Juni 2016 – „Wir fordern eine vorbereitende Untersuchung“

von Experiment Ihme-Zentrum

Der Himmel über dem Quartier

Die Überlegung der Landeshauptstadt Hannover, das Ihme-Zentrum abzureißen, führt zu Angst und Wut bei den Bewohnern. Angesichts der Situation fordert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum vom Stadtrat die Abstimmung für eine vorbereitende Untersuchung. Dies käme einer Inventur aller Missstände gleich. Doch auch der  Großeigentümer Intown sollte endlich Pläne für die Revitalisierung des Quartiers vorzeigen. Ein Überblick über die aktuelle Situation.

Seit einigen Tagen fühlt sich das Leben im Ihme-Zentrum an, als sei eine Bombe explodiert. Anfang Juni hat die Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover dem Großeigentümer im Ihme-Zentrum, dem Unternehmen Intown, eine Frist gesetzt, bis wann dieser ein Konzept für die Sanierung abgeben muss. Andernfalls sucht sich die Stadt für die rund 1.000 Beschäftigten, die in verschiedenen Fachbereichen im Ihme-Zentrum arbeiten, neue Büroräume. Am Donnerstag, 9. Juni, ist dazu um 13.30 Uhr eine Sitzung des Stadtrats und des zuständigen Bezirksrats Linden-Limmer geplant. Das Ganze findet im Rathaus statt. Hier alle Infos.

Das ehemalige Einkaufszentrum

Zusammen mit der Frist-Ankündigung wurde außerdem alle Details zu den Mietverhandlungen der Stadt öffentlich zugänglich gemacht. Auch das schlimmste Szenario kommt da vor: der Arbiss des Quartiers. Auch wenn diese Alternative höchst unwahrscheinlich ist, wie ich hier schon aufgeführt habe: Die Menschen im Ihme-Zentrum haben Angst. Mehrmals am Tag unterhalte ich mich mit Nachbarn, die entweder geschockt sind oder wütend. Die nicht hinnehmen wollen, dass ihre Heimat abgerissen werden könnte und die nicht verstehen, warum der Eigentümer hier seit anderthalb Jahren nichts macht, außer altes Mobiliar aus einem anderen Haus „zwischenlagert“.

Sie haben Verständnis für die Stadt, die als Mieterin und Arbeitgeberin die unhaltbaren Zustände in den Bürobereichen nicht mehr tragen kann und will. Aber sie fühlen sich allein gelassen. „Unsere Wohnungen sind auf einmal wertlos geworden“, erzählt eine langjährige Bewohnerin. Ein anderer: „Die Politik darf uns doch nicht im Stich lassen, hier leben Tausende Menschen.“ Viele machen in ihrer Wut den Großeigentümer Intown verantwortlich, der rund 83 Prozent des Viertels besitzt und seit dem Kauf im Februar 2015 kein Konzept für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums vorgelegt hat.

Wasser

Unterdessen fordert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum in einem offiziellen Statement vom 8. Juni eine vorbereitende Untersuchung: „Der Verein sieht die Entscheidung des Oberbürgermeisters, nach alternativen Standorten zu suchen als richtig und fordert vom Großeigentümer die kurzfristige Vorlage eines realistischen Sanierungskonzeptes. Gleichzeitig muss sich die Landeshauptstadt Hannover ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein: Ein Abriss des Ihme-Zentrums ist keine Alternative. Um die infrastrukturellen und juristischen Probleme im Quartier zu lösen, fordert der Verein eine formelle, vorbereitende Untersuchung, die im Stadtrat beschlossen werden muss.

Wir wünschen uns von den Mitgliedern im Stadtrat eine Entscheidung FÜR die im Städtebaurecht verankerte, sogenannte vorbereitende Untersuchung im Ihme-Zentrum. Dies kommt einer Inventur aller Missstände im Quartier gleich – sowohl auf der baulichen und technischen Ebene als auch bei den schwierigen Eigentumsverhältnissen.

Gleichzeitig fordern wir den Großeigentümer auf, endlich seine Planung mit konkreten Zeitschritten für die Sanierung des Gebäudebestandes vorzulegen, damit sowohl die Stadt als Mieterin, als auch die mehr als 2.500 Bewohner Klarheit über ihre Zukunft bekommen“, schreiben die beiden Mitglieder des Vereins, Karin Kellner und Gerd Runge.

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum fordert vorbereitende Untersuchung

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