Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Ein mobiles Café für das Ihme-Zentrum?

Erfolgreich durch Austausch – mit einem mobilen Café wurde in der japanischen Version des Ihme-Zentrums die Lebensqualität erheblich gesteigert.
Bewohner wurden an zentralen Plätzen besucht, um eine gemeinsame Teezeit zu machen.
Bei einem Vortrag in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum präsentierte Designerin Azusa Sumioka das Projekt.
Anwesende Bewohner im Ihme-Zentrum zeigten sich sehr interessiert an der Idee.

Ein mobiles Café, mit dem man Bewohner in einem Stadtteil mit großen Herausforderungen besucht – die Idee des Teams um Azusa Sumioka war eigentlich recht simpel und sofort erfolgreich. „Besonders für Senioren war es eine schöne Gelegenheit, mal wieder miteinander ins Gespräch zu kommen“, erklärte Sumioka am 10. Januar bei ihrem Vortrag in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. „Die Bewohner haben viele alte Geschichten über das Quartier erzählt.“ Zum Beispiel habe es vor Jahren einen ganz belebten Platz in der Mitte des Quartiers gegeben – wie ein Marktplatz, so die Designerin, die derzeit an der Hochschule Hannover weilt. Inzwischen gebe es viele weitere Projekte in dem Stadtteil, die die Lebensqualität erhöhten und das lange vernachlässigte Viertel wieder belebten.

Für viele der rund 50 Anwesenden schien so ein Platz und die Herausforderungen von Motomachi wie eine japanische Kopie des Ihme-Zentrums zu sein. Azusa Sumioka musste nach ihrem Vortrag noch zahlreiche Fragen beantworten. Viele anwesende Bewohner waren sofort begeistert von der Idee, mit einem mobilen Café durch das Ihme-Zentrum zu ziehen und bei einem Tee oder Kaffee mit anderen Bewohnern ins Gespräch zu kommen. So auch Manfred Hinz, Bewohner im Ihme-Zentrum, der sich sehr über den Vortrag freute. „Ein paar Ideen kann man vielleicht doch mitnehmen und umsetzen.“ Auch wenn die Voraussetzungen im Ihme-Zentrum in mancher Hinsicht anders seien als in Motomachi: Die öffentlichen Flächen des japanischen Quartiers befänden sich in kommunaler Hand.

Jürgen Lübbert, Architekt und Organisator des Vortrags schloss mit einem konstruktiven Ende: „Durch kreative Massnahmen kann man vor Ort das Interesse wecken und Dinge in Gang bringen.“

Foto: Manfred Hinz

Mehr Infos zur Veranstaltung hier.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt. In dieser Event-Reihe beschäftien sich Bewohner, Experten, Forscher und weitere Interessierte mit Ideen und Konzepten für Entwicklungsansätze im Ihme-Zentrum. Der nächste Termin ist am 14. Januar, 15 Uhr: „Europas größte Baustelle – die Anfangsphase des Ihme-Zentrums“. #ihmezentrum2025 wird u.a. unterstützt durch den Innovationsfonds der Landeshauptstadt Hannover.

Advertisements

Das Ihme-Zentrum ist ein idealer Ort für Design

Das Ihme-Zentrum inspiriert Künstler, Kreative und Designer. Am 13. Januar wird daher dort Hannovers erstes Micro Designfest „Coold“ gefeiert. Im Interview erklärt Initiator Matthias Lauche, warum ihn das Quartier fasziniert, welche Rolle Kreative bei der Wiederbelebung spielen sollten und was Besucher bei „Coold“ erwarten dürfen.

