November 2014 – Die Umwelt

von Experiment Ihme-Zentrum

Küchengarten

Morgens werde ich von dem Geschnatter der Enten unter meinem Fenster wach. Ich lebe im fünften oder sechsten Stock, so genau lässt sich das nicht sagen, bei all den Zwischengeschossen des Monsters Ihme-Zentrum. Bis zu mir dringt das wilde Gequake der Tiere, das sich im Laufe des Tages mit dem Kreischen der Möwen und dem Gurren der Tauben mischt. Manchmal taucht eine Ratte aus dem Wasser auf. Es gibt sogar Gerüchte, dass ein Waschbär hier in der Nähe leben soll. Eine Nachbarin erzählte mir, dass sie ihn neulich beim Räubern an der Mülltonne gesehen hätte. Kann stimmen.

Als das Ihme-Zentrum hier in den 1960er-Jahren gebaut wurde, war die Natur hier nur ein kläglicher Rest ihrer einstigen Pracht. Die Ihme und die Leine ein paar Meter weiter wurden mit Abwasser aus der umliegenden Industrie vollgepumpt. Fische aus den Flüssen waren quasi Sondermüll und nichts, was man essen konnte. An Baden war gar nicht zu denken. Als der Park direkt gegenüber meiner Wohnung wegen einem Hochwasserprojekt umgegraben werden musste, ging das meiste Geld für die fachgerechte Entsorgung des kontaminierten Erdreichs drauf.

Jetzt wird ein paar Meter weiter wieder gebadet. Ruderer erfrischen sich ohne Nachzudenken mit einer Handvoll Wasser aus der Ihme, ja sogar die Fische sollen wieder genießbar sein. Im Sommer füllt sich der Grünstreifen am Wasser zwischen Linden und dem Norden mit Tausenden Sonnenhungrigen. Nur der Betonklotz ragt immer noch gräulich in den Himmel. Dabei ließen sich hier die schönsten Projekte im Bereich Erneuerbare Energien, Urban Gardening und Farming, Vertikale Gärten und Umwelt-Stadtentwicklung realisieren. Aber dazu später mehr – denn es gibt in dieser Stadt Ideen, die aus dem Zentrum ein ökologisches und nachhaltiges Paradies machen könnten…

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