Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Kategorie: Tourismus

November 2015 – „Wir haben es lange genug ignoriert“

Für die Urban-Art-Aktivistinnen und Unternehmerinnen Zarah Kniep und Anet Gubanova ist das Ihme-Zentrum keine Ruine, sondern eine Chance. Deshalb organisieren sie seit Frühjahr 2015 sogenannte Pop-up-Dinner in der Stadt in der Stadt in Hannover. Dabei kommen unterschiedliche Menschen zusammen, jeder bringt etwas zu Trinken und zu Essen mit, und teilt alles mit allen. Ein schöner Abend, der Außenstehende vom Potenzial des Ihme-Zentrums überzeugt.

Wir haben die beiden für unsere Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ einen Abend begleitet. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Vorgeschmack auf den Film. Viel Spaß damit.

Mitte Dezember gibt es das nächste Pop-up-Event der beiden. Hier ihre Einladung:

Alte & junge Hasen des urbanen Lebens! Weil uns im Dezember das Wetter einen Querstrich durchs entspannte Outdoor-Dinieren zieht, laden wir euch diesmal ein zum entspannten Pop-up-Glühen. Anstatt Speis & Trank & Dinnertafel erwarten euch diesmal Glühwein, Punsch & Grossstadtschorle. Kommt her, ins Gespräch & zusammen. Bringt alle Lust, noch mehr Laune und Liebstes zum Schnabulieren mit & vergesst wie immer eure Lieblingsvinyl nicht! Wir kümmern uns um Feuertonne, Fackeln & den Plattenspieler. Auf dass wir erneut den grauen Klotz in einen funkelnden Inspirationsort verwandeln. Ihr könnt das.

Auf’m Bärenfell liegen & Bauchnabelfusseln zählen ist übermorgen wieder dran. Bis dann. Groß.stadt.artig! Für all diejenigen, die unser Konzept noch nicht kennen: Wir folgen mit unseren Pop-Up-Abenden der Idee der urbanen Stadtgestaltung. Indem wir uns tote Orte der Großstadt zu eigen machen & sie für einen begrenzten Zeitraum mit Leben füllen, mit tollen Ideen, einzigartigen Menschen & funkelnder Kreativität. Und so einen Erlebnisraum schaffen, in dem ganz ungezwungen Vernetzung und Ideenaustausch entstehen kann.

Gewöhnlich ist Großstadt geprägt von Anonymität und dem Aneinandervorbeileben. Wir geben euch den Raum, an Nichtorten zusammen& ins Gespräch zu kommen. Das Ihmezentrum ist wie geschaffen dafür, leben hier doch tausende von Menschen verschachtelt in kleinen individuellen Kartons übereinander, ohne sich jemals zu begegnen. An unseren Popup-Abenden seid ihr eingeladen, für ein paar Stunden alle Grenzen im Kopf abzulegen und euch zu begegnen.

Als Bewohner, als Menschen, als Kreateure. Erzählt euch, wovon ihr träumt, was ihr euch wünscht, was euch fehlt. Seid offen und neugierig. Wir wissen, dass ihr euch was zu sagen habt. Denn weil bei gemeinsamem Gläserheben die Inspiration ganz fix beschwingt. Gerade im Nichtort. Ohne vorab gesteckte Grenzen. Wir freuen uns auf euch. Anet & Zarah

Tragt euch ein in unseren Verteiler, um über aktuelle Events informiert zu bleiben: popupdinner(at)gmx(punkt)de

Oktober 2015 – Das perfekte Stadthotel im Ihme-Zentrum

Ihme-Zentrum, 2014.

Immer wieder sprechen mich Menschen an, die gerne einmal im Ihme-Zentrum übernachten möchten. Es gibt jedoch kein Hotel oder Hostel. Doch es gibt viele Ideen. So hat mich die selbstständige Interior Designerin Solveig Priebs nach einem Rundgang einmal von ihrer Idee erzählt. Hier schreibt sie selbst, was sie sich für das Zentrum vorstellen könnte.

Ich hab da eine Vision. Eine Vision von der größten und spannendsten Hotellobby in Hannover. Ich sehe diese Lobby an einem für viele wohl unerwarteten Ort: im verlassenen Parkhaus des Ihme-Zentrums. Es ist nicht irgendein Hotel, das in meinen Gedanken dort entsteht, sondern das perfekte Stadthotel. Mit rauem Betoncharme, aber auch dem Blick ins Grüne und auf’s Blaue. Stadtnah, mit Kultkneipen und geschichtsträchtigen Konzertsälen um die Ecke.

Die Hotellobby

So könnte die Hotellobby im Ihme-Zentrum aussehen. (Grafik: Priebs)

Das besonders Merkwürdige des Ihme-Zentrums ist ja, dass es kaum ebenerdig zugänglich ist. Dieses Betonfundament (immerhin seinerzeit das größte Europas) verweigert sich zu den Straßen hin und baut Barrieren auf. Die Ladenstraße und Zuwege sind zumeist in der ersten Ebene. Das begehbare Erdgeschoss hat aber kaum noch Funktionen, außer Zugänge zu Behörden und Wohnungen.

