Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Kategorie: Gesundheit

Zukunftswerkstatt sammelt Spenden für HAZ Weihnachtshilfe

Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat Spenden für die HAZ Weihnachtshilfe gesammelt. Beim Tag der offenen Tür in dem Nachbarschafszentrum kamen zahlreiche Besucher, um sich die Fotoausstellung „Leidenschaft Ihme-Zentrum“ von Bewohner Manfred P. Hinz anzusehen, Kuchen zu essen und sich am frisch gebrühten Kaffee zu wärmen. Der Verein nutzte die Gelegenheit, um Spenden für die Aktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu sammeln, mit der Menschen in Not aus der Region unterstützt werden.

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September 2017 – Erneut Gebäude von Intown geräumt

 

Der Hannibal-Komplex in Dortmund. Foto: Ralf Hüls

Nach der Räumung eines Hochhauses in Wuppertal und großen Problemen in Schwerin ist Intown (Großeigentümer im Ihme-Zentrum) erneut in den Schlagzeilen: In Dortmund musste am Donnerstag ein Gebäude mit rund 800 Menschen innerhalb kürzester Zeit geräumt werden. Wie mehrere Medien berichteten, habe die Stadt Dortmund die Räumung der mehr als 400 Wohnungen angeordnet, weil „Gefahr für Leib und Leben“ bestehe. Konkret gebe es ein erhebliches Risiko wegen des mangelhaften Brandschutzes. Der zuständige Dortmunder Baudezernent Ludger Wilde sprach in einer Pressekonferenz von drei wesentlichen Gründen für die Räumung: Die Tiefgarage habe keinen Brandschutz. Viele Leerschächte seien nicht brandsicher, und es gebe in dem Haus keinen Rettungsweg. Die Bewohnenden seien für die erste Nacht in Notunterkünften oder privat untergekommen. „Wie lange das Gebäude evakuiert bleiben muss, kann derzeit nicht sicher beantwortet werden“, so Wilde laut Rheinischer Post.

Großeigentümer Intown sieht keinen Grund für die Räumung und hält die „Maßnahme der Räumung des Wohnkomplexes für nicht rechtens, für unangemessen und ermessensfehlerhaft“, so Sascha Hettrich, Geschäftsführer von Intown, gegenüber den  Medien. Der Mieterverein Dortmund sieht die Evakuierung dagegen als notwendig, auch weil die Mängel seit Jahren bekannt seien. So habe es immer wieder Beschwerden und Mitteilungen über den Zustand des Gebäudes gegeben, das Intown vor rund sieben Jahren gekauft hat. „Seitdem die Berliner Firma Intown Properties die Immobilie gekauft hat, sind bekannte Probleme nicht ausreichend behoben worden“, so Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mitervereins, gegenüber dem Nachrichtenportal Dortmund24. Laut Medienberichten will Baudezernent Ludger Wilde Intown die anfallenden Kosten für die Evakuierung und die Unterbringung der betroffenen Bewohnenden in Rechnung stellen. Bei dem Räumungseinsatz seien Hunderte Einsatzkräfte im Einsatz gewesen.

Intown besitzt rund 83 Prozent des Ihme-Zentrums sowie weitere Immobilien in Hannover, u.a. das ehemalige Maritim Hotel gegenüber dem Neuen Rathaus. Laut dem Eigentümer soll das Ihme-Zentrum bis 2022 fertig umgebaut werden. Die Stadt verhandelt derzeit über den Verbleib von mehreren hundert Mitarbeitern in dem Bürobereich. Ein Teil der Bewohnerschaft hat vor mehreren Monaten beim Amtsgericht Hannover eine Klage gegen Intown eingereicht. Hier gibt es eine Umfrage zum Thema Ihme-Zentrum und Intown.

Weitere Berichte zur Räumung des Gebäudes in Dortmund:

Bericht auf bild.de

Bericht auf faz.de

Bericht auf Süddeutsche.de

Bericht auf Spiegel Online

Text: Projektteam „Das Ihme-Zentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“

August 2017 – Der Sommer im Ihme-Zentrum

Das Hochwasser Ende Juli 2017 hat aus der Ihme einen richtigen Strom gemacht. Foto: Hans Dieter Keyl.

