Juni 2016 – Die ArchitekturZeit im Ihme-Zentrum

von Experiment Ihme-Zentrum

Der Himmel über dem Quartier

Vom 23. bis 25. Juni wird das Ihme-Zentrum zum Festivalort. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) in Niedersachsen hat drei Tage lang Aktionen, Informationsveranstaltungen und Kultur auf einer temporären Bühne geplant. Der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum unterstützt die Veranstaltung. Im Gespräch erklärt der BDA Vorsitzende Harald Kiefer, was genau die Architekten vorhaben und warum das Ihme-Zentrum so spannend ist.

Lieber Herr Kiefer, was ist die ArchitekturZeit?
Die ArchitekturZeit ist für uns Architekten die Möglichkeit, gebündelt an ein paar Tagen zu zeigen, was die Architektur kann und mit welchen Themen wir uns beschäftigen. Für uns ist das wie bei der Biennale in Venedig: Man tauscht sich aus, kommt in Kontakt mit der Öffentlichkeit und beschäftigt sich mit Architektur.
Die erste Ausgabe gab es 2007, als wir den damaligen Tunnel unter dem Friedrichswall bespielt haben. Wir haben uns dabei von der Architekturwoche in München und Köln inspirieren lassen und vom Architektursommer in Hamburg. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg, und seitdem macht der Bund Deutscher Architekten (BDA) die ArchitekturZeit gemeinsam mit der Architektenkammer, die das Ganze koordiniert.
Wir beteiligen uns nur alle drei Jahre, da wir die Organisation ja komplett ehrenamtlich und neben unserer Arbeit machen. Aber in diesem Jahr wollten wir wieder ein wenig mehr machen. Deswegen gehen wir ins Ihme-Zentrum.

Warum ist das Ihme-Zentrum für Sie interessant?
Das Ihme-Zentrum ist ein spannendes Bauwerk, aber das reicht noch nicht. Um das Faszinierende an dem Quartier zu verstehen, muss man darüber nachdenken, was in der Planungsphase der frühen 1960er-Jahre alles passiert ist. Es war die Zeit, als der Mensch zum Mond geflogen ist. Ich selbst saß damals als Kind auf dem Sofa und habe das im Fernsehen angeschaut. Die Gesellschaft als Ganzes war in einer unvergleichlichen Aufbruchsstimmung. Technik per se hat begeistert. Autos, Flugzeuge, alles Technische hat damals fasziniert.
Und so war es auch in der Architektur: Es gab tolle Pläne für komplett neue Städte, und gleichzeitig gab es die Diskussion um die Urbanität durch Dichte. Das hat in Hannover zu Gebäuden geführt wie das Bredero-Hochhaus am Raschplatz, das inzwischen rückgebaute Kröpcke-Hochhaus und eben dem Ihme-Zentrum. Es ist der große Dampfer, der auf der Ihme entlang kam und in Linden angedockt ist.

Copyright: Gerd Runge

So könnte ein neues Wegesystem im und um das Ihme-Zentrum aussehen. Grafik: Gerd Runge

Wie kann Architektur helfen, dass aus diesem stigmatisierten Quartier ein neues Wahrzeichen für Hannover werden kann?
Das Ihme-Zentrum ist ein Zeichen für die Zeit und prototypisch. Es muss gelingen, dass man diese Faszination, die damals existiert hat, ansatzweise in den Menschen hervorzurufen. Dann kann man eine Zukunft des Ihme-Zentrums erreichen. In der Bevölkerung braucht es wieder ein positives Bewusstsein für das Quartier. Als BDA wollen wir da mit dazu beitragen, dass es wieder eine positive Auseinandersetzung mit dem Quartier gibt.

Welche Vision haben Sie für das Ihme-Zentrum 2030?
Ich selbst habe keine konkrete Idee, da sind eher die gefragt, die dort Eigentum haben. Deshalb finde ich es persönlich sehr schade, dass der Vertreter des Großeigentümers Intown unsere Einladung bislang nicht angenommen hat. Wir haben dem Eigentümer sogar einen persönlichen Brief geschrieben. Wenn es so eine große Veranstaltung dort gibt, fände ich es schön, wenn der Eigentümer dort seine Vision vorstellt. Und er wäre ja in guter Gesellschaft: Schließlich hat der Oberbürgermeister Stefan Schostok für die Eröffnung und die Podiumsdiskussion zugesagt. Und das ist doch beachtlich!

Geometrie

Das Programm
Eröffnet wird das Ganze am Donnerstag um 19 Uhr vom Landesvorsitzenden des BDA Niedersachsen, Harald Kiefer, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Stefan Schostok sowie dem Verwalter des Ihme-Zentrums, Torsten Jaskulski.
Ab 19.30 Uhr gibt es einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Quartiers durch den Architekten und 2. Vorsitzenden des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Gerd Runge.
Um 20 Uhr wird es ein vom HAZ-Redakteur Conrad von Meding moderiertes Podiumsgespräch mit den Zeitzeugen Hand Dieter Keyl, einer der Architekten des Quartiers, Prof. Ekkehard Bollmann sowie dem Bauhistoriker Sid Auffarth geben.
Der Abend endet um 21 Uhr mit dem Amalia-Streichquartett.

Am Freitag werden ab 17 Uhr Studien für das Ihme-Zentrum gezeigt: Die Architekten Frank Eittorf, Felix Henri Rebers, Moritz Othmer und Gerd Runge zeigen ihre Entwürfe für eine alternative Entwicklung.
Um 17.45 Uhr präsentiert Constantin Alexander sein Projekt „Ihme-Zentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“.
Um 18.30 Uhr zeigt das „Labor“ im Kreativquartier München der Gruppe teleinternetcafe die Arbeit „Ein entschleunigtes Stück Stadt“.
Um 19.15 Uhr hält die Architektin und Bauhistorikerin Dr. Karen Beckmann ihren Vortrag „Urbanität durch Dichte“.
Um 20 Uhr stellt Prof. Dr. Herbert Schubert von der Hochschule Köln einen Vortrag zum Thema „Soziale Sicherheit in hochverdichteten Gebäudekomplexen“.
Der Abend endet um 21 Uhr mit Musik der Band Stray Mood.

Der Samstag startet um 15 Uhr mit einer Übertragung des Achtefinales der Fußball-Europameisterschaft, sollte die deutsche Nationalmannschaft beteiligt sein.
Parallel gibt es (Wohnungs-)Besichtigungen und Rundgänge durchs Quartier. Bitte unter http://www.bda-niedersachsen.de anmelden!Um 19.15 Uhr stellen Filmemacher und Medienwissenschaftler Hendrik Millauer und Constantin Alexander einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Film „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ vor.
Ab 19.30 Uhr gibt es dann eine vom HAZ-Redakteur Jan Egge Sedelies modierte Podiumsdiskussion zu möglichen Zukunftszenaruen des Quartiers. Eingeladen sind Stefan Schostok, Oberbürgermeister Landeshauptstadt, Torsten Jaskulski, Verwalter des Ihme-Zentrums und Constantin Alexander als 1. Vorsitzender des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.
Als Abschluss der ArchitekturZeit spielt ab 21 Uhr das Orchester im Treppenhaus.

Bund Deutscher Architekten

Der Bund Deutscher Architekten BDA in Niedersachsen ist eine Vereinigung freiberuflich tätiger Architekten.

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