Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

Kategorie: Geschichte

November 2016 – Der Streit ums Ihme-Zentrum eskaliert

Park statt Leerstand?

Die Eigentümerversammlung im Ihme-Zentrum am Dienstag ist eskaliert. Großeigentümer Intown gab unkonkrete Versprechungen ab und bat erneut um Geduld. Die Stadt sah wenig Fortschritt und kaum Hoffnung auf eine Einigung. Ein angedrohter Auszug der städtischen Einrichtungen scheint nun immer konkreter zu werden. Doch es gebe Alternativen.

„Es ist ernüchternd.“ Frank Herbert, Leiter des Büros von Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD),  fand deutliche Worte, um die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem größten Eigentümer im Ihme-Zentrum, Intown, zu beschreiben. Seit Februar 2015 wartet die Stadt als größte Mieterin im Gewerbebereich und die rund 2.000 Bewohner auf konkrete Aussagen und Pläne des Eigentümers, der offiziell betont, ein „nachhaltiges Interesse“ an dem Stadtviertel zu haben. „Es gibt keinen Projektsteuerer vor Ort“, so Herbert in seinem Bericht vor den Eigentümern. „Wir als Stadt müssen Intown Druck machen, denn er hat einen Ruf zu verlieren.“ Wenn die Stadt und die Stadtwerke ausziehen und so keine Miete mehr zahlen, dann macht der Großeigentümer Verlust.

Intown reagierte und schickte zum ersten Mal überhaupt einen Vertreter zu einer Eigentümerversammlung. Der Asset-Manager des Ihme-Zentrums betonte dabei in seiner vorgeschriebenen Rede, dass dem Unternehmen an einer guten Kommunikation gelegen sei und sich nicht verstecken wolle. Kontaktaufnahmen von Seiten der Eigentümer verbat er sich jedoch und wies darauf hin, dass Intown ein renommiertes Architekturbüro für die Umbaupläne beauftragt habe. Aus hannoverschen Architektenkreisen war in den vergangenen Tagen jedoch zu hören, dass das beauftragte Architekturbüro Schulze & Partner, das im Sommer bereits Visualisierungen für eine neue Fassade präsentiert hatte, wegen fehlender Bezahlung die Arbeit bereits wieder eingestellt habe. Auch berichtete ein Eigentümer von Einzelnhändlern, die ein großes Interesse an einer Anmietung hätten, aber keine Antwort auf ihre Anfragen bei Intown bekämen. Der Hinweis des Intown-Vertreters, sein Unternehmen wolle dem Ihme-Zentrum „zum neuen Glanz verhelfen“ wurde so von den Anwesenden mit lautem Lachen quittiert.

Jürgen Oppermann, Vertreter der Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum, hat indes keine Geduld mehr mit Intown: „Der Großeigentümer hatte die Chance, ein Zeichen zu setzen.“ Es habe allein mehr als ein Jahr gedauert, bis Intown seinen Teil der Hauskosten fristgerecht bezahlen würde. „Es ist besser, er geht sofort, als dass unser Eigentümer weiter verkommt“, so Oppermann. Als ein erster Schritt beschloss die Eigentümerversammlung, den Großeigentümer zu einer Zahlung von 50 Millionen Euro zu verpflichten und dies – falls notwendig auch durch ein Gericht oder eine Zwangsvollstreckung geltend zu machen. Ob diese Forderung jedoch vor Gericht Bestand hat, zweifelten vor Ort mehrere Menschen an, zum Teil selbst Juristen.

Dabei gebe es eine Antwort auf all die Probleme im Ihme-Zentrum, die der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum in einem Konzept zusammengestellt hat. Mit einer Art Inventur werden dabei am Anfang die Missstände im baulichen Bereich, aber auch bei den Eigentumsverhältnissen überprüft und geschaut, ob das alles noch so funktioniert. Auf der Basis dieser Analyse, die durch ein unabhängiges Gremium durchgeführt wird, kann das Ihme-Zentrum dann zu einem besonderen Stadtumbaugebiet gewidmet werden. Für die baulichen Maßnahmen gibt es dann öffentliche Förderung von Stadt, Land, Bund und eventuell auch der Europäischen Union.

„Das Ihme-Zentrum muss zum Alleinstellungsmerkmal werden“

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Volles Haus im Capitol: Die Menschen interessiert die Zukunft des Ihme-Zentrums sehr.

