Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Kategorie: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

August 2017 – Die Kunst im Ihme-Zentrum

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Das Ihme-Zentrum eignet sich ideal für Kreative und Künstler. Auch deshalb hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum das gleichnamige soziokulturelle Nachbarschaftszentrum am Ihmeplatz 7E eröffnet. Und am Wochenende war dort wieder einiges los: Ein Rundgang durch das Quartier speziell für Kreative, ein Picknick für Bewohner und Interessierte, eine Performance der israelischen Künstlergruppe Ground+ in der Zukunftswerkstatt.

Wer sich sonst für Aktivitäten im Ihme-Zentrum interessiert, schreibt einfach eine E-Mail:

August 2017 – Der Sommer im Ihme-Zentrum

Das Hochwasser Ende Juli 2017 hat aus der Ihme einen richtigen Strom gemacht. Foto: Hans Dieter Keyl.

Trotz eines durchwachsenen Sommers gibt es viele gute Entwicklungen im Ihme-Zentrum: Das Quartier und seine Herausforderungen werden außerhalb Hannovers immer bekannter. Das neue Nachbarschaftszentrum entwickelt sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und viele Bewohner verbessern aktiv mit Grünpflege und Nachbarschaftshilfen die Lebensqualität vor Ort.

Der Juli im Ihme-Zentrum war durchwachsen. Ein heftiger Regen nagte für mehrere Tage an der Fassade und den Dächern und offenbarte manche schwache Stelle. Die Ihme trat über die Ufer und schwemmte ganze Baumstämme vorbei. Kein Wetter, bei dem man gerne nach draußen geht. Doch mit dem August ändert sich so langsam die Großwetterlage im Quartier. Nach dem letzten reinigenden Gewitter wird es jetzt wieder wärmer und die Pflanzen blühen, und das Spazierengehen macht wieder Freude.

 

Manch einer nutze das Hochwasser am Ihme-Zentrum zum Surfen. Foto: Hans Dieter Keyl

Indes hat das schlechte Wetter die Menschen nicht davon abgehalten, dem Ihme-Zentrum einen Besuch abzustatten. Zu mehreren Rundgängen kamen rund 200 Menschen, um sich das Quartier und das im Juni eröffnete und von der Kulturverwaltung der Stadt Hannover geförderte soziokulturelle Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E anzuschauen. Mit den Spenden rückt die vollständige Finanzierung der barrierefreien Toilette in den Räumen immer näher. Seit Anfang August ist außerdem mit dem Künstler Sebastian Stein der zweite Dauermieter neben dem Orchester im Treppenhaus eingezogen. Das BewohnerCafé, ein Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner jeden Dienstag, entwickelt sich zu einem lebendigen Stammtisch.

Doch nach dem Regen folgte Anfang August die Sonne.

Gleichzeitig waren das Quartier und seine Herausforderungen Thema mehrerer überregionaler Workshops und Vorträge. Mit großem Interesse verfolgten im Juni Vertreterinnen und Vertreter des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung im Rahmen des „Stadt von Übermorgen“ Treffens, wie der Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum aus der vermeintlichen Ruine einen positiven Möglichkeitsort geschaffen und sich somit das Image gewandelt hat. Die Expertinnen und Experten bewerteten demokratische Teilhabe und kreative Problemlösungen als wichtig für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums, wie auch für alle Kommunen. Dies entspräche auch der UN mit seinem Plan für „Nachhaltige Städte und Kommunen“.

Die Bewohnerschaft kümmert sich vor Ort intensiv um die Beflanzung im öffentlichen Bereich.

Anfang Juli präsentierten Studierende der Universität Hannover ihre Forschungsarbeiten, die sie im Sommersemester mit der Architektin Karin Kellner und dem Stadforscher Herbert Schubert entwickelt haben. Dabei waren viele gute Arbeiten, die sich mit einer angenehmeren Gestaltung vor Ort beschäftigen. Viele der von den Studierenden entwickelten technischen Lösungen sind gar nicht teuer und relativ schnell umzusetzen. Die Wissenschaftlerin Silke Hüper zeigte außerdem ihre Untersuchungen, wie die Zeitungen den Ruf des Quartiers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mit geprägt haben. In ein paar Monaten wird sie das Ganze noch einmal in der Zukunftswerkstatt vorstellen.