Am 13. Januar geht ihr mit „Coold“ in die Zukunftswerkstatt im Ihme-Zentrum. Was genau habt ihr vor?
Produktdesign ist in der kreativen Szene in Hannover so gut wie gar nicht vertreten. Andere Teilbereiche der Designwirtschaft haben bereits Veranstaltungen entwickelt, bei denen sich die Designer präsentieren können. Es existieren tolle Produkte, designed in Hannover, tolle Designer und Designerinnen, klasse Projekte und Büros, aber dies wird nur selten nach außen getragen. Das soll sich ändern. COOLD bietet in Hannover ein Forum für Produktdesignerinnen und Produktdesigner.

Und wie sieht das konkret aus?
Die Veranstaltung wird dazu genutzt, die Thematik Produktdesign aus Hannover und der Region in der kreativen Szenen sichtbar zu machen. Dazu werden natürlich auch Akteure gesucht, die daran teilhaben und sich und ihr Projekt, Produkt, Dienstleistung, Prototyp usw. dem Publikum und der Öffentlichkeit zeigen. Geplant sind interessante Angebote wie Vorträge, DIY, Workshops und Diskussionsrunden. Aber auch für die Liebhaber des „Guten Designs“ist gesorgt, denn es gibt eine kleine Ausstellungs-Area für Produkte „designed in Hannover“. Abgerundet wird das Ganze mit nachweihnachtlichem Glühwein, solange der Vorrat reicht und entspannten Beats.
Idealerweise bekommen die Besucher der Veranstaltung Einblicke in die Design…Produktdesign. Szene der Stadt und der Region. Sie können sich ein Bild davon machen, wie das aktuelle Produktdesign aus Hannover aussieht und sich bei den Designern informieren.

Hier findet ihr das ganze Programm.

Eure Veranstaltung dreht sich um Produktdesign. Wieso ist das Ihme-Zentrum so spannend für Produktdesigner?
Wer über den Tellerrand der Stadt Hannover hinausschaut und den Fokus auf Designveranstaltungen legt, der wird schnell feststellen, dass diese meist an eher ungewöhnlichen Orten stattfinden. Ich, als zugezogener Lindener, (mittlerweile aber auch schon elf Jahre) finde, dass das Ihme-Zentrum genau ein solcher Ort ist. Jeder kennt es, jeder weiß, wo es ist, und ich würde behaupten jeder ist daran interessiert, wie es jetzt aussieht. Es ist ein toller Ort, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und genau das steht bei COOLD ja im Vordergrund.

Hast du eine Vision für ein nachhaltig und kreativ entwickeltes Ihme-Zentrum 2025?
Ich würde mir für das Ihme-Zentrum 2025 wünschen, dass noch viel mehr Kreative dort einen Platz finden, um ihr Ding durchzuziehen. Egal in der Fläche oder als Räumlichkeit. Es soll ein belebter Ort werden, an dem man sich gerne trifft, der einen besseren Ruf hat. Die Stadt in der Stadt soll mit den umliegenden Stadtteilen verbunden werden, damit es zum Austausch kommen kann.

 

Vortrag über Baustil des Ihme-Zentrums war ein großer Erfolg

Volles Haus, gute Stimmung, spannender Austausch: Rund 120 Menschen kamen am Sonntag (7. Januar) in die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, um den Vortrag über Brutalismus von Prof. Ekkehard Bollmann zu hören. Viele Bewohner, Architektur-Interessierte und auch prominente Hannoveraner kamen und hörten gespannt zu. Der Vortrag wurde gefilmt und wird demnächst veröffentlicht. 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe #ihmezentrum2025 statt: Dabei entwickeln Experten gemeinsam mit Bewohnern des Ihme-Zentrums und Interessierten Ideen und Konzepte für eine nachhaltige Revitalisierung des Quartiers. Nächste Termine:

10. Januar, 19 Uhr – „Motomachi – das Ihme-Zentrum von Hiroshima“

14. Januar, 15 Uhr – „Europas größte Baustelle: Vortrag mit Fotos über den Bau des Ihme-Zentrums“

Die Veranstaltungen finden im Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7e statt. Der Eintritt ist jeweils kostenlos.