Trotz eines durchwachsenen Sommers gibt es viele gute Entwicklungen im Ihme-Zentrum: Das Quartier und seine Herausforderungen werden außerhalb Hannovers immer bekannter. Das neue Nachbarschaftszentrum entwickelt sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und viele Bewohner verbessern aktiv mit Grünpflege und Nachbarschaftshilfen die Lebensqualität vor Ort.

Der Juli im Ihme-Zentrum war durchwachsen. Ein heftiger Regen nagte für mehrere Tage an der Fassade und den Dächern und offenbarte manche schwache Stelle. Die Ihme trat über die Ufer und schwemmte ganze Baumstämme vorbei. Kein Wetter, bei dem man gerne nach draußen geht. Doch mit dem August ändert sich so langsam die Großwetterlage im Quartier. Nach dem letzten reinigenden Gewitter wird es jetzt wieder wärmer und die Pflanzen blühen, und das Spazierengehen macht wieder Freude.

 

Manch einer nutze das Hochwasser am Ihme-Zentrum zum Surfen. Foto: Hans Dieter Keyl

Indes hat das schlechte Wetter die Menschen nicht davon abgehalten, dem Ihme-Zentrum einen Besuch abzustatten. Zu mehreren Rundgängen kamen rund 200 Menschen, um sich das Quartier und das im Juni eröffnete und von der Kulturverwaltung der Stadt Hannover geförderte soziokulturelle Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E anzuschauen. Mit den Spenden rückt die vollständige Finanzierung der barrierefreien Toilette in den Räumen immer näher. Seit Anfang August ist außerdem mit dem Künstler Sebastian Stein der zweite Dauermieter neben dem Orchester im Treppenhaus eingezogen. Das BewohnerCafé, ein Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner jeden Dienstag, entwickelt sich zu einem lebendigen Stammtisch.

Doch nach dem Regen folgte Anfang August die Sonne.

Gleichzeitig waren das Quartier und seine Herausforderungen Thema mehrerer überregionaler Workshops und Vorträge. Mit großem Interesse verfolgten im Juni Vertreterinnen und Vertreter des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung im Rahmen des „Stadt von Übermorgen“ Treffens, wie der Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum aus der vermeintlichen Ruine einen positiven Möglichkeitsort geschaffen und sich somit das Image gewandelt hat. Die Expertinnen und Experten bewerteten demokratische Teilhabe und kreative Problemlösungen als wichtig für eine positive Entwicklung des Ihme-Zentrums, wie auch für alle Kommunen. Dies entspräche auch der UN mit seinem Plan für „Nachhaltige Städte und Kommunen“.

Die Bewohnerschaft kümmert sich vor Ort intensiv um die Beflanzung im öffentlichen Bereich.

Anfang Juli präsentierten Studierende der Universität Hannover ihre Forschungsarbeiten, die sie im Sommersemester mit der Architektin Karin Kellner und dem Stadforscher Herbert Schubert entwickelt haben. Dabei waren viele gute Arbeiten, die sich mit einer angenehmeren Gestaltung vor Ort beschäftigen. Viele der von den Studierenden entwickelten technischen Lösungen sind gar nicht teuer und relativ schnell umzusetzen. Die Wissenschaftlerin Silke Hüper zeigte außerdem ihre Untersuchungen, wie die Zeitungen den Ruf des Quartiers in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich mit geprägt haben. In ein paar Monaten wird sie das Ganze noch einmal in der Zukunftswerkstatt vorstellen.

Das Quartier entwickelt sich in Hannover, aber auch außerhalb immer mehr zu einem Thema, über das man spricht.

Im späten Juli wurde das Ihme-Zentrum im Münsteraner Freihaus bei „100 Stunden Brutalismus“ als mögliches Leuchtturmprojekt besprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Kreativwirtschaft zu dem interdisziplinären Event im Rahmen der Ruhrmoderne und der Skulptur Projekte. Alexandra Apfelbaum und Yasemin Utku stellten ihre Forschungsarbeit „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ über große Brutalismuskomplexen in Nordrhein-Westfalen vor und zeigten, dass diese oftmals wunderbare Orte zum Wohnen sind und für ihre Bewohnerinnen und Bewohnern geliebte Heimat – wie im Ihme-Zentrum auch. Jan Kampshoff erklärte, wieso frühere urbane Utopien durch Immobilienspekulation scheitern und die erfolgreichen immer auch die Menschen vor Ort integrierten. Am 13. August wird außerdem die Ihme-Zentrums-Dokumentation „Traum Ruine Zukunft“ im Apollokino in Hannover-Lindem gezeigt und am 30. August beim „Architektur.Film.Sommer 2017“ im Museumsquartier in Wien.