Das Quartier entwickelt sich in Hannover, aber auch außerhalb immer mehr zu einem Thema, über das man spricht.

Im späten Juli wurde das Ihme-Zentrum im Münsteraner Freihaus bei „100 Stunden Brutalismus“ als mögliches Leuchtturmprojekt besprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Kreativwirtschaft zu dem interdisziplinären Event im Rahmen der Ruhrmoderne und der Skulptur Projekte. Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellten ihre Forschungsarbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ über große Brutalismuskomplexen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigten, dass diese oftmals wunderbare Orte zum Wohnen sind und für ihre Bewohnerinnen und Bewohnern geliebte Heimat – wie im Ihme-Zentrum auch. Jan Kampshoff erklärte, wieso frühere urbane Utopien durch Immobilienspekulation scheitern und die erfolgreichen immer auch die Menschen vor Ort integrierten. Am 13. August wird außerdem die Ihme-Zentrums-Dokumentation „Traum Ruine Zukunft“ im Apollokino in Hannover-Lindem gezeigt und am 30. August beim „Architektur.Film.Sommer 2017“ im Museumsquartier in Wien.

Juli 2017 – Das Ihme-Zentrum als Teil der Skulptur Projekte Münster

Der Baustil des Ihme-Zentrums, der Brutalismus, erlebt derzeit ein Revival. Immer mehr Architekten, Stadtentwickler, Kreativschaffende und Künstler entdecken das Erbe dieser vergessenen Moderne aus den 60er- und 70er-Jahren und fordern ein Umdenken im Umgang damit. Anstatt die Brutalismus-Gebäude abzureißen, sollten sie wie das Barbican Centre in London wieder belebt werden. Dass auch das Ihme-Zentrum ein riesiges Potenzial bietet, zeigt nicht zuletzt der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Am Samstag, 29. Juli 2017, darf Constantin Alexander, Mitgründer der Zukunftswerkstatt und Initiator des Transformationsprojektes im Ihme-Zentrum, bei einem Symposiums im Rahmen der Skulptur Projekte Münster erklären, warum und wie das Ihme-Zentrum ein neues Wahrzeichen für Hannover werden soll. Die Veranstaltung „Brutiful Life“ im Freihaus MS ist hochkarätig besetzt: Mit auf dem Podium sitzen Inke Arns (HMKV, Dortmund), Theo Deutinger (T. D. Architects, Amsterdam & Salzburg), Georg Elben (Skulpturenmuseum Glaskasten Marl) und Oliver Elser (D. A. M. Frankfurt).

Kooperationspartner ist StadtBauKultur NRW.

Juli 2017 – Doku über das Ihme-Zentrum wieder im Kino

Am 30. Juli ist die nächste Vorführung der Dokumentation über das Ihme-Zentrum​ im Apollokino in der Hannover​-Linden. Los geht es um 20.15 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Tickets gibt es auf der Website des Kinos oder direkt vor Ort.

Auch weitere Termine stehen fest:
13. August – 20.15 Uhr
5. September – 17.30 Uhr

BewohnerCafé im Ihme-Zentrum gestartet

So war das erste BewohnerCafé im Ihme-Zentrum.

Klönen, Spaß haben, neue Leute kennen lernen – ab sofort gibt es einen wöchenentlichen Treffpunkt für Bewohnerinnen und Bewohner im Ihme-Zentrum im soziokulturellen Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E.

Ab Juli findet jeden Dienstag von 15.30 bis 17.30 Uhr das BewohnerCafé im Ihme-Zentrum statt. Für Getränke und Kuchen ist gesorgt.

Was: Bewohnercafé im Ihme-Zentrum
Wann: Dienstags 15.30 bis 17.30 Uhr
Treffpunkt: Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7 E
Ansprechpartner: Die Arbeitsgruppe Bewohner des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum
Kontakt: bewohner(at)ihmezentrum.org

Juli 2017 – Die Woche im Ihme-Zentrum

Workshops, Performancen, Vorträge – es war eine spannende und vielseitige erste Juli-Woche im Ihme-Zentrum. Die Zukunftswerkstatt wird als soziokulturelles Nachbarschaftszentrum gut angenommen. So zeigten Architektur-Studierende der Leibniz Universität Hannover am Dienstag Ideen für eine Revitalisierung des Quartiers.

