Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Kategorie: Geschichte

Dezember 2015 – Abriss? Nein, danke!

Im Sommer schlug eine hannoversche Politikerin vor, dass das Ihme-Zentrum zu einem Denkmal werden sollte. Aus Sicht der Menschen, die sich eine Transformation des Quartiers wünschen, wirkte dieser Vorschlag wie ein Schlag in die Magengrube: Sobald ein Gebäude Denkmal ist, darf es in seiner äußeren und inneren Form nicht verändert werden. Das ist nicht das Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner, der Menschen, die hier arbeiten und der vernünftigen Architekten und Stadtplaner. Gut also, dass dieser Vorschlag abgelehnt wurde, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Ein Blick in die Kommentare der Zeitung zeigt dann wieder das Unwissen und den Hass der Menschen auf dieses unverstandene Stadtviertel: Immer wieder fordern die Wutbürger den Abriss des Ihme-Zentrums. Zeit also, ihnen zu erklären, warum das nicht möglich ist.

Als Teil meiner wissenschaftlichen Umweltanalyse des Ihme-Zentrums habe ich am Anfang natürlich auch untersucht, warum das Ihme-Zentrum nicht abgerissen wurde oder wird. Dafür gibt es mehrere Gründe, die ich auf Basis der drei Sphären der Nachhaltigkeit – Ökologie, Soziales, Ökonomie – hier aufführen möchte:

Ökologie:
Das Ihme-Zentrum ist das größte zusammenhängende Betonfundament Europas. In den Kabelschächten wurde – ganz zeitgemäß für die 1970er-Jahre – Asbest mit verbaut. Dieser stört die Bewohner nicht, solange er drin bleibt. Die Menge an Müll und Feinstaub, die durch einen Abriss entstehen würde, wäre riesig und eine hohe Belastung für Umwelt und Menschen. Auch aus energetischen Gründen ist es Quatsch, so ein Stadtviertel abzureißen: Der größte Teil der Energie steckt in dem Gebäude. Jeder vernünftige Architekt empfiehlt daher, Gebäude nicht abzureißen, sondern umzubauen.

Soziales:
Das Ihme-Zentrum ist Heimat von mehreren tausend Menschen. Viele leben hier in Eigentumswohnungen, die meisten davon seit vielen Jahren. Ihnen nun die Lebensgrundlage wegzunehmen ist nicht nur moralisch verkehrt. Ein Abriss würde all diese Menschen wohnungslos machen und aus ihrer Heimat vertreiben. Hannover und speziell der Stadtteil Linden boomt auf dem Immobilienmarkt. In direkter Nähe zum Ihme-Zentrum findet man häufig nur noch Wohnungen über einen Makler. Angesichts der angespannten Lage ist es also höchstgradig verwerflich, diesen kostbaren Wohnraum zu vernichten.

Ökonomie:
Viele Menschen verstehen nicht, dass das Ihme-Zentrum kein Haus ist, sondern ein Stadtviertel. Ein Abriss würde geschätzt 250 Millionen Euro kosten, plus die Entschädigungszahlungen an die Wohnungs- und Gewerbeflächeneigentümer. Das Grundstück ist keine 250 Millionen Euro wert. Man würde also draufzahlen.

Ein Abriss ist also nicht möglich. Aber ein Umbau in ein nachhaltiges, kreatives und lebenswertes Stadtviertel. Wie das gelingt, möchten wir in unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ zeigen. Damit uns das gelingt, brauchen wir eure Unterstützung: Hier könnt ihr uns beim Crowdfunding helfen.

