März 2016 – So könnte der Verkehr rund ums Ihme-Zentrum aussehen

von Experiment Ihme-Zentrum

Copyright: Gerd Runge

Die Idee von Gerd Runge: Der Küchengarten wird ein grüner Weg bis zum Ihme-Ufer. Grafik: Gerd Runge

Der hannoversche Architekt Gerd Runge beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Ihme-Zentrums und einer möglichen Integration des Quartiers in den umliegenden Stadtteil Linden. Doch er ist sich sicher: Alle Probleme sind technisch lösbar, damit das Burghafte des Ihme-Zentrum aufgelöst werden kann. Als Vertreter des Bundes Deutscher Architekten (BDA) trägt er bei der Anhörung des Bezirksrates Linden-Limmer am Mittwoch, 9. März, seine Ideen vor. Im Interview erklärt er, wie die Transformation auf infrastrukturelle Seite gelingen kann.

Seit Jahren beschäftigst du dich schon als Architekt mit der fehlenden Integration des Ihme-Zentrums in das ansonsten sehr lebendige Stadtviertel Linden. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen?
Das Erdgeschoss des Ihme-Zentrums ist eine unansehnliche Tiefgarage. Entlang der Spinnereistraße und der Blumenauerstraße fehlt eine ordentlichen Fassade mit Fenstern und Eingängen. Der Tunnel für Fußgänger und Radfahrer zwischen Gartenallee und Ida-Arenhold-Bürkc unübersichtlich und dunkel. Der dunkle Sockel des Ihme-Zentrums trennt den Stadtteil vom Ihme-Ufer. Zwischen lebendiger Limmerstraße und Küchengarten schiebt sich eine dysfunktionalen und überdimensionierten Verkehrsfläche als Barriere. Zwischen Bus- und Bahnhaltestellen müssen die Fahrgäste Ampeln mit bis zu elf Ampelphasen überwinden. Und zum Schluss: der Ihme-Uferweg ist nicht barrierefrei: An der Spinnereistraßenbrücke und am Capitol endet die Durchwegung.

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Bislang verläuft der Verkehr auf der Spinnereistraße so. Fußgänger brauchen elf Ampelphasen, um von der Limmerstraße zum Ihme-Zentrum zu gelangen. Grafik: Gerd Runge

Das sind viele Punkte. Gibt es denn technische Möglichkeiten, diese Herausförderungen zu lösen?
Ja, wenn man das Ganze ganzheitlich betrachtet und ein neues Gesamtkonzept entwickelt. Zusammen mit weiteren Vertretern des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) haben wir folgende Punkte zusammengefasst:
1. neue Rad- und Fußwegverbindung von Linden an die Ihme als Passage – verlängert als Fuß- und Radwegeverbindung zum Goethekreisel und Steintor.
2. öffentliche Fuß- und Radwegeverbindung an der Ihme – mit Unterquerung der Spinnereibrücke und der Benno-Ohnesorg-Brücke und Rampen an die Ida-Arenhold-Brücke.
3. Erdgeschosszone an Blumenauer Straße und Spinnereistraße mit Fassaden von gewerblicher, kultureller Nutzung mit ablesbarer Adressbildung durch markierte Eingänge.

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So könnte der Verkehr aussehen: Straßenbahnen, Busse und Autos würden neu geordnet, sodass sie sich nicht mehr stören. Auch die Fußgänger würden profitieren. Grafik: Gerd Runge

Deine Pläne sehen die Verkehrssituation am Ihme-Zentrum jedoch auch im Kontext mit seiner Umgebung. Was gehört aus deiner Sicht noch für eine weitere Integration des Quartiers dazu?
Der Verkehr in dem Gebiet wurde in den 1960er-Jahren geplant und entspricht nicht mehr der Realität. Als BDA und SRL empfehlen wir deshalb folgendes:
1. Den Rückbau der Einmündung der Elisenstraße parallel zum Heizkraftwerk, gemäß der Blockstruktur von Linden-Nord mit direkter Einmündung in die Spinnereistraße.
2. Die Entflechtung von privatem und öffentlichem Verkehr, Unterbringung des Hochbahnsteigs als Bindeglied zwischen Linden-Nord und Ihme-Zentrum sowie die Zusammenfassung aller Bus- und Stadtbahnhaltestellen
3. Die Trennung des Fuß- und Radwegeverkehrs Linden-Mitte – Limmerstraße von den Abbiege-Ampelschaltungen Blumenauer Str. / Fössestr.
4. Den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses mit ca. 100 Wohnungen und Gewerbeflächen auf dem städtischen Grundstück, das durch die Verbesserung des Verkehrskonzeptes frei würde.

Das sind viele Punkte. Hältst du das für realistisch?
Ja. Die Krise des Ihme-Zentrums ist ja eine Chance, ein paar der versäumten Planungen nachzuholen. Das Ihme-Zentrum und die gesamte Stadt würden von so einer Neuordnung profitieren.

Gerd Runge

Der hannoversche Architekt Gerd Runge

Am Mittwoch, 9. März, ist eine Anhörung zum Ihme-Zentrum im Bezirksrat Linden-Limmer. Neben Gerd Runge sind außerdem noch Torsten Jaskulski (Verwalter des Ihme-Zentrums), Jürgen Oppermann, Vertreter der Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum sowie Constantin Alexander eingeladen. Das Ganze beginnt um 19 Uhr im Freizeitheim Linden und ist öffentlich.

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