Am Mittwoch kamen Expertinnen und Experten aus dem ganzen Land auf Einladung des Bundesministeriums für Umwelt und Bau, dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumplanung und der Hamburger Agentur Urbanista  ins Ihme-Zentrum, um die Stadt von übermorgen zu denken. Auch Constantin Alexander wurde wegen seiner Arbeit im und für das Ihme-Zentrum eingeladen.

Am Donnerstag verwaltenden Studierende der Hochschule Hannover (Fakultät 3) die Zukunftswerkstatt in ein Theater und sorgten für einen sehr großen Andrang.

Der schlafende Riese wacht langsam auf. Wir freuen uns!

 

Juli 2017 – Schweriner gründen Initiative gegen Intown

Kaputte Heizungen, immer wieder Wasserrohrbrüche, kaputte Fahrstühle, Brandstiftungen und kein wirkliches Konzept – seitdem Ihme-Zentrums-Großeigentümer Intown in Schwerin Wohnungen betreibt, leiden Tausende Menschen. Maik Schoefer von der Intown-Mieterinitiative Schwerin erklärt im Interview, wie schlimm die Situation vor Ort ist und warum er wenig Hoffnung hat.

In Schwerin hat sich in den vergangenen Monat eine Mietergruppe gegründet, bestehend aus Betroffenen von Intown-Wohnungen. Was genau ist bei euch los?
Intown besitzt etwa 1.200 Wohnungen in Schwerin. 1040 davon haben sie 2015 von der städtischen Wohnungsgesellschaft WGS übernommen. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Plattenbauten, viele von ihnen in einem sehr maroden Zustand. Einige Blöcke stehen leer.

Wie ist Intown damals aufgetreten?
Sie haben insgesamt rund 5,5 Millionen Euro für die Wohnungen bezahlt, pro Quadratmeter sind das etwas mehr als 100 Euro. Der niedrige Kaufpreis hängt mit dem baulich schlechten Zustand und der angeschlagenen Finanzlage der WGS zusammen. Zudem verursachten die Immobilien hohe Betriebskosten – aufgrund des Leerstandes und der häufig austretenden Probleme mit der Haustechnik. Die Wohnungsgesellschaft fühlte sich gezwungen, deshalb zu verkaufen. Und sie hatten quasi keine Wahl, an wen sie es verkaufen.
Jedoch war die WGS der Meinung, dass man mit Intown einen zuverlässigen und starken Partner gefunden hatte. Es wurde eine Art Sozialcharta und Verpflichtungen zur Modernisierung mit den den Kaufvertrag aufgenommen.

Gab es Auflagen von Seiten der Politik für den Verkauf?
Ja. Wie bereits erwähnt, gibt es wohl eine Sozialcharta. Zudem hat sich Intown verpflichtet, die Wohnungen zehn Jahre im Bestand zu halten und Investitionen in einer bestimmten Höhe zu tätigen. Nach fünf Jahre muss eine Summe X investiert sein und nach zehn Jahren eine Summe Y. Wenn sie das nicht einhalten, müssen sie erhebliche Strafen zahlen. Interessant wäre, einmal den Kaufvertrag lesen zu können, ob tatsächlich diese Vereinbarungen festgehalten sind.

Die Miete für die Bewohner zahlt überwiegend die Arbeitsagentur. Ein sicheres Geschäft.

Und was genau ist seitdem passiert?
Quasi nichts Gutes. Seitdem Intown diese Wohnungen besitzt, kam es immer wieder zu schlimmen Havarien. Im Winter sind in mehreren Blöcken Heizungen ausgefallen und wurden teils erst Wochen später repariert. Es gibt immer wieder Wasserrohrbrüche, die nur behelfsmäßig repariert werden. Auf Anfragen von Mietern wird generell mit einem „Wir kümmern uns drum“ geantwortet. Sanierungsmaßnahmen wurden bis jetzt nicht getroffen.