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Advent 2015 – „Das Ihme-Zentrum wird zum Filmstar“

Die Poster zum Film "Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft"

Die Poster zum Film „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“

Die christliche Idee vom Advent beschreibt die Hoffnung auf einen guten Ausgang. Nach rund zwei Wochen Crowdfunding-Kampagne blicken wir als Team des Dokumentarfilmprojekts „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ mit Euphorie und Dankbarkeit zurück. Wir haben (Stand 16.12.) mehr als 35 Prozent der anvisierten 8.000 Euro erreicht. Und das vor allem, weil wir ein unfassbar tolles Feedback bekommen haben. Und es sind noch mehr als 40 Tage über bis zum Ende der Kampagne. Aus dem Ihme-Zentrum sprechen uns viele Bewohnerinnen und Bewohner an. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ hat dankenswerter Weise mehrere Meldungen zur Kampagne veröffentlicht und sogar getitelt: „Das Ihme-Zentrum wird zum Filmstar“. Die zweite große hannoversche Tageszeitung „Neue Presse“ berichtete ebenfalls, genauso wie die Stadtteilzeitung „Hallo Linden“. Danke auch für all die Menschen, die das Projekt in den sozialen Medien unterstützen. Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 🙂

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Das Team des hannoverschen Filmfestivals „Utopianale“ hat uns eingeladen, dass wir eine erste Version des Films am 27. Februar 2016 zeigen dürfen. Im Anschluss an das Pre-Screening machen wir einen Workshop mit allen Interessierten zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Die Tickets werden wir als Dankeschön vor Weihnachten anbieten.

Gleichzeitig drehen wir weiter als Vorbereitung für den Film. So haben wir in den vergangenen Wochen Interviews geführt, unter anderem mit dem ehemaligen Bürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg, engagierten Ihme-Zentrums-Fans wie Monika Stadtmüller (Seniorenbeirat Hannover) und natürlich Bewohnerinnen und Bewohnern des Ihme-Zentrums. Ein erstes Lied für den Soundtrack haben wir ebenfalls aufgenommen, und gerade sprechen wir mit weiteren Musikern, ob sie ein Lied für den Film geben möchten. Ein Film über Hannover sollte auch die Klänge und Melodien enthalten, die hier geboren werden.

Wir werden vor Weihnachten noch weitere Interviews drehen, mit Menschen aus dem Ihme-Zentrum sprechen, um Unterstützung bitten, immer wieder erklären, was wir vorhaben und immer hoffen, dass sich diese Arbeit lohnt, die wir da neben dem Job in unserer Freizeit machen. Dass wir aber ein gutes Team sind, haben wir bei unserem ersten gemeinsamen Mittagessen bei Pide, Döner und Falafel gemerkt. Und das ist für uns momentan wohl eines der wichtigsten Erkenntnisse: Egal, wie die Kampagne ausgeht, wir haben unfassbar viel gelernt: Über uns, über die Menschen in Hannover, darüber, wie wichtig es ist, sich nur an einen guten Ausgang zu erhoffen. Sondern jeden Tag dafür zu arbeiten, manchmal sogar zu kämpfen – sei es für für unsere Dokumentation oder für das Ihme-Zentrum insgesamt.

Danke allen, die uns bis auf diesem Weg begleiten. Wir wünschen euch eine entspannte Adventszeit! 🙂

Immer vorbeigegangen, aber niemals reingetraut? Wir bieten Rundgänge durchs Ihme-Zentrum

Dezember 2015 – „Ein Vorzeigeprojekt“

Monika Stadtmüller ist Vorsitzende des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt Hannover. Für sie könnte das Ihme-Zentrum zu einem „Vorzeigeprojekt“ für generationsgerechtes Leben werden. Egal wie alt, egal, ob reich oder arm, egal, welcher Herkunft – Monika Stadtmüller wünscht sich ein lebendiges Ihme-Zentrum. Die Voraussetzungen dafür sind gut, schließlich ist ein Großteil der Wohnungen im Ihme-Zentrum bereits heute barrierefrei, die Lage perfekt für eine Mobilität ohne Autos, und das verdichtete Bauen könnte eine tolle Nachbarschaftlichkeit (wieder) entstehen.

Diese und viele weitere Ideen sammeln wir für das Filmprojekt „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“, ein Mini-Dokumentarfilm über die bewegte Geschichte des Quartiers und eine mögliche bunte, kreative und nachhaltige Zukunft. Wenn ihr das Ihme-Zentrum auch als eine Chance seht, dann unterstützt uns bei der Produktion des Films: startnext.com/ihmezentrum.

Für eine bessere Zukunft: Wir brauchen eure Unterstützung!

