November 2016 – „Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen“

von Experiment Ihme-Zentrum

 

Mehr Transparenz, mehr Beteiligung, eine bessere Kommunikation und ein Konzept abseits von 0815-Einkaufszentren – so könnte eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums gelingen. Das ist eines der Ergebnisse von Catharina Hagemann, die das Viertel in ihrer Uni-Abschlussarbeit untersucht hat. Für sie ist das Quartier ein Möglichkeitsraum mit viel Potenzial.

Du hast deine Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Was hast du genau untersucht?
Ich habe mich in meiner Arbeit mit dem Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung beschäftigt und geprüft, inwieweit mit Hilfe dieses Leitbildes ein Revitalisierungskonzept für das Ihme-Zentrum aufgestellt werden kann. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema und besonders bei Projekten, bei deren Planung der Nachhaltigkeitsaspekt noch keine große Rolle gespielt hat, wie damals beim Ihme-Zentrum, finde ich es spannend, diese auf ein modernes Leitbild zu übertragen.

Wie bist du genau vorgegangen?
Ich habe mich zuerst mit dem theoretischen Leitbild der nachhaltigen Quartiersentwicklung auseinandergesetzt und Ziele rausgearbeitet, die mit einem Revitalisierungskonzept erreicht werden müssen. Hier handelte es sich sowohl um wirtschaftliche, aber auch ökologische, soziale und kulturelle Ziele. Mit Hilfe von Experteninterviews konnte ich dann ein Konzept erarbeiten, das zeigt, wie eine nachhaltige Revitalisierung aussehen könnte.

Und welches Ergebnis hast du erarbeitet?
Beim Ihme-Zentrum gibt es sehr großen Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen. Vieles ist in der Vergangenheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert, sodass sich Gerüchte und Vorurteile gebildet haben. Hier wäre zunächst einmal Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit von Seiten der Verantwortlichen wie Eigentümer und Verwaltung wichtig, um die Meinung der Hannoveraner zum Ihme-Zentrum zu verbessern und die aktuelle Situation zu verstehen. Des Weiteren müssen sich die Wohneigentümer und der Großeigentümer einig werden, um gemeinsam Veränderungen möglich zu machen. Aber auch nutzungsstrukturelle und bauliche Maßnahmen sind nötig, um die alten, nicht mehr zeitgenössischen Strukturen aufzubrechen. Ich denke nicht, dass Linden an dieser Stelle ein riesiges 0815-Einkaufszentrum braucht.

 

Gibt es denn Alternativen?
Ja, es herrscht eine ganz besondere kreativwirtschaftliche Lokalökonomie, die genutzt werden kann, um das Ihme-Zentrum modern und zukunftsweisend zu revitalisieren. Dabei sind kleinteilige Strukturen und die Förderung von Start-ups besonders wichtig. Die Nähe zum Wasser bietet viel Potenzial für eine Renaturierung und Naherholung, wie es auf der anderen Flussseite bei der Glocksee bereits der Fall ist. Das Ihme-Zentrum bietet unglaublich viel Potenzial, es müssen nur Mittel und Wege gefunden werden, diese zu nutzen.

Was findest du interessant an dem Quartier?
Mit seiner Größe und Bauweise ist es so innenstadtnah in Hannover einfach einzigartig. Ich wohne selbst in unmittelbarer Nähe des Ihme-Zentrums, sodass ich es ständig im Blick habe. Es ist ein Stück Heimat, und ich freue mich immer, wenn ich es nach längerer Abwesenheit wieder vor Augen habe. Das ursprüngliche Konzept „Stadt in der Stadt“ mit der angedachten Nutzungsmischung finde ich spannend. Die Idee, innerhalb eines Quartiers zu wohnen, zu arbeiten, sich zu versorgen und seine Freizeit zu gestalten ist sehr zukunftsweisend und so ist es umso trauriger zu sehen, dass es hier aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Gerade weil es so viel Potenzial gibt. Wenn ich mir vorstelle, was im Ihme-Zentrum alles möglich wäre, habe ich direkt Lust, mitzuarbeiten und ein neues, modernes Ihme-Zentrum mit aufzubauen und so geht es vielen. Der Raum ist da, es müsste nur möglich sein, ihn auch zu nutzen.

Hast du eine Vision, wie ein nachhaltiges und kreatives Ihme-Zentrum 2030 aussehen könnte?
Es wäre bunt, voller Menschen aller Nationalitäten, jeden Alters, aller Lebensformen, die man sich vorstellen kann. Es gäbe ein durchmischtes, kleinteiliges Angebot an Geschäften und Kultur- und Bildungseinrichtungen. Die Fassaden könnten neu bemalt und alles grün und naturnah gestaltet werden. Es sollte ein Ort werden, an dem viele verschiedene Interessen zusammenkommen und umgesetzt werden können. Ich habe dabei kein genaues Bild vor Augen, das sollten wir alle zusammen gestalten.

Catharina Hagemann

Catharina Hagemann hat Kultur-und Sozialgeographie an der Leibniz Universität Hannover studiert und ihre Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum geschrieben. Sie ist Mitglied im Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum wohnt seit 2009 in Hannover.

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