Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Kategorie: Sport

Januar 2017 – Das Ihme-Zentrum als Teil einer besseren Verkehrsinfrastruktur

Foto: @kommyt

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Das Ihme-Zentrum wirkt für viele wie eine verschlossene Burg. Mehr Verbindungen zum Umfeld und angenehmere Wege durch das Quartier für Fußgänger und Fahrradfahrer würden die Lebensqualität für alle verbessern. Welche Ideen es für eine bessere Verkehrsinfrastruktur gibt, erklärt Oliver Thiele vom Aktionsbündnis Platzda! im Interview.

Ihr engagiert euch für eine nachhaltige Verkehrsführung in Linden und der gesamten Stadt. Welche Rolle spielt das Ihme-Zentrum für eine bessere Infrastruktur?
Die hohe Bebauungsdichte und die ursprünglich gemischte Nutzung bot den Bewohnern die Chance, sich zu Fuß fortzubewegen. Die Wege im funktionierenden Ihme-Zentrum waren kurz. Die Bewohner sollten zukünftig ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln, Medikamente, Besuchen von Bekannten, Arztterminen usw. zum Teil wieder innerhalb des Ihme-Zentrums decken können. Diese Form von Erreichbarkeit der infrastrukturellen Einrichtungen auch im umliegenden Stadtteil Linden ist aus unserer Sicht nachhaltiger Verkehr; weniger Verkehrslärm schont die Nerven und weniger Abgase die Gesundheit.
Die ungenutzten Tiefgaragen könnten als Stadtteilgaragen dienen. Das gewonnene Mehr an Raum durch weniger abgestellte Fahrzeuge würde die Möglichkeit bieten, breitere Fuß- und Radwege in Linden anzulegen. Fahren mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad, begegnen wir uns häufiger auf Augenhöhe im Stadtteil, sind entspannter und kommen ins Gespräch, was für den Zusammenhalt einer (Stadtteil-)Gemeinschaft eine hohe Bedeutung hat. Über Venedig, die Stadt der Fußgänger, wird gesagt, eine Verspätung von einer Viertelstunde ist allgemein akzeptiert, da die Menschen auf ihrem Weg zu einem Termin immer einen oder mehrere Bekannte treffen und sich unterhalten. Was für ein schöner Gedanke.

Copyright: Gerd Runge

Am Küchengarten und an der Gartenallee bieten sich gute Möglichkeiten für mehr Verbindung zum Umfeld. Idee: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Wie ließe sich der Radverkehr im Ihme-Zentrum und seiner Umgebung aus deiner Sicht verbessern?
Durch die zentrale Lage des Ihme-Zentrums haben die Bewohner unter gewissen Voraussetzungen die Gelegenheit, das Fahrrad häufiger zu nutzen und ihre Wege in Linden und der Stadt bequem per Rad zurückzulegen. Sichere und gut beleuchtete Fahrradabstellplätze, die in unmittelbarer Nähe der Aufzüge oder Treppenanlagen liegen, und natürlich gut ausgebaute Radwege dorthin sind einige dieser Voraussetzungen. Ein wieder erstarkendes Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen im Ihme-Zentrum und dem Stadtteil, das leider in den letzten Jahren verloren gegangen ist, könnte die Folge sein.
Die Durchquerung bzw. die Wege entlang des Ihme-Zentrums sind wichtige Punkte zur Verbesserung des Radverkehrs im und am Quartier. Die dunkle, schmuddelige Passage von der Blumenauer Straße, die an der Brücke hinüber zum Peter-Fechter-Ufer mündet, müsste gerader geführt und besser beleuchtet werden. Zudem wäre eine eindeutige Trennung zwischen Fußgängern und Radfahrern mit rot eingefärbten Radweg und baulicher Trennung durch Poller o. ä. wünschenswert, um Konflikte und Unfälle zu vermeiden. Der Weg nach Linden mit dem Rad, aus der Passage kommend, in die Gartenallee hinein fahrend, sollte direkt und mit einer eigenen Grünphase für Radfahrer diagonal über die Kreuzung auf einen Radweg in der Gartenallee möglich sein. Auch Abstellplätze oder -boxen für Lastenräder von Lindenern, die in der Nähe wohnen, wären denkbar.