Dabei bietet das Erdgeschoss des Ihmezentrums genug Raum für ein kulturelles Miteinander. Ein gigantisches Parkhaus wird dort schon seit Ewigkeiten nicht mehr gebraucht. Ob StreetArt, Food-Festivals, Ausstellungen, „Think Tanks“ und Konzerte – dieser Ort kann wieder zum Leben erweckt werden! Nebenbei dient die weitläufige Halle zum Einchecken der Hotelgäste, die es sich dann mit Blick auf die Ihme in einem der Themenzimmer gemütlich machen können.

Der Entwurf eines Hotelzimmers.

Ein Hotelzimmer zwischen Beton und Grün. (Grafik: Priebs)

Zur Auswahl für kreative Konzeptzimmer stehen zum Beispiel „Roter Faden“, „Grüne Stadt“, „Unesco City of Music“, „Erfinder“ und „Dichter & Denker“. Die Themen variieren pro Stockwerk, so kann man die Flure zum Erzählen von ganz besonderen Hannover-Geschichten nutzen – immer passend zum Thema. Z.B. ein lehrreiches Wandeln zum Zimmer mit Hannovers größten Musikern unterlegt mit Musik des Jazz-Clubs oder Fury in the Slaughterhouse. Oder ein literarischer Gang mit Leibniz und Lessing. Oder oder oder…

Ich glaube, klar werden sollte jedem bei diesem Projekt: 1. Hannover ist eine Reise wert und 2. Das Ihme-Zentrum hat noch viel mehr zu bieten als seinen Untergang – zusammen eigentlich ein unschlagbares Team!

Solveig Priebs

(Foto: Priebs)

Solveig Priebs hat einen Bachelorette-Abschluss in Raumkonzept und Design und arbeitet seit Anfang des Jahres als selbstständige Interior Designerin in Hamburg. Die 28-Jährige ist in Hannover aufgewachsen und sagt über sich selbst:
„Ich mache kreative Gestaltungen für Einrichtungen, Produkte und Grafik. Während des Studiums kam der Auftrag: ‚Macht doch mal ein Hotel‘ – gesagt, getan.
Aber ich habe mir ein Mammutprojekt ausgesucht: Das Ihme-Zentrum. Ist da noch was zu retten? Ich hoffe es!“

Herbst 2015 – Rundgänge durchs Ihme-Zentrum

Ihme-Zentrum, 2014.

Warum sieht das Ihme-Zentrum aus wie eine Baustelle? Wieso wurde dieser vermeintliche Klotz überhaupt einmal gebaut? Gibt es wirklich eine U-Bahnstation? Und was können wir machen, damit aus dem Quartier ein nachhaltiges, buntes, kreatives Stadtviertel der Zukunft wird?

Diese und andere Fragen beantworte ich bei einem kommentierten Spaziergang durchs Ihme-Zentrum. Das Ganze dauert etwa anderthalb Stunden und ist kostenlos. Spenden nehme ich gerne an. Sie helfen, dieses Projekt am Leben zu halten, die Website zu pflegen und finanzieren die geplante Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“.

Anmeldungen per E-Mail an rundgang(at)ihmezentrum(.)org

September 2015 – Ein nachhaltiges Haus

 Als das Ihme-Zentrum geplant und gebaut wurde, war an ressourcenschonendes Arbeiten und Leben noch nicht zu denken. Das Ergebnis: Das Zentrum ist an vielen Stellen energetisch veraltet, eine nachhaltige Modernisierung ist notwendig. Der Ingenieur Lev Yakushko hat einige Ideen, wie aus dem Zentrum ein Plusenergiehaus werden könnte.

Lev, du arbeitest im Bereich der Verfahrens- und Elektrotechnik und Ressourcen-Management. Ist das Ihme-Zentrum aus dieser Perspektive spannend?
Ja, definitiv. Das ganze Gebäude, so wie es da steht, hat noch sehr viel Potenzial. Ich kann mir vorstellen, dass es zu einem Energie-autarken Gebäude werden kann, wenn nicht gar zu einem Plusenergiehaus. Das heißt, es würde mehr Strom erzeugen, als es verbraucht.

Ist so etwas denn realistisch?
Das ist technisch möglich, wenn du einen richtigen Ingenieur dafür hast. Der Arbeitsaufwand ist enorm, das richtige Team, das das angeht, muss sich dessen bewusst sein.

Und wie würde man da vorgehen?
Ich würde erst einmal eine energetische Bilanz erstellen. Das heißt, ich schaue: Was kommt rein, was geht raus? Wie viel Strom, Wasser, Gas und andere Energieträger gehen rein? Und, ganz wichtig: Wo geht was verloren? Wie wird die Energie verwendet? Das Gebäude ist ja in einer Zeit gebaut worden, in der Energieeffizienz, richtiges Heizen oder Stromsparen keine primäre Rollen gespielt haben.