Die Architektur des Ihme-Zentrums ist wieder in

Rohe Betonwände, gigantische Gebäudekomplexe, schlechter Ruf – die Architektur des Brutalismus’ wurde lange Jahre stigmatisiert und in ihrer Originalität und ihrer Bedeutung in Bezug auf das historische Erbe verkannt. Doch seit einigen Jahren erfreut sich der Baustil bei Architektur-, Design- und Kunstfans wieder größerer Aufmerksamkeit. Manch einer sagt dem Brutalismus sogar eine große Zukunft voraus, wie den Altbauten früher. Ausstellungen und Initiativen wie SOSBrutalism kämpfen für einen Erhalt dieser einmaligen Gebäude.

Auch Das Ihme-Zentrum in der Landeshauptstadt Hannover fasziniert heute deswegen immer mehr Menschen. Professor Ekkehard Bollmann, Architekt und Zeitzeuge, erklärt in einem Vortrag am 7. Januar um 16 Uhr, wie der Brutalismus in den wilden und ereignisreichen 1960er-Jahren entwickelt wurde, einer Zeit der gesellschaftlichen Utopien und Experimente, warum er für eine fortschrittliche Gesellschaft steht und wie es gelingt, aus geschmähten Betonklötzen die Leuchttürme zu machen, die sie sein könnten.

Zum Vortragenden:
Ekkehard Bollmann (*1935) arbeitete als Professor für Städtebau in den USA, Kanada und Deutschland. Als langjähriger Architekt schuf er u.a. das alte Kröpcke-Center in Hannover. Er ist Mitglied im Bund Deutscher Architekten Landesverband Niedersachsen, Deutscher Werkbund Nord, Freunde der Architektur dem Förderverein an der Leibniz Universität Hannover sowie in der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Veranstalter: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, mit freundlicher Unterstützung des Bund Deutscher Architekten BDA, Bezirksgruppe Hannover.

Was: Vortrag über Brutalismus
Wann: 7. Januar, 16 Uhr
Wo: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum am Ihmeplatz 7e, Eingang über Blumenauerstraße
Eintritt kostenlos, um Spenden wird gebeten.

Mehr Infos zur Veranstaltung gibt es auch hier bei Facebook.

„Der positiven Entwicklung des Ihme-Zentrums werden Steine in den Weg gelegt“

Fast 2.000 Menschen wohnen im Ihme-Zentrum – bei rund 550 Eigentümer. Ein buntes Mosaik höchst unterschiedlicher Meinungen.

Ein halbes Jahr gibt es jetzt den Nachbarschaftstreff des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Tausende Besucher und viele Veranstaltungen zeigen: Das Interesse an einer konstruktiven Entwicklung ist riesig. Und doch gibt es Menschen, die dies verhindern wollen – notfalls vor Gericht. Gerd Runge, Architekt und Mitbetreiber der Räume, über abstruse Drohungen, die die gesamte positive Entwicklung des Ihme-Zentrums gefährden.

Seit einem halben Jahr hat das Ihme-Zentrum zum ersten Mal einen Nachbarschaftstreff. Betrieben vom Verein und im Besitz von Bewohnern und externen Interessierten. Wie ist die Bilanz?
Gemischt: Einerseits läuft die Zukunftswerkstatt sehr gut. Wir hatten Tausende Besucher bei den Workshops, Konzerten, Theaterstücken, Märchenstunden oder Vorträgen. Darunter viele Bewohner, die sich bei den BewohnerCafés oder den Planungstreffen auch über ihre Rechte informieren und uns erzählen, welche Sorgen sie haben. Die Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Hannover bei Veranstaltungen ist ebenfalls super! Das Interesse und der Bedarf sind also da.

Was läuft nicht so gut?
Wir erleben ein wirklich bizarres Schauspiel. Die Eigentümergemeinschaft Ihme-Zentrum, vertreten durch den Geschäftsführer der Hausverwaltungs-GmbH, Torsten Jaskulski, hat uns aufgefordert, die derzeitige Nutzung der Räume durch den Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum umgehend zu verhindern. Ohne dass es dazu eine Meinungsbildung bei einer Eigentümervollversammlung gegeben hätte.

