Juni 2017 – „Es gibt keine Zusammenarbeit mit Intown“

von Experiment Ihme-Zentrum

Ein Großunternehmen kauft eine sanierungsbedürftige Immobilie und macht erst mal – nichts. Was sich anhört wie im Ihme-Zentrum oder beim ehemaligen Maritim Hotel am Neuen Rathaus in Hannover, spielt sich derzeit in ganz Deutschland ab. Oft handelt es sich um die gleichen Akteure, wie ein Vergleich der Aktvitäten von Intown in Hannover und in Dortmund ergibt. Welche Paralellen es zwischen den Städten gibt und wieso gute Worte nicht reichen, um diese Unternehmen wirklich auch in die Verantwortung zu nehmen, dass sie investieren, erklärt Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund im Interview.

Lieber Herr Scholz, Sie müssen sich als Mieterverein Dortmund viel mit der gleichen Unternehmensgruppe wie im Ihme-Zentrum auseinander setzen. Was ist da genau los?
2011 wurde die in Dortmund bekannte Wohnanlage Hannibal im Stadttel Dorstfeld von der Lütticher 49 Properties GmbH aus der Zwangsversteigerung erworben. Die Lütticher 49 gehört einer Firma mit Sitz auf Zypern. Wir gehen davon aus, dass die Lütticher im Hintergrund mit der Intown Group verbunden ist.-Beide Unternehmen haben ja mit Frau Efrat Abuav die gleiche Person als Geschäftsführerin. Zum Hannibal gehören etwa 420 Wohnungen, wovon rund 100 schon seit vielen Jahren leer stehen. Es gibt immensen Investitionsstau, zum Beispiel bei den Aufzügen. Es muss hier richtig was gemacht werden.

Das Unternehmen hat den Hannibal damals in einer Zwangsversteigerung gekauft. Was wurde gesagt, soll mit den Wohnungen passieren?
Es gab einen lapidaren Ausspruch à la „To make it nice and bring nice poeple.“ Die Lütticher 49 hat im Dezember 2011 mit 7 Mio. Euro viel zu teuer gekauft. Der Hannibal ging für fast das doppelte des Verkehrswertes von knapp 3,7 Millionen Euro über dem Tisch. Hinzuzurechnen wären damals laut Wertgutachten Investitionen von mindestens 9,3 Mio., Euro. um akute Bauschäden und -mängel zu beseitigen.

Und was ist seitdem passiert?
In der Gesamtbilanz viel, viel zu wenig. Ein Sanierungskonzept gibt es nicht. Die laufende Instandhaltung läuft schleppend. Mängel wurden und werden zu langsam, nicht vollständig oder auch gar nicht behoben.

Wie ist die Situation für die Mieter vor Ort?
Das Objekt war ja vorher mehrere Jahre in der Zwangsverwaltung. Die Mieter sagen, damals ging es ihnen besser. Schließlich wurde die eingenommene Miete wieder ins Haus gesteckt. Jetzt ist es eine Hängepartie ohne Ende. Dabei gibt es im Gebäude tolle Wohnungen über zwei und teilweise drei Etagen, guter S-Bahn-Anbindung und hervorragender Aussicht in den oberen Etagen.

Wie ist denn Ihr Kontakt mit dem Eigentümer?
Schlecht. Es gibt keine Zusammenarbeit. Aktuell beschäftigen uns unberechtigte Mahnungen mit angeblichen Mietrückständen. Da werden die Mieter richtig unter Druck gesetzt.

Foto: Ralf Hülls, CC BY-SA 2.0 de

Ist das Unternehmen neben dem Hannibal sonst noch aktiv in Dortmund?
Vor rund drei Jahren wurden von Intown (damals noch Newtown) mehrere richtige Problemimmobilien in der Dortmunder Nordstadt erworben. Dort war in Teilen auch die städtische Wohnungsaufsicht aktiv.
Und sie besaßen bis vor Kurzem ein leer stehendes innerstädtisches Einkaufszentrum, das Westfalen-Forum. Der Leerstand ist hier sehr groß- Investitionen wurden angekündigt, aber nicht umgesetzt. Nun sei das Einkaufszentrum nach Medienberichten an dieAroundtown Holding verkauft worden (http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/dortmund/44137-City~/Leerstand-Warum-das-Westfalenforum-wohl-ein-Sorgenkind-bleibt;art930,3221632). Aroundtown hält nach eigenen Angaben rund 36 % an Grand City Properties, die wir als Aufkäufer von Wohnungsbeständen kennen.

Was will das Unternehmen mit diesen Objekten?
Das weiß ich nicht. Intown investiert ohne erkennbare Strategie , es muss sich irgendwie anders für sie lohnen. Es ist ja auch komplett unklar, wer die Anleger sind, woher das Geld kommt, das hier in Immobilien in ganz Deutschland angelegt wird. Es gibt ja auch ein Objekt in Schwerin, wo die Menschen in unhaltbaren Zuständen leben müssen. Hier wird auf Kosten der Mieter spekuliert.

Haben Sie eine Idee, wie man mit diesem Unternehmen umgehen kann?
Intown müsste den „Spaß“ an den Objekten verlieren. Die Kommunen müssen mit allen anwendbaren ordnungs-, planungs- und wohnungsrechtlichen Instrumenten Druck aufbauen. Zugleich ist es wichtig, dass die Mieter unterstützt werden, ihre Mieterschutzrechte in Anspruch zu nehmen. Ein Beispiel: Den einen erneuerten Aufzug im Hannibal gibt es nur, weil ein Mieter die Eigentümerin auf Instandsetzung verklagt hat. Es braucht am Ende aber Träger, der dann zu einem angemessenen Preis einstiegen und ein bewohnerorientiertes Sanierungskonzept auf den Weg bringen könnte.

Wie geht denn die Stadt Dortmund mit dieser Herausforderung um?
Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen. Die Wohnungsaufsicht ist immer wieder aktiv. Ein Austausch zwischen den betroffenen Stadtverwaltungen wäre sicherlich sinnvoll, soweit nicht schon vorhanden. Auch ein Austausch zwischen Bewohnerinitiativen und beteiligten Mietervereinen wäre sinnvoll. Vielleicht können wir ja eine Art Intown-Konferenz auf die Beine stellen, wo wir Betroffene aus ganz Deutschland zu einladen.

Tobias Scholz arbeitet für den Mieterverein Dortmund. Dies ist der erste Artikel in einer Reihe von Texten, in denen die Aktivitäten der Unternehmensgruppe um Intown beobachtet werden.

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