Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Das Ihme-Zentrum ist ein Möglichkeitsraum und keine Ruine

Gerd Runge erklärt beim Rundgang die Geschichte und das Potenzial des Ihme-Zentrums.

Gerd Runge (Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V.) erklärt beim Rundgang die Geschichte und das Potenzial des Ihme-Zentrums.

Seit etwa zwei Jahren gibt es Rundgänge durchs Ihme-Zentrum. In rund anderthalb Stunden erklären Architekten, Künstler oder Wirtschaftsexperten aus der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, warum das Quartier als Utopie der 1970er-Jahre gebaut wurde und wie es durch Spekulation, Missmanagement und einer verfehlten Stadtentwicklungspolitik zur Ruine wurde. Doch die Krise des Ihme-Zentrums ist auch eine Chance: Das Viertel bietet durch seine Lage, der Wohnungen und des vielen Freiraums ein riesiges Potenzial für eine nachhaltige, kreative und lebenswerte Zukunft.

Im Rahmen des Weihnachtsmarktes im Ihme-Zentrum Mitte Dezember boten Architekt Gerd Runge und Nachhaltigkeitsberater Constantin Alexander mehrere Rundgänge durch das Quartier an. Zu den Touren kamen mehrere hundert Interessierte – von jung bis alt. Viele schilderten im Anschluss ihre Verwunderung über die Zustände vor Ort, gaben den beiden aber Recht und unterstützen die Pläne des Vereins.

„Ich  wohne  seit 1982 in Linden und  habe die Entwicklung des Ihmezentrums  stets verfolgt. Ich habe den Rundgang genossen und habe ihnen sehr gerne zugehört. Dieser allg. Pessimismus zu diesem Thema ärgert mich schon seit lange Zeit. Um so erbaulicher fand ich ihre zukunftsorientierte positive Haltung zu diesem Thema. Machen sie weiter so, das Ihmezentrum hat viel Potenzial.“ H.C.


„Mein erster Eindruck, als ich vor 2 Jahren mit dem Rad an der Ihme entlanggefahren bin, war auch negativ geprägt. Nach dem Rundgang und den Hintergrundinfos sehen wir das Ihme Zentrum wirklich ein besser anders.“ S.S.

Wer sich für die Rundgänge interessiert, hier findet sich der nächste Termin.

Wer sich für die Geschichte und das Potenzial des Ihme-Zentrums interessiert, findet hier eine Reihe von Veranstaltungen.

Das Projekt ist auch auf Facebook, Instagram und Twitter.

Anmerkung: Die Namen der Rundgangsteilnehmenden werden aus Datenschutzgründen nicht offen genannt.

Dezember 2016 – Weihnachtsmarkt im Ihme-Zentrum

Weihnachtsmarkt im Ihme-Zentrum

Am 17. und 18. Dezember organisiert die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum gemeinsam mit weiteren Partnern zum ersten Mal überhaupt einen Weihnachtsmarkt im Ihme-Zentrum. Was genau Besucher erwartet, erklärt Mit-Organisator und Mitglied im Vorstand der Zukunftswerkstatt, Jan-Philippe Lücke.

Was genau habt ihr vor?
Wir wollen dieses Jahr einen Weihnachtsmarkt im Ihme-Zentrum organisieren. Anfangs war es bloß eine fixe Idee unter Freunden, doch schnell stießen Initiativen wie Kultur des Wandels und der Verein Transition Town dazu, die freundlicherweise ihren Palettengarten als Austragungsort zur Verfügung stellten. So sind wir jetzt aus dem Nichts zu einem ansehnlichen, zweitägigen Programm angewachsen, mit den Schwerpunkten vegane Ernährung, Kunst aus dem Stadtteil und dem Ihme-Zentrum selbst, welches an den beiden Tagen wieder mit Linden zusammenwachsen und das Quartier im wahrsten Wortsinn in einem ganz anderen Licht erstrahlen lassen soll.