Sobald die Bilanz steht, würde ich das im Detail untersuchen: Wie viel geht zu den Wohnungen, die ja funktionieren und bewohnt sind. Was geht in die Büros, die beispielsweise die Stadt gemietet hat? Und was wird im leer stehenden Gewerbebereich verschwendet? Wo wird beispielsweise Strom verbraucht, um einen Raum zu heizen oder zu kühlen, der eigentlich leer steht? Dafür muss das Rad nicht neu erfunden werden. Es gibt bereits diverse Normen, um Gebäude energetisch zu bilanzieren.

 

Und was wäre dann der nächste Schritt?
Ich würde schauen, welche Möglichkeiten es gibt, um den Verbrauch des Gebäudes zu senken beziehungsweise wo man Energie einsparen kann. Und wo man beispielsweise Solarmodule oder kleinere Windkraftanlagen aufstellen könnte. Es ist technisch möglich, dass das Gebäude Strom ins Netz einspeist.

Was ist mit Biogasanlagen, betrieben mit dem Biomüll aus dem Komplex?
Der Ansatz ist gut. Die Anwendung in dem Fall wiederum halte ich für unrealistisch. Eine Biogasanlage ist bei 1.500 Bewohnern, auch wenn alle vorbildlich den Biomüll trennen, nicht wirklich leistungsfähig. Eine dezentrale Anlage halte ich in diesem Fall für unwirtschaftlich. Dazu sind größere Mengen Biomasse notwendig.

Im Gebäude selbst ist der städtische Stromversorger Enercity einer der größten Mieter. Die sind verpflichtet in den kommenden Jahrzehnten die ganze Region Hannover mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien zu versorgen. Könnten die sich also nicht beispielsweise dazu verpflichten, ihr eigenes Gebäude zum Plus-Energie-Haus zu machen?
Das wäre sensationell. Auch wenn das vorgegebene Ziel sehr ambitioniert ist, wäre das einerseits ein Schritt in die richtige Richtung. Des Weiteren würde Enercity damit sein derzeit nicht wirklich „grünes“ Image deutlich aufbessern und in Hannover ein deutliches Zeichen setzen, dass der städtische Energieversorger an der Energiewende auch interessiert ist.

Lohnt sich so etwas wirtschaftlich?
Ja. Der sogenannte Break-Even-Point, also der Punkt, ab dem man Gewinn macht, liegt vielleicht in 20 Jahren. Aber das kann man ja gegenfinanzieren. Und außerdem liegt es ja zurecht im Trend, klüger und bewusster mit Ressourcen umzugehen.

Welchen Vorteil hätten denn die Bewohner und Nutzer des Ihme-Zentrums neben der Aussicht, Geld damit zu verdienen?
Das wäre für ganze Stadt ein großer Vorteil. Hannover hat einerseits das Image, die grünste Stadt Norddeutschlands zu sein, allein schon wegen der Parks. Andererseits ist Hannover auch bekannt als Industriestandort und Autostadt. Mit so einem Konzept könnte sich aber der Ruf der ganzen Region ändern, hin zu einem grünen Image und ein Leuchtturmprojekt innerhalb der Energiewende werden. Die Stadt würde so attraktiver, mehr Menschen würden hier Urlaub machen oder ganz herziehen.


Was müsste passieren, damit so ein Umbau realisiert werden würde?
Der Investor und die Bewohner müssten sich dazu entschließen. Vielleicht auch mit der Unterstützung der Stadt. Es ginge darum, ein Zeichen zu setzen. Und das Ihme-Zentrum wäre das erste Gebäude dieser Art auf der Welt und würde nach überallhin ausstrahlen.

Du hältst also nichts davon, das Ihme-Zentrum einfach abzureißen und etwas Neues zu bauen, wie manche vorschlagen?
Es geht nicht darum, neu zu bauen, sondern klug zu sanieren. Das ist nachhaltig.

 

Lev Yakushko ist geboren und aufgewachsen in Dnipropetrovsk, Ukraine. Seit 17 Jahren lebt er in Deutschland. Seit gut acht Jahren ist selbstständig im Bereich der Veranstaltungstechnik. Als Ingenieur für Verfahrenstechnik hat er für Unternehmen wie Continental und ProMaqua im Bereich der Forschung und Entwicklung gearbeitet. Im Bereich der Veranstaltungstechnik war er in mehreren Ländern der Welt bereits im Einsatz. Derzeit beendet er sein Master-Studium Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien. 

September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird ein jugendgerechtes Viertel

 

Das Ihme-Zentrum als Beitrag für eine Stadt der Jugend und der Zukunft – beim Stadtjugendtag 2015 am Samstag, 26. September, wird genau dieses Potenzial diskutiert. Stadtjugendpfleger Volker Rohde spricht im Interview über das Zentrum als Chance und wie wichtig es ist, eine Stadt für Kinder und Jugendliche zu gestalten. 