Wie wird das begründet?
Zu den Vorwürfen der Mieter das Intown sich um Heizungsausfälle nicht kümmere, hieß es das es Sabotage gabt. Jeder Vorwurf, den es von Mietern gab, wurde auf Fehler anderer geschoben: Intown hätte sein Job gemacht. Ich persönlich glaube Intown kein Wort. Es geht nur um Rendite auf Kosten der Mieter.

Und wie fühlt sich das Ganze für die Menschen vor Ort an?
Ich persönlich würde es als menschenunwürdiges Wohnen bezeichnen. In meinem Block kam es in kürzester Zeit zu zwei schweren Bränden, wobei einer vorsätzlich gelegt wurde. Dadurch ist die Haustechnik kaputt gegangen. Dadurch konnte der Fahrstuhl fast zwei Monate nicht benutzt werden. Besonders für ältere Menschen ist das kritisch. Es gibt Bewohner die wohnen im 5 Obergeschoss und sind körperlich beeinträchtigt. Für Sie waren die 2 Monate ohne Fahrstuhl eine Tortur, allein wenn es nur um den Einkauf ging. In anderen Bereichen regnet es rein, in Lüftungsschächten schimmelt es, die Lichter auf den langen Fluren funktionierten über einem Monat nicht, und die Gegensprechanlagen sind seit einem dreiviertel Jahr defekt und werden einfach nicht repariert. Das führt dazu, dass Pflegedienste nicht zu den älteren Menschen kommen, die auf Betreuung angewiesen sind oder das die Eingänge von den Häusern offen stehen und dadurch für jeden zugänglich sind.

In der ZDF Sendung „Frontal21“ wird das Geschäftsgebaren von Intown in Schwerin und in anderen Städten thematisiert. Die Sendung ist aktuell noch in der Mediathek anzuschauen. (Stand: 4.7.2017)

Wie ist denn generell die Mietpolitik von Intown?
Es stehen mehrere Blöcke leer, die saniert werden sollen. Im Internet findet man teilweise auch schon Angebote dafür, für 8 Euro den Quadratmeter. Angesichts des Mietniveaus hier in der Stadt ist das untragbar für die bisherigen Bewohner. Auch werden die Wohnungen an Geflüchtete vergeben. Da Intown, neben der WGS, das einzige große Wohnungsunternehmen in Schwerin ist, dass noch an Flüchtlinge mit Bleiberecht vermietet.

In den Wohnungen in Schwerin leben überwiegend finanziell schwache Mieter.

Gibt es so etwas wie ein Konzept?
Es gibt ein Sanierungskonzept und einen Entwurf von einem Architekturbüro, doch dies wurde nur in einer geschlossenen Sitzung vorgestellt. Nur auf erheblichen Druck wurden überhaupt zwei Vertreter unserer Mietergemeinschaft eingeladen.

Ihr habt ja eine Mietergemeinschaft gegründet. Wie ist denn die Zusammenarbeit mit Intown?
Die Mieter werden generell vertröstet. Erst seitdem die Medien über die unhaltbaren Zustände berichten, wird hier langsam reagiert.

Und die Politik? Wie behandeln die Parteien das Thema?
Seitdem es Druck gibt von den Mietern und das Thema in den Medien ist, gibt es immer wieder Aufforderungen seitens zweier Fraktionen, die sich für die Mieter einsetzen. Zudem bietet die städtische Wohnungsgesellschaft den Bewohnern der Intown-Häuser ganz unbürokratisch Unterstützung an. Wer sich dort meldet, bekommt innerhalb kürzester Zeit eine Ausweichswohnung. Eine Mietminderung können die Bewohner jedoch nur selbst beantragen, und viele schaffen das nicht allein.

Was wünscht du dir in der jetzigen Situation?
Ich wünsche mir eine Aufarbeitung, warum damals an Intown verkauft wurde. Und dass die Mieter Unterstützung bekommen für Mietkürzungen. Was den Zustand der Wohnungen angeht, verlange ich noch nicht mal eine große Modernisierung aller 1.200 Einheiten, sondern dass einfach der Mietstandard eingehalten wird.