Das kommt jetzt überraschend. Was ist denn die Begründung?
Es gebe keine Genehmigung durch die Wohnungseigentümer und durch die Hausverwaltung für die Vermietung an den Verein. Wir haben uns darüber sehr gewundert, schließlich hat der Hausverwalter Torsten Jaskulski bereits im Oktober 2016 als damaliger Bevollmächtigter der Vorbesitzerin den Mietvertrag selbst geschlossen. Der Mietvertrag ist beim Kauf durch uns 1 zu 1 an uns übergegangen. Dem Eigentümerwechsel hat Herr Jaskulski beim Notar zugestimmt – ohne Einwand.

Tausende Quadratmeter im Ihme-Zentrum stehen leer und wollen genutzt werden. Doch angesichts des aktuellen Konflikts steht die Frage im Raum, wie sicher Investitionen vor Ort sind.

Und wie argumentiert die Verwaltung?
Die Aufforderung basiert auf einer Vermutung, dass sich durch kulturelle Nutzung andere Teileigentümer gestört fühlen könnten. Das ist für uns überraschend, weil wir noch nie von Beschwerden anderer Eigentümer gehört haben. Deshalb gibt es in der Zukunftswerkstatt ja auch keine wilden Partys oder laute Musik, und wenn nur Klassik- oder Jazzkonzerte. Wir haben vor der Eröffnung außerdem mit professionell ausgebildeten Veranstaltungstechnikern alles überprüft, mehrere Lautstärketests gemacht und uns mit direkten Anwohnern ausgetauscht. Und wir sprechen uns immer mit dem Sicherheitsdienst vor Ort ab, dessen Mitarbeiter uns bislang auch keine Beschwerden weitergegeben haben.

Haben die Hausverwaltung oder Eigentümervertreter vor dem Brief denn ein Gespräch zu dem Thema gesucht?
Nein! Es wird auch schon seine Gründe haben, wenn die Hausverwaltung oder Eigentümervertreter keinen Wert auf eine konstruktive Konfliktbewältigung legen und – anstatt direkt mit uns zu reden – lieber Anwälte vorschicken. Das zeigt sich auch schon an der Art, wie wir diese Aufforderung erhalten haben.

Wie meinst du das?
Das Anwaltsschreiben ist am 27. Dezember bei uns eingegangen, mit einer Frist bis zum 29. Dezember um 12 Uhr. Wenn wir in dieser extrem kurzen Zeit nicht dem Verein die Nutzung untersagen, wird uns mit Klage gedroht. Ich finde, schon anhand dieser Fristsetzung zeigt sich, dass es wohl um Klage geht. Dazu muss man kein Anwalt sein. Offenbar sollen der Vereinsarbeit Steine in den Weg gelegt werden. Ein wirtschaftlicher Schaden der Betreiber der Räumlichkeiten wird dabei bewusst in Kauf genommen. Das ist bedauerlich und auch kein gutes Zeichen für andere Unternehmen, die im Ihme-Zentrum investieren und arbeiten wollen! Die werden dadurch eventuell abgeschreckt.

Warum dann dieser unnötige Konflikt? Wer hat denn ein Interesse, dass der Verein nicht mehr arbeiten kann und die Bewohner des Ihme-Zentrums ihren einzigen Treffpunkt verlieren?
Das ist eine gute Frage, die auch bei einer Vollversammlung aller Eigentümer mal besprochen werden sollte. Meine Interpretation geht so: Es findet derzeit ein Wandel im Ihme-Zentrum statt. Nach Jahren des Stillstandes ist im vergangenen Jahr sehr viel Positives passiert. Immer mehr Menschen besuchen das Ihme-Zentrum und verstehen, dass es eine bessere Zukunft verdient hat. Es ziehen außerdem immer mehr junge Menschen und Familien her. Auch die Stadt engagiert sich immer stärker und schaut genau hin. Dieser Wandel passt nicht jedem. Die Interessen einiger weniger werden offenbar vor das Gemeinwohl gestellt. Doch wir lassen uns nicht einschüchtern. Natürlich darf der Verein in den Räumen weiter arbeiten!