Vor vollem Haus machten sich am Dienstagabend die Politiker der Landeshauptstadt Hannover stark für eine sogenannte Vorbereitende Untersuchung im Ihme-Zentrum. Diese Inventur muss im Stadrat beschlossen werden und untersucht, ob ein Stadtviertel unter baulichen Mängeln leidet und ob sich die Eigentümer vor Ort weigern, Renovierungsarbeiten vorzunehmen.

Das Capitol in Hannover ist voll. Die rund 200 Sitzplätze unten sind belegt, dahinter, daneben und oben auf der Empore drängen sich die Menschen – sie sind gekommen, um zu erfahren, wie die Politik in der Landeshauptstadt das Ihme-Zentrum revitalisieren möchte. Auf dem Podium sitzen neben Moderator Jan Egge Sedelies die Vertreter der demokratischen Parteien im Stadtrat: Felix Blaschzyk (CDU), Daniel Gardemin (Grüne), Ewald Nagel (SPD), Gerhard Kier (FDP) und Dirk Machentanz (Die Linke). Im Rahmen des Kommunalwahlkampfes wollen die Politiker die Positionen ihrer Parteien zur aktuellen Situation im Ihme-Zentrum vorstellen. Ein Thema, das in den vergangenen Monaten heftig diskutiert wurde, nachdem Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) dem Großeigentümer Intown ein Ultimatum gestellt hat, um ein Konzept vorzulegen.

Entgegen mancher Erwartung sind sich die fünf Politiker auf der Bühne des vollen Capitols sehr schnell auf wesentliche Punkte einig und blieben dabei stets sehr freundlich und konstruktiv: Das Ihme-Zentrum darf nicht abgerissen werden, und es braucht mit der sogenannten Vorbereitenden Untersuchung eine Art Inventur, um die Situation vor Ort von Experten bewerten zu lassen. Dazu hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht, der eine juristische und architektonische Grundlage für eine nachhaltige und kreative Transformation des Viertels bietet. Alle Parteien bewerteten diese zehn Thesen als wertvoll und ideal geeignet, um das Thema im Stadtrat und in den Dezernaten einmal komplett neu anzugehen.

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Freundlich und konstruktiv diskutierten die Vertreter über eine bessere Zukunft für das Quartier.

„Wir brauchen eine Vorbereitende Untersuchung“, so Daniel Gardemin in seiner Forderung, der sich alle Politiker anschlossen und die im Publikum laut beklatscht wurde. Der Grünen-Politiker sieht in dem Quartier einen idealen Möglichkeitsraum für Gärten zwischen und auf den Häusern, für eine Energieversorgung mit Solarzellen und für Urban Farming im Gewerbebereich, bei dem Lebensmittel in Kreislaufsystemen hergestellt wird. „Im Stadtteil Linden wird viel ausprobiert, warum lassen wir dann beispielsweise nicht einen Künstler die Fassaden des Zentrums gestalten?“, so Gardemin, der dafür lauten Applaus genoss.

Der CDU-Politiker Felix Blaschzyk ging sogar weiter: „Das Ihme-Zentrum muss zum überregionalen Alleinstellungsmerkmal werden.“ Durch bessere Wegeverbindungen, indem beispielsweise die Stadt den Ihmeuferweg kauft, würde das Quartier besser mit Hannover verbunden. „Auch kann ich mir vorstellen, dass sich hier die Start-up-Szene wohl fühlt.“ Viele Gründer und Vertreter der Wirtschaft Hannovers waren im Publikum anwesend und reagierten mit lautstarker Zustimmung. Damit seine Forderung realistisch wird, schlug Blaschzyk die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft durch die Stadt vor, die das Ihme-Zentrum über Jahre revitalisiert und die Flächen an einzelne Interessenten vermieten oder verkaufen könnte.

Dem FDP-Vertreter Gerhard Kier war eine Verbesserung des Umfeldes des Ihme-Zentrums wichtig. „Die Blumenauerstraße im Süden muss zu einer richtigen Straße werden. Hier kann die Stadt zeigen, wie ernst sie es mit der Integration des Quartiers in sein Umfeld meint.“ Auch sollte die sanierte, aber bislang leer stehende Tiefgarage für Nutzer frei gegeben werden. Etwas, das der Linken-Politiker Dirk Machentanz unterstützte: „Uns wären vor allem bezahlbare Wohnungen im Ihme-Zentrum wichtig.“

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Gerd Runge von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum präsentierte die zehn Thesen des Vereins zur nachhaltigen und kreativen Revitalisierung des Quartiers.