Glaubst du, das ist realistisch?
Ich bin skeptisch. Ich habe mir angeschaut, wie Intown in anderen Städten agiert und bekomme da so meine Zweifel. Ich habe natürlich Befürchtungen, dass sie hier in Schwerin ebenfalls auf Kosten der Menschen nur Gewinne einstreichen wollen, ohne zu investieren. Und selbst wenn sie sanieren, wird es sich kein einziger Mieter leisten können, in diesen Wohnungen zu wohnen.

Du selbst ziehst aus deiner Intown-Wohnung aus. Warum?
Ich halte das einfach nicht mehr aus. Im Herbst ist mein Nachbar gestorben, seine Leiche wurde erst nach 14 Tagen von der Feuerwehr geborgen, aber bis heute ist keine Desinfektion und Reinigung der Wohnung erfolgt. Selbst die Möbel und das Bett auf dem mein Nachbar verstorben ist, sind noch in der Wohnung. Intown weiß das, aber gibt vor das sie bis heute nicht den Schlüssel vom Nachlassverwalter bekommen haben. Da war für mich die Schmerzgrenze erreicht. Ich werde mich aber weiterhin engagieren.

Maik Schoefer, aktiv in der Mietergemeinschaft Intown Schwerin

Juli 2017 – Neue Ideen für das Raumschiff Ihme-Zentrum

Unter dem Titel „Raumschiff Ihme-Zentrum: Eine Betonskulptur der urbanen Gesellschaftsutopie der Zweiten Nachkriegsmoderne auf dem Weg der Reintegration in die Stadt“ führten die Architektin Karin Kellner und Prof. Dr. Herbert Schubert im Sommersemester 2017 in Kooperation mit dem Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Seminar an der Leibniz Universität Hannover, Fakultät für Architektur und Landschaft durch. Die Studierenden setzten sich intensiv mit Das Ihme-Zentrum auseinander.

Im Blickpunkt standen: die Maßstäblichkeit, der öffentliche Raum, die Nutzungsmischung, das Stadtbild und die Gliederung durch raumbildende Muster. Die Studierenden haben sich im Rahmen nutzerzentrierter Übungen an das Ihme-Zentrum angenähert. Im weiteren Seminarverlauf wurden Analysen durchgeführt, auf deren Grundlage Planideen entwickelt wurden.

In den Aufgabenstellungen ging es um Fragen wie zum Beispiel: Wie lässt sich das Ihme-Zentrum auf ein menschliches Maß herunterbrechen? Was heißt „maßstabsgerechte Planung“ im Ihme-Zentrum? Wie lässt es sich nach kleineren Einheiten gliedern? Wie kann das Prinzip der Nutzungsmischung erhalten werden? Wie generiert man qualitätvolle, öffentliche Räume im Ihmezentrum, in denen sich Menschen gerne aufhalten?

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse werden am 4. Juli von 19 bis 21 Uhr vorgestellt. Die Präsentation ist in dem Nachbarschafts- und Kulturort Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E.

Wir gründen eine Genossenschaft fürs Ihme-Zentrum

Das Ihme-Zentrum ist ein Möglichkeitsraum. Das Interesse von künstlerisch und kreativ schaffenden Menschen ist groß. Damit Künstler und Kreativschaffende langfristig und nachhaltig vor Ort arbeiten können, wird auf Initiative des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum nach der Sommerpause eine Genossenschaft gegründet. Das Ziel ist der Betrieb und die Entwicklung von Räumen für kreatives Arbeiten: Ateliers, Werkstätten, Labore. Bei rund 100.000 leerstehenden Quadratmetern ist viel möglich.

Bei Interesse, schreibt einfach eine E-Mail. Ihr erhaltet dann eine Einladung zum ersten Planungstreffen. Wir freuen uns auf Mitstreiter. Macht mit bei der kreativen Eroberung des Ihme-Zentrums.

Juni 2017 – „Die Ihme-Zentrum ist eine Stilikone“

Studierende von Professorin Ute Heuer der HsH Fakultät III arbeiten seit Ende März im Ihme-Zentrum. Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat mit der Professorin und Künstlerin über die Studieninhalte, die Wichtigkeit des Ihme-Zentrums und die Bedeutung der Arbeit vor Ort gesprochen.

