Dezember 2014 – Die Kunst I

von Experiment Ihme-Zentrum

Irgendwann im Jahr 2010 sprühte ein Graffiti-Maler den Spruch „Wäre Graffit legal, wäre das Ihme-Zentrum schön“ an eine der grauen Säulen des Gebäudes. Diese kleine Botschaft sollte eine ganze Reihe von Entwicklungen anstoßen, unter anderem die Ihme Gallery. Ein Street-Art- und Graffiti-Projekt, bei der einerseits das Leitsystem innerhalb des Zentrums modernisiert wurde, andererseits die bunte Farbe verwendet wurde, um die Wände schöner zu machen und die Stimmung aufzuhellen. Ich habe mit Björn Vofrei, dem Initiator und Leiter des damaligen Projekts, gesprochen.

Wie kam es zur Ihmegallery?
Es gab damals einen Artikel, dass sich werdene Mütter nicht mehr in das Amt für Jugend & Familie trauen, weil der Weg dorthin durch die brach liegende Baustelle geht. Daraufhin haben sie die Wege vom Familienmanagement und Hannoverliebe! gefunden, und man war sich einig, dass etwas passieren muss. Ein mit Edding an die Wand geschriebener Spruch „Wäre Graffiti legal, wäre das Ihme Zentrum schön“ war der ausschlaggebende Punk,t ein Graffiti- und Street-Art-Projekt zu starten.

Welche Reaktionen hat das Projekt erzeugt?
Die Reaktionen waren in verschiedene Richtungen überraschend: Die Medien haben durchweg positiv reagiert, und es gab sogar bundesweit Berichterstattungen. In verschiedenen Online-Kanälen wurde viel über das Projekt diskutiert, und die Bürger haben das Projekt auch gut gefunden. Wobei es auch Meinungen gab, das Ihme-Zentrum einfach abzureissen, wäre die bessere Lösung. Von der Stadt war das Feeback ein wenig verhalten, schliesslich haben wir auch auf einen Missstand hingewiesen, und das Thema Graffiti ist nicht positiv besetzt. Da galt es dann Aufklärungsarbeit zu leisten, dass Graffiti nicht pauschal mit Schmiererei gleichgesetzt werden kann, genauso wenig wie man einen Fussballfan pauschal mit einem Hooligan vergleichen kann. Im Nachhinein fanden es dann aber doch viele gut.

Nun, vier Jahre später: Wie geht es weiter?
Ich finde es beachtlich, dass viele Wände noch so gut aussehen. Ich selbst hätte mir gewünscht, dass es eine Art Pflegevertrag gibt oder wir einmal im Jahr eine Art Festival machen könnten um die Wände neu zu gestalten. Da das aber ein erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand wäre, fehlen an der Stelle einfach die Ressourcen und der politischer Wille.

Könnte das Ihme-Zentrum zu einem Kunstprojekt werden?
Mit der richtigen Vision und Durchsetzungskraft könnte das Ihme-Zentrum so einiges sein. Dieser Gebäudekomplex bietet Raum für viele Ideen und Möglichkeiten. Aber auch hier wieder: Alles eine Frage der Motivation aller Beteiligten. Ich würde mir wünschen, den Gebäudekomplex in seiner ursprünglichen Idee als „Stadt in der Stadt“ neu zu denken: Gemeinschaft, autarke Energieversorgung, Urban-Gardening-Projekte, Einbinden von kulturellen Angeboten und Freiräumen etc. Um solche Vision durchzusetzen, braucht es anders denkende Visionäre, die nicht den Blick auf Investment und Immobilie haben, sondern eher ein gesamtheitliches Bild aufzeigen. Da braucht es auch Künstler.

Das Projekt wurde damals auch in einem Buch festgehalten. Ich schrieb einige der Texte. Es war meine erste journalistische Begegnung mit dem Zentrum.

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