Der SPD-Politiker Ewald Nagel wagte zwar keine große Vision, betonte aber das Engagement seiner Partei für das Quartier: „Ich wünsche mir ein lebendiges Ihme-Zentrum. Damit das gelingt, brauchen wir die gesamte Stadtgesellschaft“, appelierte er ans Publikum, die ihm lautstark unterstützten. Als Mehrheit im Rat sollte seine Partei eine Aktualisierung des Zustandsberichts im Quartier planen, schlug Nagel vor. Dies könnte durch eine neue Vorbereitende Untersuchung gemacht geschehen. „Die zehn Handlungsempfehlungen der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum sind sehr praktikabel und bieten für die Entwicklung des Quartiers eine gute Lösung“, so Nagel.

Mit einer positiven Grundstimmung und weitestgehender Einigkeit endete der Abend. Die Forderung eines Manns aus dem Publikum, das Ihme-Zentrum in einer gemeinsamen Aktion zu besetzen, wurde lachend zur Kenntnis genommen. Gerne hätte das Publikum den Großeigentümer Intown zu den besprochenen Themen befragt, doch trotz Einladung war weder ein Vertreter des Berliner Unternehmens vor Ort, noch jemand von der Quartiersverwaltung Cardea. Nun bleibt es abzuwarten, wie sich die Politiker nach der Kommunalwahl am 11. September an ihren Versprechen für eine bessere Zukunft des Quartiers erinnern und dementsprechend handeln.

Hier gibt es die zehn Schritte für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums zum kostenlosen Download.

Danke an die exposive Mediengruppe für die tolle Betreuung und Technik vor Ort. Und danke an Hannover Concerts, dass sie uns das Capitol zur Verfügung gestellt haben!

Mai 2016 – Das Ihmezentrum im Fernsehen

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Der NDR hat einen kleinen Bericht über die aktuellen Ereignisse im Ihmezentrum gemacht. Zu Wort kommen neben Bewohnerin Karin Menges und Initator der Kampagne „Das Ihmezentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“ auch der Verwalter des Quartiers, Torsten Jaskulski. Der Beitrag zeigt: Es bewegt sich einiges im Zentrum. Lass uns gemeinsam weiter daran arbeiten. 🙂

Hier findet ihr den Bericht in der NDR Mediathek.

Mai 2016 – Ein neuer Trailer zur Doku „Traum Ruine Zukunft“

Seit Mai 2015 drehen Filmemacher und Medienwissenschaftler Hendrik Millauer und Nachhaltigkeitsberater und Initiator des Vereins Zukunftswerkstatt Ihmezentrum Constantin Alexander eine Dokumentation über das Ihmezentrum. Es geht um die bewegende Geschichte des Quartiers und die Möglichkeiten einer nachhaltigen und kreativen Transformation.

Die Veröffentlichung ist für Spätsommer 2016 geplant.

März 2016 – „Eine Entwicklung geht nur gemeinsam“

Copyright: Gerd Runge

So könnte das Ihme-Zentrum mit Linden zusammenwachsen. Idee und Grafik von Gerd Runge.

Am Mittwoch (9. März) veranstaltete der Bezirksrat Linden-Limmer zu einer Anhörung zum Thema Ihme-Zentrum. Eingeladen waren der Verwalter des Ihme-Zentrums, Torsten Jaskulski, der Vertreter der Wohnungseigentümer Jürgen Oppermann, die Architekten und Vertreter des Bund Deutscher Architekten Gerd Runge und Robert Marlow sowie Constantin Alexander, Bewohner des Ihme-Zentrums und Initiator der Aktion „Das Ihme-Zentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“. Torsten Jaskulski präsentierte vor vollem Saal einen Zeitplan für die Umbaumaßnahmen im Ihme-Zentrum mit einem Konzept, das im wesentlichen aus Einzelhandel besteht. Demnach ist eine Eröffnung des neuen, dann umgestalteten Einkaufszentrum bis Ende 2018 geplant. Die ersten Bauanträge sollen im Juni 2016 gestellt werden.