Was genau geschieht an diesem Stadtjugendtag?
Der Stadtjugendtag ist in erster Linie eine (große) Beteiligungsveranstaltung für Jugendliche im Rahmen von „Mein Hannover 2030“. Jugendliche sollen sich im Rahmen dieser Veranstaltung und in Bezug auf „Mein Hannover 2030“ im Rahmen von den zwei folgenden groben Fragestellungen äußern: Was soll diese Stadt im Jahr 2030 für Jugendliche bieten und sein? Was soll diese Stadt für mich, als dann ca. 30 Jährige/n bieten. Dabei ist 2030, zumindest was den ersten Teil der Frage betrifft, natürlich nur ein Synonym. Die Ideen und Wünsche der Jugendlichen müssen natürlich unmittelbar und kurzfristig aufgenommen werden. Beide Fragestellungen sind zudem sehr abstrakt oder auch etwas uncool. Deshalb sollen sie von den Jugendlichen auf ihre Art gestellt und beantwortet werden.

Demzufolge sollte der Stadtjugendtag von vornherein eine Veranstaltung von Jugendlichen für Jugendliche werden. Wir haben deshalb viel Wert darauf gelegt, dass die gesamte Veranstaltung sich auch sehr jugendgerecht entwickelt. Dementsprechend besteht dieser Tag nicht nur aus Foren und Diskussionsrunden, wie vielleicht in anderen Beteiligungszusammenhängen. Viel mehr wollen wir Jugendlichen auch die Gelegenheit geben, sich mit ihren Aktivitäten und Interessen an diesem Tag umfassend zu präsentieren. Folgerichtig hat sich der Stadtjugendtag damit mehr  zu einem Festival entwickelt. Diese Entwicklung finden wir großartig und freuen uns darauf, was dabei herauskommt.

Das Festival findet ja in einer dynamischen Atmosphäre zwischen Glocksee und Ihme-Zentrum statt. In wieweit ist dieser Rahmen geeignet für den Stadtjugendtag?
Die Fläche ist hervorragend geeignet. Da ist zum einen, das seit über 40 Jahren bestehende Unabhängige Jugendzentrum Glocksee. Es steht für die Tradition von Selbstorganisation und Partizipation, aber auch für Party, Spaß und Ausprobieren von Jugendlichen. Die neugestaltete Fläche zwischen Glocksee und Ihme steht wiederum für die Interessen von Jugendlichen, den öffentlichem Raum in ihrem Sinne zu nutzen und auch temporär zu gestalten. Nicht zuletzt bietet das Ihme-Zentrum mit seinem ambivalenten Charme eine besondere, durchaus jugendgerechte Kulisse und ist nicht nur deshalb ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.

Stadtjugendtag 2015

Könnte aus Ihrer Sicht das Ihme-Zentrum eine jugendgerechtes Quartier werden?
Auf den ersten Blick eine vielleicht etwas abwegige Frage. Allerdings nur auf den ersten Blick. Mit der Verbindung von der Glocksee und der Freifläche an der Ihme hat das Ihme-Zentrum großes Potenzial für einen jugendgerechten Ort. Auch der ambivalente Charme könnte dazu beitragen, denn Jugendliche mögen mit Einschränkung eher das etwas Unaufgeräumte und Unstrukturierte und weniger Saubere, wenn es um die Nutzung öffentlicher Räume geht. Solche Räume bieten viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und bieten eine Alternative zur der aus der Sicht von Jugendlichen, nach wie vor als „spießig“ und um Sauberkeit und Ordnung bemühten Erwachsenengesellschaft. Warum sollte sich durch verschiedene Aktivitäten nicht ausgerechnet das Ihme-Zentrum zu einem ganz besonderem jugendgerechten Quartier entwickeln. Im Übrigen vielleicht sogar, was bezahlbaren Wohnraum in einem „hippen“ Stadtteil betrifft.

Wie ist Ihr persönlicher Bezug zum Stadtteil?
Ich wohne seit fast 30 Jahren in Linden und liebe diesen Stadtteil in seiner ganzen Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Meine Kinder sind hier geboren und bevölkern als noch Jugendliche die öffentliche Räume des Stadtteils. Ich genieße am Wochenende den Stadtteilspaziergang an Leine und Ihme. Das Ihme-Zentrum ist mir in seiner ganzen Entwicklung sehr vertraut. Zum einem arbeite ich seit fast zehn Jahren im Ihme-Zentrum und konnte unmittelbar die Entwicklung oder auch Nichtentwicklung unmittelbar mitverfolgen. Zum anderen kenne ich das Ihme-Zentrum seit Jahrzenten als Einkaufs- und Aufenthaltsort, zu Zeiten als hier noch HUMA oder Saturn-Hansa die Käufer/innen anzogen. Leider ist das mit dem Einkaufs- und Aufenthaltsort in den letzten Jahren etwas schwieriger geworden.

Stadtjugendtag 2015

Wie kann man sich an der Veranstaltung beteiligen?
Alle Interessierten können am Samstag um 18.40 Uhr ins Forum kommen zur Diskussion „Das Diskussion als jugendgerechter Ort – was fehlt?“ Das Forum ist auf der Glockseewiese zwischen Glocksee und Ida-Arenhold-Brücke.

