Juni 2015 – „Das Ihme-Zentrum wird zum Freizeit-Treffpunkt“

von Experiment Ihme-Zentrum

Leere.

Es gab eine Zeit, da wurden im Ihme-Zentrum Konzerte gespielt, Theater gemacht, Partys gefeiert. Da es in Hannover seit einigen Jahren immer schwieriger wird, Freiraum für Kreatives und Kultur zu finden, bietet sich das Zentrum mit seiner freien Fläche quasi an, bespielt zu werden. Dominique Schrader hat dabei schon eine konrekte Vision, wie der „Klotz“ zum Hotspot werden kann.

Welche Vision hast du für das Ihme-Zentrum?
Ich würde aus dem Gewerbegebiet gerne einen Freizeit-Treffpunkt in Form eines Skateparks machen. Hierzu würden sich dann noch Gastronomie und eine Event-Location anbieten. Das Thema Straßenkultur – also sei es Skaten, Sprayen oder irgendwo mit einem Kaffee rumsitzen und seine Freizeit genießen – wird ja von vielen Menschen immer als Lärmbelästigung und/oder Verschmutzung gesehen – aber es bringt gleichzeitig auch Leben in Stadtteile. Ein Skatepark würde also in vielerlei Hinsicht Probleme lösen: 1) Indem er die Straßenkultur auf einen zentralen Raum fokussiert, der Freiheiten bietet und es niemanden stört. Bislang müssen Skater entweder auf kleinen Plätzen fahren oder weite Wege in Kauf nehmen 2) Wenn der verlassene Gewerbeteil des Ihmezetrums sozial wiederbelebt wird, wird das auch konsequenter Weise die Wirtschaft stärken. 3) Durch eine solche soziale Wiederbelebung ist ein Image-Wandel viel einfacher zu schaffen als mit aufwändigen und teuren Image-Kampagnen.
Für den Skatepark an sich denke ich speziell an die alte Fläche von Saturn-Hansa – quasi über mehrere Stockwerke verteilt. So etwas gab es meines Wissens nach noch nicht und wäre eine echte Innovation.

Sonne.

Hast du in anderen Städten erlebt, dass eine Umnutzung funktioniert?
Ich habe nach meinem Studium erst in London und dann in Hamburg gelebt und habe in beiden Städten gesehen, dass eine kreative Nutzung von alten Flächen wahre Wunder bewirken kann. In London denke ich da als erstes immer an die Tate-Modern-Gallery, die ein altes Kraftwerk direkt an der Themse war – Architektonisch ein echter Klotz, der viel Sonne nimmt und in einem unansehnlichen Ocker erscheint. Aber dadurch, dass eine der besten Kunstgalerien Europas darin steckt, lebt dieser Klotz, zieht jede Menge Künstler und Interessierte an und wirkt als ein echter Treffpunkt. In Hamburg fällt mir sofort der Bunker am Millerntor ein:  Der dunkelgraue Klotz ist eigentlich ein echter Schandfleck. Aber dadurch, dass unten ein echt guter Musikladen und oben mit dem Uebel & Gefährlich einer der besten Live-Klubs der Stadt ist, lebt auch dieses Gebäude und wird mit positiven Emotionen in Verbindung gebracht. So etwas will ich für Hannover auch.

Licht

Warum denkst du, dass Hannover so ein Freizeit- und Sportzentrum gebrauchen kann?
Wie ich oben schon kurz erwähnt habe, gibt es in Hannover nicht gerade viele Optionen für Skater – in der Region Hannover schon gar nicht. Ich bin in einem Vorort groß geworden, wo verärgerte Anwohner uns Sonntags vom Skateplatz gescheucht hatten, weil sie ihre Ruhe wollten. Dabei haben wir noch nicht mal Musik gehört. Die Konsequenz ist, dass du irgendwann keinen Bock mehr auf Skaten hast. Außerdem: Wenn es regnet, ist das Thema sowieso gegessen. Wer einmal auf einer nassen Rampe stand, weiß, wie gefährlich das sein kann.
Momentan gibt es neben dem 2er-Skateplatz auch noch die Yard-Skatehall, die den Skatern ein Dach überm Kopf bietet. Die ist in Empelde. Das ist für viele „nicht mal eben hin“, sondern eine echt weite Reise, welche mit dem Ihme-Zentrum deutlich verkürzt würde. Dabei darf man nicht vergessen, dass neben Skateboarden ja auch noch Inline-Fahrer und BMXler einen Anspruch auf eine solche Halle hätten.
Außerdem gibt es Eltern die Möglichkeit, dass ihre Kinder den Sport unter Aufsicht lernen und sich so einfach sicherer fühlen als irgendwo in der Pampa über eine selbstgebaute Rampe zu springen.
Was Sprayer angeht: Wenn man diesen die Möglichkeit gibt, sich kreativ auszuleben, kommen dabei meist bessere Kunstwerke raus, als wenn diese Menschen von der Polizei gejagt werden. Man kann ja gerade auch am Klagesmarkt bewundern, wie cool Sprayen aussehen kann – von der Bahnstation Sedanstraße ganz zu schweigen.

So wie du das planst wird das ja auch Menschen von außen anlocken. Hat das Ihme-Zentrum für dich touristisches Potenzial?
Auf jeden fall! Wenn man sich vorstellt, dass man eine riesige Skatehalle über mehrere Etagen hat, die gleichzeitig noch Kulturzentrum ist, wo abends von Tanzveranstaltungen bis zu Konzerten viel stattfinden kann – warum sollte sowas keine Leute anlocken? Man sieht ja auch immer wieder, wie viele Menschen auf einmal zusammenkommen, wenn Profis anreisen und an einem Contest teilnehmen (beispielsweise die X-Games oder die Simple-Sessions von Red Bull). Warum kann denn sowas nicht in Hannover stattfinden – mitten in der Stadt?

Dominique Schrader

Dominique Schrader

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