So sieht der Weihnachtsmarkt aus

Wie kann man sich einbringen? Kann man auftreten? (Wo meldet man sich?)
Als (bildender) Künstler hat man die Möglichkeit, Standflächen in unserer Pop Up-Galerie zu mieten. Diese wird als wettergeschützter Raum über den Weihnachtsmarkt zugänglich sein und kann je nach Bedarf des Künstlers ausgeleuchtet werden. Als Bildhauer mit unempfindlicheren Werken ist auch ein Ausstellen auf der übrigen Weihnachtsmarktfläche möglich.
Für unsere Kinder-Tour ins Ihme-Zentrum und für die allgemeinen Szenen im Weihnachtsmarktgetümmel suchen wir auch noch spiel- und verkleidungsfreudige Mitstreiter, die Spaß daran haben, zum Gelingen einer solchen Aktion beizutragen. Die Künstlerin Mansha Friedrich wird mit Kindern und allen Interessierten eine Stellwand gestalten und sucht dafür noch Farben und Materialien fast jeder Art.
Darüber hinaus wird Kultur des Wandels sein mobiles Wohnzimmer mit integrierter Bühne aufbauen. Diese wird eine Open Stage sein, auf der sich NachwuchsmusikantInnen oder –PoetenInnen präsentieren können und dürfen. Da wir aus einem rein nachbarschaftlichen Engagement heraus entstanden und gewachsen sind, fehlt uns leider ein gewisses Budget für Künstlergagen und wir freuen uns umso mehr, wenn unser Angebot in Anspruch genommen wird.
Sich für die Pop Up-Galerie anmelden, weitere Informationen anfordern oder Spenden in Form von Sachgütern oder Muskelkraft zur Verfügung stellen kann man einfach unter kultur(at)ihmezentrum.org.

Du bist selbst aktiv in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Warum ist das Quartier aus deiner Sicht geeignet für Kultur und Kunst?
Das Ihme-Zentrum übt in seiner Bauart einen großen Reiz auf Kreative aus. Die unübersichtliche Größe, die kaputten Ecken und auf der anderen Seite die beinahe „heile Welt“ in den Wohnbereichen darüber erzeugt einen sehr inspirierenden Kontrast. Man sieht es von beinahe überall in der Stadt, und jeder hat eine Meinung dazu. Zum anderen stehen seit Jahren Flächen im Ihme-Zentrum einfach leer, die in der Kultur- und Kreativszene dringend benötigt werden und von denen jeder weiß, dass diese nicht wieder mit Einzelhandel zu beleben sind. Deshalb werden wir im kommenden Jahr spezielle Infoveranstaltungen für Künstler und Kreative anbieten.

Jan-Philippe Lücke

Jan-Philippe Lücke ist bildender Künstler und seit 2012 Bewohner des Ihme-Zentrums. Er ist Mitglied im Vorstand der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum und Sprecher der Arbeitsgruppe Kultur.

Neue Pläne für das Ihme-Zentrum vorgestellt

Aussenfassade

Anderthalb Jahre mussten die Bewohner des Ihme-Zentrums, die Stadtverwaltung als größte Mieterin und alle weiteren Interessierte warten – nun endlich hat der Großeigentümer im Ihme-Zentrum so etwas wie einen Plan vorgestellt. Bei einer öffentlichen Anhöhrung im Neuen Rathaus am Donnerstag (8. Dezember) stellten die von Intown beauftragten Unternehmen RKW, Schulze + Partner sowie Projektsteuerer Christian Lückoff den aktuellen Stand vor. Und es ist ein deutlicher Fortschritt.

Die positiven Aspekte sind dabei unter anderem: Zwei Durchwegungen zur Ihme, eine kleinteilige Ladenstruktur im Erdgeschoss zur Blumenauer Straße, der Rücckbau der Passage im ersten Obergeschoss, Wohnungen zwischen beiden Passaggen im Bereich der ehemaligen Einkaufsstraße mit grünem Aufenthaltsbereich, kulturelle Nutzungen im ersten Obergeschoss. Auch, dass neben Einkaufen inzwischen auch an andere Nutzungen gedacht wird – zum Beispiel Kultur – ist positiv.