Die Neuigkeit sorgte bei den Politikern und anwesenden Bewohnerinnen und Bewohnern des Ihme-Zentrums für Optimismus. Nach knapp zehn Jahren sind die Hoffnungen groß, dass es nun mit dem Großeigentümers Intown Invest endlich voran geht. Bereits in diesem Jahr soll der Weg am Ihmeufer umgebaut und modernisiert werden. die Stadt hat in Aussicht gestellt, dass der Weg an der Spinnereistraßenbrücke und an der Benno-Ohnesorg-Brücke am Schwarzen Bär mit dem weiteren Uferweg barrierefrei verbunden werden könnte, sodass man auf der Seite des Ufers kilometerweit spazieren gehen und Fahrradfahren kann. Es wäre ein erster wichtiger Schritt zur Integration des Ihme-Zentrums in seine Umgebung.

Mehrere Anwesende baten außerdem darum, die Interessen der Bewohner, der Stadt als größte Mieterin sowie der Zivilgesellschaft mit zu berücksichtigen, damit der Umbau ein voller Erfolg wird. „Nur gemeinsam können wir etwas erreichen“, betonte auch noch einmal Wohnungseigentümer-Vertreter Jürgen Oppermann. Dem schlossen sich alle Anwesenden an.

Januar 2016 – Deine Vision fürs Ihme-Zentrum

Das Ihme-Zentrum ist Hannovers größter Freiraum überhaupt. Tausende Quadratmeter stehen hier leer und warten nur darauf, bespielt zu werden. Dabei ist fast alles möglich: Kunst, Kultur, Sport, Soziales, nette Geschäfte, Bildung, Spielplätze, urbane Gärten. Wir haben im Rahmen der Produktion unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ Menschen aus der Stadt gefragt, was sie für eine Vision für das Ihme-Zentrum haben. Hier sind ein paar Beispiele.

Herbert Schmalstieg, ehemaliger Oberbürgermeister von Hannover

 

Monika Stadtmüller, Vorsitzende des Seniorenbeirats Hannover

 

Jan-Philippe Lücke, Bewohner des Ihme-Zentrums und Künstler

 

Du hast auch eine Vision fürs Ihme-Zentrum? Am 27. Februar machen wir eine Zukunftswerkstatt zum Ihme-Zentrum und nachhaltiger Stadtentwicklung auf dem Utopianale Filmfestival im Freizeitheim Linden. Vorher zeigen wir erste Szenen aus unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ in einem  Pre-Screening. Tickets dafür gibt es hier auf unserer Crowdfunding-Seite. Kommt vorbei und macht mit! Die Zukunftswerkstatt wird auch für den Film dokumentiert.

Du interessierst dich für einen Rundgang durchs Ihme-Zentrum?

Januar 2016 – „Wir machen daraus ein Kultzentrum“

Geometrie

Mit seiner Kamera ist der hannoversche Künstler Benny Rebel seit Jahrzehnten rund um den Globus unterwegs, um spektakuläre Fotos zu machen. Seine Aufnahmen aus Afrika sind heute weltberühmt. In seiner Heimat hat der Naturfotograf aber auch ein Herz fürs Ihme-Zentrum. Er teilt viele Ideen mit uns und ist so überzeugt vom Quartier, dass er in diesem Jahr einziehen wird.

Benny, wie würdest du das Ihme-Zentrum beschreiben?
Vor 28 Jahren bin ich nach Hannover gekommen und wohnte damals in der Calenberger Straße, ganz in der Nähe des Ihme-Zentrums. Täglich war ich in der Einkaufsmeile, um zu flanieren und einzukaufen. Es war schön, so ein gut sortiertes und interessantes Einkaufszentrum ganz in der Nähe zu haben. Von Lebensmitteln bis hin zu technischen Geräten wurde Vieles zum Kauf angeboten, und es machte mir Spaß, mich dort aufzuhalten. Ich habe schon damals davon geträumt, in einer der Wohnungen im Ihme-Zentrum hoch über den Dächern Hannovers zu wohnen und die fantastische Aussicht täglich aus meinem Fenster oder Balkon zu genießen. Jetzt hat es endlich geklappt, und im Herbst werde ich in eine der tollen Wohnungen ziehen.