Das Ihme-Zentrum in Hannover gilt als gescheiterte Utopie. Viele Menschen fordern den Abriss. Doch das ist ökologischer und finanzieller Quatsch! Und wo sollen die Tausende Bewohner hin, die hier überwiegend sehr gerne leben? Wer den Blog schon länger liest, weiß, dass ich hier Themen und Ideen suche, wie aus der vermeintlichen Ruine eine nachhaltige und kreative Stadt der Zukunft werden kann – ein neues Wahrzeichen für Hannover eben.

Die Poster

Der Dreh- und Angelpunkt dafür ist das Image. Momentan gilt das Ihme-Zentrum noch für viele Menschen als Angstraum. Das möchte ich ändern. Weil das Ihme-Zentrum aus meiner Sicht ein unfassbar großes Potenzial hat. Seit rund einem Jahr biete ich deshalb kostenlose Rundgänge an, mehrere tausend Menschen waren schon da, und das Feedback ist durchgängig positiv. Viele fragen direkt nach den Rundgängen, wie man helfen kann oder ob es irgendwo gerade ein Büro, eine Werkstatt oder eine Wohnung zu mieten gibt. Auch die zahlreichen Ideen, die ich fast täglich per E-Mail bekomme zeigen mir, dass die Menschen Lust darauf haben, dass hier etwas Tolles entsteht.

Die Postkarten

Um diesen Prozess noch zu verstärken und die Ursachen für die aktuelle Situation im Ihme-Zentrum zu beleuchten arbeite ich seit knapp einem halben Jahr an der Vorproduktion einer Mini-Dokumentation gemeinsam mit dem Filmemacher und Medienwissenschaftler Hendrik Millauer. Jetzt geht es langsam in die heiße Phase und dafür brauchen wir eure Unterstützung: Wir haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die Produktion zu finanzieren.

Bis zum 31. Januar könnt ihr noch Geld spenden und eines der tollen Dankeschöns dafür kaufen: Die hannoversche Designerin Corinna Lorenz hat tolle Poster, Buttons und Postkarten gestaltet. Die Autorin, Fernsehmoderatorin und Ihme-Zentrums-Fan Ninia LaGrande wird im Ihme-Zentrum eine Wohnzimmerlesung geben und vieles mehr. Wir werden in den kommenden Wochen immer mal wieder kleine Videos veröffentlichen, damit ihr ein Gefühl bekommt, in welche Richtung das Ganze geht.

Danke jetzt schon an alle Menschen, die das Projekt unterstützen!

Hier geht es zur Crowdfunding-Kampagne.

Wer verstehen will, was wir im Ihme-Zentrum überhaupt machen und Interesse an der Geschichte des Stadtteils hat, kann auch sehr gerne zu einem der kommentierten Spaziergänge kommen. Das Ganze ist kostenlos und dauert etwa 1,5 Stunden. Der nächste Termin ist am Sonntag, 13. Dezember. Anmeldungen und alle Infos unter wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(punkt)de.

November 2015 – „Unser Land braucht Leuchttürme“

Ein Herz fürs Ihme-Zentrum

Als Jörg Singer nach Jahren im Ausland zurück in seine Heimat Helgoland kam, ging es Deutschlands einziger Hochseeinsel schlecht: Schulden, Abwanderung, sinkende Touristenzahlen. Das zuständige Bundesland Schleswig-Holstein überlegte sogar, aus Helgoland ein Naturpark für Robben zu machen. Seit 2011 ist Singer Bürgermeister und hat erfolgreich einen Transformationsprozess eingeleitet. Ich habe mit ihm über die Notwendigkeit von Wandel gesprochen, und warum es Leuchttürme braucht.