Juli 2017 – Kommt jetzt der Sommer?

Was war das für ein wunderschöner Sonnenuntergang heute! Vielleicht ein Bote für den Sommer, der endlich kommt. 

Am Sonntag, 23. Juli, ist übrigens Tag der offenen Tür im soziokulturellen Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E. Von 15.30 bis 18 Uhr gibt es Getränke gegen Spende und Infos zur Vereinsarbeit. Interessierte sind herzlich willkommen!

BewohnerCafé im Ihme-Zentrum gestartet

So war das erste BewohnerCafé im Ihme-Zentrum.

Klönen, Spaß haben, neue Leute kennen lernen – ab sofort gibt es einen wöchenentlichen Treffpunkt für Bewohnerinnen und Bewohner im Ihme-Zentrum im soziokulturellen Nachbarschaftszentrum Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E.

Ab Juli findet jeden Dienstag von 15.30 bis 17.30 Uhr das BewohnerCafé im Ihme-Zentrum statt. Für Getränke und Kuchen ist gesorgt.

Was: Bewohnercafé im Ihme-Zentrum
Wann: Dienstags 15.30 bis 17.30 Uhr
Treffpunkt: Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7 E
Ansprechpartner: Die Arbeitsgruppe Bewohner des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum
Kontakt: bewohner(at)ihmezentrum.org

September 2016 – Aktuelles von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Ab sofort gibt es einen Newsletter der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Darin wird regelmäßig über Neuigkeiten aus dem Quartier berichtet, was der Verein so treibt und welche Aktivitäten andere Akteuere im Zentrum so machen. Bei Interesse: Einfach eine E-Mail an mail(at)ihmezentrum(punkt)org schicken.

Wer sich auch so für den Verein interessiert: Am 24. September lädt das Team zum ersten kulturellen Picknick ins Ihme-Zentrum. Egal ob Bewohner, Interessierte oder Kulturschaffende – jeder ist herzlich eingeladen, dazuzukommen. Das Ganze ist organisiert wie eine Art Bürger-Brunch: An mehreren Tischen können sich die Besucher austauschen, nur das eigene Geschirr und auch etwas Proviant für die lange Tafel ist mitzubringen.

So können alle in offener Atmosphäre zusammenkommen und sich austauschen. Der Verein will dabei auch von wissen, welche Spielarten der Kultur im Ihme-Zentrum überhaupt erwünscht und gefordert sind: Lesungen? Ausstellungen und Performances? Oder sogar Konzerte?

Los geht es am 24. September ab 15 Uhr im 2. OG des Ihmeplatzes. Der Ort ist entweder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz erreichbar oder per Aufzug zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm in die 2. Etage. Hier das Event bei Facebook.

Mai 2016 – Das Ihmezentrum als Park?

Ein Garten auf dem Dach: Architekt Felix Rebers hat für die Dokumentation

Ein Garten auf dem Dach: Architekt Felix Rebers hat für die Dokumentation „Das Ihmezentrum – Traum Ruine Zukunft“ Illustrationen gemacht, die das Potenzial aufzeigen.

Grün gehört zu einer funktionierenden Stadt dazu. Für die Amerikanistin Annabel Friedrichs gibt es genügend Beispiele, wie Gärten eine Stadt verschönern und verbessern können. Auch beim Ihmezentrum sieht sie viel Potenzial.

Hannover verfügt nicht nur über den größten Betonkomplex, sondern auch über den größten Stadtwald Europas. Grau und Grün – ist das womöglich vereinbar? Die Idee eines urbanen Gartens macht es vor: Blumenkübel statt Betonkomplex, warum also nicht auch Park statt Parken?

Beispiele für die Umnutzung von ähnlichen innerstädtischen Flächen gibt es zuhauf: Da wäre die New Yorker High Line. Die ehemalige Hochbahntrasse, auf der bis kurz vor der Stilllegung Truthahn transportiert wurde, in Manhattans Lower West Side steht für eine neue Parkbewegung: Brach liegende, postindustrielle Betonwüsten werden kreativ wiederbelebt und „recycelt“ zu nachhaltig geprägten öffentlichen Plätzen. Ganz im Sinne des New Urbanism steht neben innerstädtischer Begrünung auch Fußgängerfreundlichkeit im Fokus.