Grundsätzlich negativ bei den Plänen ist: Die Mall findet keine Fortsetzung zur Innenstadt hin – langfristig sollte an dieser Stelle eine Fußgängerbrücke zur Glocksee-Seite entstehen. Eine eher unpassende Passagenarchitektur, die dem umgebenden städtischen Gefüge eher unangemessen ist und unabhängig von der Entwicklung und Nutzung des Innenbereichs gebaut werden soll. Zu viele überdachte Bereiche in den Lageplänen, während die Visualisierungen ein anderes, luftigeres Bild vermitteln mit vielen Bäumen, wo es jetzt überhaupt keinen Platz dafür gibt. Leider gibt es immer noch keine Aussagen über die Integration in den Stadtteil am Küchengarten sowie den Verkehrswegen – wie der Fuß- und Radweg am Ihmeufer.

Innenausstattung

Auch fehlte es an einem eindeutigen Zeitplan für die einzelnen Bauabschnitte und an einem Finanzplan, der deutlich machte, was wie und wann in den kommenden Jahren gebaut wird. Auch gebe es noch keinen Masterplan, wie Projektsteuerer Christian Lückoff betonte. Gerne würde man sich das Ganze auch noch einmal in Ruhe anschauen. Nur: Die Website von Intown funktioniert seit mehr als einem Monat nicht.

Dementsprechend skeptisch fielen die Reaktionen der politischen Vertreter aus, die bei der Vorstellung anwesend waren. Für die CDU ist das Ganze nur eine Absichtserklärung. Der Vertreter der Grünen glaubt hingegen nicht mehr an „diesen Großeigentümer“ als den passenden Akteur, der das Zentrum nachhaltig entwickelt. Trotzdem stimmte eine breite Mehrheit der Politiker für die Verlängerung des Mietvertrags der Landeshauptstadt bis 2020 und erneuerte die Forderung an den Großeigentümer Intown, bis Mitte 2017 bauantragsreife Pläne für erste Erneuerungen vorzulegen. „Es gibt klare Fortschritte, aber noch kein fertiges Konzept. Deshalb wollen wir eine Übergangsregelung“, so Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). „Wir erwarten vom Investor, dass das Ihme-Zentrum so hergerichtet wird, dass es für alle Nutzer, Besucher oder Kunden wieder annehmbar wird. Wir haben lange Zeit ein entschlossenes Handeln vermisst. Jetzt gibt es zumindest Anzeichen, dass sich etwas ändert.“

„Der vorgelegte Entwurf ist (das erste Mal) eine brauchbare Diskussionsgrundlage“, so Gerd Runge vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Er erneuerte die Forderung an den Stadtrat, die Probleme durch das verwobene Eigentum im Quartier gemäß Baugesetzbuch anzugehen. „Dazu sind Vorbereitende Untersuchungen notwendig.“ Dies könnte integriert in einem Abstimmungsprozess mit den Bewohnern des Zentrums und den Anliegern passieren. Die von Intown beauftragten Planer haben dazu bereits ihre Bereitschaft vermittelt.

Aktualisiert am 8. Dezember 2016 – 19.40 Uhr

Städtebaurecht im Ihme-Zentrum – Chancen und Möglichkeiten

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Es gibt eine Alternative zur aktuellen Taktik der Stadt, mit dem komplexen Problem Ihme-Zentrum umzugehen. Der Stadtrat müsste nur handeln und sich für eine bessere Zukunft entscheiden. Wie genau das geht, erklären Experten für Stadtsanierung und Planung vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum am Mittwoch, 7. Dezember. Es geht um die Chancen und Möglichkeiten des Viertels auf Basis des Städtebaurechts und warum Vorbereitende Untersuchungen wichtig sind, um dem Zentrum eine Zukunft zu geben.

Diese Themen sind geplant:

• die Grenzen der privatrechtlichen Eigentumsstrukturierung und die Möglichkeiten der Umstrukturierung nach Baugesetzbuch;

• die transparente Entwicklung eines städtebaulichen Konzeptes von Integration vom Ihme-Zentrum in den Stadtteil im Rahmen von Vorbereitenden Untersuchungen nach Baugesetzbuch;

• das Verfahren und die einzelnen Schritte von Vorbereitenden Untersuchungen mit abschließendem Beschluss, rechtliche Änderungen während des Verfahrens und Höhe und Ermittlung von Ausgleichbeträgen nach dem Abschluss des Verfahrens.

