Oktober 2016 – „Nicht verstecken, sondern stolz sein“

von Experiment Ihme-Zentrum

Respect The Architecs

Der hannoversche Street-Art-Künstler und Designer Jan Heidemann hat ein besonderes Verhältnis zum Ihme-Zentrum. Im Interview beschreibt er, wieso er das Quartier ästhetisch spannend findet und was aus seiner Sicht passieren muss, damit das Zentrum wieder funktioniert.

Du bist seit langem auf Hannovers Straßen unterwegs und hast wegen deines Graffiti-Hintergrunds einen besonderen Blick auf unsere Stadt: Wie hast du in der Vergangenheit das Ihme-Zentrum wahrgenommen?
Das IZ ist für mich eine Landmarke, die Linden und mein Zuhause markiert – genau wie die Warmen Brüder gleich gegenüber sehe ich es als Location-Icon, an dem ich mich orientiere und das visuell meine Hood prägt. Im Gegensatz zu den warmen Brüdern hat es das IZ nur leider bis heute nicht geschafft, ein positives Image verpasst zu bekommen. Die warmen Brüder sind beliebte Motive auf Babystramplern und Filzschlüsselanhängern, mit dem IZ möchte man lieber nichts zu tun haben. Vielleicht liegt das daran, weil das Beton-Monster sich wie eine uneinnehmbare Festung an der Ihme breitgemacht hat: Man weiß eigentlich gar nicht so genau, wie man da reinkommen soll und was da drin so vor sich geht.

Copyright: Jan Cido Heidemann

Wie bewertest du als Künstler das Ihme-Zentrum?
Ich habe 2001/2002 analoge Fotos vom IZ gemacht, aus denen dann großformatige Leinwandarbeiten und eine Siebdruckreihe entstanden sind. Dabei waren für mich ausschließlich die abstrakten Strukturen des Betons interessant: stürzende Linien, sich wiederholende Formen und versteckte Negativformen. Die Architektur-Fotos habe ich damals noch weiter reduziert auf ihre rein geometrische Wirkung und das IZ in Flächen und Linien zerlegt, neu arrangiert und eingefärbt. Ich finde also, dass das IZ durchaus sehr schön sein kann, wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet.

Hast du eine Vision, wie ein nachhaltiges, kreatives Ihme-Zentrum in zehn bis fünfzehn Jahren aussehen könnte?
Mit dieser Frage habe ich mich bis jetzt noch nicht ernsthaft auseinandergesetzt. Ich bin kein Städteplaner und auch nicht sozial oder politisch aktiv. Ich nutze die Architektur nur als Inspirationsquelle. Wenn’s nach mir ginge, sollte man das komplette IZ einfach mattschwarz oder flamingorosa streichen, dann wäre es wenigstens mal rein äußerlich attraktiv 😉 Man müsste dahin kommen, dass Hannover das IZ nicht verstecken will, sondern stolz drauf sein kann. Dazu bräuchte das IZ am besten einen ganz neuen Namen bzw. eine neue Identität, die man liebhaben kann. Da müssen große Augen drangemalt werden 😉

Jan Heidemann

Jan Heidemann macht seit 25 Jahren Graffiti, seit 15 Jahren Grafik-Design und fühlt sich genausolange in Hannover (Linden) zuhause.
Er arbeitet als Art Direktor beim t3n Magazin aus Hannover und als Freiberufler für eigene Kunden.
Die Sprühdosen werden gerade wieder entrostet nach längerer Kreativ-Pause.

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