April 2015 – „Das Zentrum muss zum Campus werden“

von Experiment Ihme-Zentrum

Copyright: Linda Iglesias Navarro und Elsa Berger

Das Ihme-Zentrum als Campus? Auf den Plänen von Linda Iglesias Navarro und Elsa Berger sieht die Idee schon sehr realistisch aus.

 

Das Ihme-Zentrum muss zum Uni-Campus werden. Die beiden Innenarchitektinnen Elsa Berger und Linda Iglesias Navarro haben in ihrer Abschlussarbeit untersucht, wie realistisch der Umzug der Hochschule Hannover ins Ihme-Zentrum ist. Das Ergebnis wäre ein Traum, nicht nur für Studierende.

Wie kamt ihr darauf, eure Bachelor-Arbeit über das Ihme-Zentrum zu machen?
Als wir vor viereinhalb Jahren für unser Innenarchitekturstudium nach Hannover zogen, hatten wir beide noch keine Ahnung, dass es das Ihme-Zentrum überhaupt gibt. Erst nach einigen Monaten ist es uns mit seinem massiven und kolossalen Erscheinungsbild aufgefallen. Nach und nach wurde es immer mehr zum ständigen Begleiter und Thema: „Was war da?“ oder „Was ist da?“
„Wieso nimmt sich diesem Gebäude eigentlich keiner an?“
Wir hörten immer mehr Geschichten über fertige U-Bahnstationen, geheime Partys, Junkies und Prostitution, und das Zentrum ließ neben einer gewissen Abscheu auch das Interesse wachsen.
Diese konträre Haltung ist ein wichtiger Punkt bei unserem Entschluss gewesen. Denn eine konträre und durchaus auch negative Meinung zu einem Thema ist – wie uns die Erfahrung lehrte – meist fruchtbarer und intensiver als eine positive oder neutrale Meinung. So wurde aus unseren anfänglichen Hirngespinsten ein ernstes Thema, das uns all die Studienjahre verfolgte und uns keine Ruhe ließ.
„Da kann man doch was draus machen!“
„Dieses Ihme-Zentrum hat Potenzial.“
„Man muss nicht alles, was alt und augenscheinlich hässlich ist, abreißen und vergessen. Man kann es doch nutzen und die Geschichte spürbar machen.“
„Mann, stell dir vor – unsere Hochschule im Ihme-Zentrum. Mitten in Linden! Wäre das nicht eine Idee?“

Der Campus

Auf den Entwürfen gut zu sehen: In Kuben wird gelernt oder auch mal Pause gemacht. Die Flure eignen sich für den Austausch.

 

Wie seid ihr bei eurer Untersuchung vorgegangen?
Zunächst haben wir versucht, das Gebäude zu begreifen. Dazu gehörte neben der Ortsbegehung auch das Sichten der Pläne. Diese bekamen wir vom Verwalter Jaskulski zur Verfügung gestellt, neben vielen Informationen zu Verwaltungsstrukturen und Hintergründen. Eine ausgiebige Recherche sollte das Fundament unserer Entwurfsarbeit sein und uns natürlich in erster Linie darüber aufklären, weshalb das Ihme-Zentrum als Einkaufszentrum gescheitert ist und was in dem Gebäudekomplex die architektonischen Probleme darstellt.
In der Entwurfsarbeit konzentrierten wir uns in erster Linie auf die leerstehenden Flächen und vor allem auf die Straßenebene. Primäres Ziel war es, die Zugänglichkeit zu erleichtern und öffentliche Aufenthaltszonen zu schaffen, die für Hochschule und Bürger gleichermaßen dienlich sind. Die Hochschulräume sollten so konzipiert sein, dass sie den Studierenden eine vielfältige und individuelle Arbeitsweise ermöglichen und einen starken Außenbezug haben.

Der Campus

Bislang müssen die Studierenden noch raus zum Expo-Gelände fahren. Im Ihme-Zentrum könnten sie mitten in der Stadt lernen.

 

Wie realistisch ist es, die Hochschule ins Ihme-Zentrum zu verlegen?
Das Ihme-Zentrum verfügt aufgrund seiner Lage über eine sehr gute Infrastruktur sowie über eine schnelle Verbindung innerhalb der Stadt und würde somit einen idealen Standort bieten. Die Leibniz Universität, Bibliotheken und Mensen sind nicht weit entfernt, wodurch ebenfalls ein Austausch zwischen weiteren Studierenden stattfinden könnte.
Von der Größe des Gebäudes her wäre es durchaus möglich, Teile der Hochschule Hannover in das Ihme-Zentrum zu verlegen und somit einen attraktiven Campus für die Studenten zu schaffen, der auch Anwohnern und Interessierten offen stünde. Damit diese Idee eines Tages Realität wird, müssen wir allerdings noch mehr Menschen von unserem Konzept begeistern und einen geeigneten Investor finden.

Der Campus

Transparent: Die Aufenthaltsräume sollen nicht nur für Studierende sein, sondern auch für die Anwohner und Interessierte.

 

Hat sich eure Meinung zum Ihme-Zentrum geändert, nachdem ihr euch so lange damit beschäftigt habt?
Mit der Zeit haben wir immer mehr Potenzial in dem Gebäude gesehen. Bei jeder Besichtigung kamen uns neue Ideen, und wir entdeckten weitere interessante Stellen, die man bearbeiten könnte. Der große unübersichtliche Bau verschmolz immer mehr mit unserem Konzept, und unsere Vision wurde immer konkreter.
Für viele ist das Ihme-Zentrum ein nutzloser Schandfleck, für uns ist es jedoch ein Ort, der Geschichten erzählt und der mit der richtigen Idee zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt werden könnte – und zwar im positiven Sinne.

Linda Iglesias-Navarro und Elsa Berger Linda Iglesias Navarro (links) und Elsa Berger sind Innenarchitektinnen

Interesse an einem Rundgang durch das Ihme-Zentrum?

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