Was sind denn für dich die Stärken des Ihme-Zentrums?
Das Ihme-Zentrum hat eine ausgezeichnete Lage in der Stadt und Wohnungen mit einer hervorragenden Sicht weit über den Dächern Hannovers. Die Geschäftsmeile des Zentrums kann eine blühende Zukunft bekommen, wenn der Investor, die Stadt Hannover und andere Beteiligte einen klugen Plan entwickeln und hoffentlich bald mit der Umsetzung beginnen. Es gibt bereits jetzt durchaus vielversprechende Pläne, die nur noch konkretisiert und in Auftrag gegeben werden müssen, damit der Stein der Revitalisierung des Zentrums ins Rollen kommen kann.

Crowdfunding

Wie könnte aus deiner Sicht eine nachhaltige Transformation gelingen?
Die bisherigen Bemühungen der vorherigen Inhaber / Investoren fanden ihre Konzentration hauptsächlich darin, Geschäftsinhaber bzw. Filialisten wieder zurück in das Zentrum zu holen, um damit auch Kunden anzulocken. Dass diese Pläne scheiterten, ist wohl jedem bekannt, der die Geschichte des Ihme-Zentrums mitverfolgt hat. Meiner Meinung nach braucht die Wiederbelebung des Geschäftsherzes zwei verschiedene Schrittmacher: Die verschiedenen Ladengeschäfte und die Filialisten gehören auch in meinem Plan zu den wichtigsten Faktoren, die dazu beitragen könnten, das Zentrum wieder mit Leben zu füllen.
Viel wichtiger jedoch sind kulturelle und vor allem künstlerische Aktivitäten in diesem Gebäudekomplex, um zwei wichtige Verbesserungsfaktoren gleichermaßen zu bedienen. Jede gut geplante und professionell organisierte künstlerische Aktivität bringt Menschen in das Zentrum, die die Aktion genießen, und gleichzeitig sorgt sie dafür, dass das Image des Zentrums aufpoliert wird. Und genau hier liegt meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg! Wenn regelmäßig interessante kulturelle und künstlerische Angebote im Zentrum bereitgestellt werden, werden immer öfter und immer mehr Menschen dahinkommen und nach und nach Ihre Ängste und Vorurteile bezüglich des Gebäudekomplexes in einer Empathie und Sympathie für das Ganze umwandeln.

Man könnte vorerst in einem kleinen und  definierten und von den Investoren zur Verfügung gestellten Bereich verschiedene interessante kulturelle Angebote für die Besucher bereitstellen und somit Menschen dorthin locken, die von diesen entweder kostenlosen oder günstigen Angeboten Gebrauch machen möchten.

Fassade

Was stellst du dir konkret vor?
Diese Angebote können z.B. Fotoworkshops  oder Vorträge in vielen verschiedenen Versionen sein. Videoproduktionen, Musikproduktionen, Mal-Workshops, Tanz- und Gesangswettbewerbe, Musikveranstaltungen, Flohmärkte und unzählige andere kreative und interessante Möglichkeiten könnten dazu führen, dass immer mehr Menschen ins Zentrum kommen und das Gebäude bald als KULTZENTRUM bezeichnen werden. Sobald das erste Leben in die unteren Etagen des Gebäudekomplexes zurückkehrt, werden mit Sicherheit auch die ersten Geschäftsleute anklopfen, die dort Geld verdienen wollen und somit kommt auch die Ladenmeile nach und nach wieder zurück.

Und was könntest du dazu beisteuern?
Es gibt einige Menschen in Hannover, zu denen ich selbst gehöre, die über ein großes Netzwerk von kreativen Machern verfügen. Wenn einige dieser Kreativen sich zusammenschließen, von den Investoren, der Stadt Hannover und von den Wohnungseigentümern unterstützt werden, dann bin ich felsenfest davon überzeugt, dass das Ihme-Zentrum aus dem Dornröschenschlaf erwachen und sich auf eine blühende Zukunft  zum KULTZENTRUM erfreuen kann. Mein Plan kann mit relativ geringen finanziellen Mitteln realisiert werden, und hierbei gibt es keinen Verlierer. In jeder Phase der Umsetzung des Plans gibt es nur Gewinner. Menschen, die von den kulturellen Angebote Gebrauch machen, Künstler, die ihre Ideen verwirklichen können, Investoren und Wohnungseigentümer, deren Immobilienwerte steigen werden und die Stadt Hannover, die ein Problem weniger haben wird – alle sind am Ende Gewinner! Abgesehen davon werden die Beteiligten ein KULTZENTRUM erschaffen, das noch Jahre nach unserem Tod Menschen ein angenehmes Zuhause und ein Wohlfühleinkaufszentrum bietet – ein kleines Paradies in einer Stadt.