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Angenehme und barrierefreie Durchgänge im Ihme-Zentrum für mehr Lebensqualität für die Bewohner und alle in der Stadt. Eine Idee des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Hast du eine Vision vom Ihme-Zentrum und dem Stadtteil für 2030?
Die völlig überdimensionierte und beileibe nicht hoch frequentierte Blumenauer Straße ist zurück gebaut, die Parkplätze sind verschwunden. Stattdessen führt ein breiter, grüner Boulevard, vergleichbar einer spanischen Rambla, auf der Linden zugewandten Seite entlang des Ihme-Zentrums. Der Großeigentümer hat das Buch „Städte für Menschen“ von Jan Gehl gelesen und verstanden, dass gut funktionierende Einkaufsstraßen eine kleinteilige Struktur brauchen. Daher befinden sich im Erdgeschoss des Ihme-Zentrums kleine Geschäfte, die sich in ihrem Angebot ergänzen, Cafés und städtische Einrichtungen wie ein Seniorentreff, eine Polizeiwache, ein Kindergarten usw. Auf der anderen Seite schwimmen Pontons auf der Ihme, die ein Fluss-Schwimmbecken mit Rutschen und Sprungtürmen umrahmen. Ruderboote und Kajaks liegen an Stegen und Ruheorte für alle Bewohner der Stadt oberhalb des Ufers laden zum Verweilen und Zuschauen ein. Eine Vision halt, aber was wären wir ohne sie?

Am 9. Februar um 18.30h lädt die Platzda!-Initiative ins Lindener Rathaus zur Infoveranstaltung „Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?“. Die Initiative betreibt außerdem derzeit ein Crowdfunding auf Hannovermachen: https://projekte.hannovermachen.de/invest/platzda.

Oliver Thiele

Oliver Thiele wohnt seit 25 Jahren in Linden, ist Architekt und hat drei Kinder. Vor gut einem Jahr hat er die PlatzDa!-Initiative ins Leben gerufen. Mehr Infos: http://www.hannovercyclechic.wordpress.com

September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird ein jugendgerechtes Viertel

 

Das Ihme-Zentrum als Beitrag für eine Stadt der Jugend und der Zukunft – beim Stadtjugendtag 2015 am Samstag, 26. September, wird genau dieses Potenzial diskutiert. Stadtjugendpfleger Volker Rohde spricht im Interview über das Zentrum als Chance und wie wichtig es ist, eine Stadt für Kinder und Jugendliche zu gestalten. 

Was genau geschieht an diesem Stadtjugendtag?
Der Stadtjugendtag ist in erster Linie eine (große) Beteiligungsveranstaltung für Jugendliche im Rahmen von „Mein Hannover 2030“. Jugendliche sollen sich im Rahmen dieser Veranstaltung und in Bezug auf „Mein Hannover 2030“ im Rahmen von den zwei folgenden groben Fragestellungen äußern: Was soll diese Stadt im Jahr 2030 für Jugendliche bieten und sein? Was soll diese Stadt für mich, als dann ca. 30 Jährige/n bieten. Dabei ist 2030, zumindest was den ersten Teil der Frage betrifft, natürlich nur ein Synonym. Die Ideen und Wünsche der Jugendlichen müssen natürlich unmittelbar und kurzfristig aufgenommen werden. Beide Fragestellungen sind zudem sehr abstrakt oder auch etwas uncool. Deshalb sollen sie von den Jugendlichen auf ihre Art gestellt und beantwortet werden.

Demzufolge sollte der Stadtjugendtag von vornherein eine Veranstaltung von Jugendlichen für Jugendliche werden. Wir haben deshalb viel Wert darauf gelegt, dass die gesamte Veranstaltung sich auch sehr jugendgerecht entwickelt. Dementsprechend besteht dieser Tag nicht nur aus Foren und Diskussionsrunden, wie vielleicht in anderen Beteiligungszusammenhängen. Viel mehr wollen wir Jugendlichen auch die Gelegenheit geben, sich mit ihren Aktivitäten und Interessen an diesem Tag umfassend zu präsentieren. Folgerichtig hat sich der Stadtjugendtag damit mehr  zu einem Festival entwickelt. Diese Entwicklung finden wir großartig und freuen uns darauf, was dabei herauskommt.

Das Festival findet ja in einer dynamischen Atmosphäre zwischen Glocksee und Ihme-Zentrum statt. In wieweit ist dieser Rahmen geeignet für den Stadtjugendtag?
Die Fläche ist hervorragend geeignet. Da ist zum einen, das seit über 40 Jahren bestehende Unabhängige Jugendzentrum Glocksee. Es steht für die Tradition von Selbstorganisation und Partizipation, aber auch für Party, Spaß und Ausprobieren von Jugendlichen. Die neugestaltete Fläche zwischen Glocksee und Ihme steht wiederum für die Interessen von Jugendlichen, den öffentlichem Raum in ihrem Sinne zu nutzen und auch temporär zu gestalten. Nicht zuletzt bietet das Ihme-Zentrum mit seinem ambivalenten Charme eine besondere, durchaus jugendgerechte Kulisse und ist nicht nur deshalb ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.