Wann: Mittwoch, 7. Dezember 2016, 19.30 Uhr
Wo: Versammlungsraum der Wohngruppe, Wohnungsgenossenschaft Ostland, Blumenauer Str. 25 (Ecke Gartenallee)
Wieviel: Der Eintritt ist kostenlos
Wer: Die Einführung wird von den Architekten und Experten für Stadtentwicklung und Sanierungen, Gerd Runge, Michael Römer, Dieter Frenzel gemacht.

November 2016 – Jugendliche planen die Zukunft des Ihme-Zentrums

Constantin Alexander erklärt die Historie

Anfang November trafen sich rund 60 Schülerinnen und Schüler im Neuen Rathaus, um im Rahmen der Konferenz „Leibniz plant das Ihme-Zentrum“ neue Ideen für das Quartier zu sammeln und so spielerisch zu lernen, wie Demokratie funktioniert. Die Jugendlichen wünschen sich neben einem begrünten und bunten Ihme-Zentrum vor allem eine bessere Nutzung der freien Flächen. 

„Da ist so viel Platz, da könnten wir locker Sportplätze, Clubs und vieles anderes reinbauen, ohne dass es die Bewohner stört.“ Das Ihme-Zentrum als Möglichkeitsraum – so stellen es sich die rund 60 Schülerinnen und Schüler vor, die Anfang November bei der Konferenz „Leibniz plant das Ihme-Zentrum“ ins Neue Rathaus gekommen sind, um Zukunftsvisionen für das Viertel zu entwickeln. Relativ schnell sind sich alle einig: Ein Abriss ist Quatsch, vielmehr sollte man das Zentrum zum lebendigen Stadtteil Linden öffnen. Viele der Teilnehmenden kommen direkt aus der Nachbarschaft und empfinden den aktuellen Zustand des Quartiers als Belastung. „Das ist doch schade, wir könnten dort so viele tolle Sachen starten“, erklärt einer. „Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass dort ganz oben im Hochhaus ein geiles Restaurant oder Club drin wäre. Das würde Menschen anlocken – auch von außerhalb Hannovers.“

Die Jugendichen debattieren konzentriert und kreativ.

Die Teilnehmenden haben dabei keine Vorurteile gegenüber dem Zentrum, sie sehen vielmehr das Potenzials. Und so sind drei der Ideen, die es später durch das simulierte Parlament kommen, direkte Impulse, die auch den aktuellen Großeigentümer Intown interessieren könnten: „Begrünung der Dächer und der umliegenden Plätze“, „Bunte Architektur“ und eine bessere Außengestaltung würden im ersten Schritt schon viel bewegen – vor allem was das Image des Quartiers angeht. Doch auch die anderen Ideen zeigen, wie kreativ und gleichzeitig realitätsnah die Jugendlichen diskutiert haben: So wünschen sie sich Sporteinrichtungen in den derzeit leerstehenden unteren Geschossen, aber auch neuartige Arbeits- und Gemeinschaftsflächen sowie einen nachhaltigen Umbau des Viertels.

Viele tolle Ideen.

Die Konferenz wurde von Politik zum Anfassen e.V. organisiert.

November 2016 – „Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen“

 

Mehr Transparenz, mehr Beteiligung, eine bessere Kommunikation und ein Konzept abseits von 0815-Einkaufszentren – so könnte eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums gelingen. Das ist eines der Ergebnisse von Catharina Hagemann, die das Viertel in ihrer Uni-Abschlussarbeit untersucht hat. Für sie ist das Quartier ein Möglichkeitsraum mit viel Potenzial.

Du hast deine Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Was hast du genau untersucht?
Ich habe mich in meiner Arbeit mit dem Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung beschäftigt und geprüft, inwieweit mit Hilfe dieses Leitbildes ein Revitalisierungskonzept für das Ihme-Zentrum aufgestellt werden kann. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema und besonders bei Projekten, bei deren Planung der Nachhaltigkeitsaspekt noch keine große Rolle gespielt hat, wie damals beim Ihme-Zentrum, finde ich es spannend, diese auf ein modernes Leitbild zu übertragen.