Benny Rebel

Benny Rebel ist ein ausgezeichneter Naturfotograf, Autor von Büchern, Filmen, Multimedia-Shows und anderen Medien. Geboren 1968 im Iran, lebt er seit 1987 in Deutschland. Nach seiner Ausbildung zum Feinmechaniker und dem Abschluss seines Abiturs arbeitete er in den unterschiedlichsten Branchen, bis der passionierte Naturschützer die Fotografie und die Filmproduktion als Werbemittel für Umweltschutzprojekte entdeckte.

Dezember 2015 – Abriss? Nein, danke!

Im Sommer schlug eine hannoversche Politikerin vor, dass das Ihme-Zentrum zu einem Denkmal werden sollte. Aus Sicht der Menschen, die sich eine Transformation des Quartiers wünschen, wirkte dieser Vorschlag wie ein Schlag in die Magengrube: Sobald ein Gebäude Denkmal ist, darf es in seiner äußeren und inneren Form nicht verändert werden. Das ist nicht das Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner, der Menschen, die hier arbeiten und der vernünftigen Architekten und Stadtplaner. Gut also, dass dieser Vorschlag abgelehnt wurde, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Ein Blick in die Kommentare der Zeitung zeigt dann wieder das Unwissen und den Hass der Menschen auf dieses unverstandene Stadtviertel: Immer wieder fordern die Wutbürger den Abriss des Ihme-Zentrums. Zeit also, ihnen zu erklären, warum das nicht möglich ist.

Als Teil meiner wissenschaftlichen Umweltanalyse des Ihme-Zentrums habe ich am Anfang natürlich auch untersucht, warum das Ihme-Zentrum nicht abgerissen wurde oder wird. Dafür gibt es mehrere Gründe, die ich auf Basis der drei Sphären der Nachhaltigkeit – Ökologie, Soziales, Ökonomie – hier aufführen möchte:

Ökologie:
Das Ihme-Zentrum ist das größte zusammenhängende Betonfundament Europas. In den Kabelschächten wurde – ganz zeitgemäß für die 1970er-Jahre – Asbest mit verbaut. Dieser stört die Bewohner nicht, solange er drin bleibt. Die Menge an Müll und Feinstaub, die durch einen Abriss entstehen würde, wäre riesig und eine hohe Belastung für Umwelt und Menschen. Auch aus energetischen Gründen ist es Quatsch, so ein Stadtviertel abzureißen: Der größte Teil der Energie steckt in dem Gebäude. Jeder vernünftige Architekt empfiehlt daher, Gebäude nicht abzureißen, sondern umzubauen.

Soziales:
Das Ihme-Zentrum ist Heimat von mehreren tausend Menschen. Viele leben hier in Eigentumswohnungen, die meisten davon seit vielen Jahren. Ihnen nun die Lebensgrundlage wegzunehmen ist nicht nur moralisch verkehrt. Ein Abriss würde all diese Menschen wohnungslos machen und aus ihrer Heimat vertreiben. Hannover und speziell der Stadtteil Linden boomt auf dem Immobilienmarkt. In direkter Nähe zum Ihme-Zentrum findet man häufig nur noch Wohnungen über einen Makler. Angesichts der angespannten Lage ist es also höchstgradig verwerflich, diesen kostbaren Wohnraum zu vernichten.

Ökonomie:
Viele Menschen verstehen nicht, dass das Ihme-Zentrum kein Haus ist, sondern ein Stadtviertel. Ein Abriss würde geschätzt 250 Millionen Euro kosten, plus die Entschädigungszahlungen an die Wohnungs- und Gewerbeflächeneigentümer. Das Grundstück ist keine 250 Millionen Euro wert. Man würde also draufzahlen.

Ein Abriss ist also nicht möglich. Aber ein Umbau in ein nachhaltiges, kreatives und lebenswertes Stadtviertel. Wie das gelingt, möchten wir in unserer Dokumentation „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ zeigen. Damit uns das gelingt, brauchen wir eure Unterstützung: Hier könnt ihr uns beim Crowdfunding helfen.

