Dezember 2015 – Der perfekte Spielort

von Experiment Ihme-Zentrum

Traum

Immer wieder bitten mich Künstler, ihnen das Ihme-Zentrum zu zeigen. Anscheinend fällt es kreativen Menschen einfacher, das Potenzial des Quartiers sofort zu sehen. Im Herbst durfte ich einmal Mitgliedern des fantastischen Orchesters im Treppenhaus zeigen, wo in wenigen Jahren Proberäume oder sogar ein Konzertsaal entstehen könnten. Die Musiker waren begeistert. Im Interview erklärt einer von ihnen – Simon Kluth –, was er sich für das Ihme-Zentrum vorstellen könnte.

Ich habe dir und Teilen des Orchesters im Treppenhaus das Ihme-Zentrum bei einem Rundgang gezeigt. Wie hat das Gebäude auf dich gewirkt?
Das Ihme-Zentrum wirkte für mich anfangs nicht sehr einladend. Tatsächlich war es für mich der allererste Besuch des Ihme-Zentrums überhaupt! Es gab vorher einfach nie eine Gelegenheit oder einen Anlass, in das Gebäude zu gehen. Das Ihme-Zentrum wirkt wie ein hermetisch abgeriegeltes Baukonstrukt, von dem mal als Außenstehender nur mutmaßen kann, was innerhalb des Gebäudes vor sich geht. Es ist erstaunlich, wie viel in diesem Gebäude verfallen oder unfertig daliegt, obwohl doch jede Wohnung im Ihme-Zentrum bewohnt ist und der Lebensraum so vieler Menschen ist! Allem voran der erste Stock, welcher als Einkaufszentrum gedacht war. Fast unvorstellbar, dass hier noch bis vor ein paar Jahren diverse Geschäfte beherbergt wurden.

Leere.

Viel Platz für Kultur: Hier könnten Proberäume, Ateliers, Werkstätten und vieles mehr entstehen.

Hat das Ihme-Zentrum aus deiner Sicht als Musiker Potenzial?
Das Ihme-Zentrum als Ort kultureller Einrichtungen und Spielort von Kunst und Kultur ist perfekt. Es ist diese interessante Divergenz zwischen, ich sage mal vorsichtig, Ruine und Lebensraum vieler Menschen. Mein Schaffen als Musiker ist besonders von dem unkonventionellen Aufführen von Musik geprägt. Sei es nun im Ausdenken neuer Formate oder dem Entdecken und Bespielen neuer Spielorte. Das Ihme-Zentrum ist in dieser Hinsicht eine ideale Spielwiese. Mittel- und langfristig gesehen hat man aber zudem mit dem Ihme-Zentrum die Chance, die kulturelle Landschaft nicht nur dieses Gebäudes, sondern ganz Hannovers zu prägen. Das, was Städte wie Berlin auszeichnet und attraktiv macht, hat man hier in Hannover quasi vor der Haustür.

Was wäre dein Traum, dort zu realisieren – ein konzertsaal oder Proberäume zum Beispiel?
Die Einrichtung eines ständigen Proberaumes für das Orchester im Treppenhaus wäre fantastisch. Wir sind schon lange auf der Suche danach. Das Ihme-Zentrum liegt zentral in Hannover und ist gut erreichbar. Es bietet viel Platz und inspiriert zu neuen Ideen. Für uns als entdeckungsfreudiges und unkonventionelles Kammerorchester einfach perfekt!

Foto: Philipp Loeper

Foto: Philipp Loeper

Simon Kluth, 1986 in Hamburg geboren, studierte Musik mit Hauptfach Violine in Detmold, Hannover und Paris. Simon ist Erfinder und Moderator des Komponistenwettstreits Composer Slam, den er in verschiedenen Städten in ganz Deutschland organisiert. Zusammen mit dem MusikZentrum Hannover wurde er mit dem Förderpreis Musikvermittlung 2015 des Musikland Niedersachsen ausgezeichnet und für den internationalen JUNGE OHREN PREIS 2015 nominiert. Simon ist Mitglied im Orchester im Treppenhaus sowie im Kammerorchester Hamburger Camerata. Mit seinem SonARTrio, ein Ensemble für Neue Musik, wurde er Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbes 2013. Simons Zuhause ist die Bühne, ob Konzertsaal, Club oder Bar. Regelmäßige Auftritte hat er ebenfalls mit der Band Milou&Flint. Durch sein breitgefächertes Interesse spielt Simon mit Künstlern unterschiedlichster Genres zusammen.

Interesse am Ihme-Zentrum? Der nächste kommentierte Spaziergang durch das Quartiert ist am Sonntag, 17. Januar. Das Ganze dauert etwa anderthalb Stunden und ist kostenlos. Anmeldungen unter wirtschaftsuchtbilder(at)gmx(punkt)de.

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