In welcher Situation befand sich Helgoland, als Sie Bürgermeister wurden?
Die Bevölkerung, die Schülerzahlen hatten sich seit den 90-er Jahren ebenso wie der Tourismus nahezu halbiert. Viele hatten die Hoffnung auf eine gute Zukunft auf Helgoland verloren. Die Gemeinde Helgoland hat verschiedene Überlegungen angestellt. Als ich 2010 auf „meine Insel“ zurückkehrte, lagen Zukunftskonzepte mit über 75 Vorhaben auf den Tisch. Eine davon war die Verbindung beider Inseln. Dieser Vorschlag, der weltweit Beachtung fand, sollte mit mehr Freiraum ein neues Helgoland schaffen. Mir war wichtig, dass alle Insulaner in diesen Findungsprozeß eingebunden wurden. Die wichtigste Frage mündete ich einem Bürgerentscheid, der für Klarheit und das Momentum des neuen Kurses in die Zukunft sorgte.

Wie sind Sie die Transformation angegangen? Gab es so etwas wie ein Leuchtturmprojekt?
Neben der Bildung von Arbeitsgruppen und einer Vernetzung der Interessensvetreter und Förderer bis nach Berlin sah ich die erste und zugleich größte Herausforderung in der Verbesserung der Verkehrsanbindung. Dies war auch der größte Wunsch der Helgoländer. Allerdings fiel die Idee eines neuen Schiffes nicht einmal bei den Reedereien auf fruchtbaren Boden. Die neu gebaute, in Kürze in Betrieb gehende und umweltfreundliche „MS Helgoland“ markiert nun für alle Hochseeinselfreunde einen neuen hoffnungsreichen Lebenszyklus. Dieses Vorhaben ist eingebunden in ein Manifest mit einer Festschreibung der wichtigsten Werte und einem Projektfahrplan 2020.

Guck mal

Warum ist es wichtig, unsere Städte und die Gesellschaft weiter zu entwickeln?
Viele Kommunen und Städte sind oder kommen in eine neue grundlegende Modernisierungsphase nach der Wiederaufbauzeit der 50er-Jahre. Und unsere Gesellschaft hat sich weiterentwickelt und sucht und lebt heute mit veränderten Werten. Das betrifft alle Lebensbereiche und das Miteinander aller Gesellschaftsschichten. Daher ist eine grundlegende Debatte in den Kommunen so wichtig und ein Wir heute viel sinnstiftender als noch vor 20 Jahren.

Ich kümmere mich ja um eine neue Wahrnehmung des Ihme-Zentrums. Von außen betrachtet: Welches Potenzial hat so ein Gebäude in einer wachsenden Stadt wie Hannover?
Von Außen gibt es zwar Erfolgsbeispiele aber keine Patentrezepte oder „die“ Wahrheit. Letztendlich sind es die Menschen, die den Unterschied machen. Und machen kommt von machen. Erst braucht es den Blick in den Rückspiegel „Was war, ist und wird gut und wichtig sein!“ Darauf ist zu bauen. Dann: Wie werden Megatrends auf uns wirken, als Chance und als Risiko? Wie verbünden sich die Akteure für das Ihme-Zentrum 2.0? Wie können Kooperationen gebildet werden? Welche ersten Projekte sorgen für Zuversicht und stiften zum Mitmachen an?
Unser Land braucht Leuchttürme im Wandel der Gesellschaft! Wenn BürgerInnen schlüssige Lösungen (anstatt Probleme beklagen) vorschlagen, ist der Rückenwind aus der Politik sicher!

Foto: Susanne Beck

Foto: Susanne Beck

Jörg Singer ist Bürgermeister von Helgoland. Vor seiner Rückkehr auf die Insel hat er als Wirtschaftsingenieur u.a. in den USA gearbeitet.

Oktober 2015 – Erntedankfest

 

Heute habe ich den Mini-Versuchsgarten winterfest gemacht und dabei auch die letzten Tomaten geerntet. Der Herbst zieht ein ins Ihme-Zentrum. Und neben der Kälte werden die Bewohner mit negativen Neuigkeiten aus einem anderen Teil des Viertels konfrontiert: Der städtische Energieversorger enercity will das sein Hochhaus verlassen – damit würde einer der wichtigsten verbleibenden Gewerbemieter wegfallen. Ein so großer Schock, dass die Stadt sich am Mittwoch genötigt sah, in einer Pressemeldung die Verantwortung an den Investor Intown weiterzuschieben. „Zwischen dem Investor und der Stadtverwaltung laufen derzeit intensive Gespräche über die von Stadt, Stadtwerken und Wohnungs-Eigentümern geforderte und dringend notwendige Sanierung des Ihme-Zentrums“, so der Wortlaut in der Meldung. Doch neben diesen Gesprächen gibt es derzeit auf anderen Ebenen Bemühungen, die Starre des Zentrums aufzutauen.

