September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird zur Kulisse eines Lichtspielfestivals

von Experiment Ihme-Zentrum

Foto: Katharina Geber

Die Kunst wertet das Ihme-Zentrum auf. Beim Ihme Vision Festival am 18. und 19. September zeigt ein Team aus Kreativen, wie schön das Gebäude und der angrenzende Park bespielt werden können. Im Gespräch erklärt der Künstler und Mitorganisator Franz Betz, welches Potenzial er für das Gebäude sieht und was seinen Charme ausmacht.

Was habt ihr vor beim Open Light Festival oder auch Ihme Vision?

Das Open Light Festival ist in diesem Jahr zunächst Pilot für die anvisierten Festivals in den nächsten Jahren. Wir, das heisst das kreative Veranstaltungsteam mit Iyabo Kaczmarek, Esther-Marie Kröger, Jörg Strohmann und mir habem die Ihme Vision in drei Bereiche unterteilt. Das ist einmal die Visuelle Bespielung der Fassaden des Ihme-Zentrums mit Projektions-Mapping und Architektur-Anleuchtung. Zum Zweiten ein Kurzfilmprogramm für die beiden Abende, und zum Dritten Pop-Up-Architektur für ein frisches gastronomische Angebot. Unterstützt werden wir von vielen Kreativen Hannovers.

Wichtig war uns auch, junge Filmer und Filmerinnen aus Hannover zu motivieren. Mit „Deine Vision in 60 Sekunden“ suchen wir filmisch neuen Blicke und werden zehn Einreichungen beim Festival zeigen.

Foto: Katharina Geber

Wie kommt ihr auf den Ort?

Jörg Strohmann aus dem Kreativteam radelt fast jeden Abend durch den Ihmepark am Ihmezentrum vorbei. Durch die Neugestaltung des Ihmeufers ist der Blick aufs Ihme-Zentrum ein ganz neuer geworden; sozusagen einer der wenigen urbanen Orte in Hannover, vergleichbar mit dem Central Park in New York. Diesem Impuls folgend hat er uns drei, die schon lang und länger im angrenzenden Capitolhochhaus arbeiten, von der Idee eines Festivals nicht lange überzeugen müssen. So haben wir unsere verschieden kreativen Talente aus Architektur, Veranstaltungen, Film und Licht in einem Projekt eingebracht und dafür öffentliche und private Förderer gefunden.

Wie würdest du das Ihme-Zentrum jemanden beschreiben, der es nicht kennt?

Das Ihme-Zentrum ist aus der Utopie entstanden, den Verkehr unter sich zu lassen und quasi wie in Wolken schwebend zu leben. Leider hat die Realität aus Beton und Investment den Sprung ins 21. Jahrhundert nicht geschafft. Sanierungen und Umgestaltungen sind für diese Bauten, die es in vielen anderen Großstädten ebenfalls gibt, aufwendig und nur mit hohem Aufwand wie z.B. dem Boros Bunker in Berlin zu schaffen. Diese Möglichkeiten standen für das Ihme-Zentrum nicht zur Verfügung, sodass mehrere Investoren gescheitert sind. Wie sich solche Gebäudekomplexe besonders in den Gewerbeflächen dauerhaft nutzen lassen, ist unklar.

Foto: Katharina Geber

Welches Potenzial siehst du in dem Gebäude?

Zunächst ein kreatives. Solche Gebäude verfallen nicht so einfach, wie die Industriearchitektur der Jahrhundertwende aus Ziegeln und Gusseisen. Also müssen wir schauen, wie sich solche Strukturen in eine Stadtlandschaft positiv integrieren lassen und dies zunächst ohne kommerzielles Interesse des Einzelhandels. Wie Licht und Grün besonders in die unteren Etagen wieder einziehen kann. Welche Nutzungen sich auf Dauer dort etablieren lassen. Ein geschützer Ort für zum Beispiel Veranstaltungen, Konzerte, Open-Air-Ateliers, und eben Licht-Festivals.

Foto: Claudia Below

Franz Betz ist Künstler.

Advertisements