Gerd Runge

Gerd Runge ist Architekt und Eigentümer im Ihme-Zentrum.

Dieses Interview wurde im Rahmen der Netzwerk-Recherche-Projektförderung Grow geführt. In dem Projekt wird erforscht, wie hyperlokaler, konstruktiver und nachhaltig verwalteter Journalismus funktionieren kann. Die Ergebnisse werden auf der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz am 29./30. Juni 2018 beim NDR in Hamburg und bei der Veranstaltungsreihe #ihmezentrum2025 im Frühjahr 2018 vorgestellt.

„Ich wünsche mir eine bessere Zukunft für das Ihme-Zentrum“

Foto: Samuel Kirby http://www.samuelkirby.com

Als Kulturdezernent hat sich Harald Härke (parteilos) immer wieder für das Ihme-Zentrum eingesetzt. Im Interview erklärt er, wieso das Quartier so großes Potenzial nicht nur für Kreative und Künstler hat und welche Rolle das Ihme-Zentrum bei der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt spielen könnte.

Herr Härke, Sie gelten in der Öffentlichkeit seit Jahren als Politiker, der sich für eine positive Entwicklung im Ihme-Zentrum einsetzt. Ihre Mitarbeitenden unterstützen Bewohnerprojekte und Kulturinitiativen. Was bewegt Sie bei dem Thema?
Es tut mir ehrlich weh, wenn ich sehe, wie der Zustand dieses früher so lebendigen Stadtteils ist. Die Menschen, die im Ihme-Zentrum leben und arbeiten, erleben jeden Tag krasse Herausforderungen. Ich kenne das Viertel ja noch, als es funktioniert hat. Hier sind schließlich auch die ganzen Musikstars der 1970er-Jahre aufgetreten. Ich wünsche mir eine bessere Zukunft für das Quartier!

Sehen Sie die Möglichkeit für eine Wiederbelebung?
Meine Mitarbeitenden im Kulturdezernat und Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover und ich sehen das Ihme-Zentrum, so wie die Bewohner und viele Künstler und Kreative: Ein spannender Ort mit einem großen Potenzial. Wir unterstützen deshalb auch beispielsweise die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum über die Stadtteilkultur oder den Künstler Sebastian Stein mit einer Atelierförderung. Doch das Viertel bietet so viel mehr Platz für Arbeitsräume, Werkstätten, Proberäume, Ateliers oder Ausstellungsräume.

Immer häufiger kommen Besucher gezielt ins Viertel, um sich anzuschauen wie es hier aussieht. Wie sehen Sie das?
Ich stelle mir vor, welchen positiven Effekt eine Wiederbelebung nicht nur für das Ihme-Zentrum hat, sondern für ganz Linden und sogar ganz Hannover. Es ist ja hier genauso wie an vielen anderen Orten in unserer Heimatstadt: Überall findest du Baustellen – im wörtlichen und im übertragenden Sinn. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen im Jahr 2025 nach Hannover kommen und sich im Ihme-Zentrum und an vielen weiteren Orten anschauen können, wie kreativ, vielseitig und liebenswert diese Stadt und ihre Bewohner sind!

2025 soll Hannover Europäische Kulturhauptstadt sein. Ihr Team bereitet derzeit die Bewerbung vor. Viele Menschen in der Stadt – auch außerhalb der Kulturszene – sehen das als große Chance. Welche Rolle könnte dabei das Ihme-Zentrum spielen?
Bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt stellen die zuständigen Mitarbeitenden der Europäischen Union immer die Frage nach der Nachhaltigkeit des Projekts: Was bleibt, wenn die Feierlichkeiten vorbei sind? Wie sieht Hannovers Kulturszene und die Stadt selbst im Jahr 2026 und darüber hinaus aus?

