September 2015 – Das Ihme-Zentrum wird zur Kunstausstellung

von Experiment Ihme-Zentrum

Olga Guseva: Video-Still

Olga Guseva: Video-Still

Am 5. September lädt die Kunsthalle Faust zu einer Kunst-Aktion auf dem Faust-Gelände und im Ihme-Zentrum: Boondocks II soll die urbane Wildnis ins richtige Licht rücken und Raum für freie Gedanken geben. Kurator Harro Schmidt im Gespräch über die Kraft von Kunst in den Ruinen und warum das Ihme-Zentrum aus seiner Sicht unterschätzt wird.

Ihr organisiert eine Kunst-Aktion im Ihme-Zentrum. Wie kommt das?
BOONDOCKS II HANOVER verfolgt und vertieft die Thematik urbaner Wildnis in einem internationalen Multimediaprojekt und kann dabei auf Erfahrungen von BOONDOCKS I zurückgreifen, ein internationales Kunstprojekt, das 2009 erstmals im öffentlichen Raum der Stadt Hannover entlang der Leine, in der Städtischen Galerie Kubus und in der Kunsthalle Faust realisiert wurde.

Andrea Hilger: Hilluminations 2

Was habt ihr genau vor?
Mittels performativer, partizipativer und projektiver Strategien untersucht BOONDOCKS II HANOVER urbane Umbrüche, Ausbreitungs- und Rückzugsphänomene im urbanen und architektonischen Raum. Das Ihme-Zentrum – die zum Spekulationsobjekt verfallene Zukunftsvision der 70er-Jahre – soll als besondere Projektionsfläche für künstlerische Interventionen im Niemandsland zwischen Öffentlichem und Privatem dienen. Insbesondere ehemals intakte Gewerbeflächen sind jetzt „unkultiviertes oder verlassenes Hinterland“, die Boondocks von Hannover.

Die temporäre Aneignung und Umwidmung dieser urbanen Wildnis eröffnet durch künstlerische Reflexion der vorgefundenen Architektur mittels Licht- und Videoprojektionen, Installationen und durch partizipative Projekte neue, mitunter visionäre Perspektiven. Die partizipative Einbeziehung von Bewohnern und Nutzern des Ihme-Zentrums versteht sich als Angebot zur Teilhabe und Mitgestaltung.

Die Kunsthalle Faust bildet mit internationaler Videokunst unter dem Titel „My Landscape is Your Landscape“ (Zusammenarbeit mit Claus Friede Contemporary Art, Hamburg) und der Installation „Bildmaschine 07“ des Östereichers Clemens Fürtler den Ausgangspunkt eines umfangreichen Kunst-Parcours. Fußläufig leicht zu erschließen, führt der Parcours entlang der Ihme zum Ihme-Zentrum und durch Wegweiser markiert mitten hindurch, flankiert von Medienarbeiten und Installationen, wo er am Küchengarten endet.

Peter Puype: Your Country Ain't Your Blood

Peter Puype: Your Country Ain’t Your Blood

Wo geht es wann los?
Das ganze Programm geht vom Samstag, 5. September, bis Sonntag, 4. Oktober 2015. Alle Details stehen auf unserer Website.

Li Xiaofei: A Packet Of Salt

Li Xiaofei: A Packet Of Salt

Für dich als Kurator und Künstler: Welches Potenzial hat das Ihme-Zentrum für dich?
Für uns Kuratoren, also An Seebach und mich, repräsentiert das Nebeneinander von desparaten Gewerbeflächen (eigentlich öffentlicher Raum) und privatem Rückzugsort ein reizvolles Spannungsfeld für künstlerische Interventionen. Gerade das Unfertige, das zukünftig zu Erwartende oder der mit Patina belegte Charm der 70er-Jahre-Architektur regen Künstler wie Kuratoren an, die vorgefundenen Dinge weiterzudenken, zu kommentieren oder umzudeuten. Potenzial ist sicherlich noch für ein bis zwei Jahre vorhanden, danach ist der prozesshafte Umbruch der „Neubesiedelung“ wohl abgeschlossen.

Ulu Braun: Forst, Video-Still

Ulu Braun: Forst, Video-Still

Könntest du dir vorstellen, dass es im Ihme-Zentrum eine feste Galerie, Ateliers oder Räume für Kunst und Kultur gibt?
Prinzipiell ist das damalige Städtebaukonzept gescheitert, für heutige Nutzer unattraktiv, deshalb ein eingeschränktes Ja. Wenn man in Teilen eine Neugestaltung vornimmt, z.B. Gebäude öffnet, Innenräume höher und größer gestaltet. Heute wirkt alles noch zu gedrungen.

Harro Schmidt, Kurator der Kunsthalle Faust

Harro Schmidt, Kurator der Kunsthalle auf dem Faust-Gelände und Iniator der Aktion.

Hier stehen alle weiteren Informationen zur Kunst-Aktion.

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