Juni 2017 – Ein Ort für Macher, nicht für Schnacker

von Experiment Ihme-Zentrum

Mit der Eröffnung des Nachbarschafts- und Kulturraums Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E beginnt eine neue Phase bei der nachhaltigen und kreativen Revitalisierung im Ihme-Zentrum. Für die Kuration und Raum-Management konnte die Designerin Lucy Winkler gewonnen werden. Im Interview erklärt sie, warum dieser Ort so inspirierend ist, was in dem Raum alles geplant ist und wie man sich selbst einbringen kann.

Lucy, du hast mit deinem Laden und Kunstraum Grosstadtrekorder 2010 als erste die Deisterstrasse neu belebt. Das hat viele positive Impulse in der Stadt gegeben. Nun übernimmst du mit der Kuration der Zukunftswerkstatt im Ihme-Zentrum eine besondere Herausforderung. Was ist aus deiner Sicht wichtig, um urbane Räume mit Kreativität zu erobern?
Ganz am Anfang steht häufig die Veränderung der Außenwahrnehmung. Es braucht einen offenen Blick und eine Vision für eine bessere Zukunft, die aber gleichzeitig die Vergangenheit eines Ortes nicht außer acht lässt.
Es ist ein tolles Gefühl, wenn man ein neues Gebäude betritt und sofort beginnt, darüber nachzudenken, was man dort entwickeln könnte. Das ist der schönste Augenblick, wenn alles noch offen ist, man Unmengen von Entwicklungspotenzial sieht und sich auf das, was kommt, freut.
Auf der persönlichen Ebene muss man gleichzeitig lernen, sich zu organisieren. In einem solchen Projekt lernt man sich selbst sehr gut kennen.

 

Die Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E wird neben einem Angebot an die Kultur- und Kreativszene vor allem auch ein Raum für die Nachbarschaft und Zentrum für ein Bürgerbeteiligungsverfahren sein. Was liegt dir dabei besonders am Herzen?
Ich wünsche mir, dass wir die brachliegenden etwa 100.000 Quadratmeter im Ihme-Zentrum als ungenutzte Ressource begreifen. Das wir gemeinsam im regem Austausch Visionen entwickeln und vom Sprechen, darüber was sein könnte, ins Tun kommen.
Es geht ja ein Stück weit auch darum, einen Gegenentwurf zu bereits bestehenden Prinzipien zu entwickeln – im Austausch mit der Bewohnerschaft neue positive und konstruktive Ideen zu entwickeln – und dann auch zu realisieren. Schließlich gibt es für jedes Problem hier eine technische Lösung.

230 Quadatmeter, ein großer Saal und kleine Büros/Werkstätten – das ist das neue Nachbarschafts- und Kulturzentrum Zukunftswerkstatt.

Wo melden sich Interessierte, wenn sie tolle Ideen für den Raum haben?
Wer Fragen zum Raum schreibt entweder eine E-Mail an raum(at)ihmezentrum(.)org oder nutzt einen die Treffen des Bürgerdialogs oder kommt zu den regelmäßigen Bewohnercafés. Für Interessierte aus der Kultur gibt ebenfalls ein regelmäßiges Infotreffen mit der Vereinsarbeitsgruppe. Oder ihr nutzt die Tage der offenen Tür, um Hallo zu sagen, und vielleicht sitzen wir ja schon bald zusammen und spinnen bei einer Limo oder einem Bier ein Konzept.

Was ist deine Vision für ein nachhaltiges und kreatives Ihme-Zentrum im Jahr 2025?
Digitalisierung, Technik, Kunst, Design, Wissenschaft, Handwerk, Soziales – auf insgesamt 100.000 m². Ich wünsche mir, dass das Ihme-Zentrum hybrid wird: Dass neben Künstlern, Designern und Architekten auch Sozial- und Forschungsprojekte in diesem Stadtteil heimisch werden. Monokultur bedeutet Stillstand!
Noch gibt Leerstand und genug Menschen, die auf der Suche nach Raum für ihre Ideen sind. Wir sollten darum diese brachliegenden Räume als ungenutzte Ressource begreifen und mit Kreativität und Talent zusammenbringen.

Lucy Winkler ist Produktdesignerin, Modemacherin und Kuratorin.

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