Volker Rohde ist Stadtjugendpfleger Hannover

September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird zur Kulisse eines Lichtspielfestivals

Foto: Katharina Geber

Die Kunst wertet das Ihme-Zentrum auf. Beim Ihme Vision Festival am 18. und 19. September zeigt ein Team aus Kreativen, wie schön das Gebäude und der angrenzende Park bespielt werden können. Im Gespräch erklärt der Künstler und Mitorganisator Franz Betz, welches Potenzial er für das Gebäude sieht und was seinen Charme ausmacht.

Was habt ihr vor beim Open Light Festival oder auch Ihme Vision?

Das Open Light Festival ist in diesem Jahr zunächst Pilot für die anvisierten Festivals in den nächsten Jahren. Wir, das heisst das kreative Veranstaltungsteam mit Iyabo Kaczmarek, Esther-Marie Kröger, Jörg Strohmann und mir habem die Ihme Vision in drei Bereiche unterteilt. Das ist einmal die Visuelle Bespielung der Fassaden des Ihme-Zentrums mit Projektions-Mapping und Architektur-Anleuchtung. Zum Zweiten ein Kurzfilmprogramm für die beiden Abende, und zum Dritten Pop-Up-Architektur für ein frisches gastronomische Angebot. Unterstützt werden wir von vielen Kreativen Hannovers.

Wichtig war uns auch, junge Filmer und Filmerinnen aus Hannover zu motivieren. Mit „Deine Vision in 60 Sekunden“ suchen wir filmisch neuen Blicke und werden zehn Einreichungen beim Festival zeigen.

Foto: Katharina Geber

Wie kommt ihr auf den Ort?

Jörg Strohmann aus dem Kreativteam radelt fast jeden Abend durch den Ihmepark am Ihmezentrum vorbei. Durch die Neugestaltung des Ihmeufers ist der Blick aufs Ihme-Zentrum ein ganz neuer geworden; sozusagen einer der wenigen urbanen Orte in Hannover, vergleichbar mit dem Central Park in New York. Diesem Impuls folgend hat er uns drei, die schon lang und länger im angrenzenden Capitolhochhaus arbeiten, von der Idee eines Festivals nicht lange überzeugen müssen. So haben wir unsere verschieden kreativen Talente aus Architektur, Veranstaltungen, Film und Licht in einem Projekt eingebracht und dafür öffentliche und private Förderer gefunden.

Wie würdest du das Ihme-Zentrum jemanden beschreiben, der es nicht kennt?

Das Ihme-Zentrum ist aus der Utopie entstanden, den Verkehr unter sich zu lassen und quasi wie in Wolken schwebend zu leben. Leider hat die Realität aus Beton und Investment den Sprung ins 21. Jahrhundert nicht geschafft. Sanierungen und Umgestaltungen sind für diese Bauten, die es in vielen anderen Großstädten ebenfalls gibt, aufwendig und nur mit hohem Aufwand wie z.B. dem Boros Bunker in Berlin zu schaffen. Diese Möglichkeiten standen für das Ihme-Zentrum nicht zur Verfügung, sodass mehrere Investoren gescheitert sind. Wie sich solche Gebäudekomplexe besonders in den Gewerbeflächen dauerhaft nutzen lassen, ist unklar.

Foto: Katharina Geber

Welches Potenzial siehst du in dem Gebäude?

Zunächst ein kreatives. Solche Gebäude verfallen nicht so einfach, wie die Industriearchitektur der Jahrhundertwende aus Ziegeln und Gusseisen. Also müssen wir schauen, wie sich solche Strukturen in eine Stadtlandschaft positiv integrieren lassen und dies zunächst ohne kommerzielles Interesse des Einzelhandels. Wie Licht und Grün besonders in die unteren Etagen wieder einziehen kann. Welche Nutzungen sich auf Dauer dort etablieren lassen. Ein geschützer Ort für zum Beispiel Veranstaltungen, Konzerte, Open-Air-Ateliers, und eben Licht-Festivals.

Foto: Claudia Below

Franz Betz ist Künstler.

September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird zur Kunstausstellung

Olga Guseva: Video-Still

Olga Guseva: Video-Still

Am 5. September lädt die Kunsthalle Faust zu einer Kunst-Aktion auf dem Faust-Gelände und im Ihme-Zentrum: Boondocks II soll die urbane Wildnis ins richtige Licht rücken und Raum für freie Gedanken geben. Kurator Harro Schmidt im Gespräch über die Kraft von Kunst in den Ruinen und warum das Ihme-Zentrum aus seiner Sicht unterschätzt wird.

Ihr organisiert eine Kunst-Aktion im Ihme-Zentrum. Wie kommt das?
BOONDOCKS II HANOVER verfolgt und vertieft die Thematik urbaner Wildnis in einem internationalen Multimediaprojekt und kann dabei auf Erfahrungen von BOONDOCKS I zurückgreifen, ein internationales Kunstprojekt, das 2009 erstmals im öffentlichen Raum der Stadt Hannover entlang der Leine, in der Städtischen Galerie Kubus und in der Kunsthalle Faust realisiert wurde.

