April 2017 – Intown stellt Pläne für neue Fassade vor

von Experiment Ihme-Zentrum

Die Pläne von Intown für das Ihme-Zentrum aus dem Dezember 2016.

Fast 200 Eigentümer kam am Donnerstag, 6. April, in die Kantine der Stadtwerke im Gasometer auf der Glocksee, um sich den Planungsstandes des Großeigentümers vorstellen zu lassen. Der Einstieg erinnerte mit seinen fotorealistischen Visualisierungen der Architekten fatal an all die voran gegangenen Präsentationen von gescheiterten Investorenplänen: Einzelne Ziegel von hohen Mauerwerksstützen vor begrünten, sonnenbeschienen Fassaden wollen nun erst einmal so gar nicht zu der immer noch völlig ungeklärten Frage passen, was denn hinter den neu gestalteten Fassaden überhaupt passieren soll.

Zu diesem Gefühl passt, dass das beteiligte das Büro Schulze & Partner aus Hannover und das ebenfalls beauftragte Büro RKW aus Düsseldorf zu Beginn der Veranstaltung dieselben Fassaden nacheinander in ziemlich unterschiedlicher Gestaltung zeigen. Seit Dezember haben die bunten Bilder auch noch Flügel bekommen: Der Zuschauer fliegt in einem visualisierten Film durch das umgebaute Ihme-Zentrum. Was auffällt: An der Blumenauer Straße sollen kilometerlange Schaufenster für Einzelhändler entstehen.

Keine konkreten Zeit- und Finanzpläne zu Vermietung und Nutzung der Flächen
Doch der Schein trügt – und das ist auch gut so. Der Sprecher von Intown bekräftigte, dass die Einzelhandelsflächen auch weiterhin von ehemals 65.000 m² auf lediglich 20.000 m² reduziert bleiben und nur der Nahversorgung dienen. Bestand haben in den Planungen auch die anderen positiven Ansätze aus der Vorstellung im Ratsausschuss im Dezember, die weitgehend von den Vorschlägen der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum übernommen wurden: Am Küchengarten und in der Verlängerung der Gartenallee sollen öffentliche Durchwegungen zum Fluss Ihme entstehen.

Der Sockel soll Fassaden zur Blumenauer Straße und zur Spinnereistraße bekommen. Anstelle der reduzierten Einkaufsflächen wird eine Nutzungsmischung von zusätzlichen „durchgesteckten“ Wohnungen, Mikroappartements, Gastronomie, Lager- und Gewerbeflächen vorgeschlagen. Seit Dezember ist – vor allem hinsichtlich des Nutzungskonzeptes und der Vermietung – wenig voran gekommen.

So stellt sich Intown das Ihme-Zentrum nach dem Umbau vor.

Dialog zwischen Bewohnern und Intown ist noch ganz am Anfang
Bei der Planung ist dagegen erkennbar, dass sich das Büro RKW an der undankbaren Aufgabe abmüht, die Anbindungspunkte des Stadtteils, die Gebäudekubaturen des Ihme-Zentrums mit den engen Grenzen von Gemeinschaftseigentum und Sondereigentum in Einklang zu bringen. Der Sockel soll durchlässiger gegliederter werden. Die Adressbildung soll so verbessert werden, so dass alle Wohnhäuser rund um die Uhr von öffentlichen Wegen aus zugänglich sind.

Einige Bewohner deuteten im Rahmen der Vorstellung dann auch an, dass sie wenig Einwände gegen die Vorhaben des Großeigentümers in den Gewerbeflächen haben, wenn Ihnen dies garantiert wird. Als ein Eigentümer wissen will, wo denn bei seinem Hauseingang in der Visualisierung die Fahrräder und Mülltonnen geblieben sind, wird klar, wie viel Vermittlung und Abstimmungsprozesse noch notwendig sind, bis ein umsetzungsfähiges Konzept entsteht. Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum wird aus diesem Grund im Sommer einen Bürgerbeteiligungsprozess beginnen.

Nicht beantworten kann der Intown-Sprecher hingegen die Frage, wie denn die vorab vor das Betonskelett vorgehängten neuen Fassaden vor Vandalismus geschützt werden sollen, solange sie nicht von genutzten Gebäuden dahinter geschützt werden. Vorherige Investoren haben die immer gleichen aufsteigenden Vermietungskurven vorgestellt – die dann nie Wirklichkeit geworden sind. Stattdessen kündigte Intown einen Prozess des Suchens und einer stufigen Weiterentwicklung von Nutzungskonzept und baulichem Konzept an.

Bewohner erwarten Verbindlichkeiten von Intown
Ein Stadtteil wird nicht an einem Tag neu erfunden. Er fällt auch nicht vom Himmel. Er muss wachsen und im Prozess ausgehandelt werden. Das ist mühselig und langwierig, aber unvermeidlich. Wenn sich der Großeigentümer auf diesen Weg begibt, kann er vielleicht die nach wie vor große, berechtigte Skepsis vieler Wohnungseigentümer und Experten aus der Stadt widerlegen, es würden nur bunte Pläne, aber keine tragfähigen Konzepte entwickelt. Jürgen Oppermann, Vertreter der Wohnungseigentümer im Beirat des Ihme-Zentrums, machte dann auch unmissverständlich klar, dass Grundlage für die Beschlüsse der Wohnungseigentümer die Einzahlung der Finanzierungsmittel auf das Konto der Eigentümergemeinschaft ist.

Langwieriger ist auch die Zeit bis zur Stellung des Bauantrages geworden. Statt März ist jetzt von Juni die Rede. Verwalter Torsten Jaskulski sieht in der Planung einen großen Schritt nach vorne. Er kündigte außerdem eine Eigentümerversammlung für Mai an. Dann soll über Beschlussanträge auf Basis von Bauantragsunterlagen entschieden werden. Bisher haben die Architekten flexible Fassaden entwickelt, weil sie keine Vorgaben bekommen haben, was hinter den Fassaden stattfinden wird. Im Mai wird dann zu sehen sein, wie es Intown gelingt, eine flexible Fassade in einen nicht veränderlichen Bauantrag zu verwandeln.

Positive Reaktionen auf die Förderung durch das Bundesbauministerium
Allen anwesenden Eigentümern war eine Überraschung über die rund zwei Millionen Euro des Bundesbauministeriums für die Durchwegungen und Bürgerbeteiligung im Ihme-Zentrum. Der auf der Versammlung anwesende Justiziar des Oberbürgermeisters, Frank Herbert, war dementsprechend zufrieden, weil das Bundesbauministerium durch die Preisvergabe das Ihme-Zentrum als bundesweit besonders wichtiges Bauprojekt eingestuft hat. Die Stadtverwaltung hat zunächst einen allgemeinen Antrag gestellt. Im Mai wird eine Kommission nach Hannover kommen und über Art und Inhalt der Förderung verhandeln.

Text: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Advertisements