hässlich, keine Frage. Und es gibt auch einen Investitionsstau, was die Infrastruktur angeht. Doch nervt es die Bewohner und Liebhaber ungemein, wenn Außenstehende nur eine Möglichkeit zur Lösung der Probleme sehen: den kompletten Abriss. Denn das ist kurzsichtig, dumm und unnachhaltig.

Ende Januar gab es einen Artikel auf Spiegel Online, bei dem Nutzer die Bausünden ihrer Städte vorstellten. Daraus wurde schnell eine schöne Bildstrecke gezimmert, damit die Klickzahlen hochgehen, und außerdem teilt sich Content mit Aufreger-Potenzial auch so schön. Auch ich bekam von vielen Menschen den Link zu dem Artikel. Mal mit Kommentaren wie „Siehste, scheiße bei dir“, meist aber mit Sätzen wie „Dieses Bashing nervt“. Denn nichts anderes ist es ja: billiges Beleidigen. Und ja, es nervt.

Ich überlege seitdem, ob ich Führungen durch das Zentrum anbieten soll, um dem letzten kritischen Menschen zu zeigen, wie toll es hier ist zu wohnen und zu leben. Und warum das Ihme-Zentrum aus meiner Sicht metaphorisch dafür steht, wie sich Hannover in den kommenden Jahrzehnten entwickelt. Ob die Stadtverwaltung, die Gesellschaft, die Beteiligten der Kultur, Wirtschaft, Sport und vielen anderen Teilbereichen den Klotz als das sehen, was er ist: ein mögliches Leuchtturmprojekt für ein neues urbanes Leben. Aber das geht nur, wenn das sinnlose Bashing aufhört, was ja nicht nur das Ihme-Zentrum angeht. Aber dazu braucht man keinen billigen Zynismus, sondern Ideen, Visionen, die Bereitschaft, zusammen zu arbeiten und natürlich Mut. Und wenn es so etwas in dieser Stadt nicht gibt, dann muss ich mir überlegen, ob es die richtige Stadt für mich ist.

P.S. Einen Screenshot von der SpOn-Seite habe ich nicht eingefügt, wegen der Art und Weise, wie Medien wie SpOn mit Bildrechten gegenüber Bloggern und Abmahnungen umgehen. Auch einen Link dazu wird es hier aus den gleichen Gründen nicht geben. Wen es interessiert, findet das Ganze durch eine einfache Google-Suche.