Wie bist du genau vorgegangen?
Ich habe mich zuerst mit dem theoretischen Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung auseinandergesetzt und Ziele rausgearbeitet, die mit einem Revitalisierungskonzept erreicht werden müssen. Hier handelte es sich sowohl um wirtschaftliche, aber auch ökologische, soziale und kulturelle Ziele. Mit Hilfe von Experteninterviews konnte ich dann ein Konzept erarbeiten, das zeigt, wie eine nachhaltige Revitalisierung aussehen könnte.

Und welches Ergebnis hast du erarbeitet?
Beim Ihme-Zentrum gibt es sehr großen Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen. Vieles ist in der Vergangenheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert, sodass sich Gerüchte und Vorurteile gebildet haben. Hier wäre zunächst einmal Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit von Seiten der Verantwortlichen wie Eigentümer und Verwaltung wichtig, um die Meinung der Hannoveraner zum Ihme-Zentrum zu verbessern und die aktuelle Situation zu verstehen. Des Weiteren müssen sich die Wohneigentümer und der Großeigentümer einig werden, um gemeinsam Veränderungen möglich zu machen. Aber auch nutzungsstrukturelle und bauliche Maßnahmen sind nötig, um die alten, nicht mehr zeitgenössischen Strukturen aufzubrechen. Ich denke nicht, dass Linden an dieser Stelle ein riesiges 0815-Einkaufszentrum braucht.

 

Gibt es denn Alternativen?
Ja, es herrscht eine ganz besondere kreativwirtschaftliche Lokalökonomie, die genutzt werden kann, um das Ihme-Zentrum modern und zukunftsweisend zu revitalisieren. Dabei sind kleinteilige Strukturen und die Förderung von Start-ups besonders wichtig. Die Nähe zum Wasser bietet viel Potenzial für eine Renaturierung und Naherholung, wie es auf der anderen Flussseite bei der Glocksee bereits der Fall ist. Das Ihme-Zentrum bietet unglaublich viel Potenzial, es müssen nur Mittel und Wege gefunden werden, diese zu nutzen.

Was findest du interessant an dem Quartier?
Mit seiner Größe und Bauweise ist es so innenstadtnah in Hannover einfach einzigartig. Ich wohne selbst in unmittelbarer Nähe des Ihme-Zentrums, sodass ich es ständig im Blick habe. Es ist ein Stück Heimat, und ich freue mich immer, wenn ich es nach längerer Abwesenheit wieder vor Augen habe. Das ursprüngliche Konzept „Stadt in der Stadt“ mit der angedachten Nutzungsmischung finde ich spannend. Die Idee, innerhalb eines Quartiers zu wohnen, zu arbeiten, sich zu versorgen und seine Freizeit zu gestalten ist sehr zukunftsweisend und so ist es umso trauriger zu sehen, dass es hier aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Gerade weil es so viel Potenzial gibt. Wenn ich mir vorstelle, was im Ihme-Zentrum alles möglich wäre, habe ich direkt Lust, mitzuarbeiten und ein neues, modernes Ihme-Zentrum mit aufzubauen und so geht es vielen. Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen.

Hast du eine Vision, wie ein nachhaltiges und kreatives Ihme-Zentrum 2030 aussehen könnte?
Es wäre bunt, voller Menschen aller Nationalitäten, jeden Alters, aller Lebensformen, die man sich vorstellen kann. Es gäbe ein durchmischtes, kleinteiliges Angebot an Geschäften und Kultur- und Bildungseinrichtungen. Die Fassaden könnten neu bemalt und alles grün und naturnah gestaltet werden. Es sollte ein Ort werden, an dem viele verschiedene Interessen zusammenkommen und umgesetzt werden können. Ich habe dabei kein genaues Bild vor Augen, das sollten wir alle zusammen gestalten.

Catharina Hagemann

Catharina Hagemann hat Kultur-und Sozialgeographie an der Leibniz Universität Hannover studiert und ihre Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Sie ist Mitglied im Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum wohnt seit 2009 in Hannover.

Das Ihme-Zentrum kommt ins Kino!