Park statt Leerstand?

Park statt Leerstand?

Das Bild von Natur, welches Parks wie die High Line (oder das Gegenstück im verlassenen U-Bahn-Tunnel, die Lowline) vermitteln, könnte aktueller nicht sein: Wir ziehen zurück in die Städte, kaufen Bio auf dem Stadtteilmarkt, ernähren uns Paleo und wollen inmitten der Großstadt unseren Dschungel. Das Ihmezentrum bietet (und das mitten in der Stadt!) zahlreiche Fassaden und offene Ebenen, die mit ihrer Größe und Lage ideal für diesen Großstadtdschungel, im Sinne einer Umnutzung als öffentliche Grünfläche, geeignet sind. Platz für einen Laden, in dem lokale Produkte aus Urban Gardening-Aktionen (Wie wäre es mit Ihmezentrum-Kartoffeln?) verkauft werden, ist auch noch.

Und doch ist dieses nahezu ländliche Bild von innerstädtischer Natur inmitten eines gescheiterten Großstadtprojekts auch kritisch zu betrachten. So bezeichnet Jeremiah Moss in seinem Blog Vanishing New York die High Line etwa als den „Auslöser für die schnellste Gentrifizierung in der Geschichte New Yorks“, hier sogar im Spezialfall einer grünen Gentrifizierung – oder wie Blogger Eric Jaffe schreibt: Ein schicker Park zieht ein, und einkommensschwächere Anwohnende ziehen aus.

Nun ist Hannover nicht New York, Linden nicht der Meatpacking District und das Ihmezentrum keine begrünte Hochbahntrasse umringt von Millionen-Dollar Lofts im Industrieschick. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass rund um das Ihmezentrum schon heute ein Gentrifizierungsprozess stattfindet, der in Zukunft noch an Fahrt aufnehmen dürfte.

Grün statt grau: Felix Rebers hat aus dem ehemaligen Einkaufszentrum einen Wald gemacht.

Grün statt grau: Felix Rebers hat aus dem ehemaligen Einkaufszentrum einen Wald gemacht.

Denkt man das Szenario weiter, kann man schon fast von einem Dilemma sprechen: Wir wollen Grün. Mitten in der Stadt. Wir wollen aber auch sozial verträglichen und bezahlbaren Wohnraum. Sind Parks ein zweischneidiges Schwert, welches die Nutzer von Parks in eine Zweiklassengesellschaft zerschneidet? Parklage nur gegen Prunkanlage?

Es ist eine Frage von Environmental Justice: Parks werten einen Stadtteil ästhetisch auf und wirken wie Luftfilter. Andererseits verdrängen steigende Immobilienpreise die mit dieser grünen Verbesserungsmaßnahme anvisierten Anwohnenden. Der Ansatz mit dem Namen Just Green Enough, erfunden von Winifred Curran und Trina Hamilton, könnte Abhilfe schaffen durch verschiedene Abstufungen von Grün. Das heißt, ein neuer Park muss nicht gleich den neuesten teuren Öko-Standards entsprechen. Und Designerparkbänke braucht auch keiner. Im Beispiel des Ihmezentrums hieße das: Statt schicker Promenade am Ihmeufer lieber Gemeinschaftsgärtnern mit Anwohnenden.

Ebenso wichtig ist aber auch eine Miteinbeziehung aller möglichen (Konflikt-)Parteien in einem transparenten Partizipations- und Gestaltungsprozess. Ob das Ihmezentrum nun irgendwann mal einen Park beherbergt oder einfach Flächen für urbanes Gärtnern schafft: Fragen der Freiraumpolitik und die Vereinbarung verschiedener Interessengruppen spielen bei jedem Wandel eine Rolle.

 

Annabel Friedrichs

Annabel Friedrichs studiert im Master Advanced Anglophone Studies an der Leibniz Universität Hannover und forscht zu urbaner Natur und (neuen) Parks und Parkformen in New York. Für sie ist der Zugang zu innerstädtischem Grün keine Frage von Einkommen und Wohnlage, sondern ein Grundrecht für alle Stadtbewohner und ein wichtiger Pfeiler der Stadt der Zukunft.