Unserem Team um Melanie Botzki und Benedikt Pönsgen ist es sehr wichtig, in einen Dialog mit den Menschen zu gehen: Die Kultur hat aus meiner Sicht auch ein bisschen die Aufgabe, Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Und im Ihme-Zentrum zeigt sich ja, wie wichtig und positiv ein bisschen frischer Wind ist. Als Kulturbüro unterstützen wir daher über unseren Innovationsfonds die Veranstaltungsreihe „#ihmezentrum2025“, die von Constantin Alexander kuratiert wird: Es wird Vorträge geben zu aktuellen Themen der Stadtentwicklung und Workshops, auf denen Bewohner gemeinsam mit Architekten, Stadtentwicklern, Ingenieuren, Wirtschaftlern, Künstlern und vielen mehr Entwicklungsansätze und Visionen erarbeiten, wie das Ihme-Zentrum im Jahr 2025 aussehen könnte.

Was finden Sie daran so spannend?
Das ist für mich wie bei einem Orchester, wo die Instrumentalisten nur gemeinsam etwas Großartiges schaffen: Hier kommen Menschen zusammen, um gemeinsam an der konkreten Verbesserung unserer geliebten Stadt Hannover zu arbeiten. Da zeigt sich, welchen Wert und welchen positiven Einfluss Kultur haben kann.

 

Harald Härke ist Kulturdezernent der Landeshauptstadt Hannover und riesiger Hannover-96-Fan.

Weihnachtsmarkt verzaubert das Ihme-Zentrum

Warmes Licht, tolle Musik, leckere Snacks und schmackhafter Glühwein – mit einem bunten Programm hat am Wochenende der Weihnachtsmarkt das Ihme-Zentrum belebt. Viele hundert Bewohner und Interessierte kamen, um sich begeistern zu lassen, was passiert, wenn bunte Lichter den sonst leer stehenden Sockelbereich des Ihme-Zentrums in eine vorweihnachtliche Stimmung versetzen.

Die Organisatoren rund um die Vereine Transition Town Hannover und der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung. „Die Stimmung war zu jeder Zeit super“, so einer der Organisatoren. „Viele Besucher kamen zum ersten Mal ins Viertel und wollten sehr viel über die aktuelle Situation und die Herausforderungen im Viertel lernen.“ Ein gutes Zeichen, das zeige, wie aufmerksam die Menschen in Hannover und aus ganz Niedersachsen beobachteten, was im Ihme-Zentrum passiert. „Wir mussten lange zittern, ob wir den Markt überhaupt machen können“, so eine Organisatorin. „Obwohl wir die Veranstaltung bereits im Sommer ordnungsgemäß angemeldet hatte, kam die Erlaubnis der Verwaltung wieder erst wenige Tage vor dem Beginn.“ Ein Konzert am Samstag wurde sogar ganz verboten.

Der Stimmung geschadet hat es nicht – im Gegenteil: Die zahlreichen Gruppen an den Buden freuten sich über großes Interesse, zahlreiche Besucher in jedem Alter wandelten durch den Palettengarten und besuchten auch das Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Freitag und Sonntag verwandelte sich der Saal in eine Märchenstube: Zuerst war das Kindertheater „Willi und der Magische Adventskalender“ zu Gast, veranstaltet durch die Landeshauptstadt Hannover, Bereich Stadtteilkultur, Freizeitheim Linden. Am Sonntag dann verzauberte Ellen Maria Kienhorst „An den Nachtfeuern der Karawan-Serail – Alttürkische Märchen“ die Zukunftswerkstatt mit alten Märchen aus 1001 Nacht.