Wie kommt es, dass Sie mit Ihren Studierenden ausgerechnet im Ihme-Zentrum arbeiten?
Als Hochschule ist es selbstverständlich unser Anliegen, Studierende mit etablierten Persönlichkeiten aus dem künstlerischen Bereich zu vernetzen – Galeristen, Künstler, Kuratoren und so weiter. Dazu gehört auch das Erschließen von nutzbaren Räumlichkeiten. Fürs zweite Semester haben wir schönerweise die Möglichkeit bekommen, das Ihme-Zentrum zu nutzen.

Sie betonen das zweite Semester explizit.
Ja, in den Räumlichkeiten arbeiten seit März die 16 Studierenden eines neuen Studiengangs, die sich gerade im zweiten Semester befinden. Experimentelle Gestaltung heißt dieser Studiengang. Das ist eine Mischung aus Bühnenbild, Kostüm und Szenografie. Dabei bilden wir nicht im klassischen Sinne künstlerisch aus, um Persönlichkeiten zu schaffen, die auf dem Kunstmarkt aktiv werden und eigene Werke verkaufen. Sicher kann das auch passieren, aber es geht im Kern eher um gesellschaftlich integrierte künstlerische Prozesse, das Arbeiten mit Menschen und Orten…

… weshalb das Ihme-Zentrum für Sie bestimmt besonders interessant ist.
Richtig! Unsere Möglichkeiten in dem Raum sind zeitlich begrenzt. So können wir dort noch bis August arbeiten, danach sind wir in anderen Räumlichkeiten. Natürlich würden wir auch gern im Ihmezentrum bleiben, wenn es sich ergibt. Aber diese Fluktuation, dieses häufige Wechseln von Orten und sich Einlassen auf neue Situationen ist etwas, was die Studierenden lernen sollen. Von daher sind wir opportunistisch.

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Wie genau kann man sich das Arbeiten vorstellen?
Ganz unterschiedlich: Es gibt zum einen eine Ateliersituation. Zum anderen arbeiten die Studierenden am Raum selbst, bemalen beispielsweise die Wände. Unser Ziel ist ein umgestalteter Raum als Ausstellungsobjekt mit Skulpturen, Installationen, Farben und Bildern. Ende Juni wird das Ergebnis dann auch öffentlich zugänglich sein.

Wieso sind solche Räume für Sie und Ihre Studierenden wichtig?
Zum einen sind sie günstig. Zum anderen arbeiten wir mit jungen, offenen, freien Menschen. Möglichkeitsräume und Orte anzubieten, die Kreativität und Visionen anregen, sind essenziell bei der Entwicklung des künstlerischen Bewusstseins.

Wir haben die Studierenden reagiert, als es hieß, dass sie im Ihme-Zentrum arbeiten werden?
Die jetzige Generation geht da ganz gezielt hin, findet das klasse. Die wollten das sofort.

Und Sie persönlich? Sie haben seit 1990 immer mal wieder in Hannover gelebt, inzwischen sind Sie hier Sesshaft. Wie hat sich Ihr Bild vom „Betonklotz“ entwickelt?
Es tat mir zunehmend leid, wie das verkommen ist. Damals sagte ich noch: „Bombe rein und weg“ (lacht). Jetzt wo ich mich damit beschäftige, sage ich: „Nein, auf gar keinen Fall, das muss erhalten bleiben!“. Gerade nach meiner Zeit in London weiß ich, was man damit machen kann, dass die Lage fantastisch ist und welche für Möglichkeiten da liegen.

Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich als Dozentin und Künstlerin für den Komplex?
Ich wünsche mir, dass es als Stilikone erhalten bleibt und die hervorragende Anbindung an die Stadt besser genutzt wird, Studierenden Wohn- und Arbeitsraum geboten wird und dass das Ihme-Zentrum lebt. Es gab mal Studierende von der Expoplaza, die vorgeschlagen haben, ihre Fakultät dorthin zu verlegen. Das fände ich großartig: Verschiedene Design-Disziplinen an einem zentralen Ort. (Hier der Text dazu)

Ute Heuer ist Professorin an der Hochschule Hannover. Malerei, Studienschwerpunkt/ Sprecherin Experimentelle Gestaltung.

Das Interview führte Mike Wonsikiewicz für die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V.