Die Illustrationen hat der Architekt Felix Rebers für die Dokumentation „Das Ihmezentrum – Traum Ruine Zukunft“ hergestellt. Er träumt von einem Wald unter dem Ihmezentrum. Mehr dazu in der Doku. 

Dezember 2015 – „Ein Vorzeigeprojekt“

Monika Stadtmüller ist Vorsitzende des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt Hannover. Für sie könnte das Ihme-Zentrum zu einem „Vorzeigeprojekt“ für generationsgerechtes Leben werden. Egal wie alt, egal, ob reich oder arm, egal, welcher Herkunft – Monika Stadtmüller wünscht sich ein lebendiges Ihme-Zentrum. Die Voraussetzungen dafür sind gut, schließlich ist ein Großteil der Wohnungen im Ihme-Zentrum bereits heute barrierefrei, die Lage perfekt für eine Mobilität ohne Autos, und das verdichtete Bauen könnte eine tolle Nachbarschaftlichkeit (wieder) entstehen.

Diese und viele weitere Ideen sammeln wir für das Filmprojekt „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“, ein Mini-Dokumentarfilm über die bewegte Geschichte des Quartiers und eine mögliche bunte, kreative und nachhaltige Zukunft. Wenn ihr das Ihme-Zentrum auch als eine Chance seht, dann unterstützt uns bei der Produktion des Films: startnext.com/ihmezentrum.

November 2015 – „Wir haben es lange genug ignoriert“

Für die Urban-Art-Aktivistinnen und Unternehmerinnen Zarah Kniep und Anet Gubanova ist das Ihme-Zentrum keine Ruine, sondern eine Chance. Deshalb organisieren sie seit Frühjahr 2015 sogenannte Pop-up-Dinner in der Stadt in der Stadt in Hannover. Dabei kommen unterschiedliche Menschen zusammen, jeder bringt etwas zu Trinken und zu Essen mit, und teilt alles mit allen. Ein schöner Abend, der Außenstehende vom Potenzial des Ihme-Zentrums überzeugt.

Wir haben die beiden für unsere Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ einen Abend begleitet. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Vorgeschmack auf den Film. Viel Spaß damit.

Mitte Dezember gibt es das nächste Pop-up-Event der beiden. Hier ihre Einladung:

Alte & junge Hasen des urbanen Lebens! Weil uns im Dezember das Wetter einen Querstrich durchs entspannte Outdoor-Dinieren zieht, laden wir euch diesmal ein zum entspannten Pop-up-Glühen. Anstatt Speis & Trank & Dinnertafel erwarten euch diesmal Glühwein, Punsch & Grossstadtschorle. Kommt her, ins Gespräch & zusammen. Bringt alle Lust, noch mehr Laune und Liebstes zum Schnabulieren mit & vergesst wie immer eure Lieblingsvinyl nicht! Wir kümmern uns um Feuertonne, Fackeln & den Plattenspieler. Auf dass wir erneut den grauen Klotz in einen funkelnden Inspirationsort verwandeln. Ihr könnt das.

Auf’m Bärenfell liegen & Bauchnabelfusseln zählen ist übermorgen wieder dran. Bis dann. Groß.stadt.artig! Für all diejenigen, die unser Konzept noch nicht kennen: Wir folgen mit unseren Pop-Up-Abenden der Idee der urbanen Stadtgestaltung. Indem wir uns tote Orte der Großstadt zu eigen machen & sie für einen begrenzten Zeitraum mit Leben füllen, mit tollen Ideen, einzigartigen Menschen & funkelnder Kreativität. Und so einen Erlebnisraum schaffen, in dem ganz ungezwungen Vernetzung und Ideenaustausch entstehen kann.

Gewöhnlich ist Großstadt geprägt von Anonymität und dem Aneinandervorbeileben. Wir geben euch den Raum, an Nichtorten zusammen& ins Gespräch zu kommen. Das Ihmezentrum ist wie geschaffen dafür, leben hier doch tausende von Menschen verschachtelt in kleinen individuellen Kartons übereinander, ohne sich jemals zu begegnen. An unseren Popup-Abenden seid ihr eingeladen, für ein paar Stunden alle Grenzen im Kopf abzulegen und euch zu begegnen.