Stadtjugendtag 2015

Könnte aus Ihrer Sicht das Ihme-Zentrum eine jugendgerechtes Quartier werden?
Auf den ersten Blick eine vielleicht etwas abwegige Frage. Allerdings nur auf den ersten Blick. Mit der Verbindung von der Glocksee und der Freifläche an der Ihme hat das Ihme-Zentrum großes Potenzial für einen jugendgerechten Ort. Auch der ambivalente Charme könnte dazu beitragen, denn Jugendliche mögen mit Einschränkung eher das etwas Unaufgeräumte und Unstrukturierte und weniger Saubere, wenn es um die Nutzung öffentlicher Räume geht. Solche Räume bieten viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und bieten eine Alternative zur der aus der Sicht von Jugendlichen, nach wie vor als „spießig“ und um Sauberkeit und Ordnung bemühten Erwachsenengesellschaft. Warum sollte sich durch verschiedene Aktivitäten nicht ausgerechnet das Ihme-Zentrum zu einem ganz besonderem jugendgerechten Quartier entwickeln. Im Übrigen vielleicht sogar, was bezahlbaren Wohnraum in einem „hippen“ Stadtteil betrifft.

Wie ist Ihr persönlicher Bezug zum Stadtteil?
Ich wohne seit fast 30 Jahren in Linden und liebe diesen Stadtteil in seiner ganzen Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Meine Kinder sind hier geboren und bevölkern als noch Jugendliche die öffentliche Räume des Stadtteils. Ich genieße am Wochenende den Stadtteilspaziergang an Leine und Ihme. Das Ihme-Zentrum ist mir in seiner ganzen Entwicklung sehr vertraut. Zum einem arbeite ich seit fast zehn Jahren im Ihme-Zentrum und konnte unmittelbar die Entwicklung oder auch Nichtentwicklung unmittelbar mitverfolgen. Zum anderen kenne ich das Ihme-Zentrum seit Jahrzenten als Einkaufs- und Aufenthaltsort, zu Zeiten als hier noch HUMA oder Saturn-Hansa die Käufer/innen anzogen. Leider ist das mit dem Einkaufs- und Aufenthaltsort in den letzten Jahren etwas schwieriger geworden.

Stadtjugendtag 2015

Wie kann man sich an der Veranstaltung beteiligen?
Alle Interessierten können am Samstag um 18.40 Uhr ins Forum kommen zur Diskussion „Das Diskussion als jugendgerechter Ort – was fehlt?“ Das Forum ist auf der Glockseewiese zwischen Glocksee und Ida-Arenhold-Brücke.

Volker Rohde ist Stadtjugendpfleger Hannover

Juni 2015 – „Das Ihme-Zentrum wird zum Freizeit-Treffpunkt“

Leere.

Es gab eine Zeit, da wurden im Ihme-Zentrum Konzerte gespielt, Theater gemacht, Partys gefeiert. Da es in Hannover seit einigen Jahren immer schwieriger wird, Freiraum für Kreatives und Kultur zu finden, bietet sich das Zentrum mit seiner freien Fläche quasi an, bespielt zu werden. Dominique Schrader hat dabei schon eine konrekte Vision, wie der „Klotz“ zum Hotspot werden kann.

Welche Vision hast du für das Ihme-Zentrum?
Ich würde aus dem Gewerbegebiet gerne einen Freizeit-Treffpunkt in Form eines Skateparks machen. Hierzu würden sich dann noch Gastronomie und eine Event-Location anbieten. Das Thema Straßenkultur – also sei es Skaten, Sprayen oder irgendwo mit einem Kaffee rumsitzen und seine Freizeit genießen – wird ja von vielen Menschen immer als Lärmbelästigung und/oder Verschmutzung gesehen – aber es bringt gleichzeitig auch Leben in Stadtteile. Ein Skatepark würde also in vielerlei Hinsicht Probleme lösen: 1) Indem er die Straßenkultur auf einen zentralen Raum fokussiert, der Freiheiten bietet und es niemanden stört. Bislang müssen Skater entweder auf kleinen Plätzen fahren oder weite Wege in Kauf nehmen 2) Wenn der verlassene Gewerbeteil des Ihmezetrums sozial wiederbelebt wird, wird das auch konsequenter Weise die Wirtschaft stärken. 3) Durch eine solche soziale Wiederbelebung ist ein Image-Wandel viel einfacher zu schaffen als mit aufwändigen und teuren Image-Kampagnen.
Für den Skatepark an sich denke ich speziell an die alte Fläche von Saturn-Hansa – quasi über mehrere Stockwerke verteilt. So etwas gab es meines Wissens nach noch nicht und wäre eine echte Innovation.