„Der Weihnachtsmarkt ist eine tolle Tradition, die die Stimmung im Ihme-Zentrum enorm verbessert hat“, so einer der Organisatoren. „Wir freuen uns schon bald, die Planung für 2018 zu starten.“

 

Das Ihme-Zentrum erstrahlt im Weihnachtsglanz

Am Wochenende wird das Ihme-Zentrum mit einem wunderschönen und besonderen Weihnachtsmarkt verzaubert: Rund um den Palettengarten von Transition Town Hannover wird ein Weihnachtsmarkt aufgebaut – mit Bühnen, einem Flohmarkt und einer sogenannten Pop-up-Galerie, bei der Künstler ihre Werke präsentieren. Neben komplett veganen Snacks und natürlich heißen Getränken wie Glühwein dürfen sich Gäste auf ein tolles musikalisches Programm freuen.

Das Programm ist so bunt, wie die Gruppen, die sich für dieses Spektakel engagieren: Der Weihnachtsmarkt wird veranstaltet von Transition Town Hannover in Kooperation mit u.a. dem Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Der Weihnachtsmarkt ist Samstag von 16 bis 22 Uhr und am Sonntag von 12 bis 20 Uhr.

Hier gibt es mehr Infos bei Facebook.

„Die Stadt hat beim Ihme-Zentrum eine moralische Verantwortung“

Die Landeshauptstadt will den Bauantrag von Großeigentümer Intown schnell bearbeiten. Die Reaktion darauf sind bei den Bewohnern des Ihme-Zentrums gemischt. Thomas Ganskow, Haussprecher und Sprecher der Bürgerinitiative Linden Ihme-Zentrum begrüßt die Entscheidung, wünscht sich aber mehr Kommunikation Einsatz der Politik für das Quartier.

Wie schätzt du die generelle Situation derzeit im Ihme-Zentrum ein?
Ernst, aber nicht hoffnungslos. Der eingereichte Bauantrag für die Fassade entlang der Blumenauer Straße steht kurz vor seiner Genehmigung. Jetzt ist es am Großeigentümer, Anträge für die Umsetzung der Baumaßnahme einzureichen, die auch in der Wohnungseigentümerschaft akzeptabel sind. Denn eines ist klar: Was wir noch weniger als Stillstand brauchen können, ist eine halb angefangene Fassade, die dann möglicherweise aus welchen Gründen auch immer nicht zuende geführt wird. Insofern ist es unabdingbar, dass entsprechende Sicherheiten zur Fertigstellung gegeben werden. Dies auszuhandeln ist Sache der Anwälte der Wohnungseigentümer und des Großeigentümers.

Im Sommer wurde bekannt, dass das Bundesbauministerium rund 2 Millionen Euro für das Ihme-Zentrum verwenden will. Was ist seitdem passiert? Wurdet ihr Bewohner informiert? Gab es eine Meinungsbildung?
Alles, was hilft, die Attraktivität des Ihme-Zentrums zu steigern, wird von der BLIZ begrüßt. Eine wie von der Stadt angedachte Durchwegung von der Blumenauer Straße zur Ida-Arenhold-Brücke gehört dazu. Es liegt in der Verantwortung der Stadt, auf die Eigentümergemeinschaft zuzugehen und ihre Pläne vorzustellen. Wo Gemeinschaftseigentum bei Bau oder Nutzung der Durchwegung betroffen ist, sind von Seiten der Stadt – die ja nach wie vor Eigentümerrechte im Ihme-Zentrum besitzt – entsprechende Anträge an die Eigentümergemeinschaft zu stellen. Diesbezüglich ist man auf städtischer Seite wohl auf gutem Weg.