Andrea Hilger: Hilluminations 2

Was habt ihr genau vor?
Mittels performativer, partizipativer und projektiver Strategien untersucht BOONDOCKS II HANOVER urbane Umbrüche, Ausbreitungs- und Rückzugsphänomene im urbanen und architektonischen Raum. Das Ihme-Zentrum – die zum Spekulationsobjekt verfallene Zukunftsvision der 70er-Jahre – soll als besondere Projektionsfläche für künstlerische Interventionen im Niemandsland zwischen Öffentlichem und Privatem dienen. Insbesondere ehemals intakte Gewerbeflächen sind jetzt „unkultiviertes oder verlassenes Hinterland“, die Boondocks von Hannover.

Die temporäre Aneignung und Umwidmung dieser urbanen Wildnis eröffnet durch künstlerische Reflexion der vorgefundenen Architektur mittels Licht- und Videoprojektionen, Installationen und durch partizipative Projekte neue, mitunter visionäre Perspektiven. Die partizipative Einbeziehung von Bewohnern und Nutzern des Ihme-Zentrums versteht sich als Angebot zur Teilhabe und Mitgestaltung.

Die Kunsthalle Faust bildet mit internationaler Videokunst unter dem Titel „My Landscape is Your Landscape“ (Zusammenarbeit mit Claus Friede Contemporary Art, Hamburg) und der Installation „Bildmaschine 07“ des Östereichers Clemens Fürtler den Ausgangspunkt eines umfangreichen Kunst-Parcours. Fußläufig leicht zu erschließen, führt der Parcours entlang der Ihme zum Ihme-Zentrum und durch Wegweiser markiert mitten hindurch, flankiert von Medienarbeiten und Installationen, wo er am Küchengarten endet.

Peter Puype: Your Country Ain't Your Blood

Peter Puype: Your Country Ain’t Your Blood

Wo geht es wann los?
Das ganze Programm geht vom Samstag, 5. September, bis Sonntag, 4. Oktober 2015. Alle Details stehen auf unserer Website.

Li Xiaofei: A Packet Of Salt

Li Xiaofei: A Packet Of Salt

Für dich als Kurator und Künstler: Welches Potenzial hat das Ihme-Zentrum für dich?
Für uns Kuratoren, also An Seebach und mich, repräsentiert das Nebeneinander von desparaten Gewerbeflächen (eigentlich öffentlicher Raum) und privatem Rückzugsort ein reizvolles Spannungsfeld für künstlerische Interventionen. Gerade das Unfertige, das zukünftig zu Erwartende oder der mit Patina belegte Charm der 70er-Jahre-Architektur regen Künstler wie Kuratoren an, die vorgefundenen Dinge weiterzudenken, zu kommentieren oder umzudeuten. Potenzial ist sicherlich noch für ein bis zwei Jahre vorhanden, danach ist der prozesshafte Umbruch der „Neubesiedelung“ wohl abgeschlossen.

Ulu Braun: Forst, Video-Still

Ulu Braun: Forst, Video-Still

Könntest du dir vorstellen, dass es im Ihme-Zentrum eine feste Galerie, Ateliers oder Räume für Kunst und Kultur gibt?
Prinzipiell ist das damalige Städtebaukonzept gescheitert, für heutige Nutzer unattraktiv, deshalb ein eingeschränktes Ja. Wenn man in Teilen eine Neugestaltung vornimmt, z.B. Gebäude öffnet, Innenräume höher und größer gestaltet. Heute wirkt alles noch zu gedrungen.

Harro Schmidt, Kurator der Kunsthalle Faust

Harro Schmidt, Kurator der Kunsthalle auf dem Faust-Gelände und Iniator der Aktion.

Hier stehen alle weiteren Informationen zur Kunst-Aktion.

August 2015 – Das Ihme-Zentrum als Fotomotiv

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Am Mittwoch, 19. August, organisieren Pamuk Akkaya und ich einen kommentierten Rundgang durchs Ihme-Zentrum extra für Fotografen und Instagram-Nutzer: ein sogenanntes InstaMeet. Hier erklärt die Social-Media-Expertin, was Besucher erwartet und warum das Ihme-Zentrum aus ihrer Sicht ein geeignetes Fotomotiv ist.

Wie würdest du ein InstaMeet beschreiben? Was erwartet die Teilnehmenden?
Ein InstaMeet ist ein Treffen für Gleichgesinnte, mit dem Hauptgedanken nicht nicht nur über digitale Bilder am Alltag der User teilzuhaben, sondern diese auch im „echten Leben“ kennenzulernen. Bei solch einem Treffen geht es darum, gemeinsam Fotos und Videos aufzunehmen, sich zu vernetzen, die Vielfalt der eigenen Stadt zu erkunden oder auch einfach nur um etwas Neues zu entdecken und sich von anderen Teilnehmern in Bezug auf die Fotografie inspirieren zu lassen. Durch einen gemeinsamen Hashtag, (z.B. #ihmezentrum_walk) werden im Anschluss die Fotos zugeordnet, mit den Followern geteilt und Einblicke in das vergangene Event gewährt.