Als Bewohner, als Menschen, als Kreateure. Erzählt euch, wovon ihr träumt, was ihr euch wünscht, was euch fehlt. Seid offen und neugierig. Wir wissen, dass ihr euch was zu sagen habt. Denn weil bei gemeinsamem Gläserheben die Inspiration ganz fix beschwingt. Gerade im Nichtort. Ohne vorab gesteckte Grenzen. Wir freuen uns auf euch. Anet & Zarah

Tragt euch ein in unseren Verteiler, um über aktuelle Events informiert zu bleiben: popupdinner(at)gmx(punkt)de

Oktober 2015 – Das perfekte Stadthotel im Ihme-Zentrum

Ihme-Zentrum, 2014.

Immer wieder sprechen mich Menschen an, die gerne einmal im Ihme-Zentrum übernachten möchten. Es gibt jedoch kein Hotel oder Hostel. Doch es gibt viele Ideen. So hat mich die selbstständige Interior Designerin Solveig Priebs nach einem Rundgang einmal von ihrer Idee erzählt. Hier schreibt sie selbst, was sie sich für das Zentrum vorstellen könnte.

Ich hab da eine Vision. Eine Vision von der größten und spannendsten Hotellobby in Hannover. Ich sehe diese Lobby an einem für viele wohl unerwarteten Ort: im verlassenen Parkhaus des Ihme-Zentrums. Es ist nicht irgendein Hotel, das in meinen Gedanken dort entsteht, sondern das perfekte Stadthotel. Mit rauem Betoncharme, aber auch dem Blick ins Grüne und auf’s Blaue. Stadtnah, mit Kultkneipen und geschichtsträchtigen Konzertsälen um die Ecke.

Die Hotellobby

So könnte die Hotellobby im Ihme-Zentrum aussehen. (Grafik: Priebs)

Das besonders Merkwürdige des Ihme-Zentrums ist ja, dass es kaum ebenerdig zugänglich ist. Dieses Betonfundament (immerhin seinerzeit das größte Europas) verweigert sich zu den Straßen hin und baut Barrieren auf. Die Ladenstraße und Zuwege sind zumeist in der ersten Ebene. Das begehbare Erdgeschoss hat aber kaum noch Funktionen, außer Zugänge zu Behörden und Wohnungen.

Dabei bietet das Erdgeschoss des Ihmezentrums genug Raum für ein kulturelles Miteinander. Ein gigantisches Parkhaus wird dort schon seit Ewigkeiten nicht mehr gebraucht. Ob StreetArt, Food-Festivals, Ausstellungen, „Think Tanks“ und Konzerte – dieser Ort kann wieder zum Leben erweckt werden! Nebenbei dient die weitläufige Halle zum Einchecken der Hotelgäste, die es sich dann mit Blick auf die Ihme in einem der Themenzimmer gemütlich machen können.

Der Entwurf eines Hotelzimmers.

Ein Hotelzimmer zwischen Beton und Grün. (Grafik: Priebs)

Zur Auswahl für kreative Konzeptzimmer stehen zum Beispiel „Roter Faden“, „Grüne Stadt“, „Unesco City of Music“, „Erfinder“ und „Dichter & Denker“. Die Themen variieren pro Stockwerk, so kann man die Flure zum Erzählen von ganz besonderen Hannover-Geschichten nutzen – immer passend zum Thema. Z.B. ein lehrreiches Wandeln zum Zimmer mit Hannovers größten Musikern unterlegt mit Musik des Jazz-Clubs oder Fury in the Slaughterhouse. Oder ein literarischer Gang mit Leibniz und Lessing. Oder oder oder…

Ich glaube, klar werden sollte jedem bei diesem Projekt: 1. Hannover ist eine Reise wert und 2. Das Ihme-Zentrum hat noch viel mehr zu bieten als seinen Untergang – zusammen eigentlich ein unschlagbares Team!

Solveig Priebs

(Foto: Priebs)

Solveig Priebs hat einen Bachelorette-Abschluss in Raumkonzept und Design und arbeitet seit Anfang des Jahres als selbstständige Interior Designerin in Hamburg. Die 28-Jährige ist in Hannover aufgewachsen und sagt über sich selbst:
„Ich mache kreative Gestaltungen für Einrichtungen, Produkte und Grafik. Während des Studiums kam der Auftrag: ‚Macht doch mal ein Hotel‘ – gesagt, getan.
Aber ich habe mir ein Mammutprojekt ausgesucht: Das Ihme-Zentrum. Ist da noch was zu retten? Ich hoffe es!“