Wir freuen uns und sich wahnsinnig aufgeregt: Am 4. Dezember ist die Premiere der Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“! Der Film von Hendrik Millauer und Constantin Alexander wird zum ersten Mal öffentlich im Apollo Kino in Hannover gezeigt. Die Vorstellung ist um 11 Uhr. Weitere Termine – auch im Januar – sind bereits geplant und werden hier veröffentlicht.

Karten im Vorverkauf gibt es hier.

November 2016 – Der Streit ums Ihme-Zentrum eskaliert

Park statt Leerstand?

Die Eigentümerversammlung im Ihme-Zentrum am Dienstag ist eskaliert. Großeigentümer Intown gab unkonkrete Versprechungen ab und bat erneut um Geduld. Die Stadt sah wenig Fortschritt und kaum Hoffnung auf eine Einigung. Ein angedrohter Auszug der städtischen Einrichtungen scheint nun immer konkreter zu werden. Doch es gebe Alternativen.

„Es ist ernüchternd.“ Frank Herbert, Leiter des Büros von Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD),  fand deutliche Worte, um die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem größten Eigentümer im Ihme-Zentrum, Intown, zu beschreiben. Seit Februar 2015 wartet die Stadt als größte Mieterin im Gewerbebereich und die rund 2.000 Bewohner auf konkrete Aussagen und Pläne des Eigentümers, der offiziell betont, ein „nachhaltiges Interesse“ an dem Stadtviertel zu haben. „Es gibt keinen Projektsteuerer vor Ort“, so Herbert in seinem Bericht vor den Eigentümern. „Wir als Stadt müssen Intown Druck machen, denn er hat einen Ruf zu verlieren.“ Wenn die Stadt und die Stadtwerke ausziehen und so keine Miete mehr zahlen, dann macht der Großeigentümer Verlust.

Intown reagierte und schickte zum ersten Mal überhaupt einen Vertreter zu einer Eigentümerversammlung. Der Asset-Manager des Ihme-Zentrums betonte dabei in seiner vorgeschriebenen Rede, dass dem Unternehmen an einer guten Kommunikation gelegen sei und sich nicht verstecken wolle. Kontaktaufnahmen von Seiten der Eigentümer verbat er sich jedoch und wies darauf hin, dass Intown ein renommiertes Architekturbüro für die Umbaupläne beauftragt habe. Aus hannoverschen Architektenkreisen war in den vergangenen Tagen jedoch zu hören, dass das beauftragte Architekturbüro Schulze & Partner, das im Sommer bereits Visualisierungen für eine neue Fassade präsentiert hatte, wegen fehlender Bezahlung die Arbeit bereits wieder eingestellt habe. Auch berichtete ein Eigentümer von Einzelnhändlern, die ein großes Interesse an einer Anmietung hätten, aber keine Antwort auf ihre Anfragen bei Intown bekämen. Der Hinweis des Intown-Vertreters, sein Unternehmen wolle dem Ihme-Zentrum „zum neuen Glanz verhelfen“ wurde so von den Anwesenden mit lautem Lachen quittiert.

Jürgen Oppermann, Vertreter der Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum, hat indes keine Geduld mehr mit Intown: „Der Großeigentümer hatte die Chance, ein Zeichen zu setzen.“ Es habe allein mehr als ein Jahr gedauert, bis Intown seinen Teil der Hauskosten fristgerecht bezahlen würde. „Es ist besser, er geht sofort, als dass unser Eigentümer weiter verkommt“, so Oppermann. Als ein erster Schritt beschloss die Eigentümerversammlung, den Großeigentümer zu einer Zahlung von 50 Millionen Euro zu verpflichten und dies – falls notwendig auch durch ein Gericht oder eine Zwangsvollstreckung geltend zu machen. Ob diese Forderung jedoch vor Gericht Bestand hat, zweifelten vor Ort mehrere Menschen an, zum Teil selbst Juristen.

Dabei gebe es eine Antwort auf all die Probleme im Ihme-Zentrum, die der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum in einem Konzept zusammengestellt hat. Mit einer Art Inventur werden dabei am Anfang die Missstände im baulichen Bereich, aber auch bei den Eigentumsverhältnissen überprüft und geschaut, ob das alles noch so funktioniert. Auf der Basis dieser Analyse, die durch ein unabhängiges Gremium durchgeführt wird, kann das Ihme-Zentrum dann zu einem besonderen Stadtumbaugebiet gewidmet werden. Für die baulichen Maßnahmen gibt es dann öffentliche Förderung von Stadt, Land, Bund und eventuell auch der Europäischen Union.