Advent 2015 – „Das Ihme-Zentrum wird zum Filmstar“

Die Poster zum Film "Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft"

Die Poster zum Film „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“

Die christliche Idee vom Advent beschreibt die Hoffnung auf einen guten Ausgang. Nach rund zwei Wochen Crowdfunding-Kampagne blicken wir als Team des Dokumentarfilmprojekts „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ mit Euphorie und Dankbarkeit zurück. Wir haben (Stand 16.12.) mehr als 35 Prozent der anvisierten 8.000 Euro erreicht. Und das vor allem, weil wir ein unfassbar tolles Feedback bekommen haben. Und es sind noch mehr als 40 Tage über bis zum Ende der Kampagne. Aus dem Ihme-Zentrum sprechen uns viele Bewohnerinnen und Bewohner an. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ hat dankenswerter Weise mehrere Meldungen zur Kampagne veröffentlicht und sogar getitelt: „Das Ihme-Zentrum wird zum Filmstar“. Die zweite große hannoversche Tageszeitung „Neue Presse“ berichtete ebenfalls, genauso wie die Stadtteilzeitung „Hallo Linden“. Danke auch für all die Menschen, die das Projekt in den sozialen Medien unterstützen. Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 🙂

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Das Team des hannoverschen Filmfestivals „Utopianale“ hat uns eingeladen, dass wir eine erste Version des Films am 27. Februar 2016 zeigen dürfen. Im Anschluss an das Pre-Screening machen wir einen Workshop mit allen Interessierten zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Die Tickets werden wir als Dankeschön vor Weihnachten anbieten.

Gleichzeitig drehen wir weiter als Vorbereitung für den Film. So haben wir in den vergangenen Wochen Interviews geführt, unter anderem mit dem ehemaligen Bürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg, engagierten Ihme-Zentrums-Fans wie Monika Stadtmüller (Seniorenbeirat Hannover) und natürlich Bewohnerinnen und Bewohnern des Ihme-Zentrums. Ein erstes Lied für den Soundtrack haben wir ebenfalls aufgenommen, und gerade sprechen wir mit weiteren Musikern, ob sie ein Lied für den Film geben möchten. Ein Film über Hannover sollte auch die Klänge und Melodien enthalten, die hier geboren werden.

Wir werden vor Weihnachten noch weitere Interviews drehen, mit Menschen aus dem Ihme-Zentrum sprechen, um Unterstützung bitten, immer wieder erklären, was wir vorhaben und immer hoffen, dass sich diese Arbeit lohnt, die wir da neben dem Job in unserer Freizeit machen. Dass wir aber ein gutes Team sind, haben wir bei unserem ersten gemeinsamen Mittagessen bei Pide, Döner und Falafel gemerkt. Und das ist für uns momentan wohl eines der wichtigsten Erkenntnisse: Egal, wie die Kampagne ausgeht, wir haben unfassbar viel gelernt: Über uns, über die Menschen in Hannover, darüber, wie wichtig es ist, sich nur an einen guten Ausgang zu erhoffen. Sondern jeden Tag dafür zu arbeiten, manchmal sogar zu kämpfen – sei es für für unsere Dokumentation oder für das Ihme-Zentrum insgesamt.

Danke allen, die uns bis auf diesem Weg begleiten. Wir wünschen euch eine entspannte Adventszeit! 🙂

Immer vorbeigegangen, aber niemals reingetraut? Wir bieten Rundgänge durchs Ihme-Zentrum

Dezember 2015 – „Ein Vorzeigeprojekt“

Monika Stadtmüller ist Vorsitzende des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt Hannover. Für sie könnte das Ihme-Zentrum zu einem „Vorzeigeprojekt“ für generationsgerechtes Leben werden. Egal wie alt, egal, ob reich oder arm, egal, welcher Herkunft – Monika Stadtmüller wünscht sich ein lebendiges Ihme-Zentrum. Die Voraussetzungen dafür sind gut, schließlich ist ein Großteil der Wohnungen im Ihme-Zentrum bereits heute barrierefrei, die Lage perfekt für eine Mobilität ohne Autos, und das verdichtete Bauen könnte eine tolle Nachbarschaftlichkeit (wieder) entstehen.

Diese und viele weitere Ideen sammeln wir für das Filmprojekt „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“, ein Mini-Dokumentarfilm über die bewegte Geschichte des Quartiers und eine mögliche bunte, kreative und nachhaltige Zukunft. Wenn ihr das Ihme-Zentrum auch als eine Chance seht, dann unterstützt uns bei der Produktion des Films: startnext.com/ihmezentrum.