Sonne.

Hast du in anderen Städten erlebt, dass eine Umnutzung funktioniert?
Ich habe nach meinem Studium erst in London und dann in Hamburg gelebt und habe in beiden Städten gesehen, dass eine kreative Nutzung von alten Flächen wahre Wunder bewirken kann. In London denke ich da als erstes immer an die Tate-Modern-Gallery, die ein altes Kraftwerk direkt an der Themse war – Architektonisch ein echter Klotz, der viel Sonne nimmt und in einem unansehnlichen Ocker erscheint. Aber dadurch, dass eine der besten Kunstgalerien Europas darin steckt, lebt dieser Klotz, zieht jede Menge Künstler und Interessierte an und wirkt als ein echter Treffpunkt. In Hamburg fällt mir sofort der Bunker am Millerntor ein:  Der dunkelgraue Klotz ist eigentlich ein echter Schandfleck. Aber dadurch, dass unten ein echt guter Musikladen und oben mit dem Uebel & Gefährlich einer der besten Live-Klubs der Stadt ist, lebt auch dieses Gebäude und wird mit positiven Emotionen in Verbindung gebracht. So etwas will ich für Hannover auch.

Licht

Warum denkst du, dass Hannover so ein Freizeit- und Sportzentrum gebrauchen kann?
Wie ich oben schon kurz erwähnt habe, gibt es in Hannover nicht gerade viele Optionen für Skater – in der Region Hannover schon gar nicht. Ich bin in einem Vorort groß geworden, wo verärgerte Anwohner uns Sonntags vom Skateplatz gescheucht hatten, weil sie ihre Ruhe wollten. Dabei haben wir noch nicht mal Musik gehört. Die Konsequenz ist, dass du irgendwann keinen Bock mehr auf Skaten hast. Außerdem: Wenn es regnet, ist das Thema sowieso gegessen. Wer einmal auf einer nassen Rampe stand, weiß, wie gefährlich das sein kann.
Momentan gibt es neben dem 2er-Skateplatz auch noch die Yard-Skatehall, die den Skatern ein Dach überm Kopf bietet. Die ist in Empelde. Das ist für viele „nicht mal eben hin“, sondern eine echt weite Reise, welche mit dem Ihme-Zentrum deutlich verkürzt würde. Dabei darf man nicht vergessen, dass neben Skateboarden ja auch noch Inline-Fahrer und BMXler einen Anspruch auf eine solche Halle hätten.
Außerdem gibt es Eltern die Möglichkeit, dass ihre Kinder den Sport unter Aufsicht lernen und sich so einfach sicherer fühlen als irgendwo in der Pampa über eine selbstgebaute Rampe zu springen.
Was Sprayer angeht: Wenn man diesen die Möglichkeit gibt, sich kreativ auszuleben, kommen dabei meist bessere Kunstwerke raus, als wenn diese Menschen von der Polizei gejagt werden. Man kann ja gerade auch am Klagesmarkt bewundern, wie cool Sprayen aussehen kann – von der Bahnstation Sedanstraße ganz zu schweigen.

So wie du das planst wird das ja auch Menschen von außen anlocken. Hat das Ihme-Zentrum für dich touristisches Potenzial?
Auf jeden fall! Wenn man sich vorstellt, dass man eine riesige Skatehalle über mehrere Etagen hat, die gleichzeitig noch Kulturzentrum ist, wo abends von Tanzveranstaltungen bis zu Konzerten viel stattfinden kann – warum sollte sowas keine Leute anlocken? Man sieht ja auch immer wieder, wie viele Menschen auf einmal zusammenkommen, wenn Profis anreisen und an einem Contest teilnehmen (beispielsweise die X-Games oder die Simple-Sessions von Red Bull). Warum kann denn sowas nicht in Hannover stattfinden – mitten in der Stadt?

Dominique Schrader

Dominique Schrader

Spaziergänge durchs Ihme-Zentrum

März 2015

Ist das Ihme-Zentrum eine Ruine? Ein gescheiterter Stadtteil oder eine große Chance? Auf einem kommentierten Spaziergang erkläre ich, wieso das Gebäude so aussieht und welches Potenzial es hat. Der nächste Rundgang ist am Mittwoch, 19. August. Wer Interesse hat, schreibt mir bitte eine Mail an wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(.)de. Das Ganze dauert rund zwei Stunden und ist kostenlos.