Oktober 2016 – Nominierung für das Projekt

Ein Herz fürs Ihme-Zentrum

Unser Projekt zur nachhaltigen und kreativen Transformation des Ihme-Zentrums ist nominiert worden für den renommierten Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis ZeitzeicheN des Netzwerk21Kongress‘. Die Verleihung ist am 27. Oktober in Dortmund. Jetzt heißt es Daumen drücken.

Oktober 2016 – „Nicht verstecken, sondern stolz sein“

Respect The Architecs

Der hannoversche Street-Art-Künstler und Designer Jan Heidemann hat ein besonderes Verhältnis zum Ihme-Zentrum. Im Interview beschreibt er, wieso er das Quartier ästhetisch spannend findet und was aus seiner Sicht passieren muss, damit das Zentrum wieder funktioniert.

Du bist seit langem auf Hannovers Straßen unterwegs und hast wegen deines Graffiti-Hintergrunds einen besonderen Blick auf unsere Stadt: Wie hast du in der Vergangenheit das Ihme-Zentrum wahrgenommen?
Das IZ ist für mich eine Landmarke, die Linden und mein Zuhause markiert – genau wie die Warmen Brüder gleich gegenüber sehe ich es als Location-Icon, an dem ich mich orientiere und das visuell meine Hood prägt. Im Gegensatz zu den warmen Brüdern hat es das IZ nur leider bis heute nicht geschafft, ein positives Image verpasst zu bekommen. Die warmen Brüder sind beliebte Motive auf Babystramplern und Filzschlüsselanhängern, mit dem IZ möchte man lieber nichts zu tun haben. Vielleicht liegt das daran, weil das Beton-Monster sich wie eine uneinnehmbare Festung an der Ihme breitgemacht hat: Man weiß eigentlich gar nicht so genau, wie man da reinkommen soll und was da drin so vor sich geht.

Copyright: Jan Cido Heidemann

Wie bewertest du als Künstler das Ihme-Zentrum?
Ich habe 2001/2002 analoge Fotos vom IZ gemacht, aus denen dann großformatige Leinwandarbeiten und eine Siebdruckreihe entstanden sind. Dabei waren für mich ausschließlich die abstrakten Strukturen des Betons interessant: stürzende Linien, sich wiederholende Formen und versteckte Negativformen. Die Architektur-Fotos habe ich damals noch weiter reduziert auf ihre rein geometrische Wirkung und das IZ in Flächen und Linien zerlegt, neu arrangiert und eingefärbt. Ich finde also, dass das IZ durchaus sehr schön sein kann, wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet.

Hast du eine Vision, wie ein nachhaltiges, kreatives Ihme-Zentrum in zehn bis fünfzehn Jahren aussehen könnte?
Mit dieser Frage habe ich mich bis jetzt noch nicht ernsthaft auseinandergesetzt. Ich bin kein Städteplaner und auch nicht sozial oder politisch aktiv. Ich nutze die Architektur nur als Inspirationsquelle. Wenn’s nach mir ginge, sollte man das komplette IZ einfach mattschwarz oder flamingorosa streichen, dann wäre es wenigstens mal rein äußerlich attraktiv 😉 Man müsste dahin kommen, dass Hannover das IZ nicht verstecken will, sondern stolz drauf sein kann. Dazu bräuchte das IZ am besten einen ganz neuen Namen bzw. eine neue Identität, die man liebhaben kann. Da müssen große Augen drangemalt werden 😉

Jan Heidemann

Jan Heidemann macht seit 25 Jahren Graffiti, seit 15 Jahren Grafik-Design und fühlt sich genausolange in Hannover (Linden) zuhause.
Er arbeitet als Art Direktor beim t3n Magazin aus Hannover und als Freiberufler für eigene Kunden.
Die Sprühdosen werden gerade wieder entrostet nach längerer Kreativ-Pause.