So kam es bei einem Diskussionsforum im Historischen Museum Hannover Anfang Oktober zu einigen tumultartigen Beschwerden von Bewohnern, aber auch Interessierten, die einen neuen Ansatz im Umgang mit der aktuellen Situation forderten. Wenn mich Menschen fragen, welche Idee ich hätte, um das Ihme-Zentrum zu revitalisieren, fallen mir zwei konkrete Ideen ein:

Ein runder Tisch mit Vertretern der Stadtverwaltung, Intown, der Bewohner, aber auch der Zivilgesellschaft. Es geht nicht um Grabenkämpfe oder Vorwürfe, sondern die Frage: Welche Bedürfnisse hat welche Partei, und wie gelingt ein Kompromiss, bei dem alle Seiten profitieren. Die Bewohner erhalten einen funktionierenden Stadtteil, die Stadt Hannover erhält eine Gegenleistung (z.B. Steuern und Arbeitsplätze) für die Millionen Euro Miete, die sie jedes Jahr zahlt und der Investor Intown bekommt Mieterträge. Intown schreibt selbst auf seiner Website, dass ihnen dies am Herzen liegt: „Mit unseren national und international vernetzten Partnerschaften orientieren wir uns bei der Auswahl der Mieter an den Bedürfnissen der dortigen Bewohner sowie Arbeitnehmer.“

Als zweites braucht es ein langfristiges, nachhaltiges Quartiersmanagement. Der Umbau des Zentrums ist in fünf Jahren nicht abgeschlossen. Viele Menschen verstehen nicht, dass das Ihme-Zentrum kein Gebäude ist, sondern ein Stadtviertel, und als solches ist es immer in Bewegung. Intown beschreibt sich selbst als „ein junges aufstrebendes und stark expandierendes Unternehmen“, das Immobilien nach erfolgter Revitalisierung „langfristig und nachhaltig bewirtschaftet“.

Diese Kartoffeln wuchsen ebenfalls im Mini-Versuchsgarten. Sie sollen wieder eingepflanzt werden, um eine eigene Kartoffelsorte zu zu züchten.

Das klingt vielversprechend. Und deckt sich erst einmal mit meinem Ansatz, das Ihme-Zentrum zu einem Leuchtturm einer nachhaltigen, demokratischen Transformation zu machen. Ich habe seit Herbst 2014 knapp 1.000 Menschen das Ihme-Zentrum bei meinen Rundgängen gezeigt, und jeden Tag bekomme ich E-Mails mit neuen Ideen und Visionen für den Umbau des Zentrums. Ich habe erlebt, wie bei vielen Menschen aus der Betonburg auf einmal eine Märchenburg wurde – einfach weil sie sich vorgestellt haben, was man hier alles machen könnte. Ein paar dieser Ideen haben es hier auf den Blog geschafft und mich und andere Menschen zum Träumen gebracht. Doch das reicht nicht!

Ich habe genug Argumente gefunden, warum das Ihme-Zentrum nicht abgerissen werden kann. Ich habe genug realistische Ideen gesammelt, wie das Ihme-Zentrum strukturell nachhaltig umgebaut werden könnte. Ich habe Verbündete gefunden, die im Ihme-Zentrum auch das sehen, was ich darin sehe: eine Chance, ein neues Wahrzeichen. Und viele von ihnen würden hier sofort einziehen, wenn sie es dürften. In den kommenden Wochen wird es an dieser Stelle nicht mehr nur Träume geben, sondern konstruktive Forderungen und Hilfsangebote von Vereinen, Verbänden, Institutionen und Betroffenen nach einer Zukunft. Aus dem Ich ist ein Wir geworden. Es geht gerade erst los. 🙂

Oktober 2015 – Das Projekt bei Science-Slams

Das Experiment Ihme-Zentrum geht auf Science-Slam-Tour:

Vorentscheid Ost für die Deutschen Science-Slam-Meisterschaften 2015
Am 21. Oktober um 19 Uhr in Leipzig – Werk2

Regionalwettbewerb West des Science-Slams im Wissenschaftsjahr
Am 27. Oktober um 20 Uhr in Essen – Casa (Schauspiel)

Weitere Termine folgen. Anfragen an wirtschaft(at)gmx(punkt)de

Info:

Ein Science-Slam ist ein Turnier, bei dem Wissenschaftler in zehn Minuten eigene Forschung präsentieren. Das Publikum entscheidet dabei über den Gewinner.

Oktober 2015 – Schandfleck oder Chance? Diskutier mit!

Foto: Historisches Museum Hannover

Foto: Historisches Museum Hannover

Ist das Ihme-Zentrum ein Schandfleck oder – wie ich finde – eine Chance für Hannover? Dazu veranstaltet das Historische Historischen Museum Hannover am Dienstag, 13. Oktober, um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion. Mit dabei sind der hannoversche Architekt und Stadtplaner Professor Ekkehard Bollmann, HAZ-Redakteur und Experte für Stadtentwicklung, Conrad von Meding, den ich bereits im Januar auf dem Blog interviewt habe, der Architekt Gerd Runge, der viel Erfahrung mit sozialen und nachhaltigen Transformationen von Stadtteilen hat, sowie die Ihme-Zentrums-Bewohnerin und Künstlerin Margitta Abels. Auch ich werde auf dem Podium sitzen und das Experiment Ihme-Zentrum vorstellen.

Hier gibt es alle Infos zu der Veranstaltung.

Herbst 2015 – Rundgänge durchs Ihme-Zentrum

Ihme-Zentrum, 2014.

Warum sieht das Ihme-Zentrum aus wie eine Baustelle? Wieso wurde dieser vermeintliche Klotz überhaupt einmal gebaut? Gibt es wirklich eine U-Bahnstation? Und was können wir machen, damit aus dem Quartier ein nachhaltiges, buntes, kreatives Stadtviertel der Zukunft wird?

Diese und andere Fragen beantworte ich bei einem kommentierten Spaziergang durchs Ihme-Zentrum. Das Ganze dauert etwa anderthalb Stunden und ist kostenlos. Spenden nehme ich gerne an. Sie helfen, dieses Projekt am Leben zu halten, die Website zu pflegen und finanzieren die geplante Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“.

Anmeldungen per E-Mail an rundgang(at)ihmezentrum(.)org

Juni 2015 – „Ein Hotspot in Hannover“

Hannovers Marktkirche vom Dach des Ihme-Zentrums

Hannovers Marktkirche fest im Blick.

Immo Dirks genießt das Wohnen im Ihme-Zentrum. Und er hat viele tolle Ideen, wie aus der Baustelle ein neuer Hotspot in Hannover werden kann. Im Interview erklärt er, warum er sich entschieden hat, im Ihme-Zentrum zu leben und was die Zukunft bringen könnte.

Immo, du wohnst selbst im Ihme-Zentrum. Wie würdest du das Leben im umstrittensten Gebäude der Stadt beschreiben?
Ich habe das Glück gehabt, hier einmal eine Wohnung besichtigen zu können. Den Besichtigungstermin hatte ich zur Abrundung meiner damaligen Wohnungssuche vereinbart, und es war eigentlich mehr als Katastrophentourismus gedacht. Aber der Ausblick über die Ihme und der Schnitt der Wohnung haben mir sofort gefallen. Ich erzähle Freunden und Bekannten gerne von den Ruderern auf dem Fluss, der direkten Anbindung an Wander- und Fahrradwege, dem Lindener Nachtleben und der City-Nähe, aber auch von dem Stress, wenn in lauen Nächten auf dem Gegenufer wieder Party ist. Wenn ich Besuch erhalte, ist die erste Reaktion meist, wie hässlich der Gebäudekomplex in der Form und in der Außenfassade ist. Ich selber habe da eine andere, liebevollere Wahrnehmung, würde aber auch nicht von eleganter Grazie sprechen.