Warum ist das Ihmezentrum aus deiner Sicht ein geeignetes Fotomotiv und so spannend für Instagramer?
Weil es viel Potential bietet, vor allem in kreativer Hinsicht.
Der Rundgang ist leider schon voll. Wer beim nächsten dabei sein will, meldet sich unter wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(punkt)de an. Das Ganze dauert etwa zwei Stunden.

August 2015 – Mach dir selbst ein Bild

Die Ihme

Die Zahl der Straftaten im Ihme-Zentrum ist nicht höher als im Rest vom umliegenden Hannover-Linden oder in anderen, vergleichbaren Stadtteilen wie der Nordstadt oder der Calenberger Neustadt. Das sage nicht ich, sondern ist das offizielle Statement der Pressestelle der Polizei Hannover. Und auch mehrere Vertreter des privaten Sicherheitsdienstes, der auf dem Gelände des Zentrums für Ordnung sorgt, bestätigen das. Doch die Statistik und die Erfahrung der Bewohner bewahren einen nicht vor dem Schock, wenn Meldungen von Verbrechen in den Medien sind. Von Verbrechen, die nicht in einer der Wohnungen geschehen, sondern im ehemaligen Gewerbeteil im Erdgeschoss.

Für viele selbst ernannte Experten des Ihme-Zentrums sind solche Meldungen wieder einmal der Beweis, dass der gesamte Gebäudekomplex gescheitert ist. Und diese Wutbürger fordern dann wieder mal nur eins: den Abriss des Ihme-Zentrums. Ich und viele andere Menschen – aus dem Zentrum und von außerhalb – glauben nicht, dass die Probleme löst. Der Grund für ein Verbrechen wie eine Vergewaltigung ist nicht das Gebäude, wo es passiert. Sondern der Täter selbst. Kriminalität gibt es – leider – in jeder Großstadt und dort verteilt. Das Ihme-Zentrum ist kein Hotspot für Gewalt und Verbrechen.

Aber das Ihme-Zentrum ist in seinen leer stehenden Gewerbeteil etwas, das die Psychologen Angstraum nennen. Menschen fühlen sich unwohl, weil das Erdgeschoss unübersichtlich, schmutzig und düster aussieht. Und wenn man sich unwohl fühlt, bewegt man sich auch automatisch anders. Viele fühlen sich in so einem Kontext wie ein Opfer und werden so vielleicht auch eher zu einem.

Doch das muss nicht sein. Es gibt genug Konzepte, wie aus einem Angstraum ein lebendiger Ort wird. Einer davon ist die sogenannte Broken-Window-Theorie, die Theorie der zerbrochenen Fenster. Einfach erklärt: Wenn in einem Viertel Häuser und Infrastruktur verfallen, lockt das automatisch auch Verbrecher an, und am Ende kommt es zum Niedergang eines ganzen Stadtteils. Wenn man nun alles in einem guten Zustand erhält und dafür sorgt, dass sich die Menschen wohl fühlen, dann senkt man damit auch die Kriminalitätsrate. In vielen Städten wie beispielsweise New York führte diese Strategie zu einer rapiden Verbesserung des sozialen Lebens. Was also, wenn der Gewerbeteil des Ihme-Zentrums ebenfalls repariert, modernisiert und wieder belebt werden würde? Einen Versuch wäre es wert.

Wer immer noch glaubt, dass das Ihme-Zentrum eine Hochburg des Verbrechens ist, den oder die lade ich ein, zu einem meiner Rundgänge zu kommen. Der nächste Spaziergang ist am 27. September statt. Das Ganze dauert rund zwei Stunden und ist kostenlos. Anmeldungen unter wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(punkt)de.

Juli 2015 – „Die Tristesse in einen funkelnden Ort verwandeln“

Lichter

An einem Sonntag im Juli stand unter einem der Hochhäuser im Ihme-Zentrum eine lange Tafel. Direkt am Wasser wurden Girlanden aufgehängt, ein alter Plattenspieler angemacht, und alle tranken und aßen miteinander. Die beiden Kulturschaffenden Sarah Kniep und Anet Gubanova hatten ein Pop-up-Dinner organisiert. Ein wunderschönes Erlebnis.

Was ist ein Pop-up-Dinner?
Ein Pop-up-Dinner ist ein spontanes Event, das vom Überraschungsmoment lebt. Die Teilnehmer werden kurzfristig informiert, wann und wo es stattfindet. Sie kennen sich vorab nicht und wissen weder, mit wem sie an einem Tisch sitzen werden, noch was sie essen werden. Darin liegt der Reiz dieser Veranstaltung, die unter vielen Namen bekannt ist: Flüsteressen, Supper Club, White Table, Pop-up-Dinner. Entstanden ist die Idee in New York, fand dort in ziemlich kurzer Zeit viele Fans, schwappte dann schnell rüber nach Berlin – und existiert nun auch in Hannover.
Über exklusive Mailinglisten oder geheime Gruppen in sozialen Netzwerken wird kurzfristig eingeladen – so steht nie vorher fest, wer kommt und was passieren wird. Die Abende sind jedes Mal neue Überraschungen und leben vom Mitmachen und der Kreativität der Teilnehmer: Mal bringt jemand seine Gitarre mit, der andere selbst gebrautes Bier, mal rezitiert wer selbstgeschriebene Gedichte, ein anderes Mal wird gesungen oder bis in die Puppen erzählt. Das macht den Überraschungsmoment aus und dockt am Erlebnishunger der jungen Großstädter an. Im Gegensatz zum gesetzten und vorhersehbaren Publikum eines Restaurants steht hier der Event- und Exklusivcharakter im Vordergrund.