Wie bewertest du den Einsatz der Stadt für das Ihme-Zentrum?
Die Stadt kann de facto nicht viel tun. Sie ist eigentumsrechtlich ein Kleineigentümer, wie die allermeisten Wohnungseigentümer auch. Aber sie hat eine moralische Verantwortung, da sie mit der Zustimmung zum Verkauf des Stadtwerkehauses stimmrechtliche Einflussmöglichkeiten aus der Hand gegeben hat. Auch sollte sie sich endlich zu ihrer Verantwortung für den Ihmeuferweg als öffentlichem Weg gemäß den Bestimmungen im Stadtmittevertrag bekennen. Da ein Teil der oben angesprochenen Durchwegung über den Ihmeuferweg führen muss, ist hier ein Ansatzpunkt. Um Irritationen wie bei den Fördermitteln der Durchwegung zu vermeiden, sollte die Verwaltung offensiver das Gespräch mit den Wohnungseigentümern suchen und nicht nur – wenn überhaupt – mit dem Großeigentümer.

Bedenkt man, dass die Genehmigung des Bauantrages für die Fassade entlang der Blumenauer Straße in für Verwaltungsarbeit sehr kurzer Zeit seit Antragstellung jetzt kurz vor dem Abschluss steht, sieht man auf jeden Fall das Bemühen der Stadt, dass ihrerseits keine Verzögerungen eintreten. Dies wird sicher auch bei den rechtlichen Genehmigungen für die eigentlichen Umbaumaßnahmen ihr Ziel sein. Damit tut sie das, was in ihrer Macht steht.

Wie schätzt die Intown ein?
Intown ist ein auf Gewinne abzielendes Unternehmen. Damit ist klar, dass etwas passieren muss. Denn nur wenn aus dem Eigentümer ein wirklicher Investor wird, bestehen Chancen auf Einnahmen, die neben einer Refinanzierung auch einen Gewinn abwerfen. Genauso wie klar ist, dass die vielen Ideen zu einer Gestaltung des Ihme-Zentrums unter dieser Prämisse stehen müssen. Nichts wird getan werden, nur weil es schön oder gewünscht ist. Es muss sich zusätzlich für einen Investor rechnen. Darüber muss sich jeder klar sein, der Ideen entwickelt.

Wie ist die Stimmung unter den Haussprecherinnen und Haussprechern?
Hier kann ich natürlich nur für mich sprechen. Ich denke, dass in den vorherigen Antworten klar geworden ist, dass man das Ihme-Zentrum nach wie vor als Chance sehen kann für alle Beteiligten. Sofern aus Worten Taten werden und das, was noch vor Jahresfrist angekündigt wurde, auch Umsetzung findet.

Thomas Ganskow wohnt seit 1990 im Ihme-Zentrum und ist seit 1995 Sprecher einer kleinen Eigentümergemeinschaft und somit Vertreter dieser im Gesamtsprechergremium, das die Sprecher aller Häuser vereint. Sprecher der BLIZ seit 2015.

Dieses Interview entstand im Rahmen der Netzwerk-Recherche-Projektförderung Grow. In dem Projekt erforschen Constantin Alexander und weitere, wie hyperlokaler, konstruktiver und nachhaltig verwalteter Journalismus funktionieren kann. Die Ergebnisse werden auf der Netzwerk-Recherchere-Jahreskonferenz am 29./30. Juni 2018 beim NDR in Hamburg und bei der Veranstaltungsreihe #ihmezentrum2025 im Frühjahr 2018 vorgestellt.

Zukunftswerkstatt sammelt Spenden für HAZ Weihnachtshilfe

Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat Spenden für die HAZ Weihnachtshilfe gesammelt. Beim Tag der offenen Tür in dem Nachbarschafszentrum kamen zahlreiche Besucher, um sich die Fotoausstellung „Leidenschaft Ihme-Zentrum“ von Bewohner Manfred P. Hinz anzusehen, Kuchen zu essen und sich am frisch gebrühten Kaffee zu wärmen. Der Verein nutzte die Gelegenheit, um Spenden für die Aktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu sammeln, mit der Menschen in Not aus der Region unterstützt werden.