Wasser

Die Ihme vom Parkdeck aus gesehen.

Wie würdest du denn die Stimmung in den Häusern beschreiben?
Der Umgang untereinander ist in den mir bekannten Häusern mit wenigen Ausnahmen ausgesprochen freundlich und angenehm. Allerdings fehlt mir ein Bewohner-Café, um mit meinen Nachbarn in einen zwanglosen Austausch über die kurze Fahrstuhl-Freundlichkeit hinaus kommen zu können. Auch würde ich mir wünschen, dass der neue Investor ein paar seiner Wohnungen für betreutes Wohnen reserviert, als Basis für einen entsprechenden Pflegedienst, der dann das gesamte Ihme-Zentrum in seinen Wirkungsbereich einbeziehen kann. Ich möchte hier alt werden und auch bei Pflegebedürftigkeit wohnen bleiben können.

Hoch

Hochhaus und Himmel ergänzen sich.

Du hast konkrete Vorstellungen, wie das Zentrum entwickelt werden könnte. Welche Themen sind dir dabei wichtig ?
Offensichtlich ist der gewerbliche Teil des Ihme-Zentrums kein Selbstgänger. Entweder man „entbrutalisiert“ den Gebäudekomplex durch massive bauliche Eingriffe wie z.B. in dem bekannt gewordenen Architektenplan von 2005, der zu Gunsten eines eleganten, geschlossenen sechsstöckigen Baukörper über beinahe die gesamte Zentrumslänge den Abriss des enercity-Hochhauses und vom Ihmeplatz 1 vorsieht. Oder aber man wertet die Außenbereiche auf und entwickelt darüber hinaus Leuchtturmthemen, die das kaputte alte Image überstrahlen können. Die Leuchtturmthemen bringen Menschen in Kontakt mit dem Ihme-Zentrum, und Kontakt schafft Sympathie.

Baustelle

Strenge Formen sind typisch für diesen Baustil.

Meinst du denn, dass das Ihme-Zentrum wieder ein Einkaufszentrum werden muss, um zu funktionieren?
Ich persönlich habe keine Präferenzen, was das Verhältnis von Handelsflächen, Büros, Gastronomie und Wohnungen angeht. Ich weiß aber, dass ein Veranstaltungszentrum im Wohnumfeld von so vielen Menschen nicht machbar ist und dass eine einfache Zweitausgabe der Ernst-August-Galerie nicht funktionieren wird. Als Voraussetzung einer erfolgreichen gewerblichen Nutzung stelle ich mir eine Reihe von Maßnahmen vor, die die Wahrnehmung des Zentrums drastisch ändern könnten. Dazu gehören insbesondere: Das Dach des enercity-Turms wird eine Aussichtsplattform. Das oberste Stockwerk des enercity-Turms wird ein Restaurant. Die Wahrnehmung des Ihme-Zentrums wird mit bestimmten Sonderthemen verknüpft, wie Fahrrad-Café, Foodkarts, offene Künstler-Werkstätten. Der Fluss wird Teil des mit dem Gebäude verbundenen Erlebnisraums, indem u.a. das Ufer auf die erste Parkgaragenebene abgesenkt wird. Der alte Kasten könnte so durchaus noch ein Hotspot in Hannover werden.

Sonne

Eine Stadt am Wasser – das Ihme-Zentrum.

Hast du Hoffnung, dass es irgendwann besser wird im Zentrum?
Diese Hoffnung habe ich, weil das Ihme-Zentrum eine fantastische Lage hat, noch nicht heraus gemeißeltes Potenzial besitzt und zu zentral in der Stadt liegt, als dass die Baustelle ewig ignoriert werden könnte. Allerdings wird es nicht ohne energische (soll heißen: nicht ganz billige) Maßnahmen und wahrscheinlich nicht ganz ohne Beteiligung der Stadt gehen.

Immo Dirks ist Bewohner des Ihme-Zentrums. Seine Ideen zur Umwandlung
des Ihme-Zentrums zum Hotspot hat er unter Vom Schandfleck zum Hotspot einmal aufgeschrieben.