For English speakers: If you are interested in tours through and around the Ihmezentrum send me an email: wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(.)de. The walk takes approximately 1,5 hours and is free of charge.

Februar 2015 – „Eine realisierbare Vision“

 

Sonne.

Im Herbst 2014 führte ich für den NDR ein Interview mit Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) zum Ihme-Zentrum. Er sprach damals davon, dass das Ihme-Zentrum „eine realisierbare Vision“ bräuchte, zeigte sich aber auch sehr interessiert, dass das Gebäude lebenswert bleibt und nicht zu einem Spekulationsobjekt verkommt. Am Mittwoch (24. Februar 2015) wird wurde das Zentrum für 16,5 Millionen Euro
versteigert
. Ich weiß nicht, ob meine Vision realisierbar ist. Aber aus all den Gesprächen mit Bewohnern, Wissenschaftlern, Experten und Interessierten habe ich so etwas wie eine Essenz zusammengefasst. Und die lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Das Ihme-Zentrum ist kein Problem, sondern eine Herausforderung.

Was Hannover fehlt, sind bezahlbarer, stadtnaher Wohnraum und Freiräume für Kreativität und urbane Experimente. Für beides ist Platz in den leeren Flächen im Ihme-Zentrum. Sei es studentisches Wohnen, Flüchtlingsunterkünfte, Mehr-Generationen-WGs, inklusionsgerechtes Wohnen – alles das ist möglich.

Wärme

Ein Teil der Gewerbefläche ist als Einkaufsbereich sinnvoll für die Nahversorgung. Dass es dafür Interessenten aus dem Einzelhandel gibt, zeigte sich über die Jahre immer wieder. Doch nicht der gesamte Raum sollte aus meiner Sicht dafür benutzt werden. Um das ganze Areal nach und nach zu modernisieren, stelle ich mir eine kreative Zwischennutzung vor: Ateliers, Theater, Klubs, Kino, Food-Trucks, Proberäume etc. Dazu Urban-Gardening- und Urban-Farming-Projekte, Sportflächen für Skateboarding oder Parkours, Begegnungsstätten.

Warum nicht auch eine Artist Residency einrichten, bei der Handwerker, Künstler und Nachhaltigkeitsexperten für eine gewisse Zeit kostenlos im Zentrum leben und es dafür im Gegenzug umgestalten, anmalen, nachhaltig modernisieren, erneuern, lebenswerter machen.

Auch eine energetische Sanierung, eine Versorgung des Zentrums mit erneuerbaren Energien durch vertikale Windkraftanlagen sowie moderne Mobilitätskonzepte sind möglich. Dazu bessere Zugänge zum Wasser und mehr Grün. Aus der abweisenden Burg kann so eine beschauliche Insel werden, die in ihre Umgebung sinnvoll integriert ist.

Himmel

Es könnte ein ökologisches, kreatives und nachhaltiges Vorzeigeprojekt für ganz Deutschland sein. Denn in nahezu jeder Großstadt gibt es solche mehr oder weniger brach liegenden Quartiere. Im Gegenzug gibt es auf der ganzen Welt Projekte wie das Barbican Centre in London, wo gezeigt wurde, dass neue Ansätze der Städteplanung und -entwicklung möglich sind, von den Bewohnern angenommen werden und sich zu touristischen Hot-Spots entwickeln. Jeder kennt den Bilbao-Effekt, warum nicht das Ihme-Zentrum nutzen, um den Hannover-Effekt zu erzeugen?!

Welche Visionen für das Ihme-Zentrum noch möglich sind, das werde ich in den kommenden Wochen zeigen: Denn ich habe mit vielen Menschen mit ganz tollen Ideen gesprochen, denen ich hier im Blog Raum für ihre Einfälle einräumen möchte. Denn Ideen, Kreativität und Motivation sind auf jeden Fall vorhanden, um Hannovers „Bausünde“ in ein modernes, nachhaltiges und lebenswertes urbanes Zentrum zu verwandeln. Lasst es uns gemeinsam wach küssen.

Für Interessierte und Skeptiker werde ich einen kommentierten Spaziergang durch das Ihme-Zentrum anbieten. Der nächste Termin ist am Sonntag, 8. März, um 15 Uhr.
Treffpunkt ist das Capitol-Hochhaus am Schwarzen Bär.