Februar 2015 – „Das bräuchte ein Konzept und Mut“

von Experiment Ihme-Zentrum

Reihenhaus vor Hochhaus

Nils Wintering hat jahrelang im Ihme-Zentrum gewohnt und ist auch heute noch Fan. Hier erzählt er, warum er trotzdem ausgezogen ist, welche Chancen er sieht für den Klotz und warum die Kultur die Rettung sein könnte.

Nils, warum bist du damals ins Ihme-Zentrum gezogen?
Ich bin 2010 mit meiner damaligen Freundin eingezogen. Die studierte zu der Zeit Architektur und wollte unbedingt darin wohnen. Ich hatte selbst bis dahin nicht so ein großes Verhältnis zum Zentrum – obwohl ich Hannoveraner bin. Am Anfang wollte ich das Leben darin vor allem auch ausprobieren.

Und? Hat es dir gefallen?
Ja, ich war lange Zeit großer Fan und bin es vom Äußeren immer noch. Ich habe insgesamt vier Jahre im elften Stock am Ihmeplatz 1 gewohnt. Das war spannend. Und dank meiner damaligen Freundin konnte ich so auch viel über Architektur lernen und warum das Zentrum einmal so gebaut wurde.

Warum hast du dich dann entschieden, auszuziehen?
Einmal wollte ich nicht mehr jeden Tag meinen Arbeitsplatz, das Theater am Küchengarten vom Fenster aus sehen können. Und dann hat sich die Situation geändert, als ein neuer Hausverwalter kam.

Warum? Was hat sich dadurch für dich verändert?
Als wir eingezogen sind, mussten wir noch Schufa-Einträge und lauter Formulare vorweisen. Doch dann durften – aus meiner Sicht – alle möglichen Menschen einziehen. Auch solche, die, vorsichtig gesagt, schwierig sind. Die Stimmung im Haus ist klar gekippt. Es sind viele Verrückte eingezogen.

Wie siehst du denn generell die Chancen des Zentrums?
Ich sehe da Schwierigkeiten bei der Wiederbelebung. Wenn ein neuer Investor kommen würde, müsste er nicht nur den Klotz sanieren, sondern auch noch gegen den schlechten Ruf ankommen. Was schwieriger ist, weiß ich nicht. Die Stadt aber hat auf jeden Fall einen großen Anteil an der Außenwirkung des Ihme-Zentrums. Und die übernimmt sie nicht. Im Endeffekt sehe ich leider nur einen Weg, der vielleicht radikal wäre, aber bezahlbar: Eine striktere Mieterpolitik und die Einsetzung des Ihme-Zentrum als neues Kunst-Kultur-Zentrum. Jeder, der sich mit Gentrifizierung auskennt, weiß: Ist erst einmal der Künstler da, will der Gutbetuchte da auch irgendwann hin. Aber das bräuchte alles ein Konzept und vor allem Mut.

Nils WinteringNils Wintering kümmert sich um Hannovers Kulturszene, indem er das tolle Theater am Küchengarten leitet.

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