März 2015 – „Wir stellen uns nicht in den Weg“

von Experiment Ihme-Zentrum

Sonne

Das Ihme-Zentrum hat ein Image-Problem, sagt Thomas Ganskow. Er ist Bewohner des Zentrums und aktiv in der Bürgerinitiative BLIZ, die sich für das Viertel einsetzt. Aus Erfahrung ist er vorsichtig, was die weitere Entwicklung angeht. Aber er hat Hoffnung.

Hat das Ihme-Zentrum ein Image-Problem?
Auf jeden Fall. Wenn ich beispielsweise in einen Kreis Menschen reinkomme und erzähle, dass ich im Ihme-Zentrum wohne, werde ich immer von oben nach unten gemustert, so nach dem Motto: „Du siehst gar nicht so aus, als ob du das müsstest.“ Die Vorurteile gegen das Zentrum sind leider immer noch sehr lebendig. Dabei ist das Leben hier ruhig, zentral, grün.

So ist das Image-Problem, das ich selbst spüre. Es gibt aber auch das Problem, das der Stadtteil Linden mit dem Ihme-Zentrum hat. Es wurde ja nie richtig angenommen, sondern als Trutzburg angesehen. Es ist ja auch schwer zugänglich und wirkt ablehnend. Und so, wie es seit ein paar Jahren aussieht, haben sich die Vorbehalte verstärkt.

Hätte man diese Ablehnung durch mehr Bürgerbeteiligung auffangen können?
Ich weiß ehrlich nicht, wie das in der Anfangszeit war, also ob man sich einbringen durfte. Aber zu der Zeit passte das auch gar nicht zur Kultur. Da beschränkte sich die Diskussion ja vor allem auf die Politik und die Verwaltung. Ich denke nicht, dass auf die Ideen aus der Bevölkerung groß eingegangen wurde. So etwas darf jetzt aber nicht mehr geschehen. Die Stadtgesellschaft muss mit eingebunden werden.

Glaubst du, dass es neben der infrastrukturellen Aufwertung also auch eine emotionale geben müsste?
Ja. Das Ihme-Zentrum muss seinen Platz in den Herzen der Lindener finden, dann würde eine Wiederbelebung auch sozial und wirtschaftlich funktionieren.

Wie stellst du dir denn eine ideale Wiederbelebung vor?
Ich denke schon, dass im unteren Teil Supermärkte und Läden gut passen würden. Aber nicht der gesamte Bereich. In der bisherigen Ladenebene würde ich mir eine Nutzung durch Gastronomie und Kultur wünschen, auch Indoor-Sport-Angebote könnten dort Platz finden. Es gab vor ein paar Jahren ja schon eine Phase, als die Revitalisierung angedacht wurde, und Künstlern Räume zur Verfügung gestellt wurden. Da kamen Musiker, Maler, Theatermenschen, und die sorgten alle auch für Zulauf. Ich denke schon, dass das Lindener Kulturleben hier einen Platz finden muss, damit das Potenzial des Ihme-Zentrums auch außerhalb Lindens angenommen wird. Denn nur ein Supermarkt reicht für einen Image-Wandel nicht aus, so einen finde ich ja an jeder Ecke.

Was hältst du denn von der Idee, einen Teil des Erdgeschosses luftiger umzubauen, dass der Fluss mehr an den Stadtteil Linden rückt?
Ich halte so etwas für sinnvoll. Und ein solcher Rückbau ist ja statisch nicht schwierig, das Gebäude ist schließlich in Skelettbauweise gebaut worden. Ich würde generell mehr Zugänge schaffen, besonders wenn sich in der ersten Etage etwas ansiedeln soll. Da müsste noch viel passieren. Da reicht es nicht, besondere Angebote zu haben, es muss auch einladend und leicht zugänglich sein.

Was hältst du denn von dem Vorurteil, dass es hier besonders viel Verbrechen gibt?
Das ist ein Gerücht. Es gibt ja beispielsweise eine Kriminalitätsstudie von 2014 für den Bereich Linden-Limmer, in dem klar erkennbar ist, dass im Ihme-Zentrum nicht mehr Kriminalität passiert als im Rest des Stadtteils. Und die hat ja auch meist nichts mit den Bewohnern selbst zu tun. Ich sag dazu immer: Kein Vogel scheißt vor’s eigene Nest. Aber natürlich kann ich verstehen, wenn anderen beim Durchgang durch das Gebäude mulmig wird. Das passiert aber auch in anderen komischen Ecken wie Tunnel oder dunklen Gebieten in dieser Stadt.

Du bist auch Sprecher einer kleinen Eigentümergemeinschaft im Ihmezentrum. Habt ihr schon Kontakt zum neuen Besitzer aufgenommen, der Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks GmbH?
Zumindest haben wir es versucht. Es ist ja gar nicht so einfach, den tatsächlichen Investor zu kontaktieren. Und wir wollten so schnell es geht einen Kontakt herstellen. Dazu haben die Wohnungseigentümer durch den Verwaltungsbeirat des Ihmezentrums ganz klassisch erst einmal einen Brief aufsetzen lassen. Schließlich möchten wir ja wissen, was geplant ist: Was stellt sich der neue Eigentümer vor? Es ist ja auch ein falsches Vorurteil, dass die Eigentümer und Bewohner sich der Modernisierung verweigern. So haben beispielsweise mehr als 90 Prozent einer Änderung der Nutzungsbestimmung zugestimmt, was für uns effektiv weniger Rechte und mehr finanzielle Beteiligung am Unterhalt bedeutet. Wir wollen unseren Teil beitragen und stellen uns nicht in den Weg. Das ist ja unsere Heimat.

Thomas Ganskow

Thomas Ganskow ist Vertreter der BLIZ – einer Gruppe von rund
100 Eigentümern und Freunden des Ihme-Zentrums.

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