Am Wasser.

Wieso ist das Ihme-Zentrum der geeignete Ort für ein Pop-up-Dinner?
Das Ihme-Zentrum ist ein kultureller Nicht-Ort. Obwohl hier mehr als 1.500 Menschen auf einem engen Ort leben, passiert hier keine Kultur, kein Stadtleben. Jeder kennt das Ihme-Zentrum, aber alle ignorieren es. Wir wollten die bestehenden negativen Stereotype und Stigmatisierung, die diesem Ort anhängen, brechen. Aus diesem Grund haben wir uns diesen Ort geschnappt und ihn für ein paar Stunden in etwas Schönes verwandelt. Wir haben die Tristesse des Brutalismus für einige Stunden in einen funkelnden, kommunikativen Ort verwandelt. Diese Magie war unvergleichlich und hat alle mitgerissen. Zusammengewürfelt und doch stimmig – dieser Abend passiert so nicht noch einmal.

Leib und Seele.

Wie lief der erste Abend im Ihme-Zentrum?
Nachdem wir beide an deinem Spaziergang durch den Betonklotz teilgenommen hatten und gegen Ende unsere Blicke über die Dächer Hannovers schweifen ließen, war uns beiden klar: Hier muss was passieren. Wir wollten diesen Ort der Stadt, der sonst nur negativ konnotiert ist, in etwas Positives verwandeln. Wir wollten Kultur und Kommunikation hineinbringen – und so entstand die Idee eines Pop-up-Dinners. Wir haben einige Bekannte, Freunde, aber auch Künstler und andere aktive Querdenker aus der Stadt kurzfristig zum gemeinsamen Essen eingeladen. Um die Tische, Dekoration und Schallplattenspieler haben wir uns gekümmert – die Gäste waren angehalten, jeder etwas zur kulinarischen Dinnertafel beizusteuern sowie ihren eigenen Stuhl als auch Besteck mitzubringen. Eingefunden haben sich dann eine illustre Truppe, ein opulent gedeckter Tisch und jede Menge interessanter Gesprächsthemen. Was zunächst nur für anderthalb Stunden angedacht war, entwickelte sich zu einem wunderbaren Abend inmitten von kaltem, grauen Beton. Doch wir haben dem Betonklotz an diesem Abend eine Identität & Charakter verliehen und wollen dies auf jeden Fall bald wiederholen.
Wann solch ein Pop-up-Dinner erneut ansteht, das wird wieder spontan über unsere Mailingliste bzw. die geheime Gruppe bekannt gegeben – zu groß soll das Event nämlich gar nicht werden.

Geselligkeit.

Wie beurteilt ihr generell das Potenzial des Ihme-Zentrums?
Als kreative und kulturell interessierte Einwohner Hannovers liegt uns das Schicksal des Ihme-Zentrums am Herzen. Wir haben in diesem Fall die kreative Stadtgestaltung in die eigenen Händen genommen und können andere nur ermuntern, uns gleichzutun: Das Ihme-Zentrum ist ein Ort, der aus dem Stadtbild nicht wieder verschwinden wird. Es obliegt uns, was wir daraus machen. Wir können es wie bisher weiter ignorieren und hoffen, dass irgendwann einmal ein Bagger diese Bausünde plattmachen wird. Oder wir akzeptieren es als einen eigenen Stadtteil, als Heimat für viele, viele Menschen – und machen was draus. Und zwar einen Leuchtturm für kreative und urbane Stadtgestaltung – der weit über die Grenzen Hannovers hinaus anregen soll, die Lebensqualität und das Maß an Eigeninitiative selbst in die Hand zu nehmen.

Sarah, Robin und Anet

Wer seid ihr?
Wir sind zwei junge Frauen, die zwar beide nicht in Hannover geboren wurden, aber die Leinemetropole trotz aller Vorbehalte („…da isses doch nur grau & langweilig“) schnell ins Herz geschlossen haben. Anet (auf dem Bild rechts) schreibt derzeit ihre Doktorarbeit, organisiert die FuckUp Night Hannover, bei der Gründer über ihr Scheitern berichten und verfolgt ihr eigenes Start-up beta-testr.

Sarah (auf dem Bild links) arbeitet in der Kulturkommunikation, ist Mitorganisatorin des Filmfestivals Utopianale und der Kunstaktion Papergirl, schreibt für den ersten Modeblog Hannovers „Hannover Fashion Weeks“ und leitet den Kulturmarketingstammtisch Hannover. Wir wollen beide etwas bewegen und lieben es, Menschen zusammenzubringen, die sich sonst nie begegnen würden.

Alle Fotos vom Pop-up-Dinner sind von Tobias Brabinski. Danke.